Als Gothic Metal () wird ein zu Beginn der 1990er aus dem Death Doom entstandenes Subgenre des Doom Metals bezeichnet. Als wegweisend gilt der Crossover von Death Doom und Elementen des Dark Wave, insbesondere der Neoklassik und des Gothic Rock.

Der Stil wurde insbesondere durch die Gruppe Paradise Lost geprägt. Ihr Album Gothic wird als musikalisches Ursprungswerk des Stils bezeichnet. Neben Paradise Lost wird den Gruppen Anathema, My Dying Bride und Tiamat eine besondere Bedeutung für die Verbreitung, Entwicklung und Rezeption als Genre zugesprochen. Infolge des Erfolgs der als Peaceville Three bekannten Gruppen Paradise Lost, Anathema und My Dying Bride, einhergehend mit jenem vom Tiamat erfuhr die Musik ähnlich agierender Künstler erhöhte Aufmerksamkeit und wurde zunehmend als zusammenhängendes Genre rezipiert.

Das Genre erfuhr mit dem kommerziellen Erfolg von unter anderem Theatre of Tragedy internationale Verbreitung und fand im Verlauf der 1990er Jahre einen kommerziellen und kreativen Höhepunkt. Hierbei wurde die unter dem Begriff zusammengefasste Musik vielfältiger sowie variierend weiterentwickelt und ausdifferenziert. Viele neue und teils aktive Interpreten wurden nachkommend populärer und Musikgruppen anderer Substilrichtungen des Metals sowie der Musik der Schwarzen Szene nahmen vermehrt Elemente des Genres auf. Im Zuge der erhöhten Aufmerksamkeit wurde der Begriff, neben der Nutzung für das Genre, zu einem Synonym für die kulturelle und musikalische Verbindung der Metal-Szene und der Schwarzen Szene, beziehungsweise der Musik der schwarzen Szene und des Metal. Auch Interpreten, die kaum musikalische Überschneidungen mit dem ursprünglichen Stil aufwiesen, darunter The Gathering, Christian Death oder Type O Negative, wurden unter der Bezeichnung geführt.

Geschichte Vordenker 1987 kombinierte die Schweizer Band Celtic Frost auf dem Album Into the Pandemonium Metal mit klassischen Elementen und Tom Warriors Leadvocals, die an den Gesang von Rozz Williams (Christian Death) erinnern. Die Band bediente sich zudem zweier Gastsängerinnen, darunter Manü Moan von der Schweizer Dark-Wave-Band The Vyllies. Danzig, das düstere Rock-Debüt des Ex-Misfits-Sängers Glenn Danzig, das Album Nosferatu der Gruppe Helstar, A Conflict of Hatred von WarfareThe Thrash Metal Guide, abgerufen am 19. Oktober 2012. sowie das Album Sex & Drugs & Jesus Christ von Christian Death wiesen bereits 1988 den Weg, den später Bands unter dem Sammelbegriff Gothic Metal beschreiten sollten. Etwa gleichzeitig und ähnlich einflussreich zeichnet sich die Arbeit der Gothic-Rock-Formation Fields of the Nephilim, die von Bands wie Moonspell oder Tiamat als Einfluss genannt wird.

Ursprung

Stilprägende Veröffentlichungen 1991: Paradise Lost: Gothic 1991: My Dying Bride: Symphonaire Infernus et Spera Empyrium 1991: Tiamat: The Astral Sleep 1992: Pyogenesis: Ignis Creatio 1993: Anathema: Serenades Im Besonderen zeichnete sich der englische Doom- und Death-Metal-Underground der frühen 1990er als Ursprung der Musikrichtung. Den Startschuss gaben Paradise Lost, die bereits 1991 damit begannen, auf dem für den Stil namensgebendem Album Gothic ihre schwere und fallweise als „Slow-Death“ bezeichnete Musik, die damals in Ermangelung eines allgemein gültigen Genrenamens noch Doom- bzw. Death Metal genannt wurde, nicht nur mit Keyboards zu untermalen, sondern auch mit klaren, weiblichen Gesangspassagen zu vereinen. Wesentliche Einflüsse bildeten dabei Gruppen wie The Sisters of Mercy und Dead Can Dance, aber auch Celtic Frost.

Noch im selben Jahr brachten Tiamat mit The Astral Sleep und My Dying Bride mit Symphonaire Infernus et Spera Empyrium weitere grundlegende Bestandteile in die Musik ein. So zeichnete sich die schwermütige Stimmung der Musik sowie die Dichte der Arrangements für spätere Bands als wegweisend. Hinzu flossen, besonders durch die von My Dying Bride genutzte Geige, für den Death- und Doom Metal untypische Instrumente in die Musik ein.

