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mini|Johann Martin Schleyer (1888) mini|Gedenkinschrift in Litzelstetten

Volapük (Volapük für „Weltsprache“) ist eine gemischte Aposteriori-Plansprache, die 1879/80 von dem Pfarrer Johann Martin Schleyer geschaffen und vorgestellt wurde.

Geschichte Vorläufer

Nach Solresol 1817 bzw. 1856 war Volapük die zweite Plansprache überhaupt, die nennenswerte Verbreitung fand. Wie Solresol bildet sie in ihren Aspekten einen Forschungsgegenstand der Interlinguistik.

Entstehung

Schleyers Idee zum Volapük wird einmal durch einen Traum, ein anderes Mal durch eine fehlerhafte englischsprachige Anschrift erklärt, durch die ein Brief nicht angekommen war. Zunächst versuchte Schleyer, aus sechs europäischen Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Russisch – eine gemischte Sprache zu konstruieren. Dieser wollte er den Namen „Völkerdolmetsch“ geben. Weil aber eine gemeinsame Verständigung unter den verschiedenen Völkern eine gemeinsame Schreibung voraussetzt, versuchte es Schleyer zunächst mit der Aufstellung eines „Weltalphabets“ (18. Januar 1878).Rupert Kniele: Das erste Jahrzehnt der Weltsprache Volapük. Überlingen 1889. S. 69

Erfolge

mini|Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus Schleyers in Konstanz, Schottenstraße 37 im Stadtteil Paradies

Die ersten Versuche, Volapük der Öffentlichkeit zu präsentieren, finden sich in der von Schleyer herausgegebenen Sionsharfe: Monatsblätter für katholische Poesie. Zuerst (März 1879) gab Schleyer darin Proben seines Weltalphabets. Im Mai desselben Jahres erschien als Beilage der Entwurf einer Weltsprache und Weltgrammatik für die Gebildeten aller Völker der Erde. Dieser Entwurf brachte die Grundsätze und die ersten Wörter. Der erste Probesatz lautete:

Ko God beginobsöd dinis valik! ‚Lasst uns alle Dinge mit Gott beginnen!‘ – Wörtlich: Mit Gott lasst-uns-beginnen Dinge alle.

Anfangs war die Sprache recht erfolgreich. Es bildeten sich Volapük-Gesellschaften in Europa, die sich nach Nord- und Südamerika und sogar einigen Teilen von Asien ausbreiteten. Bereits nach wenigen Jahren hatte Volapük angeblich über 100.000 Anhänger – ob diese jedoch die Sprache wirklich beherrschten, ist ungewiss. Es gab laut Rupert Kniele aber Ende 1888 immerhin 885 diplomierte Volapük-Lehrer.

Der Stenograf Karl Lenze aus Eisleben wurde Schleyers erster Schüler und erhielt das erste Diplom als Weltsprachelehrer.

mini|Menad(e) bal – Pük(i) bal! mini|Anzeige für das Erlernen von Volapük von 1889

1880 erschien die erste Grammatik mit Wörterbuch. Die neue Sprache erhielt jetzt den Namen Volapük, gebildet aus den englischen Wörtern world und speak. Volapük bedeutet also „Sprache der Welt“ oder „Weltsprache“. In der Februarnummer der Sionsharfe, die anfangs als Organ für Volapük diente, erschien als erster Vers die Devise „Eine Menschheit – eine Sprache“:

Ein Jahr nach der Erfindung des Volapük erschien in Sigmaringen die Grammatik unter dem Titel Volapük, die Weltsprache. Entwurf einer Universalsprache für alle Gebildete der ganzen Erde. Verfasser: J. M. Schleyer, Redakteur der „Sionsharfe“. Diese Grammatik enthielt auch ein Wörterbuch mit 2780 Wörtern. Einflussreiche Zeitungen veröffentlichten empfehlende Artikel. Das Luxemburger Wort verglich die Bedeutung der sogenannten „Weltsprache“ für die ganze Menschheit mit der Bedeutung der Weltpost und schließt mit der folgenden Ermahnung:

mini|Volapükabled („Weltspracheblatt“) Schleyer entschloss sich bald zur Herausgabe eines eigenen Weltspracheblattes. Ab dem 1. Januar 1881 erschien das Weltspracheblatt Volapükabled. Die erste Nummer enthielt Grammatisches, einen Brief, eine Anzahl von Firmen, Gewerben, Anstalten, die empfohlen wurden, dann vergleichende Sätze in 20 verschiedenen Sprachen mit Text in Volapük daneben.

Otto Büchler aus Öhringen hielt in einer humanistischen Lehrerversammlung in Heilbronn einen Vortrag, der als der erste Vortrag über Volapük gilt, und schloss mit dem Ausdruck der Freude darüber, dass es ein Deutscher sei, der den Anstoß zu einer Weltsprache gegeben habe. mini|„Die Kunst schnell Volapük zu lernen“ 1882 fing Kamerer J. Hyberg im schwedischen Ankarsrum an, Volapük zu lernen, und gründete einen Verein unter dem Namen Första svenska verldsspråkkluben „Volapükaflens svedik“ mit neun Mitgliedern, der aber keine weiteren Fortschritte machte, obwohl er sich viel Mühe gab, Volapük in Schweden einzuführen.

Der erste Weltspracheverein wurde im selben Jahr von Rupert Kniele im Dorf Alberweiler bei Biberach gegründet. Das Jahr 1884 kann als das Jahr der Versammlungen betrachtet werden. Schleyer war um diese Zeit sehr krank und suchte ein Volapükwort für „Neid“, das es damals noch nicht gab. Er sagte zu Rupert Kniele, der ihn besuchte:

Kniele schuf daraufhin das Wort „glöt“.

Vom 25. bis zum 28. August 1884 fand die erste Generalversammlung im Kursaal der Bodenseestadt Friedrichshafen statt.Jürgen Oellers: Sprachenverwirrung in Friedrichshafen. Der erste Volapük-Kongress im Jahre 1884. In: Leben am See. Jahrbuch, Jahr unbekannt, S. 26. Das Wort „Volapük“ wurde von dieser Versammlung zum Neutrum erklärt, während man bisher „die Volapük“ gesagt hatte. Im März 1885 wandte sich Schleyer gegen die sogenannten „Verbesserer“, die er als Quelle für alle Differenzen ansah.

Anfang 1887 schrieb der Düsseldorfer Anzeiger:

Wissenschaftliche Autoritäten wie der Linguist Friedrich Max Müller und der Geograf Alfred Kirchhoff sprachen sich nun für Volapük aus. Das französische Blatt Le Temps schrieb am 16. Januar 1887:

Die Kölnische Volkszeitung schrieb am 11. Februar 1887 gar:

Im Mai 1887 hielt die „Association française“ internationale Prüfungen ab, an denen sich über 300 Personen aus allen Erdteilen beteiligten. Das erste Diplom als „plofed“ (Professor der Weltsprache) erhielt der Direktor der Handelsschule in Bukarest. Vom 6. bis zum 9. August fand der 2. Kongress aller Weltsprachefreunde in München statt.

Anfang 1888 sah sich Schleyer veranlasst, seine Rechte als Erfinder zu bekräftigen. Schleyer führte den Namen „cifal“, als der er auch von der 2. Generalversammlung in München anerkannt wurde. Sein Wohnsitz galt als Zentralpunkt für alle Volapükisten der Erde. Die einheitliche Leitung geschah durch Schleyers monatlich erscheinendes Organ, das Volapükabled zenodik („Zentralblatt der Weltsprache“). Der Wohnsitz des Erfinders in Konstanz galt als Zentralbureau der Schleyer’schen Weltsprache.

Dem cifal standen die Senatoren (senätans) zur Seite. Diese Senatoren wählte sich Schleyer nach seinem Ermessen aus. Insgesamt wollte er 100 Senatoren auswählen.

Im selben Jahr 1888 wurde Volapük auch in China und Japan eingeführt. Am Ende des ersten Jahrzehnts (1888) gab es 885 Weltsprachelehrer, 190 Oberlehrer (löpitidel), 50 Professoren (plofed). Weltweit wurde die Zahl der Volapük-Anhänger auf 1 bis 2 Millionen geschätzt. Kurse wurden an 272 Orten erteilt und es gab 253 Vereine, die sich für Volapük engagierten (laut Kniele, S. 69).

Der britische Philologe Alexander Ellis erwähnt in seinen Schriften ein Chicagoer Mädchen namens Corinne Cohn, das mit Volapük aufwuchs. Es war die Tochter des Volapük-Aktivisten Henry Cohn und 1888 sechs Jahre alt. Es gibt aber keine weiteren Berichte von ihm.

Niedergang

Mit der Zeit erwies sich Volapük als zu schwer erlernbar, um sich dauerhaft durchsetzen zu können. Der Wortschatz wurde zwar verschiedenen europäischen Sprachen entnommen, allerdings wurden die einzelnen Wörter zum Teil so stark verändert, dass sie kaum noch zu erkennen waren.

Eine weitere Bürde für die Entstehung eines lebendigen Volapük war, dass Schleyer versuchte, die Kontrolle über seine Sprache zu behalten und die Volapük-Akademie autokratisch zu beherrschen. So behielt er sich beispielsweise als Datuval (= „Großer Erfinder“) die Einführung neuer Vokabeln sowie ein absolutes Vetorecht vor.

