Das Kraftwerk Jänschwalde ist ein Wärmekraftwerk im Südosten Brandenburgs, das überwiegend mit Braunkohle aus dem Niederlausitzer Tagebau Welzow-Süd sowie mit jährlich bis zu 400.000 Tonnen Abfall befeuert wird. Betreiber ist die Lausitz Energie Kraftwerke AG (LEAG). Das Kraftwerksgebäude steht seit März 2025 unter Denkmalschutz.Jan Siegel, Luise Mösle: Kein Witz – Denkmalschutz für Braunkohlekraftwerk. Lausitzer Rundschau, 5. Mai 2025, abgerufen am 5. Mai 2025.

Das Kraftwerksgelände befindet sich in der Gemarkung des zur Gemeinde Teichland gehörenden Ortsteils Neuendorf, etwa fünf Kilometer südöstlich des Stadtzentrums der Stadt Peitz und östlich der Peitzer Teiche. Der namensgebende Ort Jänschwalde liegt rund vier Kilometer nordöstlich des Kraftwerks.

Gemessen an der installierten Leistung war das Kraftwerk Jänschwalde mit 3000 Megawatt (vor der Stilllegung der Blöcke E und F mit jeweils 500 Megawatt im März 2024) nach den Kraftwerken Neurath und Niederaußem das drittgrößte Kraftwerk Deutschlands. In der Lausitz war einzig das Kraftwerk Boxberg mit 3520 MW größer, bis dessen veraltete Kraftwerksblöcke (2520 MW) stillgelegt wurden. Heute ist das Kraftwerk Jänschwalde mit einer installierten Leistung von 2000 MW, von den 500 MW in der Netzreserve sind, das viertgrößte Kraftwerk in Deutschland.

Aufbau und Technische Daten Das Braunkohlekraftwerk wurde, federführend durch den VEB BMK Kohle und Energie, zwischen 1976 und 1989 errichtet. Die sechs Kraftwerksblöcke wurden durch polnische Arbeiter aufgebaut. Das Kraftwerk besteht aus sechs 500-MW-Blöcken (aus der Sowjetunion) mit je zwei Dampfkesseln, wobei jeweils zwei Blöcke eine Einheit bilden. Jede der drei Einheiten verfügte ursprünglich über einen 300 Meter hohen Schornstein zur Rauchgasemission. Die neun Kühltürme sind 115 Meter, die Kraftwerksblöcke 85 Meter und die Rauchgasfilter 32 Meter hoch. Der VEB Kraftwerk Jänschwalde als Betreiber der Kraftwerksanlage gehörte ab 1980 dem Kombinat Braunkohlekraftwerke an und war dessen Stammbetrieb. Im Zeitraum von 1991 bis 1996 wurden alle Kraftwerksblöcke am Standort mit moderner Umwelttechnik nachgerüstet. Seither wird aus dem Schwefeldioxid der Abgase mittels Kalkzugabe zusätzlich Gips produziert, der im benachbarten Lafarge-Werk verarbeitet oder auf der Abraumhalde des Tagebaus Jänschwalde zwischengelagert wird. Die gereinigten Rauchgase werden seitdem über sechs der insgesamt neun Kühltürme (drei pro Einheit) in die Umwelt abgegeben. Bis zum Jahr 2014 wurde ein Modernisierungs­programm abgeschlossen, das alle Dampfturbinen ertüchtigte.

Im Kraftwerk Jänschwalde wurde früher überwiegend Rohbraunkohle aus dem nahe gelegenen Tagebau Jänschwalde (ca. 14 Mio. t/a, künftig ca. 11 Mio. t/a) verstromt. Stand 2024 (8–11 Mio. t/a) wird die Kohle über die Verbindungsbahn aus dem Tagebau Welzow-Süd zugeführt. Pro Tag benötigt das Kraftwerk bei Volllast ca. 80.000 Tonnen Braunkohle. Dabei wird aus einem Kilogramm Braunkohle etwa eine Kilowattstunde Strom erzeugt. Im Jahr 2004 wurde die Müllmitverbrennung bis zu einer Menge von 400.000 Tonnen pro Jahr durch Planfeststellung genehmigt.Linksfraktion: Zur Zukunft der Lausitzer Braunkohle

Nach Angaben des Betreibers erreichte das Kraftwerk Jänschwalde 2012 einen Netto-Wirkungsgrad von 35–36 Prozent. abgerufen am 2. Oktober 2019 Mit einem jährlichen Ausstoß von 24 Millionen Tonnen CO2 lag es 2017 auf Platz 7 der Weltrangliste der Kraftwerke mit den meisten Emissionen, innerhalb der Europäischen Union auf Platz 3. Beim Ausstoß pro kWh liegt es hier mit 1,2 kg CO2 (nach dem Kraftwerk Niederaußem) auf Platz 4. Obgleich das Kraftwerk Jänschwalde der jüngste der drei verbliebenen Kraftwerksstandorte der Lausitz ist, hat es trotz Ertüchtigung die durchschnittlich älteste Technik.

