mini|300px|Der Marktplatz von Mendenmit Altem Rathaus und St.-Vincenz-Kirche
Menden (Sauerland) ist eine mittlere kreisangehörige Stadt in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Sie liegt im Norden des Sauerlandes und gehört zum Märkischen Kreis.
Die Existenz dreier verschiedener Orte mit Namen Menden im Einflussgebiet der Kölner Erzbischöfe – zwischen Bonn und Siegburg,Siehe Menden (Sankt Augustin). im Stadtgebiet von Mülheim an der RuhrSiehe Menden-Holthausen. und im Sauerland – führte immer wieder zu Verwechslungen, wenn es darum ging, die ältesten Ursprünge zu benennen. Erstmals urkundlich fassbar wird Menden im Jahr 1072 im Zusammenhang mit der Schenkung der Hemeraner Vituskirche an die neu gegründete Benediktinerabtei Grafschaft bei Schmallenberg. Das hier genannte Menden gehörte zum Herzogtum Westfalen, dessen Landesherr der Kölner Erzbischof war. Es lag im hohen Mittelalter an den Grenzen zu den aufstrebenden Grafschaften Mark und Arnsberg. So war Menden in Fehden dieser drei Landesherren verwickelt und wurde dabei einige Male zerstört und wieder aufgebaut. Im heute verbliebenen Stadtkern zeugen aus dem Mittelalter stammende Reste der Stadtmauer und drei Wehrtürme von der Geschichte des Ortes. In seiner heutigen Form besteht Menden seit der kommunalen Neuordnung 1975.
Die Wirtschaft verteilt sich auf mehrere Branchen, vor allem sind es mittelständische Unternehmen der Metall-, Elektro-, Leuchten-, Kalk- und Automobilzulieferindustrie. Die Stadt führt wegen ihrer Lage an der Hönne inoffiziell den Beinamen Hönnestadt.
Geographie Geographische Lage Menden (Sauerland) liegt im Nordosten des Märkischen Kreises. Im Norden bildet die Ruhr die Grenze zur Stadt Fröndenberg/Ruhr und gleichzeitig die Kreisgrenze zum Kreis Unna und damit zum Regionalverband Ruhr. Im Luerwald im Nordosten grenzt die Stadt an den Kreis Soest und im Osten an den Hochsauerlandkreis.
Neben der Ruhr fließt die Hönne, von Süden kommend, in nordnordwestlicher Richtung durch das Stadtgebiet. Ihre bedeutendsten Nebenflüsse sind der Bieberbach und die Oese.
Das Mendener Stadtgebiet gehört zum Niedersauerland, das in die Mendener Platte im Westen, den Luerwald im Osten und die Fröndenberger-Schwerter Ruhraue im Norden unterteilt ist. Das spiegelt sich auch in den Geländehöhen wider. Die Ruhr im Norden erreicht das Stadtgebiet auf einer Höhe von und verlässt es auf . Dort ist auch der niedrigste Punkt der Stadt. Nach Süden steigt das Gelände bis auf am Ebberg an. Eine weitere Erhebung ist der 305 Meter hohe Lahrberg.
Geologie mini|Die Hönne an der Oberen Promenade Menden liegt im Rheinischen Schiefergebirge und gehört zum Rhenoherzynikum der europäischen Varisziden. Am nordöstlichen Ende des Remscheid-Altenaer Sattels ist das sogenannte Mendener Konglomerat aufgeschlossen, das aus rotgefärbten fluviatilen Ablagerungen zusammengesetzt ist. Diese etwa acht Quadratkilometer aufgeschlossene Formation entstand im Unteren Perm und ist umgeben von Gesteinsschichten aus dem Oberkarbon. Über einer etwa 100 Meter dicken Hauptschicht befindet sich eine etwa 60 Meter dicke zweite Schicht aus rotem Ton. Diese wird von einer dritten, ungefähr 50 Meter dicken Schicht bedeckt. Die Flussrichtung kam aus Süd-Süd-West, wie aus der Anordnung der Ablagerungen zu erkennen ist. Zu Tage tritt diese besondere Bodenbeschaffenheit in einem Steinbruch in Schwitterberg im Mendener Norden.Hermann Schmidt, Werner Plessmann: Sauerland. (= Sammlung Geologischer Führer, Band 39). herausgegeben von Franz Lotze, Berlin 1961, S. 16, 52. Das Mendener Konglomerat wird heute genetisch als eine Ablagerung in einem intramontanen Molasse-Becken angesehen.Karl-Heinrich Heitfeld: Die roten Schichten von Menden (Mendener Konglomerat). (= Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft, Band 106). Berlin 1954, S. 387–401.
