mini|VGF-Straßenbahnwagen R 036 an der Haltestelle Rebstockbad mini|Treffen aller 2016 fahrfähigen Straßenbahn-Typen in Frankfurt (hier ohne K-Wagen) in der Straßenbahn-Station „Stadion“ mini|Neu und alt: T- (links) und Pt-Wagen (rechts) sowie U5-Triebwagen (Mitte) vor der Stadtbahnzentralwerkstatt in Rödelheim

Die Fahrzeuge der städtischen Straßenbahn Frankfurt am Main verkehren seit 1899 auf einem wechselnden Liniennetz. Bis heute existierten 20 Triebwagen- und 13 Beiwagen-Baureihen, die sich größtenteils noch in mehrere Unterbaureihen aufgliedern.

Allgemeines Frankfurt am Main besitzt seit 1872 ein Straßenbahnnetz, das zwischen 1899 und 1904 vollständig elektrifiziert wurde.

Dieser Artikel beschreibt die Fahrzeuge, die auf diesem Schienennetz verkehren. Eine Aufstellung weiterer Informationen zur Frankfurter Straßenbahn und ihrer Geschichte befindet sich hier.

Baureihenbezeichnungen Seit Beginn des elektrischen Betriebes werden die Triebfahrzeuge in chronologischer Reihenfolge mit Großbuchstaben bezeichnet (A bis T), die zugehörigen Beiwagen dagegen mit Kleinbuchstaben (a bis m). Eine Ausnahme bildeten die auf den Strecken der Frankfurter Lokalbahn eingesetzten Fahrzeuge, die die Bezeichnung V und v (für Vorortbahnen) erhielten. Die Buchstaben J und Q wurden wegen der Verwechslungsgefahr mit I und O ausgelassen.

Die betrieblich verbundene Straßenbahn Offenbach verwendete ab den 1930er Jahren für ihre Fahrzeuge die an das Frankfurter Schema angepasste Baureihenbezeichnungen R (Bj. 1906–1909), S (1926) und U (1949/54) für Triebwagen und r (1907), s (1911) und u (1947/53) für Beiwagen.

Bei Fahrzeugen mit mehr als zwei Achsen war es zeitweise üblich, neben der Baureihenbezeichnung auch die Achsanzahl anzugeben (L4, M6, N8, U6), dies wurde inzwischen jedoch aufgegeben, da dies zu einem Konflikt mit dem Bezeichnungssystem der Frankfurter U-Bahn führte. U-Bahn-Fahrzeuge werden im Gegensatz zu den Straßenbahnwagen mit einem U und einer fortlaufenden Ziffer bezeichnet (U1 bis U5, siehe Artikel U-Bahn Frankfurt). Als bei den T-Wagen die Notwendigkeit entstand, Varianten verschiedener Länge zu unterscheiden, griff die VGF auf die ungefähre Länge in Metern zurück (T30, T40).

Umbauten und Unterbaureihen werden durch Kleinbuchstaben dargestellt (Mt, U2h, Ptb), andere Motorentypen wurden durch den vor- oder nachgestellten Baureihenbuchstaben der Baureihe gekennzeichnet, deren Motorentyp verwendet wurde: AC, CF (kursiv: ursprünglicher Wagentyp). Motorenumbauten sind seit dem Ausscheiden der zweiachsigen Triebwagen bisher nicht mehr vorgekommen.

Überblick Bis in die 1950er Jahre wurden, abgesehen von einem 1923 bis 1954 betriebenen Niederflur-Beiwagen, ausschließlich zweiachsige Trieb- und Beiwagen der Baureihen A bis K beschafft. Die ab 1955 eingeführten vierachsigen Duewag-Großraumwagen erhielten in Frankfurt die Baureihenbezeichnung L. In den 1960er Jahren kamen die Duewag-Gelenkwagen der Baureihen M und N als Einrichtungsfahrzeuge und der Baureihe O als Zweirichtungsfahrzeuge hinzu.

