mini|hochkant|Peter Thiel (2022) Peter Andreas Thiel (* 11. Oktober 1967 in Frankfurt am Main) ist ein deutsch-US-amerikanischer Investor, paläolibertärer Tech-Unternehmer und Milliardär.
Gemeinsam mit Max Levchin gründete er den Online-Bezahldienst PayPal und war zeitweise Geschäftsführer des Unternehmens. Thiel war der erste externe Kapitalgeber des damals unter dem Namen Facebook gegründeten Social-Media-Unternehmens Meta Platforms und an der Gründung diverser weiterer Unternehmen beteiligt, darunter Mithril Capital Management, Valar Ventures – wo er auch Vorstandsvorsitzender ist – wie auch Palantir Technologies. Thiel fungiert als Partner des Risikokapital-Unternehmens Founders Fund in San Francisco und als Präsident des Hedgefonds Clarium Capital.
Thiel unterstützt Politiker wie Donald Trump und JD Vance finanziell. Er äußerte 2009, er lehne Demokratie als Herrschaftsform ab. Er befürwortet wirtschaftliche Monopole, die er als „Fortschrittsmotoren“ sieht; freien Wettbewerb hält er für ineffizient.
In den 2020er Jahren begründete er sein Denken und Handeln zunehmend christlich-fundamentalistisch.
Leben Thiel wurde am 11. Oktober 1967 in Frankfurt am Main als Sohn von Klaus und Susanne Thiel geboren. Sein Vater war Chemiker. Als Peter Thiel ein Jahr alt war, wanderten seine Eltern in die Vereinigten Staaten aus und ließen sich zunächst in Cleveland, Ohio, nieder. Wegen wechselnder Arbeitsorte des Vaters zog die Familie immer wieder um. Thiel wurde in Johannesburg in Südafrika eingeschult und besuchte dann eine deutsche Schule in Swakopmund im damals südafrikanisch besetzten Südwestafrika, wo sein Vater als Bergbaubeamter in einem Uranbergwerk arbeitete. Mit Verweis auf: 1977 ließ die Familie sich im kalifornischen Foster City nieder. In seiner Jugend galt Thiel als besonders stark in Mathematik und Schach; mit zwölf Jahren rangierte er in den Vereinigten Staaten in der U13-Wertung der Schachspieler auf Platz sieben.
Ein Philosophie-Studium an der Stanford University schloss Thiel 1989 mit einem Bachelor of Arts ab. 1992 erlangte er an der Stanford Law School den Juris Doctor. Anschließend arbeitete Thiel in New York – zunächst für einen Bundesrichter und dann in der Anwaltskanzlei Sullivan & Cromwell LLP. Bereits nach weniger als einem Jahr wechselte er als Derivate-Händler zur Credit Suisse. 1996 kehrte er nach Kalifornien zurück und gründete dort seinen eigenen Anlagefonds Thiel Capital Management.
Investor 1998 lernte Thiel den Informatiker Max Levchin kennen. Im Dezember 1998 gründete er zusammen mit Levchin und Luke Nosek in Palo Alto, Kalifornien, das Unternehmen Confinity. Im März 2000 wurde von Confinity zusammen mit Elon Musks Firma X.com das Start-up-Unternehmen PayPal gegründet. Thiel investierte 280.000 US-Dollar und wurde Chief Executive Officer (CEO) des Unternehmens. 2002 brachte Thiel PayPal an die Börse. Mit dem Erlös von 55 Millionen US-Dollar aus der Übernahme von PayPal durch eBay im selben Jahr gründete Thiel Clarium Capital Management, einen Global-Macro-Hedgefonds, der Anfang 2007 ungefähr 2,1 Milliarden US-Dollar verwaltete. 2003 war Thiel Mitbegründer von Palantir Technologies, das von der CIA durch deren Risikokapitalgesellschaft In-Q-Tel mit aufgebaut wurde. Das Unternehmen entwickelt Datenanalyse-Software, die von der US-amerikanischen Regierung unter anderem für Geheimdiensttätigkeiten und die Terrorbekämpfung eingesetzt wird. Gleichzeitig ist er Vorsitzender und seit Ende 2014 größter Anteilseigner dieser Firma. Mehrere von Thiel gegründete oder mitgegründete Unternehmen und Investmentvehikel, darunter Palantir, Valar Ventures, Mithril Capital, Lembas LLC, Rivendell LLC und Arda Capital, tragen Namen aus dem Werk J. R. R. Tolkiens. Im Juni 2004 stieg Thiel als erster Investor mit einem Darlehen von 500.000 US-Dollar bei Facebook ein. Später wandelte er es in 7-Prozent-Anteile an Facebook um. Beim Facebook-Börsengang im Mai 2012 verkaufte Thiel 16,8 Millionen Facebook-Anteile im Wert von 640 Millionen US-Dollar. Nach dem Ende der Haltefrist für Investoren am 16. August verkaufte er weitere 20 Millionen Aktien für rund 400 Millionen US-Dollar.„Facebooks erster Investor Peter Thiel verabschiedet sich“, Depotagent, 21. August 2012
mini|Thiel Foundation Im Jahr 2005 gründete er die Thiel Foundation, die im Jahr 2023 ein Stiftungsvermögen von 44 Millionen US-Dollar verwaltete. Die Stiftung spendete unter anderem für Seasteading, Lebensverlängerung und KI-Sicherheit.