Ausdehnung des Stadtgebiets Das 86,06 Quadratkilometer große Stadtgebiet hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 10 Kilometer, von West nach Ost von etwa 14 Kilometer, und umfasst 3249 Hektar Landwirtschaftsfläche, 3176 Hektar Waldfläche, 1466 Hektar Gebäude-, Frei- und Betriebsfläche, 544 Hektar Verkehrs-, Erholungs- und Friedhofsfläche und 172 Hektar sonstige Freiflächen außerhalb von Siedlungs- und Verkehrsflächen.
Nachbargemeinden Menden grenzt im Norden an die Stadt Fröndenberg/Ruhr im Kreis Unna, im Nordosten an die Gemeinde Wickede (Ruhr) im Kreis Soest und im Osten an die Stadt Arnsberg im Hochsauerlandkreis. Die Nachbarstädte Balve im Süden, Hemer im Südwesten und Iserlohn im Westen gehören dem Märkischen Kreis an. mini|300x300px|alternativtext=|Die ehemaligen Gemeinden im Stadtgebiet von Menden
Stadtgliederung Das Stadtgebiet ist politisch nicht in Bezirke gegliedert. Die bis 1974 selbstständigen Gemeinden Asbeck, Halingen, Holzen-Bösperde, Lendringsen, Oesbern und Schwitten, der Osten von Sümmern sowie die Siedlungen Barge, Berkenhofskamp, Böingsen, Brockhausen, Dahlhausen, Dahlsen, Frielingsen, Hassenbruch, Hüingsen, Lahrfeld, Landwehr, Liethen, Lürbke, Oberrödinghausen, Obsthof, Papenbusch, Platte Heide, Rauherfeld, Sellhausen und Werringsen haben bis heute in gewissem Maße ihre Identität behalten.
Klima Die Stadt liegt in einer gemäßigten Klimazone im Klimaraum Nordwestdeutschland, Bereich sauerländische Hügellandstufe, zwischen Ruhrtal und Mittelgebirgsschwelle. Es herrscht maritimes Klima. Die jahresdurchschnittliche Lufttemperatur liegt zwischen 8 und 9 Grad Celsius.
Das langjährige Mittel der Niederschlagsmenge beträgt für Menden 858 Millimeter im Jahr. In 11 der 15 gemessenen Jahre auf der nachfolgenden grafischen Darstellung lag die Niederschlagsmenge höher als der langjährig gemessene Wert. In den letzten 11 Jahren, mit Ausnahme des Jahres 1996, lag die Lufttemperatur höher als die langjährige Durchschnittstemperatur von 8,6 °C.
mini|zentriert|450px|Jahresniederschläge 1985 bis 1999mini|zentriert|450px|Jahrestemperaturen 1985 bis 1999
Geschichte Mittelalter mini|Geschichtssäule mit Brunnen mini|hochkant|St.-Vincenz-Kirche mini|Rentschreiberturm und achteckiger Treppenturm mini|Kleinbürgerhauszeile mini|Ehemalige Seilerei
Die günstige geografische Lage an den Höhenwegen des Lenne- und des Ruhrtals führte schon früh zur Besiedlung durch die Sachsen und zur Entstehung von Höfen.
Der Haupthof in Menden war zusammen mit zwei Haupthöfen in Hemer im Besitz des jeweiligen Kölner Erzbischofs. Zum Besitz des Kölner Domkapitels gehörten die Haupthöfe in Sümmern und Eisborn. Es wird angenommen, dass dieser Besitzkomplex bereits vor dem 9. Jahrhundert in den Besitz der Kölner Kirche gekommen war.Handbuch der historischen Stätten. Nordrhein-Westfalen. Stuttgart, 1970, S. 504f. 1072 erhielt das neugegründete Kloster Grafschaft zehn Mansen geschenkt, die zum Haupthof Menden gehörten.A. Ludorff: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Iserlohn. Nachdruck Warburg 1994, S. 49–51. Etwa ab dieser Zeit wurde der Ort des Öfteren urkundlich nachgewiesen.
Menden lag im Spätmittelalter im Interessengebiet verschiedener Herren, so dass ihm kriegerische Auseinandersetzungen nicht erspart blieben. Im 12. und 13. Jahrhundert lagen im Westen des kölnischen Territoriums um Menden die Besitzungen der Grafen von Altena-Limburg. Im Süden und Norden befand sich der Machtbereich der Grafen von Altena-Mark, später Grafschaft Mark, im Osten die Grafschaft Arnsberg. Nur über einen schmalen Korridor war Menden mit dem kölnischen Hellweg und Werl verbunden.zur strategischen Position ausführlich jüngst: Cornelia Kneppe: Burgen und Städte als Kristallisationspunkte von Herrschaft zwischen 1100 und 1300. In: Harm Klueting (Hrsg.): Das Herzogtum Westfalen. Münster 2009, S. 228f. Vor allem die Grafen von der Mark zerstörten mehrmals die Machtpositionen der Kölner Erzbischöfe. Zwischen 1246 und 1248 wurde im Auftrag von Ritter Goswin, einem Lehnsmann des Erzbischofs von Köln, die Rodenburg auf dem Rodenberg oberhalb des Hofes Althem errichtet. Sie wurde 1249 erstmals urkundlich erwähnt. Nachdem Goswin von Rodenberg die Vogtei über Menden erhalten hatte, erlaubte er sich Übergriffe gegen die Bewohner Mendens. Als Strafe verlor er die Vogtei, wurde seiner sonstigen Ämter entsetzt und musste die Burg aufgeben. Diese ging in den Besitz der Kölner Erzbischöfe über. Siegfried von Westerburg hat dort mehrere Urkunden ausgestellt. Die Burg wurde 1301 durch Eberhard I. von der Mark zerstört und danach nie wieder aufgebaut.