Die 1972 bis 1978 beschafften P-Triebwagen kamen sowohl bei der Straßenbahn als auch bei der U-Bahn Frankfurt zum Einsatz. Der ab 1993 gelieferte R-Wagen war das weltweit erste über die gesamte Fahrzeuglänge in Niederflurbauweise gefertigte Straßenbahnfahrzeug und zugleich die letzte speziell für Frankfurt entwickelte Baureihe. Aufgrund der schlechten Erfahrungen wurde diese Entwicklung nicht weiterverfolgt. Die 2003 bis 2013 beschafften Fahrzeuge der Baureihe S gingen aus einer Ausschreibung hervor, bei der sich der Typ Bombardier Flexity Classic durchsetzte. Der jüngste Fahrzeugtyp ist die 2017 ausgeschriebene Baureihe T. Die ersten Fahrzeuge des Typs Citadis Frankfurt wurden im März 2022 ausgeliefert.

Nummerierung Triebwagen trugen ursprünglich Nummern zwischen 1 und 399, Beiwagen Nummern zwischen 400 und 999, nach dem Ersten Weltkrieg zwischen 600 und 999. Gegen Ende der 1930er Jahre wurde das System erneut erweitert: Neu beschaffte Beiwagen erhielten Nummern ab 1000, so dass ab den 1960er Jahren für Triebwagen alle Nummern zwischen 1 und 999 verwendet werden konnten. Dienstfahrzeuge mit und ohne Antrieb tragen seit den 1920er Jahren Nummern im Bereich 2000 bis 2999.

Zweit- und Drittbelegungen von Nummerngruppen kamen in der Geschichte der Frankfurter Straßenbahn häufig vor: So trugen ab 1899 ein A-Triebwagen, ab 1928 ein G-Triebwagen, ab 1974 bis 1992 der zum Fahrschulwagen umgebaute K-Triebwagen 125 und schließlich seit 1993 ein R-Triebwagen die Nummer 1 bzw. 001.

In den letzten Jahren wurden betriebsfähige Museumsfahrzeuge in die ursprünglich für die Baureihe K vorgesehene Gruppe 1xx eingeordnet, um die ursprünglichen Nummerngruppen für Neuanschaffungen verwenden zu können. L-Wagen 224 wurde so zu 124, M-Wagen 602 zu 102, N-Wagen 812 zu 112, die O-Wagen 902 und 908 zu 111 und 110 und die Pt-Wagen 690 und 748 zu 190 und 148 (siehe Artikel über das Verkehrsmuseum in Schwanheim).

Allgemeine Umbauten Die Baureihen A bis E waren anfangs nur mit einer einzigen Laterne ausgerüstet, die bei Änderungen der Fahrtrichtung vom Personal umgesteckt werden musste. Die Baureihen V, C, D und E erhielten nach dem Zweiten Weltkrieg fest eingebaute Scheinwerfer an beiden Wagenenden. Alle späteren Baureihen verfügten über diese bereits bei der Ablieferung. Die Baureihen A bis D wurden durch Siemens mit Lyra-Stromabnehmern geliefert, die in den 1920er und 1930er Jahren durch sogenannte Holzlatten-Schleifbügel ausgetauscht wurden. Diese glichen im Funktionsprinzip den Lyra-Stromabnehmern, waren aber robuster konstruiert. Die Baureihen F und G wurden ab Werk mit solchen Schleifbügeln ausgestattet. Die Holzlatten-Schleifbügel ihrerseits mussten im Zweiten Weltkrieg durch Scherenstromabnehmer ersetzt werden. Der Grund waren die zahlreichen von den Schleifbügeln produzierten Funken, die bei Verdunklung weit sichtbar waren. Dies betraf die Baureihen A bis G und V; die Baureihen H und J wurden bereits mit Scherenstromabnehmern geliefert. Verschärfte Sicherheitsvorschriften machten ab dem 1. Januar 1960 Magnetschienenbremsen bei allen Straßenbahnfahrzeugen im Passagierverkehr notwendig. Die Baureihen A, B, C und E wurden im Gegensatz zu den Baureihen V, D, F, G und J nicht nachgerüstet und schieden aus dem Passagierverkehr aus. Die Baureihen H, K sowie alle späteren Baureihen wurden bereits mit Magnetschienenbremsen geliefert. Ab Mitte der 1960er Jahre wurde aus Kostengründen mit der Abschaffung der Schaffner im Straßenbahnbetrieb begonnen. Bei den zweiachsigen Fahrzeugen beschränkte sich dies auf die Triebwagen, die fortan nur noch von Fahrgästen mit Zeitkarten oder von Umsteigern benutzt werden konnten, die Beiwagen blieben weiter mit Schaffnern besetzt. Bei den Großraumwagen entfielen die Schaffner vollständig (ausgenommen Wagen 201), der Fahrkartenverkauf wurde fortan vom Fahrer übernommen. Mit der flächendeckenden Einführung von Fahrkartenautomaten nach der Gründung des Frankfurter Verkehrsverbunds (FVV) 1974 wurden die Kassen schließlich wieder ausgebaut.