Der Netzanschluss erfolgt über das Umspannwerk Preilack auf der 380-kV-Höchstspannungsebene in das Stromnetz des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz Transmission.

Kennzahlen +BlockLeistung (netto)InbetriebnahmeSicherheitsbereitschaftStilllegung (geplant)SicherheitsreaktivierungA500 MWel 01.10.198131.12.202531.12.2028B500 MWel 29.11.198231.12.202731.12.2028C500 MWel 01.02.1984 –31.12.2028D500 MWel 06.10.1985 –31.12.2028E500 MWel 06.10.198701.10.201931.03.202406.10.2022F500 MWel 09.03.198901.10.201831.03.202415.10.2022

Dampfleistung je Dampferzeuger: 2 × 815 t/h (pro Kraftwerksblock) Mühlen je Dampferzeuger: 6 Frischdampfdruck: 169 bar Frischdampftemperatur: 535 °C Zwischendampfdruck: 43 bar Zwischendampftemperatur: 540 °C Fernwärmeauskopplung: 6 × 58,2 MW/th (Seit 1. Oktober 2019, 4 × 58,2 MW/th) Quelle: LEAG Flyer Kraftwerk Jänschwalde

Fernwärmelieferung Das Kraftwerk Jänschwalde beliefert die Stadt Cottbus kontinuierlich mit Fernwärme, wobei es etwa die Hälfte der benötigten Menge bereitstellt. Am 9. Oktober 2019 gab die LEAG bekannt, das sie mit der „Heizkraftwerksgesellschaft mbH“ und der Stadt Cottbus den bestehenden Wärmeliefervertrag bis zum Ende des Jahres 2032 verlängert hat. Dadurch soll auch weiterhin eine stabile Versorgung mit Fernwärme auch während eines Stillstandes des „Heizkraftwerkes Cottbus“ und des neuen Gas-Heizkraftwerkes der Stadt Cottbus sichergestellt werden. In: Lausitzer Rundschau-online. 8. Oktober 2019.LEAG verlängert Lieferung Vertrag für Fernwärme nach Cottbus In: Lausitzer Rundschau-online. 8. Oktober 2019.

Sicherheitsbereitschaft und Stilllegung Der Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland verlangte die Abschaltung des Kraftwerksblocks F zum 1. Oktober 2018, am 1. Oktober 2019 sollte Block E folgen. Beide Blöcke wurden für jeweils vier Jahre für Versorgungsengpässe in der Sicherheitsbereitschaft vorgehalten und zwischenzeitlich wieder aktiviert. Beide Abschaltungen gehen auf eine Übereinkunft zwischen der Bundesregierung (Kabinett Merkel III) und den großen Stromerzeugern in Deutschland von Oktober 2015 zurück.Stromkunden entschädigen Kohlekonzerne Berliner Zeitung vom 25. Oktober 2015.

Noch im Juni 2018 hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier beim Lausitzdialog mit den Ministerpräsidenten der Länder Brandenburg und Sachsen in Spremberg gesagt: „Wir wollen zuerst über die Arbeitsplätze reden, die neu entstehen und dann über die Arbeitsplätze, die wegfallen.“Altmaier zum Strukturwandel: Zuerst über neue Jobs reden Süddeutsche Zeitung, 25. Juni 2018.

Am 30. September 2018 wurde um 16:54 Uhr der 500 MW Block F vom Netz genommen und in eine vierjährige Sicherheitsbereitschaft überführt. Block F war am 17. November 1988 erstmals ans Netz geschaltet und am 9. März 1989 in den Dauerbetrieb überführt worden. Mit dem Übergang in die Sicherheitsbereitschaft gingen am Standort Jänschwalde 600 Arbeitsplätze bei direkt Beschäftigten und Servicepartnern verloren.Block F des Kraftwerk Jaenschwalde in Reserve gefahren Lausitzer Rundschau, 30. September 2018.

Am 1. Oktober 2019 wurde der zweite im Kraftwerk Jänschwalde vorgesehene Block E mit weiteren 500 MW in die Sicherheitsbereitschaft überführt. Block E war am 14. Juni 1987 erstmals ans Netz geschaltet worden und ging am 6. Oktober 1987 in den Dauerbetrieb. Auch hier gingen weitere 600 direkte und indirekte Arbeitsplätze verloren.

Am 16. Januar 2020 beschloss das Kabinett Merkel IV, das Kraftwerk Jänschwalde bis 2028 vollständig stillzulegen.Morgenpost.de: Kraftwerk Jänschwalde soll bis Ende 2028 abgeschaltet werden, abgerufen am 17. Januar 2020 Dabei sollen Block A am 31. Dezember 2025 und Block B am 31. Dezember 2027 in eine vierjährige Sicherheitsbereitschaft überführt und dann endgültig stillgelegt werden. Die Blöcke C und D sollen am 31. Dezember 2028 endgültig stillgelegt werden. rbb24, 16. Januar 2020.

