mini|Bruce Lee, 1973 mini|Bruce-Lee-Skulptur – Avenue of Stars, Hongkong 2006
Bruce Lee (; * 27. November 1940 in San Francisco; † 20. Juli 1973 in Hongkong; geboren als Lee Jun-fan ) war ein sinoamerikanischer Schauspieler, Kampfkünstler und Kampfkunst-Ausbilder. In: bruceleefoundation.com, abgerufen am 9. Januar 2020 (englisch). Er gilt als Ikone des Martial-Arts-Films und wird von vielen als größter Kampfkünstler des 20. Jahrhunderts angesehen. Er entwickelte den Kampfkunststil Jeet Kune Do.
Leben Kindheit und Jugend Bruce Lee wurde am 27. November 1940 im Chinese Hospital von Chinatown in San Francisco als viertes Kind des chinesischen Schauspielers Lee Hoi-chuen () und der Deutsch-Chinesin Grace Ho () geboren.Linda Lee: The Bruce Lee Story. Ohara Publications, Burbank (Santa Clarita, CA) 1989, ISBN 0-89750-121-7, S. 20.Sid Campbell, Greglon Lee: Remembering the master: Bruce Lee, James Yimm Lee, and the creation of Jeet Kune Do. Blue Snake Books/Frog, Berkeley 2006, ISBN 1-58394-148-7, S. 169.Robert Clouse: Bruce Lee: the biography. Unique Publications, Burbank 1988, ISBN 0-86568-133-3, S. 9. Da er in den Vereinigten Staaten zur Welt kam, hatte er neben der chinesischen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Seine Mutter war die Tochter von Ho Kom-tong () und die Nichte von Robert Ho-Tung (), die beide angesehene Geschäftsleute in Hongkong waren.
Name Im chinesischen Sprachgebrauch nennt man den Familiennamen zuerst, der Geburtsname von Bruce Lee lautet daher im Kantonesischen Lee Jun-fan ().Chinesischer Vorname von Bruce Lee – ; Pinyin Zhènfán Kantonesisch Jun-fan In: Linda Lee: The Bruce Lee Story. Ohara Publications, Burbank (Santa Clarita, CA) 1989, ISBN 0-89750-121-7. „Jun“ () bedeutet wörtlich „antreiben, anspornen, aufrütteln, abschütteln, erschüttern, entfachen, inspirieren“, die Silbe „Fan“ () bedeutet wörtlich „Gartenzaun“ und bezieht sich auf die kantonesische Bezeichnung für San Francisco (kantonesisch , Pinyin Sānfān Shì). „Jun-fan“ bedeutet also etwa „sich inspirieren und antreiben dadurch San Francisco (USA) bereichern“ und somit zum „Wohlstand kommen“.. In: bruceleefoundation.com, abgerufen am 9. Januar 2020. (englisch). Während seiner Kindheit wurde er oft, vor allem in der Familie, „Sai-fon – kleiner Phönix“ ()Bruce Lee: the immortal Dragon. 29. Januar 2002, A&E Television Networks. genannt, ein weiblich klingender Name, der eigentlich sowohl weiblich als auch männlich sein kann. Der Grund war, dass der erste Sohn von Bruces Eltern bereits als Kind verstorben war. Sie glaubten, die Götter könnten ihnen nun womöglich auch noch diesen Sohn nehmen. Darum erhielt er einen Mädchennamen, um die Götter „auszutricksen“. Manchmal wurde er in der Familie auch „Mo Si Ting“ (kant. ) genannt, was so viel wie „sich nie ruhig hinsetzen“, „ständig aktiv sein“ bedeutet und seine Persönlichkeit treffend beschrieb. Seinen weltbekannten englischen Namen „Bruce“ erhielt er vermutlich von der Ärztin Mary Glover; allerdings nutzte er diesen erst später, vor allem während seiner Zeit in den USA.
Familie Lees Vater Lee Hoi-chuen war seinerzeit einer der führenden Schauspieler in der kantonesischen Oper und regionalen Filmen, weshalb er häufig mit Opern in der ganzen Welt unterwegs war. So bereiste er auch die Vereinigten Staaten und trat dort in zahlreichen chinesischen Gemeinden auf. Zu dieser Zeit griff der Zweite Weltkrieg auf Hongkong über und mündete in der Besetzung Hongkongs durch japanische Truppen. Obwohl viele seiner Schauspielkollegen deshalb in den USA blieben, reisten Lee Hoi-chuen und seine Frau drei Monate nach der Geburt ihres Sohnes nach Hongkong zurück und verbrachten „drei Jahre und acht Monate“ () unter japanischer Herrschaft. Die lange Überfahrt nach Hongkong und der Wechsel der klimatischen Bedingungen machten dem in seiner frühen Kindheit kränkelnden Bruce zu schaffen. Nach der japanischen Kapitulation und Wiederherstellung der britischen Verwaltung begann Lee Hoi-chuen wieder mit der Schauspielerei und erlangte während der Zeit des Wiederaufbaus Hongkongs größere Berühmtheit.
Lees Mutter Grace Ho stammte von den Ho-tungs ab, einem der reichsten und mächtigsten Clans von Hongkong. Sie war die Nichte von Sir Robert Ho-tung, dem Patriarchen des Clans.
Kindheit So wuchs der junge Bruce Lee zwar in einem wohlhabenden und privilegierten Umfeld auf, aber dennoch prägte ihn die japanische Besatzung sehr. Lees Mutter erzählte oft, dass ihr damals noch nicht fünfjähriger Sohn auf den Balkon ihres Hauses ging und seine Faust gegen die am Himmel kreisenden japanischen Zeros erhob. Nach dem Ende des Krieges und der Rückkehr der britischen Herrschaft verkam Lees Viertel zu einer überfüllten, gefährlichen und von Banden-Rivalitäten geprägten Umgebung, was vor allem durch die enormen Flüchtlingsmassen verursacht wurde, die nach der Gründung der kommunistischen Volksrepublik China Zuflucht in der britischen Kronkolonie Hongkong suchten.
Nach Absolvierung der Grundschule wurde Lee mit zwölf Jahren in Hongkong auf einer renommierten katholischen Knabenschule, dem La Salle College – – in Kowloon, zugelassen. Als Jugendlicher wurde Lee, wie so viele andere junge Chinesen damals in Hongkong, von englischen Mitschülern unfreundlich behandelt und verspottet, weil sie sich den Chinesen überlegen fühlten. Aufgrund seines rebellischen Naturells ließ sich Bruce Lee das nicht gefallen und verhöhnte mit seinen Freunden wiederum die englischen Mitschüler, was dann meist zu Schlägereien führte. Diese Erfahrung prägte ihn, und er entschloss sich, eine Kampfkunst zu erlernen. Sein erster Lehrer war sein Vater, der ihn die Grundlagen des Wu-Stils des Taijiquan lehrte.Bruce Thomas: Bruce Lee: fighting spirit: a biography. Frog Ltd., Berkeley (CA) 2006, ISBN 1-883319-25-0, S. 14. Da die Langsamkeit der Übungen und Bewegungen des Taijiquan aber nicht seiner Natur entsprach, war seine Mutter schließlich bereit, ihm den Unterricht in einer Kampfkunst zu finanzieren.
Wing Chun Mit 13 Jahren wurde Bruce Yip Man vorgestellt, einem der bekanntesten Meister des Wing Chun Kung Fu. Fünf Jahre lang (1954–1959) trainierte er unablässig. Nach nur einem Jahr allerdings weigerten sich die meisten von Yip Mans Schülern, mit Bruce zu trainieren, nachdem sie von seiner gemischten Abstammung erfahren hatten. Zu dieser Zeit war man in China gegen die Unterrichtung nicht-asiatischer Schüler in Kampfkunsttechniken.Bruce Thomas: Bruce Lee: fighting spirit: a biography. Frog Ltd., Berkeley (CA) 2006, ISBN 1-883319-25-0, S. 26.Sulaiman Sharif: 50 martial arts myths. New Media Entertainment, New York 2009, ISBN 0-9677546-2-3, S. 56 (Leseprobe). Bruce’ damaliger Sparring-Partner Hawkins Cheung erklärte, „Probably fewer than six people in the whole Wing Chun clan were personally taught, or even partly taught, by Yip Man“. („Vermutlich wurden im gesamten Wing-Chung-Clan weniger als sechs Leute persönlich von Yip Man trainiert oder überhaupt teilweise von ihm trainiert.“)Black Belt: Bruce Lee Collector’s. Edition Summer. 1993, S. 19. Trotzdem zeigte Lee großes Interesse an Wing Chun und trainierte privat mit Yip Man und Wong Shun-leung 1955.Sid Campbell, Greglon Lee: Remembering the master: Bruce Lee, James Yimm Lee, and the creation of Jeet Kune Do. Blue Snake Books/Frog, Berkeley 2006, ISBN 1-58394-148-7, S. 172. Er verehrte Yip Man als weisen Lehrmeister und besuchte ihn auch noch in späteren Jahren.
Unter anderem lernte Lee Tritttechniken vom Taekwondo-Meister Jhoon Rhee, da hohe athletische Tritte im Wing Chun nicht gelehrt werden. Lee benutzte seine neuen Fähigkeiten anfangs, um auf seine Widersacher einzuprügeln. Allerdings kam er schnell zu der Einsicht, der wahre Wert einer Kampfkunst sei, durch Fähigkeiten des körperlichen Kampfes Selbstsicherheit aufzubauen bis zu dem Punkt, an dem man nicht mehr das ständige Verlangen spüre, seine Ehre durch Kämpfen zu verteidigen.
Er verbesserte seine Fähigkeiten durch hartes körperliches Training und war so zu enormen Leistungen fähig. Er besiegte zum Beispiel in einer Schulboxmeisterschaft seinen englischen Kontrahenten. Als begnadeter Tänzer gewann er 1958 die Cha-Cha-Cha-Meisterschaft in Hongkong;. In: bruce-lee.ws, abgerufen 9. Januar 2020 (englisch). die flinken Bewegungen dieses Tanzstils sollten später zu einem seiner Markenzeichen werden.
Aufbruch – Leben in Amerika Allerdings hatten unter Bruce’ Begeisterung für Wing Chun, Cha-Cha-Cha und Frauen seine Schulnoten sehr zu leiden. 1956 wurde er schließlich wegen Aufsässigkeit, schlechter Schulnoten und seines Rufs als Störenfried vom La Salle College verwiesen und wechselte zum St. Francis Xavier’s College. Dort nahm er dann auch an einer Schulboxmeisterschaft teil, die von seiner Schule und der britischen King George V High School organisiert wurde. Nach den leichteren Ausscheidungskämpfen traf er auf den dreifachen Champion Gary Elms, den er in der dritten Runde zu Boden schickte. Zu dieser Zeit war die Rivalität zwischen den Schülern der einzelnen Kampfkunst-Schulen ziemlich groß, was oft in Straßenkämpfen mündete. Auch Bruce Lee nahm mit anderen Schülern Yip Mans an diesen teil.
Yip Man versuchte seine Schüler, so gut es ging, von solchen Straßenkämpfen fernzuhalten, und ermutigte sie stattdessen, an fairen sportlichen Wettbewerben teilzunehmen,Black Belt: Bruce Lee Collector’s Edition Summer 1993, S. 18. konnte erstere aber letztendlich nicht gänzlich verhindern. Bei einem dieser Straßenkämpfe schlug Bruce seinem Gegner die Zähne aus (andere Quelle: Kieferbruch In: bruce-lee-jeet-kune-do.de, Bruce Lee Jeet Kune Do.) und wurde daraufhin von dessen Eltern angezeigt. Die Polizei übergab Lee der Obhut seiner Eltern mit dem Hinweis, dass bei weiteren Vergehen mit einer Gefängnisstrafe für ihn zu rechnen sei.
Wegen dieses Vorfalls, der vermeintlich besseren schulischen Möglichkeiten und um sicherzustellen, dass Lee weiterhin die US-amerikanische Staatsbürgerschaft behalten konnte, beschlossen seine Eltern, den 18-Jährigen nach San Francisco zu schicken. So reiste er im April 1959 mit nur 100 US-Dollar im Gepäck an Bord eines Dampfers der American President Lines in die Vereinigten Staaten. Auf dieser 17-tägigen Reise verdiente Lee ein wenig Geld, indem er den Passagieren der Ersten Klasse Cha-Cha-Cha-Unterricht gab.
Karriere und Erfolge
Übergangsweise lebte er zunächst bei einem alten Freund seines Vaters in San Francisco und verdiente dort weiterhin etwas Geld als Tanzlehrer. Hier verweilte er allerdings nur relativ kurze Zeit; schon ein paar Monate später bekam Bruce ein Jobangebot von einer Bekannten seines Vaters namens Ruby Chow, einer Restaurantbesitzerin. Bruce nutzte diese Chance und reiste zu ihr nach Seattle, wo er die Wohnung über Chows Restaurant bezog und als Platzanweiser und Kellner arbeitete. Von nun an konzentrierte sich Lee ausschließlich auf seine Ausbildung und holte tagsüber seinen High-School-Abschluss auf dem Seattle Central Community College nach, während er abends im Restaurant arbeitete. Im März 1961 immatrikulierte er sich an der University of Washington und begann dort ein Schauspiel-Studium. Später kamen noch Philosophie, Psychologie und andere Fächer hinzu.John Little: Bruce Lee: Artist of Life. Tuttle Publishing, 2001, ISBN 0-8048-3263-3, S. 32.Bruce Thomas: Bruce Lee: Fighting Spirit: a Biography. Frog Ltd., Berkeley (CA) 1994, ISBN 1-883319-25-0, S. 42.
In seiner Freizeit gab er interessierten Kommilitonen in Hinterhöfen, Parks und auf dem Universitätsgelände Kung-Fu-Unterricht, darunter Bruce Lees erster Schüler und Assistent Jesse R. Glover, Taky Kimura, der später sein erster offizieller Assistenztrainer und Freund fürs Leben werden sollte, sowie Bruce Lees spätere Frau Linda Emery.