Fahrzeugdaten Baureihe Indienst-stellungAngegeben sind das Jahr, in dem das erste Fahrzeug der Baureihe in Betrieb genommen wurde, und das Jahr, in dem das letzte Fahrzeug der Baureihe aus dem regulären Linienbetrieb ausgeschieden ist. Ausmus-terung AnzahlAngegeben ist die Anzahl der Fahrzeuge, die ursprünglich der Baureihe angehörten. Durch Umbauten hat sie sich nachträglich oft verändert. Länge[mm]Angegeben ist die feste Länge über Blech (ohne Kupplungen). Breite[mm] Leergewicht[t] Motorleistung[PS] Sitzplätze StehplätzeDie Dichte der Stehplätze ist in verschiedenen Quellen unterschiedlich angegeben und änderte sich im Laufe der Zeit. Zur besseren Vergleichbarkeit sind die Angaben aus den Datenblättern auf heute übliche 0,25 m²/Person umgerechnet. Achsfolge Zweiachser-Triebwagen A 1899 1958 181 8100 2060 9,0 A: 2 × 17AC: 2 × 61AE: 2 × 51 18 18 Bo B 1901 1958 166 8100 2060 9,0 2 × 35 18 18 Bo V 1910 1964 7+18 9840 2100 16,3 V: 2 × 85VH: 2 × 102 24 34 Bo C 1913 1959 30 8300 2060 12,4 2 × 60 18 18 Bo D 1914 1968 18 9100 2060 13,9 2 × 60 18 18 Bo E 1924 1956 35 8100 2060 9,0 2 × 51 18 18 Bo F 1925 1972 50 10460 2060 13,9 F: 2 × 51,5CF: 2 × 60 22 50 Bo G 1928 1968 30 10460 2060 13,8 2 × 62,5 22 50 Bo H 1939 1972 25 10460 2060 14,1 H: 2 × 102HK: 2 × 81,6 22 50 Bo J 1944 1977 45 10400 2100 11,5 J: 2 × 81,6JC: 2 × 60 12 42 Bo K 1949 1978Als Ebbelwei-Expreß weiter im Linienverkehr eingesetzt 65 10500 2163 13,0 2 × 81,6 22 34 Bo Zweiachser-Beiwagen cu 1904 1960 31 8050 2060 6,1 18 27 2 du 1904 1960 59 8050 2060 6,1 18 27 2 v 1910 1968 13+22 9840 2100 10,6 24 39 2 c 1911 1963 250 8300 2060 7,2 18 25 2 d 1914 1966 60 9100 2060 7,7 18 38 2 f 1925 1972 50 10460 2060 9,6 22 56 2 g 1928 1968 109 10460 2060 9,8 22 56 2 h 1938 1976 10 10460 2060 8,8 22 56 2 i 1945 1977 20 10400 2100 7,4 12/16 47/43 2 e (1400) 1947 1972 1 8790 2010 8,0 18 30Angabe ungeprüft 2 gk 1949 1977 12 10500 2100 9,0 22 40 2 e 1950 1977 50 8790 2010 8,0 16 32 2 k 1953 1978 60 10500 2100 7,6 22 38 2 Drehgestell-Triebwagen L 1954 1996 42 14100 2200 15,5 2 × 136 33 52 B'B' M 1959 1998 45 19095 2350 20,4 2 × 150 43 76 B'2'B' N 1963 2004 30 25645 2350 22,0 2 × 150 64 103 B'2'2'B' O 1969 2005 8 26100 2350 26,0 2 × 150 62 102 B'2'2'B' P 1972 2016Pt-Wagen bis 2007 ausgemustert, Umbauversion Ptb-Wagen als Stadtbahn-Fahrzeuge noch bis 9. Oktober 2016 (Linie U5) im Einsatz. Wegen Fahrzeugmangels sind fünf Pt-Wagen bis zur Inbetriebnahme der Baureihe T wieder im Straßenbahneinsatz. 100 27430 2350 29,0 2 × 163 62 108 B'2'2'B' Drehgestell-Beiwagen v (1300) 1923 1954 1 13100 2100 12,5 48 36 2'2' l 1955 1998 42 14024 2200 9,5 25/31/36 57/51/45 2'2' m 1959 1998 26 13560 2350 10,0 37 56 2'2' Stadtbahnfahrzeuge U1 1966 1976 2 21800 2650 29,5 2 × 204 64 97 B'2'B' U2 19682016 103 23000 2650 30,5 2 × 204 64 97 B'2'B' U3 19792018 27 24490 2650 36,0 2 × 237 64 109 B'2'B' U4 1994 in Betrieb 39 24490 2650 37,4 4 × 177 63 111 Bo'2'Bo' U5-25 2008 in Betrieb 94 25020 2650 37,7 4 × 177 48 136 Bo'2'Bo' U5-50 2012 in Betrieb 130 24764 2650 36,2 4 × 177 47 142 Bo'2'Bo'+Bo'2'Bo'Achsfolge einer Doppeleinheit, im Zugverband nur in Doppeltraktion einsetzbar Niederflurfahrzeuge R 1993 in Betrieb 40 27600 2350 36,88 8 × 67 59 111 Bo+2+Bo S 2003 in Betrieb 74 30000 2400 40,0 4 × 140,8 64 115 Bo'2'2'Bo'T 2022 in BetriebErneuter Einsatz ab dem 17. August 2026, erneute Auslieferung nach und nach, siehe Text. 24 31500 2400 41 4 × 150 56 + 10 Klappsitze 135 Bo'2'2'Bo' 34 38000 2400 6 × 150 Bo'2'2'Bo'Bo'