Im Zuges des russischen Überfalls auf die Ukraine und der dadurch ausbleibenden Gaslieferungen wurden die Blöcke E und F in Jänschwalde wieder angefahren. Die Energiekrise seit 2021 machte die Aktivierung der Braunkohlereserve zum 1. Oktober 2022 erforderlich. Die beiden Blöcke konnten befristet bis zum 30. Juni 2023 wieder am Strommarkt teilnehmen. Der Zeitraum wurde bis März 2024 verlängert. Das Landesamt für Umwelt erteilte der LEAG eine Ausnahmegenehmigung, obwohl die Kraftwerksblöcke den immissionsschutzrechtlichen Stand der Technik nicht mehr einhielten. Am 6. Oktober ging Block E wieder ans Netz,https://www.rbb24.de/studiocottbus/wirtschaft/2022/10/brandenburg-jaenschwalde-kraftwerk-braunkohle-block-wiederinbetriebnahme.html am 15. Oktober auch Block F.https://www.rbb24.de/studiocottbus/wirtschaft/2022/10/brandenburg-jaenschwalde-block-f-zurueck-am-netz-energiekrise.html

Am 31. März 2024 wurden die beiden 500 MW Blöcke E und F endgültig abgeschaltet. Eine nochmalige Inbetriebnahme ist ausgeschlossen.Zwei Blöcke im Kohlekraftwerk Jänschwalde vom Netz genommen. In: rbb24 31. März 2024. Am 31. Dezember 2025 wurde der 500 MW Block A abgefahren und in eine dreijährige Sicherheitsbereitschaft überführt.Was die Stilllegung im Kraftwerk Jänschwalde bedeute. In: LR Online 30. Dezember 2025.

Rückbau der Schornsteine Da eine Sprengung aus Platzgründen nicht möglich war, wurden ab Ende 2002 in einem aufwändigen Verfahren die drei 300 m hohen, durch die Umbaumaßnahmen der 1990er Jahre nicht mehr notwendigen Schornsteine abgerissen. Der letzte Schornstein wurde im November 2007 abgerissen. Dabei kam ein weltweit einmaliges Verfahren zum Einsatz, die Schornsteine wurden bis auf 50 m Höhe von einer speziellen, mit Baggern ausgestatteten Abrisseinrichtung abgetragen. Die restlichen 50 m wurden konventionell abgebrochen.

Planungen am Standort Vattenfall plante ursprünglich am Standort einen weiteren, vierten Kraftwerksblock, mit dessen Energie das bei der Verbrennung der Braunkohle entstehende Kohlendioxid abgeschieden und unterirdisch verpresst werden sollte (CCS). Diese Planungen wurden im Dezember 2011 eingestellt.Vattenfall stoppt Jänschwalde. In: n-tv.de, 5. Dezember 2011. Abgerufen am 6. Dezember 2011. Das Land Brandenburg hielt noch in seiner im Februar 2012 veröffentlichten „Energiestrategie 2030“ ein Nachfolgebraunkohlekraftwerk in Jänschwalde für notwendig, um den Standort über die Laufzeit der alten Blöcke hinaus zu sichern. Der Neubau sollte eine maximale Leistung von 2000 Megawatt haben, mit CCS-Technologie ausgestattet werden und bis spätestens 2030 ans Stromnetz gehen. Die Landesregierung sah im strategischen Papier von 2012 den Abschluss der Planverfahren zum Aufschluss neuer Tagebaue zur Sicherung der Rohstoffversorgung des Kraftwerks als wesentliche Grundlage für eine Investitionsentscheidung an.Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg: Energiestrategie 2030 des Landes Brandenburg, Februar 2012. S. 36, 43. Abgerufen am 16. Dezember 2014. Der Tagebau Jänschwalde lieferte bis 2024 einen Teil der benötigten Kohle. Der Rest der insgesamt ca. 24 bis 26 Mio. Tonnen Braunkohle wird aus dem weiter entfernten Tagebau Welzow-Süd geliefert.

Die als Jänschwalde-Nord bezeichnete geplante Erweiterung des Tagebaus Jänschwalde wurde 2017 vom Betreiber aufgegeben. Sollte das Kraftwerk noch über längere Zeit weiterbetrieben werden, müsste wahrscheinlich der Tagebau Welzow-Süd, wie technisch geplant, erweitert werden und dafür unter anderem der Welzower Ortsteil Proschim abgebaggert werden. Hierfür müssten ca. 800 Einwohner in Proschim und Welzow umgesiedelt werden.Jänschwalde – der Anfang vom Ende. In: Klimareporter, 1. Oktober 2018. Abgerufen am 2. Oktober 2018. Am 13. Januar 2021 gab die LEAG in einem überarbeiteten Revierkonzept bekannt, auf die Öffnung des Teilfeldes II des Tagebaus zu verzichten.Jan Siegel: Mühlrose muss dem Tagebau weichen – Proschim bleibt verschont. Lausitzer Rundschau, 13. Januar 2021, abgerufen am 14. Januar 2021.Leag legt Plan vor: Welzow II ist raus und Proschim bleibt. Zeit, 14. Januar 2021, abgerufen am 14. Januar 2021.

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