Bildung und Ausgestaltung des eigenen Genres mini|hochkant|Mitbegründer des Gothic Metals: My Dying Brides Sänger Aaron Stainthorpe Ab diesem Zeitpunkt experimentierten diverse Bands mit den neu entdeckten Möglichkeiten oder wechselten ganz in den neuen Musikstil über. Von 1993 an bis etwa 1997 erschien eine Fülle von Alben und neuen Bands. Besonders kamen diese aus dem skandinavischen Raum, aber es handelte sich auch um Künstler wie Anathema aus England oder die Formation Celestial Season aus den Niederlanden, die 1993 mit Forever Scarlet Passion die Brücke zwischen Paradise Lost und My Dying Bride schlug und die für ihre Single Flowerskin ganze Liedpassagen von Dead Can Dance sampelte. Unterdessen arbeiteten Tiamat 1994 das von Pink Floyd inspirierte Konzeptalbum Wildhoney aus.

Kommerzieller Niedergang und Nachklang Nach einer kurzen Phase der Popularität des Stils, welche die gegenseitige Beeinflussung von Schwarzer Szene und Metal begünstigte ebbte das Interesse am Gothic Metal ab und massenkompatiblere Hybride Metal-Stile nahmen den Platz des Genres ein und wurden häufig unter Verwendung der Bezeichnung als Gothic Metal im Sinn eines Sammelbegriffs vermarktet und besprochen. Der originäre Gothic Metal hielt sich indes beständig im Untergrund. Gruppen wie Paramaecium, Scheitan, Officium Triste, Substance for God oder Furbowl konnten schon früh nach der Hochphase des Genres kaum die Aufmerksamkeit früherer Interpreten erlangen. Mit Bands wie Fatum Elisum, Angellore, Asphodelus, Et Moriemur, The Fall of Every Season, Shattered Hope, Victims of Creation, Fallen, Decemberance, In Somnis, The Maledict oder Murkrat wurde das Genre trotz geringer Beachtung, in seinen unterschiedlichen Stilfacetten fortgeführt. Zum Teil kehrten die ursprünglichen Initiatoren und frühen Vertreter des Genres, wie Paradise Lost, My Dying Bride und Tiamat zum Gothic Metal zurück. Mitunter wurden neue Interpreten gleicher Spielweise mit neuen, übergeordneten oder angrenzenden Termini wie Gothic Doom, Death Doom, Doom Metal oder Melodic Death Doom versehen. Zugleich ließen sich stilistische Überschneidungen mit und Einflüsse auf weitere Subgenre des Metal, wie Depressive Black Metal und Funeral Doom, ausmachen.

Musikalische Einordnung Der zu Beginn der 1990er Jahre entstandene Stil vermengt den als Death Doom bekannten und im Tempo reduzierten Death Metal mit Stilelementen des Gothic Rock und der Neoklassik zu einem eigenständigen Genre. Als wesentliche Bestandteile aus dem Bereich des Metals werden hier ein temporeduziertes stark verzerrtes Gitarrenspiel und tiefes Growling gesehen. Die dem Dark Wave nahe stehenden Elemente variieren unterdessen zwischen dem „engelsgleichen Gesang einer Frau“, dem Einsatz einer Violine, eines Keyboards oder einem klagend-cleanen Gesangs. Als besonders Unterscheidungsmerkmal der Varianten des Genres wird häufig der Gesang herangezogen. So wird zwischen klagendem männlichen Sprechgesang, Gesangspaarungen, Klargesang und Growling unterschieden.

In der Tradition von My Dying Bride Die von My Dying Bride mit Turn Loose the Swans geprägte Variante kombiniert klagenden und leidenden Gesangs. Diese Variante behielt die Grundidee des Genres bei und wurden nachkommend häufig adaptiert. Gruppen wie Deinonychus und Dissolving of Prodigy folgten der Idee von My Dying Bride noch zeitnah. Weitere Interpreten griffen die Variante fortlaufend auf. In der Tradition von My Dying Bride standen so unter anderem Mirthless, God Eat God, Altars of Grief, Fatum Elisum, Cryptal Darkness oder Vanha.