1278 errichtete der Kölner Erzbischof auf dem nahegelegenen Fürstenberg eine weitere Burg, die ebenfalls mehrmals erobert und deshalb noch vor der Mitte des 14. Jahrhunderts endgültig aufgegeben wurde.Albert K. Hömberg: Kirchliche und weltliche Landesorganisation (Pfarrsystem und Gerichtsverfassung) in den Urpfarrgebieten des südlichen Westfalen. Aschendorff, Münster 1967, S. 50; Handbuch der historischen Stätten. Nordrhein-Westfalen. Stuttgart, 1970, S. 505.
1250 und erneut 1263 zerstörte Graf Engelbert II. von der Mark die als Villa munita bezeichnete befestigte Ortschaft. Die Stadtentstehung lässt sich in den Zeitraum zwischen 1262 und 1289 datieren. 1288, nach der Schlacht von Worringen, eroberte und zerstörte Eberhard I. von der Mark Menden. Erzbischof Walram verlieh ihr 1331 die Stadtrechte und stattete sie mit den gleichen Privilegien aus, wie sie Attendorn bereits besaß.Carl Haase: Die Entstehung der westfälischen Städte. 4. Auflage. Münster 1984, S. 78. 1343 zerstörte Graf Adolf IV. von der Mark die Stadt und die nahe gelegene Wasserburg. 1344 wurde sie durch Erzbischof Walram von Köln von Grund auf neu aufgebaut und mit Gräben und zwölf Türmen befestigt. In die Befestigungsanlagen wurde die westlich der Stadt gelegene stark befestigte Burg einbezogen.
Menden blieb trotz mehrfacher Zerstörung als Besitzung der Kölner Erzbischöfe erhalten. Es lag mit der Verfestigung der verschiedenen Territorien in diesem Raum an der Grenze zum Gebiet der Grafen von der Mark und Limburg und hatte die Funktion einer Grenzfestung.Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 332. Etwa seit dieser Zeit wird vom kurkölnischen Menden gesprochen.
1437 nahm Menden an der ersten landständischen Vereinigung im Herzogtum Westfalen teil. 1446 wurde die Stadt während der Soester Fehde durch den Herzog von Kleve erobert.
Frühe Neuzeit Die Versuche der Kölner Erzbischöfe Hermann V. von Wied und Gebhard I. von Waldburg, die evangelische Konfession in der Reformationszeit einzuführen, blieben ohne nachhaltige Wirkung.Handbuch der historischen Stätten. Nordrhein-Westfalen. Stuttgart, 1970, S. 506.
Hexenverfolgungen Auch in Menden kam es in der Frühen Neuzeit zu Hexenverfolgungen. Über die Gerichtsprozesse erhielten sich – lückenhaft – 192 Seiten der Protokolle aus den Jahren 1592, 1628, 1630 und 1631. Sie werden im Archiv der St. Vincenz-Kirche Menden aufgehoben. Eine neuere Analyse der Akten ergab, dass die Opferzahl gegenüber der bislang angenommenen wesentlich größer ist. Für den lückenhaften und kleinen Beobachtungszeitraum konnten mindestens 103 Opfer identifiziert werden. Die tatsächliche Opferzahl dürfte noch wesentlich höher liegen. Von den eindeutig bestimmbaren Opfern stammten aus dem Amt und der Stadt Menden 67 Frauen und 36 Männer. Der Anteil von 35 % Männern war vergleichsweise hoch.
Unter den Hingerichteten befanden sich meist die Ärmsten der Armen, überwiegend von abseits gelegenen Höfen aus den Bauerschaften Oesbern, Wimbern, und Böingsen, Dörfern mit besonderes ertragsarmen Böden. Entgegen einer gängigen These war nicht der Dreißigjährige Krieg die Ursache für das Wüstfallen vieler Höfe und Kotten im Amt Menden, sondern es waren auch die Auswirkungen der Hexenverfolgungen. Wurde der Bauer Opfer, konnten die Ländereien nicht mehr bestellt werden und der Hof verfiel und lag wüst.