mini|hochkant|Vollwappen der Niederlausitz
Die Niederlausitz (, , ) ist eine Region und ein ehemaliges Territorium im Süden des Landes Brandenburg, im nördlichen Sachsen und im Westen Polens. Ihr Zentrum ist die Stadt Cottbus.
Sie ist der nördliche Teil der Lausitz. In der Niederlausitz ist, wie auch in der südlich angrenzenden Oberlausitz, das westslawische Volk der Sorben beheimatet.
Wappen mini|Majestätssiegel König Wenzels IV. von Böhmen 1363. Unter dem Thron das Wappen der Niederlausitz. Ein Landeswappen der Niederlausitz ist erstmals 1363 im großen Majestätssiegel des Böhmischen Thronfolgers Wenzel IV. belegt. Eine Abbildung des Siegels bei Eine Umzeichnung gibt Wenig später führt das Wappen auch Herzog Bolko II. von Schweidnitz in seinem Siegel. Die Farben beschreibt anlässlich des Trauerzugs für Kaiser Karl IV. erstmals 1378 die Augsburger Chronik in Gestalt der Landesfahne als ain panier weizz mit ainem rotten ochsen. Die erste farbige Darstellung findet sich im Wappenbuch von Bergshammar aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Dort als Querlets (Herzogtum Görlitz) bezeichnet, dem der östliche Teil der Niederlausitz von 1377 bis 1396 angehörte. Weitere Fundstellen in Wappenbüchern, vgl. Das Wappen stellt einen mal stehenden, mal schreitenden roten Stier in Silber dar. Wie das Wappen der Oberlausitz entspricht das Wappen der Niederlausitz dem einer der landesherrlichen Städte, jedoch nicht dem Sitz der Niederlausitzer Landvogtei Lübben, sondern dem der Stadt Luckau.
Geschichte
Die Niederlausitz tritt erstmals im Bayerischen Geograph als Siedlungsgebiet der slawischen Lusitzi in das Licht schriftlicher Überlieferung. Im Verlauf des 10. Jahrhunderts werden diese unterworfen, tributpflichtig gemacht und in die Sächsische Ostmark und das Bistum Meißen einbezogen. Vom 11. bis zum 14. Jahrhundert war das als Mark Lausitz bezeichnete Gebiet immer wieder zwischen den benachbarten Fürstengeschlechtern der Wettiner, Askanier und Piasten umstritten. 1364 erwarben die Luxemburger die Niederlausitz und machten sie zu einem böhmischen Kronland.
Am hochmittelalterlichen Landesausbau hatte die slawische Bevölkerung einen ebenso hohen Anteil wie Einwanderer aus den westlichen Reichsgebieten. In großen Teilen des Landes herrschte bis weit in die Neuzeit die sorbische (wendische) Sprache vor. Auch in den Städten der Niederlausitz gab es einen bedeutenden slawischsprachigen Bevölkerungsanteil. Herausragende Wirtschaftsfaktoren waren schon im 12. Jahrhundert Fischfang bzw. Fischzucht, der seit der Eisenzeit betriebene Abbau von Raseneisenerz und der Weinbau um Guben. Die dominierende politische Kraft im Land waren die Standesherren. Mit Ausnahme des bis 1817 fortbestehenden Klosters Neuzelle wurde die Niederlausitz nach der Reformation protestantisch.
Infolge des Dreißigjährigen Krieges erwarben 1635 die Wettiner Ober- und Niederlausitz. Die Herrschaft Cottbus befand sich allerdings bereits seit 1445 im Besitz der brandenburgischen Hohenzollern, was zusammen mit dem Traditionsrezess die Entwicklung der absolutistischen Landesherrschaft erheblich behinderte. Zollstreitigkeiten hemmten auch die Entwicklung der Niederlausitzer Wirtschaft. Auf dem Wiener Kongress wurde die Niederlausitz 1815 Preußen zugesprochen und in dessen Verwaltungsstruktur integriert.
Bereits vor der Industrialisierung entwickelten sich besonders solche Gewerbe, die von den naturräumlichen Vorteilen der Niederlausitz profitierten, zum Beispiel ein auf den Export nach Berlin ausgerichteter Obst- und Gemüseanbau (Guben, Spreewald), sowie eine auf Holz-, später Braunkohle, als Energieträger aufbauende Glas- und Hüttenindustrie. Durch Autarkiepolitik und Kohleverstromung getrieben, entwickelte sich besonders seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts der Braunkohlenbergbau rasant. In den Städten der Niederlausitz dominierte die Textilindustrie. Staatliche Germanisierungspolitik und die gesellschaftlichen Umwälzungen der Industriegesellschaft führten seit dem 19. Jahrhundert zu einem sukzessiven Rückgang der niedersorbischen Sprachausübung, dem sich Vereine wie die Maśica Serbska und später die Domowina entgegenstellten.