Anmerkungen:

Farblegende: Kein Fahrzeug erhalten Fahrzeug nicht betriebsfähig erhalten Fahrzeug betriebsfähig erhalten Fahrzeug noch im Linieneinsatz

A und B, E mini|Straßenbahnwagen des Typs A am Bockenheimer Depot mini|B-Triebwagen 345 im Verkehrsmuseum Frankfurt am Main

Insgesamt 181 Triebwagen des Typs A wurden zwischen 1899 und 1900 durch Siemens im elektrischen Teil sowie Falkenried, Gastell, Herbrand, MAN und Werdau im mechanischen Teil geliefert und bildeten die Grundlage des aufkommenden elektrischen Betriebes. Die Wagen entsprachen dem sogenannten „Siemens-Typ“ und verfügten über Lyra-Stromabnehmer sowie offene Einstiegsplattformen. Die Wagen verfügten über zwei Motoren von je 17 PS und konnten bei einem Leergewicht von 9 Tonnen insgesamt 36 Personen befördern, die Hälfte davon auf Sitzplätzen.

In den Jahren 1901 bis 1909 folgte eine zweite Serie weitgehend baugleicher Wagen, die jedoch mit stärkeren 35-PS-Motoren ausgerüstet waren und dementsprechend als Baureihe B bezeichnet wurden.

Die A-Wagen trugen die chronologisch vergebenen Nummern von 1 bis 181, die B-Wagen die Nummern von 182 bis 347. Mit insgesamt 347 Exemplaren stellen sie bis heute die größte einheitliche Triebwagenserie in der Geschichte der Frankfurter Straßenbahn dar.

Umbauten: