mini|300px|Luftbild von Großbeeren
Großbeeren ist eine amtsfreie Gemeinde im nördlichen Teil des Landkreises Teltow-Fläming (Brandenburg).
Geografie Die Gemeinde liegt unmittelbar südlich von Berlin im Gebiet des Landkreises Teltow-Fläming.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Großbeeren gehören neben dem Kernort Großbeeren (mit dem bewohnten Gemeindeteil Neubeeren) folgende Ortsteile: Diedersdorf HeinersdorfHeinersdorf Gemeinde Großbeeren mit den bewohnten Gemeindeteilen Birkenhain, Birkholz und Friederikenhof KleinbeerenKleinbeeren Gemeinde Großbeeren
Hinzu kommt der Wohnplatz Altes Forsthaus.Großbeeren, Serviceportal Brandenburg, abgerufen am 15. Februar 2026.
Geschichte 13. Jahrhundert bis 16. Jahrhundert Großbeeren wurde im Jahr 1271 erstmals als zu Grossen Bern urkundlich erwähnt. Der Ortsname geht zurück auf das Geschlecht der von Berne (von Beeren), die hier vom 14. Jahrhundert bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts herrschten. Daneben war auch das Kloster Spandau bzw. später das Amt Spandau (bis nach 1652) mit einer Pacht von zwei Hufen am Ort beteiligt. Aus dem Jahr 1356 ist die Schreibweise magna berne überliefert. Das Landbuch Karls IV. weist aus dem Jahr 1375 eine Familie Berktzow auf, die zunächst vier, später alle abgabenfreien Hufen bis 1668 besaßen. Insgesamt war die Gemarkung 50 Hufen groß, davon zwei für den Pfarrer, 12 für Wilke von Berne zu seinem Hof. Es gab acht Kötter, einen Krug sowie eine Windmühle. Weiterhin erschienen eine Familie Snitlink mit fünf Hufen, ein Herr Kerstian und Wilke Rode mit je vier Hufen sowie der Altar in Cölln mit sechs und der in Fahrland mit sieben Hufen. 1450 erschien Großenberne in den Urkunden. Der Ort war mittlerweile 52 Hufen groß, zwei davon gehörten weiterhin dem Pfarrer sowie 12 denen von Berne. Weiterhin arbeiteten fünf Kötter im Ort. Der Krug sowie die Mühle bestanden ebenfalls weiterhin. Um 1500 wurde Großbeeren von Mittenwalde aus seelsorgerisch betreut. 1520 gab es erstmals einen Schulzen, der fünf Hufen sowie zwei Melwendorfsche Hufen besaß. Es gab einen Fünfhüfner, einen Vierhüfner sowie vier weitere Bauern, die je eine Melwendorfsche Hufe bearbeiteten; ein Bauer besaß eine halbe Hufe. 1542 erschien in einem Dokument die Schreibweise Grosen Berenth.
17. und 18. Jahrhundert 1608 entstand ein Rittersitz (Gutshaus). 1668 verkaufte die Familie Berktzow ihre Hufen an die von Beeren. Der letzte Gutsherr aus diesem Adelsgeschlecht, Hans Heinrich Arnold von Beeren, starb 1812 und wurde als „Geist von Beeren“ durch Theodor Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg bekannt. Die Entwicklung Großbeerens war in den ersten Jahrhunderten wiederholt durch kriegerische Verwüstungen und viele Opfer unter den Einwohnern geprägt. So während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) und im Siebenjährigen Krieg von 1757 bis 1763, als im Jahre 1760 im Zuge des Vormarsches russischer und österreichischer Truppen in Richtung Berlin die Kirche und zahlreiche Häuser von Großbeeren niedergebrannt wurden.Eva Börsch-Supan: Kirchen als „Monumente“ der Befreiungskriege. In: Uwe Michas u. a.: Karl Friedrich Schinkel. Architekt, Maler, Möbelgestalter, Bühnenbildner und Kunstphilosoph (= Die Mark Brandenburg, Band 61). Großer, Berlin 2006, ISBN 3-910134-24-6, S. 17–23, hier S. 19. Vor dem Dreißigjährigen Krieg gab es im Ort neun Hüfner, neun Kötter mit einem Schmied und einem Müller, einen Hirten, einen Pachtschäfer, ein Paar Hausleute sowie einen Hirtenknecht. Sie bewirtschafteten im Dorf 13 Hufen und im Gut 11 herrschaftliche Hufen. Nach dem Krieg lebten nur noch drei Bauern sowie ein Krüger mit einem Sohn und einem Knecht sowie vier Kötter im Ort. Großbeeren erholte sich jedoch vergleichsweise schnell: Im Jahr 1711 lebten bereits wieder sechs Hufner, sieben Kötter, ein Schmied, ein Hirte, ein Schäfer sowie ein großer und ein kleiner Knecht im Ort. Sie bewirtschafteten 35 Hufe. Aus dem Jahr 1745 sind sieben Bauern, acht Kötter sowie eine Windmühle und ein Krug überliefert. Außerhalb des Ortes gab es ein Müllerhaus. Zum Rittergut wurde die wüste Feldmark Melwendorf erwähnt. 1760 brannte die Dorfkirche ab. 1771 gab es 15 Giebel (=Häuser), einen Schmied, einen Hirten, zwei Paar Hausleute, einen Schäfer sowie einen Knecht. Sie bewirtschafteten weiterhin 35 Hufe und mussten je Hufe 8 Groschen an Abgaben zahlen. 1773 erschien erstmals eine adelige Windmühle.
19. Jahrhundert mini|hochkant|Evangelische Kirche von Schinkel 1801 lebten und arbeiteten sechs Ganzbauern sowie sechs Ganzkötter im Ort. Es gab zehn Einlieger, eine Schmiede, einen Krug sowie eine Windmühle. Der Förster bewirtschaftete 1500 Morgen Holz. Hinzu kam das Gut mit dem Vorwerk Neubeeren. Zusammen ergab dies 35 Bauernhufe sowie 24 Lehnhufe mit 20 Feuerstellen (=Wohnhäuser). Von historischer Bedeutung ist die nach dem Ort benannte Schlacht bei Großbeeren am 23. August 1813, in der die preußisch-russischen Koalitionstruppen unter General Bülow die französischen Truppen und ihre sächsischen Verbündeten schlugen und damit Berlin vor der Besetzung durch Napoleon bewahrten. Nach dem Ende des Krieges erbaute die Kirchengemeinde in den Jahren 1818 bis 1820 eine neue Dorfkirche. Ein neu aufgestelltes Denkmal erinnerte an die siegreiche Schlacht. 1824 übernahm eine Familie Mumme den Ort, hielt ihn aber nur bis 1827. Danach erschien ein Besitzer v. Beyer, der bis 1838 Eigentümer von Großbeeren war. 1840 gab es im Ort 29 Wohnhäuser. 1849 wechselte die Gerichtsbarkeit vom Patrimonal- und Kammergericht zum Kreisgericht Berlin. Im Jahr 1858 lebten im Dorf und Rittergut insgesamt 17 Hof- und Gutseigentümer sowie ein Pächter mit 32 Knechten und Mägden. Dazu kamen 32 Tagelöhner, sechs nebengewerbliche Landwirte mit sieben Knechten und Mägden. Es gab 73 Arbeiter, sechs Bediente und insgesamt 24 Besitzungen. Eine umfasste 3500 Morgen, elf weitere zusammen 1335 Morgen in der Größenordnung von 30 bis 300 Morgen. Hinzu kamen zwölf Besitzungen in einer Größe zwischen 5 und 30 Morgen, die zusammen 179 Morgen bewirtschafteten. Es gab einen Schlächtermeister mit einem Gesellen und einem Lehrling, einen Schuhmachermeister mit einem Gesellen, zwei Schneidermeister mit einem Gesellen, drei Zimmergesellen, ein Stellmachermeister, drei Maurergesellen, ein Grobschmiedemeister, einen Kaufmann, einen Krüger sowie acht Arme. Im Jahr 1860 wurden insgesamt 1476 Morgen bewirtschaftet, darunter 1107 Morgen Acker, 169 Morgen Wiese, 70 Morgen Wald, 60 Morgen Weide sowie 35 Morgen Gartenland. Die Gehöfte nahmen 35 Morgen Fläche ein. Es bestanden zwei öffentliche sowie 64 Wirtschafts- und 40 Wohngebäude. Hinzu kamen im Rittergut 15 Wirtschafts- sowie acht Wohngebäude. Bis 1864 übernahm die Familie Briesen die Herrschaft über Dorf und Gut. 1879 wechselte die Gerichtsbarkeit erneut und lag bis 1906 beim Amtsgericht Berlin II. Die Stadt Berlin kaufte 1881 das Gut Großbeeren und legte in den Folgejahren auf dessen Flächen Rieselfelder an, die bis zum Ende des 20. Jahrhunderts in Betrieb waren.
20. und 21. Jahrhundert mini|hochkant=0.8|Gedenkstätte für das Arbeitslager 1900 gab es im Ort 124 Häuser, hinzu kamen neun Häuser im Rittergut. 1906 wechselte die Gerichtsbarkeit zum Amtsgericht Berlin-Lichterfelde und blieb dort bis 1945. 1913 entstand ein Gedenkturm für die Schlacht von Großbeeren. 1928 wurde das Rittergut mit dem Dorf zur Gemeinde vereinigt. 1939 bestand ein großer land- und forstwirtschaftlicher Betrieb, der mehr als 100 Hektar bewirtschaftete. Zwei Betriebe bearbeiteten eine Fläche von 20 bis 100 Hektar, weitere 14 Betriebe eine Fläche von 10 bis 20 Hektar sowie 13 Betriebe mit fünf bis 10 Hektar. Weitere 38 Betriebe hatten lediglich 0,5 bis 5 Hektar zur Verfügung.
In der Zeit des Dritten Reiches errichtete die Gestapo im September 1942 ein „Arbeitserziehungslager“ für Gegner des Nationalsozialismus und Zwangsarbeiter, welches bis April 1945 etwa 45.000 Häftlinge durchliefen. Der wohl prominenteste Insasse war von März bis August 1943 der Arbeitersportler Werner Seelenbinder. Wegen mangelhafter Ernährung, durch Misshandlung, Erschöpfung oder infolge unmenschlicher Zwangsarbeit fanden hier mindestens 1.197 Gefangene den Tod, darunter 340 aus der Sowjetunion, 334 aus Polen, 182 aus Frankreich, 99 aus der Tschechoslowakei, 40 aus Belgien und 97 Deutsche. Ihnen allen ist eine internationale Mahn- und Gedenkstätte in der Nähe der Bülow-Pyramide gewidmet.
Am 23. April 1945 wurde Großbeeren von der Roten Armee besetzt und gehörte vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1949 zum Territorium der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands, dann zur DDR. In dieser Zeit wurden 51 Hektar Land enteignet und auf Alt- und Neubauern verteilt; es wurde ein Volkseigenes Gut gegründet. 1950 wurden Kleinbeeren sowie die Wohnplätze Neubeeren, Reichsbahnsiedlung, Umspannwerk, Forelle, Suchowski, Am Bahnhof sowie Rathenow-Siedlung eingemeindet. Bis zur Neugliederung der DDR in Bezirke im Jahr 1952 lag Großbeeren im Gebiet des Kreises Teltow im Land Brandenburg, fortan bis 1990 im neu geschaffenen Kreis Zossen des Bezirkes Potsdam. 1956 entstand der VEB Fahrzeugwerke Großbeeren, der über 86 Beschäftigte verfügte. 1960 entstand eine LPG vom Typ I, die 1961 bereits 30 Mitglieder hatte und 171 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche bewirtschafteten. Die nur wenige Kilometer nördlich von Großbeeren verlaufende Grenze zwischen der DDR und West-Berlin rückte Großbeeren nach dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 in eine geographische Randlage. Das nach der Abriegelung von West-Berlin direkt am Grenzzaun gelegene Gut Osdorf wurde 1968 – bis auf eine Scheune – abgerissen. Die Einwohner wurden zwangsumgesiedelt. 1970 wurde die LPG aufgelöst und die Flächen dem Lehr- und Versuchsgut Großbeeren übergeben. 1973 gründeten sich ein VEB Gerätebau, eine Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion und eine PGH Rundfunk und Fernsehen. Außerdem gab es einen staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb und eine Revierförsterei. Wenige Jahre vor dem Fall der Mauer wurde ein zusätzlicher Autobahnzubringer vom Berliner Ring und ein Grenzübergang Großbeeren für den Transitverkehr von und nach West-Berlin geplant, der jedoch durch die Wiedervereinigung 1990 nicht mehr gebaut wurde. Seit 1993 gehört Großbeeren zum neuen Landkreis Teltow-Fläming. Mit der Auflösung des Amtes Ludwigsfelde-Land Ende 2001 erlangte Großbeeren den Status einer amtsfreien Gemeinde.
Eingemeindungen
Kleinbeeren 1. Juli 1950Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt OsdorfJens Leder: Die Geschichte von Osdorf. Download als DOC-Datei unter natur-land-forum.de/projekte/Historia%20Ostorpis.doc 31. Dezember 1999,StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999 2000 in Heinersdorf umbenannt Diedersdorf 31. Dezember 2001Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001. StBA.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 902 1890 1.560 1910 1.984 1925 1.978 1933 1.971 1939 2.686 Jahr Einwohner 1946 2.459 1950 3.138 1964 2.791 1971 2.694 1981 2.592 1985 2.615 Jahr Einwohner 1990 2.442 1995 2.857 2000 5.288 2005 7.034 2010 7.466 2015 8.398 Jahr Einwohner 2020 8.804 2021 8.891 2022 9.404 2023 9.483 2024 9.344 2025 9.305 Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Teltow-Fläming (PDF) S. 18–21Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Die starken Veränderungen in den Jahren 1950, 2000 und 2005 ergaben sich durch Eingemeindungen.
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