Mit der Gründung des Bezirks Cottbus entstand 1952 erstmals seit 1815 wieder ein politisches Territorium, dass hauptsächlich aus dem historischen Kerngebiet der Niederlausitz bestand. Explizit als „Energiebezirk“ gebildet, war er durch Braunkohlenabbau und -verstromung geprägt. Daneben wurde die Textilindustrie (VEB Chemiefaserwerk Guben) entwickelt. Prägend war auch die starke Militarisierung der DDR-Gesellschaft mit ihren zahlreichen Militärstandorten.
Seit 1990 ist die Niederlausitz Teil des Landes Brandenburg. Die Kreisreform von 1993 nahm auf die historische Landschaft Niederlausitz nur bedingt Rücksicht und richtete vorrangig die Kreise auf das wirtschaftliche Zentrum Berlin aus. Durch Konfrontation mit dem Weltmarkt, Abwanderung, Entmilitarisierung, Ökonomisierung des Braunkohlenbergbaus und in den letzten Jahren auch eine gezielte Dekarbonisierungspolitik befindet sich das Gebiet der Niederlausitz in einem anhaltenden, tiefgreifenden Strukturwandel.
Geographie und Natur mini|hochkant=1.2|Die Niederlausitz (grün) zu Beginn des 18. Jahrhunderts
Lage Das Territorium der Niederlausitz ist begrenzt durch die Flüsse Spree im Norden, Bober im Osten, Schwarze Elster im Süden und Dahme im Westen.
Die nördliche Grenze der Niederlausitz verläuft nördlich von Golßen bis Hartmannsdorf, folgt dem Spreebogen bzw. der Spree über Schlepzig, Pretschen weiter nördlich bis Zaue zum Schwielochsee. Von dort geht es nördlich Friedland und Mixdorf in der Ziltendorfer Niederung an die Oder und schließlich ostwärts bis Niemaschkleba (poln. Chlebowo), einem Teil der Landgemeinde Gubin, in Polen. Die östliche Grenze verläuft in Polen etwa entlang der Linie Niemaschkleba–Sommerfeld. Der Ort Sommerfeld (poln. Lubsko) selbst gehört nicht zur Niederlausitz. Die Grenze folgt dann ab Legel (poln. Lagoda) bis Christianstadt (poln. Krzystkowice) dem Bober und biegt westlich des Bober nach Kunzendorf (poln. Kunice Żarskie), einem südöstlichen Stadtteil von Sorau (poln. Żary) ab.
Im Südosten bildet etwa die Linie Kunzendorf bis Groß Särchen (poln. Żarki Wielkie) an der Lausitzer Neiße die Grenze und folgt von dort entlang der ehemaligen brandenburgisch-sächsischen Grenze (bis zum Jahr 1952) zur Schwarzen Elster dieser dann bis Lauchhammer (früher Mückenberg). Im Südwesten wechselte die Grenze für die Niederlausitz als Verwaltungsgebiet (u. a. Markgrafschaft) mehrfach. So gehörten Finsterwalde, Senftenberg, Doberlug-Kirchhain und Sonnewalde, jede Stadt für sich, in unterschiedlichen Epochen auch mal zu sächsischem Gebiet. Auf Karten ist die Grenze zwischen der Herrschaft Dobrilugk, heute Doberlug-Kirchhain und der Grafschaft Brehna als am stabilsten erkennbar. Seit 1993 gibt es den Landkreis Elbe-Elster, abgeleitet vom Elbe-Elster-Land, womit man die westliche Grenze entweder der alten Linie Buchhain über Trebbus und Luckau bis Schenkendorf (westlich von Golßen), oder entlang des Landkreises Oberspreewald-Lausitz sehen kann.
Geologie mini|hochkant=1.2|Landschaftsbild der Niederlausitz Das in Deutschland liegende Teilgebiet der Niederlausitz gehört zum norddeutschen Tiefland. Durch sie zieht sich der Lausitzer Grenzwall, ein Teil des südlichen Landrückens, der sich nordwestlich im Niederen Fläming fortsetzt. Es handelt sich dabei um die Hauptendmoräne des Warthestadiums der Saaleeiszeit. Die höchste Erhebung des Lausitzer Grenzwalls (und damit der Niederlausitz) ist der 227 m hohe Rückenberg () bei Żary. Der Südliche Landrücken stellt hier eine Wasserscheide dar. Entlang einer breiten parallelen Linie durch Finsterwalde bis Calau (Calauer Schweiz) entspringen kleine Flüsse wie die Kleine Elster und Bäche, die meist nach Norden fließen und im Spreewald in die Spree münden. Durchbrüche haben die von Süden kommenden Flüsse Dahme, Spree und Neiße geschaffen. Südlich des Lausitzer Grenzwalls schließt sich das Urstromtal der Schwarzen Elster an.