In der Tradition von Pyogenesis Pyogenesis machten 1992 einen Wechsel zwischen rauem und klarem Männergesang zu ihrem Markenzeichen. Auch diese Variante blieb in der Musik eng an der Death-Doom-Struktur des Genres. Diese Stilvariante wurde bei Adaptionen jedoch nicht immer dem Gothic Metal zugerechnet. Unter anderem Gruppen wie Cemetery of Scream und Dawn of Dreams adaptierten die Idee noch in einer frühen Entwicklungsphase des Genres. Spätere Interpreten wie Counting Hours, Dark Sadness, Forever Falling, The Extinct Dreams, Enter the Soil, Immensity, Angellore, My Silent Wake oder Plateau Sigma pflegten den Stil weiterhin. Durch häufige Überschneidungen mit dem Melodic Death Doom, wird die Musik solcher Interpreten auch des Öfteren als Melodic Death Doom kategorisiert. Die Übergänge sind hier fluide und die Differenzierung wird insbesondere über kulturelle und ästhetische Szene-Zuordnungen sowie Werbeschlagwörter vorgenommen.

Atmospheric Doom

Dem Gothic Metal oft zugerechnet wird der Atmospheric Doom als Mikro-Subgenre das das Gitarrenspiel des Melodic Death Doom und Gothic Metal mit den ätherischen und sakralen Klanglandschaften der Neoklassik verknüpft. Als Wegweisend für diese Spielform erwiesen sich The 3rd and the Mortal, Elbereth und Estatic Fear.

Weitere konzeptionelle Öffnungen vollzogen einige der nachkommenden Interpreten und griffen auf weitere Ideen der Neoklassik und des Funeral Doom zurück. Gruppen wie Avrigus, Skumring, Omit, Trees of Eternity, Elbereth, Mourning Sun, Grey November, Cult of Herodias und die populären Lethian Dreams folgten in der Fortführung der Idee. Obwohl Frauengesang im Atmospheric Doom dominiert sind auch Gruppen mit Sängern wie The Howling Void, Penuria und Fallen Teil des Mikro-Genres. Trotz des langen Bestand erlangte das Genre indes kaum Popularität.

Die Musik ist geprägt von klaren oft ätherisch oder sakral anmutendem Gesang und ausladende ätherische, mittelalterlich oder folkloristisch anmutende Klangflächen. Diesen ätherischen Elementen gegenüberstehend wird ein dem Gothic Metal und Funeral Doom entlehntes Gitarrenspiel genutzt.

The Beauty and the Beast

Theatre of Tragedy hingegen vervollkommneten den bei Paradise Lost populär in Szene gesetzten Wechselgesang zwischen tiefen Männergrowls und weiblichem Soprangesang, indem sie ihn als Band dauerhaft präsentierten und Auftreten sowie Songwriting durchgehend darauf ausrichteten. Diese Spielform wurde mit dem Erfolg von Theatre of Tragedy zu einem wesentlichen häufig aufgegriffenen Stereotyp des Gothic Metals. Die Wechselgesangs-Paarung aus Growling und Soprangesang wurde als Beauty-and-the-Beast-Gesang bekannt und verbreitete sich auch jenseits des Genres. So wurde das Konzept über den Gothic Metal hinaus in weiteren Stilen prominent fortgeführt. Insbesondere im Symphonic Metal wurde diese Gesangspaarung öfters adaptiert.

Im Gothic Metal nahmen Interpreten wie Lorelei, Decoryah, Red Moon Architect, Aeonian Sorrow, Lycanthia, Anlipnes, Illusions Play, Lelantos, Symphonian, Funeral, Consummatum Est, Aut Mori, Tristania oder Draconian die Idee dauerhaft auf. Auch Interpreten die mehr zum Funeral oder Atmospheric Doom geneigt sind wie Eurynome, The Slow Death oder Collapse of Light spielten mit der programmatischen Gesangspaarung.

Gothic Doom Auf Interpreten wie Thorns of the Carrion, Monumentum, In Somnis und Nattvindens Gråt, die einen Stil mit neoklassischen bis mittelalterlichen oder ätherischen Arrangements oder Instrumenten verfolgten wird gelegentlich der, insbesondere für Throns of the Carrion geprägte, Terminus Gothic Doom angewandt. Als weitere Vertreter werden Gruppen wie Morgion, Ashes You Leave oder Desire angeführt. Dabei besteht keine klare Eingrenzung oder Abgrenzung des Begriffs. Mitunter ist der Terminus Gothic Doom als allgemeiner Begriff in Abgrenzung zu dem Gothic-Metal-Begriff, der umgangssprachlich zunehmend als Sammelbezeichnung genutzt wurde, gebräuchlich für das gesamte Spektrum des traditionellen Gothic Metal.

Als Sammelbegriff Neben dem Genrebegriff wird der Ausdruck Gothic Metal ebenso allgemein auf den musikalischen und soziokulturellen Crossover zwischen Metal und der Musik der schwarzen Szene angewandt, wodurch Interpreten eigenständiger Musikstile wie Symphonic Metal, Dark Rock, Dark Metal und Alternative Metal beizeiten als Gothic Metal betitelt werden.