Seit Anfang des Jahres 2015 investiert Thiel in den wachsenden Cannabismarkt der USA.Internet-Milliardär Peter Thiel investiert in Marihuana. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Januar 2015, abgerufen am 15. Februar 2016. Seit März 2020 beteiligt er sich am jungen Biotech-Unternehmen AbCellera. Im März 2024 schied er aus persönlichen Gründen aus dem Aufsichtsrat von AbCellera aus. Zu seinen weiteren Investitionen gehören FinTech-Unternehmen wie Deposit Solutions und nextmarkets, das börsennotierte Medizintechnik-Unternehmen MagForce sowie die Biotech-Firma Compass Pathways.Gemeinsame Investments mit Thiel – Business Insider Außerdem investierte Thiel ab 2021 in die Website Rumble, eine kanadische Videoplattform, der Desinformation vorgeworfen wird und die in Verbindung zu Truth Social von Donald Trump steht.Andrew Colin: Trump and Trumpism: The Destructive Politics of American Fascism. Lexington, Lanham 2023, ISBN 978-1-66695-037-3, S. 105.Keach Hagey: Peter Thiel, J.D. Vance Invest in Rumble Video Platform Popular on Political Right. In: wsj.com, 19. Mai 2021, abgerufen am 29. Dezember 2025. Neben seiner Tätigkeit als Finanzmanager engagierte sich Thiel vielfältig. So finanzierte er als sogenannter Executive Producer die satirische Filmkomödie Thank You for Smoking. Zudem fördert Thiel gezielt junge Gründer im Technologiebereich. Im Jahr 2011 vergab er Stipendien an zwanzig Studenten in den USA im Wert von jeweils 100.000 US-Dollar.Yvonne Ortmann: Peter Thiel: Medienscheuer Star-Investor im Porträt. t3n, 24, 13. Dezember 2011. Abgerufen am 3. April 2012. 2012 lehrte Thiel an der Stanford University einen Kurs zu Computergeschichte und Gründungsfragen. Bei der Republican National Convention 2016 war Thiel Delegierter für Donald Trump, für dessen Wahlkampf er 1,25 Millionen US-Dollar gespendet haben soll.Thiel spendet für Trump. In: FAZ, 18. Oktober 2016, S. 23 (Ausgabe D1).
Vermögen Im Februar 2022 schätzte Forbes sein Privatvermögen auf 2,6 Milliarden US-Dollar. Bloomberg schätzte sein Privatvermögen im Mai 2022 auf 7,8 Milliarden US-Dollar. Laut Forbes belief sich sein Privatvermögen im September 2026 auf 37,2 Milliarden US-Dollar; er gehört damit zu den reichsten 60 Menschen weltweit.
In Neuseeland besitzt er unter anderem ein 193 Hektar großes Grundstück am Lake Wānaka. 2026 kaufte Thiel ein Grundstück in Uruguay in der Nähe von Punta del Este. Bis dahin wurden in Argentinien und Uruguay nur private Immobilienkäufe als konkrete Investitionen Thiels bekannt.
mini|hochkant|Peter Thiel (2014)
Politische Positionen Thiel wird zur politischen RechtenTech-Milliadär Peter Thiel erhält Axel-Springer-Award 2026. In: Der Standard, 17. Juli 2026, abgerufen am 17. Juli 2026. gezählt und unter anderem als „Ayn-Rand-Libertärer“, „plutokratisch-reaktionär“, „militaristisch-technolibertär“ oder „libertär-autoritaristisch“ eingeordnet. Starke Rezeption fand seine Haltung zur Demokratie, wobei er als demokratie-skeptisch, postdemokratisch und als antidemokratisch verortet wird. Er ist offener Unterstützer von Donald Trump und J. D. Vance.