In der Zeit des frühen Weichselhochglazials war während des Brandenburger Stadiums (vor ca. 19.600 bis 19.000 Jahren) nur die nördliche Niederlausitz vergletschert. Die Reste der stark verwitterten und teilweise völlig abgetragenen Endmoränenzüge dieses Stadiums und die dazugehörigen Sanderflächen befinden sich nördlich des Spreewaldes. Zu dieser jüngeren glazialen Serie gehört als Abflussrinne das Glogau-Baruther Urstromtal, deren Bett in der Niederlausitz von der Malxe und der Spree genutzt wird, die sich hier zum Spreewald verzweigt.
Die Oberfläche der Niederlausitz wurde grundlegend im ausgehenden Mittelpleistozän vor ca. 150.000 Jahren geschaffen und in den folgenden Epochen des Jungpleistozäns und des Holozäns glaziär, vor allem aber periglaziär durch Verwitterung, Abtragung, Ausspülung und Verwehung sowie durch äolische und fluviatile Sedimentation geformt.
An Bodenschätzen finden sich neben Braunkohle und Kies auch tiefliegende Vorkommen von Kupfer, die sich von Spremberg und Weißwasser bis ins polnische Lubin erstrecken.
Letzte tiefgreifende Veränderungen in der Landschaft entstanden seit den 1930er Jahren, sowie verstärkt zu DDR-Zeiten durch das Anlegen großer Braunkohletagebaue, denen über 100 Dörfer zum Opfer fielen. Bis in die Gegenwart werden Orte zerstört, so Horno, Lakoma oder Kausche.
Gewässer und Landschaften mini|Lausitzer Seenland mini|Typischer Kiefernforst (Plantagenwald) der Niederlausitz mini|Spreewald bei Lübbenau
→ Siehe auch: Lausitzer Seenland
Flüsse Berste Lausitzer Neiße Malxe Oder Oelse Schlaube Schwarze Elster Spree
Landschaften und Naturräume Lausitzer Grenzwall Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft, zum Teil im heutigen Elbe-Elster-Land Naturpark Niederlausitzer Landrücken Naturpark Schlaubetal Spreewald Mehßower Landschaft
Klima mini|links|Klimadiagramm von Cottbus Die Niederlausitz gehört zu den niederschlagärmsten Regionen Deutschlands. In lediglich drei bis vier Monaten pro Jahr wird eine monatliche Niederschlagsmenge von mehr als 50 mm erreicht.
Städtische Entwicklung mini|Spremberger Stadtmitte (2007) Städtische Zentren waren und sind Cottbus (Chóśebuz) als größte Stadt, die historischen Hauptstädte des Landes Lübben (Spreewald) (Lubin ((Błota))) und Luckau (Łukow) sowie Guben (Gubin), Calau (Kalawa), Finsterwalde (Grabin), Forst (Baršć), Senftenberg (Zły Komorow), Spremberg (Grodk), Lübbenau/Spreewald (Lubnjow/Błota), Vetschau/Spreewald (Wětošow/Błota) und im Südwesten Doberlug-Kirchhain (früher Dobrilugk) und Lauchhammer (Łuchow; obersorbisch: Železarnje), siehe auch Elbe-Elster-Land, sowie im polnischen Teil die Stadt Żary (Žarow; deutsch: Sorau).
Gegenwärtig ist das Gebiet der Niederlausitz innerhalb des Bundeslandes Brandenburg in mehrere Kreise aufgeteilt.
Landkreise und kreisfreie Städte Cottbus (kreisfreie Stadt) (CB) Landkreis Elbe-Elster (EE), teilweise Landkreis Dahme-Spreewald (LDS), teilweise Landkreis Oberspreewald-Lausitz (OSL) Landkreis Oder-Spree (LOS), teilweise Landkreis Spree-Neiße (SPN)
Die Niederlausitz ist, ungeachtet der relativ dünnen Besiedlung, wie alle Regionen Mitteleuropas eine von den Menschen intensiv gestaltete Kulturlandschaft. Sie ist durch Kiefernforste, Heiden und auwaldartige Erlenbruchwälder, aber auch durch landwirtschaftliche Nutzflächen, Grünländer und Äcker, geprägt.
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