Merry Christmas (französischer Titel Joyeux Noël, zu deutsch: Frohe Weihnachten) ist ein Antikriegsfilm über Verbrüderungen im Ersten Weltkrieg zu Weihnachten 1914.

Handlung Dezember 1914 in Frankreich. In eisiger Kälte liegen sich auf engstem Raum französische, schottische und deutsche Kampfverbände gegenüber. Am Weihnachtsabend ertönt in beiden Lagern Weihnachtsmusik (Stille Nacht, heilige Nacht). Ein Berliner Operntenor, der in der Armee des deutschen Kronprinzen (V. Armee) dient, beschließt, für seine Kameraden zu singen. Zur Verwunderung der gegnerischen Einheiten besteigt er hierzu den Rand des Schützengrabens und schreitet singend ins Niemandsland. Daraufhin kommt es zu Beifallsbekundungen aller Parteien und Verbrüderungsszenen. Die drei Kommandeure beider Seiten beschließen, für eine kurze Zeit die Kampfhandlungen einzustellen, um das Weihnachtsfest zu feiern. Im Anschluss werden alle drei beteiligten Bataillone von ihren Vorgesetzten für ihr eigenmächtiges Handeln bestraft.

Hintergrund Der Film beruht auf tatsächlichen Vorfällen im Ersten Weltkrieg, welche unter dem Namen Weihnachtsfrieden oder Weihnachtsverbrüderung bekannt wurden. Wirklich hatte der Kammersänger Walter Kirchhoff, der als Ordonnanzoffizier zum Stab des Oberkommandos der V. Armee kommandiert war, im vordersten Graben des Regiments 130 seine Weihnachtslieder gesungen:

Als die Heeresleitungen aus abgefangenen Briefen von den „Verbrüderungen mit dem Feind“ erfuhren, wurden die Soldaten an andere Fronten versetzt und Maßnahmen ergriffen, um weitere freundschaftliche Annäherungen zu verhindern. Anders jedoch als im Film dargestellt stand Kronprinz Wilhelm den Vorfällen billigend gegenüber.

Der Regisseur Christian Carion war so fasziniert von der Lektüre des Buches Batailles de Flandres et d’Artois 1914–1918 von Yves Buffetaut, dass er dem Buch folgend diesen Film drehte.

Auch Der kleine Frieden im großen Krieg, ein Buch von Michael Jürgs, behandelt diese Vorfälle, allerdings teilweise historisch ungenau (siehe Bunnenberg, 2006).

Kritiken

Auszeichnungen Der Film war 2006 als „bester fremdsprachiger Film“ sowohl für den Oscar als auch für den Golden Globe Award nominiert, erhielt jedoch keine der beiden Auszeichnungen. Neben weiteren Nominierungen wurde der Film mit dem Zuschauerpreis des Leeds International Film Festival (2005) geehrt.

Literatur Yves Buffetaut: Batailles de Flandres et d’Artois 1914–1918. Tallandier, Paris 1992, ISBN 2-235-02090-9. Christian Bunnenberg: Dezember 1914: Stille Nacht im Schützengraben – Die Erinnerung an die Weihnachtsfrieden in Flandern. In: Tobias Arand (Hrsg.): Die „Urkatastrophe“ als Erinnerung – Geschichtskultur des Ersten Weltkriegs. ZFL, Münster 2006, ISBN 3-934064-67-1, (= Geschichtskultur und Krieg I) S. 15–60. Christian Carion: Joyeux noël. Perrin, Paris 2005, ISBN 2-262-02400-6 (französische Ausgabe) Michael Jürgs: Der kleine Frieden im großen Krieg. Goldmann, München 2005, ISBN 3-442-15303-4. Michael Jürgs: Merry Christmas. Goldmann, München 2005, ISBN 3-442-46226-6 (Film-Tie-in)

Weblinks

Hinweis auf das Buch, nach dem sich der Regisseur richtete Essay zum Film: Großer Krieg und kleiner Frieden. Gedanken zu Merry Christmas (2005) von Josef Bordat

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2005 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Französischer Film Kategorie:Britischer Film Kategorie:Belgischer Film Kategorie:Rumänischer Film Kategorie:Norwegischer Film Kategorie:Erster Weltkrieg im Film Kategorie:Anti-Kriegsfilm Kategorie:Weihnachtsfilm Kategorie:Filmdrama