Laut dem französischen Ökonomen Yann Algan prägten unter anderem Thiel und Elon Musk die Vorstellung einer libertären KI-Herrschaft, die vor allem von US-amerikanischen Tech-Giganten vertreten wird. Darin ist Künstliche Intelligenz das Werkzeug für eine radikal dezentralisierte, von Algorithmen gesteuerte Demokratie. KI und dezentralisierte autonome Organisationen (DAO) könnten traditionelle Herrschaftsstrukturen ersetzen und die Rolle staatlicher Institutionen mindern. Dieses Modell, das Effizienz und individuelle Freiheit über demokratische Schutzmechanismen stellt, werfe die Fragen auf, wer Fairness und Verantwortlichkeit sicherstelle, wo die demokratische Kontrolle sei und ob dieses Drängen nach einer „Liquid Democracy“ schließlich die Hoheit der Demokratie schwäche.Yann Algan, Gillett Babinet: AI Must Be Governed Democratically to Preserve Our Future (englisch), HEC Paris, 14. Februar 2025, abgerufen am 24. Oktober 2025.
Thiel bekennt sich zum Paläolibertarismus – einer politischen Philosophie, die persönliche Freiheit über staatlichen Einfluss stellt. Den freien Markt lehnt er ab, da freier Wettbewerb Profite senke. Wettbewerb sei „eine Ideologie, […] die unsere Gesellschaft pervertiert und unser Denken zerstört“. Freiheit und Demokratie hält Thiel für unvereinbar. Wettbewerb sei etwas für Verlierer, weshalb er Firmengründern rät, durch innovative Technologien Monopole aufzubauen, die er entgegen der klassischen Sichtweise als Fortschrittsmotoren propagiert. Dabei unterscheidet er zwischen „kreativen Monopolen“ und „illegalen Tyrannen oder Lieblingen der Regierung“, die keine Monopolrenten verdient hätten. Seine Thesen wirkten als intellektuelle Rückendeckung für Technologiekonzerne, die eine marktbeherrschende Stellung anstrebten, indem sie Konkurrenten kaufen oder vernichten. Dies gelte insbesondere für die Gedankenwelt des Silicon Valley, die Thiel mit seinen Ideen entscheidend geprägt hat. Hierzu zählt auch die von ihm gelobte Praxis, Behörden gegenüber zu lügen, um sich deren Einfluss zu entziehen, da aus seiner Sicht „Firmen über Staaten“ stünden. Laut Thiel „lügen Monopolisten, um sich zu schützen. Ihnen sei bewusst, dass das Angeben mit ihrem Monopol sie zu Überprüfungen, Kontrollen und Angriffen zwingt. Da sie unbedingt wollten, dass ihre Monopolgewinne ungestört weiterfließen, täten sie alles, um ihr Monopol zu verbergen – in der Regel, indem sie die Macht – nicht vorhandener – Konkurrenz übertrieben.“Alexander Fanta: Peter Thiel – Ein Idol fürs Monopol. Netzpolitik.org vom 3. Oktober 2021, abgerufen am 23. Oktober 2025. Peter Thiel: Competition Is for Losers. The Wall Street Journal vom 12. September 2014. Peter Thiel: How to Start a Startup: Competition is for Losers. Vortrag an der Stanford University im Autumn Quarter 2014/2015.
Unternehmen würden besser geführt als Regierungen, weil an ihrer Spitze ein alleiniger Entscheider mit quasi diktatorischer Vollmacht stehe, der keiner demokratischen Legitimation bedürfe. Aus ähnlichen Gründen sieht er das Frauenwahlrecht kritisch, obwohl man es seiner Einschätzung nach nicht abschaffen sollte: Beteiligung von Frauen sei – wie Wahlen und demokratische Partizipation überhaupt – kein erfolgversprechender Weg zur Steuerung einer freien Gesellschaft.
Thiel werden Kontakte zur neoreaktionären Bewegung (NRx) und deren geistigem Vordenker Curtis Yarvin nachgesagt. So investierte Thiel in dessen dezentralisierte Server-Computerplattform Urbit. Yarvin hatte sich auf seinem privaten Blog für die Abschaffung der Demokratie und ihre Ersetzung durch als private Aktiengesellschaften geführte absolutistische und quasi-monarchistische Regime ausgesprochen. Yarvins politische Agenda hält er für nicht praktikabel, da sie letztlich für Wissenschaft und Technik nicht „akzelerationistisch“ sei, ganz zu schweigen von den Auswirkungen auf die individuellen Rechte und bürgerlichen Freiheiten. Es werde aussehen wie China unter Xi Jinping oder Wladimir Putins Russland. Menschen sollten weniger Zeit darauf verwenden, „das System verändern zu wollen“. Stattdessen sollten sie „Dinge außerhalb davon schaffen“.