Nachdem die 1889 auf dem 3. Volapük-Kongress in Paris gegründete Volapük-Akademie einige Reformen gefordert hatte, die Schleyer ablehnte, begann der rasche Niedergang des Volapük. Reformversuche wie das Idiom Neutral fanden keinen Zulauf.

Bereits ab Mitte der 1880er Jahre verließen immer mehr Volapük-Anhänger die Weltsprachbewegung, wodurch Volapük schnell an Bedeutung verlor.

mini|Arie de Jong

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg begann der Niederländer Arie de Jong mit einer kompletten Durchsicht von Wortschatz und Grammatik. 1929 traf er sich mit Mitgliedern der noch immer bestehenden Volapük-Akademie und dem Volapük-Präsidenten, dem sogenannten Cifal. Nachdem diese revidierte Fassung akzeptiert wurde, veröffentlichte er zu Beginn der 1930er Jahre eine neue Leitgrammatik sowie ein modellhaftes Wörterbuch Volapük–Deutsch und Deutsch–Volapük.

Bedeutung

Zurzeit gibt es nur noch wenige Menschen, die Volapük beherrschen. Die Bedeutung des Volapük liegt darin, dass zum ersten Mal eine neue Sprache nicht ein bloßes Projekt blieb, sondern von einer Sprachgemeinschaft angewandt wurde.

Volapük hat die ISO-639-Kürzel vo und vol.

Chronologie

mini|Johann Martin Schleyer, undatiert

1879 Johann Martin Schleyers Konzept einer Welthilfssprache 1880 Veröffentlichung des ersten Volapük-Lehrbuchs in Sigmaringen 1884 Erster Weltkongress in Friedrichshafen 1887 Zweiter Weltkongress in München – Gründung der Volapük-Akademie 1889 Dritter Weltkongress in Paris 1889 Präsident der Volapük-Akademie Auguste Kerckhoffs, Streit mit Schleyer 1902 Veröffentlichung des völlig anderen Sprachprojektes Idiom Neutral durch die ehemalige Volapük-Akademie unter Waldemar Rosenberger 1931 Veröffentlichung des revidierten Volapük durch Arie de Jong nach Billigung durch Akademie und Cifal

Cifals

„Cifal“ (Chef) war der Titel, den sich Schleyer als Oberhaupt der Volapük-Bewegung geben ließ. Der Titel „Cifal“ wurde in ununterbrochener Reihenfolge von Schleyer bis in die Gegenwart fortgeführt. Seine Nachfolger bis heute waren oder sind: Johann Martin Schleyer 1879–1912 Albert Sleumer 1912–1948 Arie de Jong (kommissarisch) 1947–1948,volapük.com 1951–1957volapük.com Jakob Sprenger 1948–1950 Johann Schmidt 1950–1977 Johann Krüger 1977–1983 Brian Reynold Bishop 1984–2014 Hermann Philipps 2014 bis heute Auf Grund der geringen Sprecherzahl hatte Brian Bishop zuerst Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden. 2012 wurde der Deutsche Hermann Philipps aus Bonn als Vize-Cifal („Vicifal“) bestimmt.

Rezeption

Der Schwede Paul Nylén beschrieb seinen Eindruck vom Volapük, nachdem er sich einem anderen Plansprachenprojekt angeschlossen hatte, rückblickend wie folgt:

Adalbert Baumann, der Urheber von Weltdeutsch, übt in seinem Buch Wede: Die Sprache der Zentralmächte und ihrer Freunde (1915) scharfe Kritik an den bestehenden Sprachprojekten, auch an Volapük:

Volapük-Alphabet Das Volapük-Alphabet besteht aus 27 Buchstaben: Buchstabe IPA a ä oder b c oder d e f Buchstabe IPA g h i j oder k l m Buchstabe IPA n o ö p r s oder t Buchstabe IPA u ü v x oder y z oder

mini|Schleyers Entwurf für die Umlaute

Durch den Ausschluss von „q“ und „w“ enthält das Volapük-Alphabet nur 24 der 26 Nicht-Umlaute des deutschsprachigen Alphabet plus die drei Umlaute, in Summe also 27.

Die meisten Buchstaben werden wie im Deutschen ausgesprochen. Abweichungen gibt es nur bei: c = stimmloses tsch [tʃ] (oder stimmhaftes dsch [dʒ]): cil [tʃil] = Kind (aus dem Englischen „child“ [tʃaɪld]) j = stimmloses sch [ʃ] (oder stimmhaftes sch [ʒ]): jad [ʃad] = Schatten (aus dem Englischen „shadow“ [ˈʃædəʊ]) v = w [v]: vin [vin] = Wein (aus dem Englischen „wine“ [waɪn]; [v] < [w])

y = j [j]: yag [jag] = Jagd