mini|V. l. n. r.: Anwar as-Sadat, Jimmy Carter und Menachem Begin nach der Unterzeichnung des Camp-David-Abkommens Diplomatie ist die Kunst und Praxis des Verhandelns zwischen bevollmächtigten Repräsentanten verschiedener Gruppen oder Nationen (Diplomaten). Der Begriff bezieht sich meist auf die internationale Diplomatie, also die Pflege zwischenstaatlicher und überstaatlicher Beziehungen durch Absprachen über Angelegenheiten wie Friedenssicherung, Kultur, Wirtschaft, Handel und Konflikte. Internationale Verträge werden in der Regel von Diplomaten ausgehandelt; dabei handeln diese im Auftrag ihrer Regierungen und vertreten deren Interessen.
Im übertragenen Sinne versteht man unter diesem Begriff auch die auf Verhandlungen oder Treffen beruhenden Kontakte zwischen zwei oder mehr Gruppen jedweder Art.
Diplomatisches Verhalten nennt man das Tun und Lassen eines Verhandelnden, das den Agierenden dabei Kompromissbereitschaft und den Willen bescheinigt, die Absichten und die Wünsche jedes Beteiligten zu erkennen; das sogenannte Win-win-Situationen sucht; das es möglichst vermeidet, andere Verhandelnde bloßzustellen oder in die Enge zu treiben; das geeignet ist, den langfristigen Nutzen zu maximieren (es wäre also undiplomatisch, sich einen kurzfristigen Nutzen zu sichern, dabei aber langfristig Nachteile oder Konflikte zu riskieren bzw. in Kauf zu nehmen).
Englisch und Französischwww.diplomatie.gouv.fr gelten heute (wie schon seit Jahrhunderten) als weltweite Sprachen der Diplomatie. Beide sind, neben Arabisch, Chinesisch, Russisch und Spanisch, die Arbeitssprachen der Vereinten Nationen (UN).
Überblick mini|Palais des Nations, Sitz der UNO in Genf. Die UNO ist als größte Internationale Organisation ein Zentrum der Internationalen Diplomatie. Begriffserläuterungen, wichtige Bestandteile Eine Sammelbezeichnung für eine Gruppe von Diplomaten aus demselben Herkunftsland ist die diplomatische Vertretung. Dabei kommt der höchste diplomatische Rang innerhalb dieser Gruppe dem Botschafter (weltlich) beziehungsweise dem Apostolischen Nuntius (kirchlich) zu. Eine von einem Botschafter angeführte diplomatische Vertretung in einem Gebäude heißt Botschaft. Ihre Mitglieder sind die offiziellen Vertreter und Ansprechpartner eines Staates, einer Nation oder einer Organisation (etwa UN-Botschafter) in einer fremden Nation. Die Sammelbezeichnung für alle Diplomaten in einem fremden Staat ist das diplomatische Korps (französisch corps diplomatique), weshalb auch die Kfz-Kennzeichen von Diplomaten in aller Welt oft mit den Buchstaben CD beginnen oder in der Form eines Nationalitätszeichens (ovales Schild) neben dem Kfz-Kennzeichen angebracht sind.
Je besser der Diplomat oder die diplomatische Mission im fremden Land organisiert ist, desto besser kann den eigenen Interessen Ausdruck verliehen werden. Hierbei ist eine Botschaft sehr hilfreich, weshalb es heute ein enges Netz aus Botschaften und diplomatischen Beziehungen rund um die Welt gibt.
Formen Die einfachste und älteste Diplomatieform ist die bilaterale (zweiseitige), also die Diplomatie zwischen zwei Staaten. Eine weitere ist die multilaterale (mehrseitige) Diplomatie, wobei viele Staaten gleichzeitig zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen versuchen, das dann für alle verbindlich ist. Im Gegensatz zu diesen Formen steht der Unilateralismus (Alleinhandeln), wo ein Staat nur im eigenen Interesse handelt, ohne Absprache oder Rücksichtnahme auf andere Nationen.
Diplomatischer Kontakt Diplomatischer Kontakt zwischen verschiedenen Nationen findet z. B. zwischen den jeweiligen Botschafte(r)n und Regierungen oder im Rahmen von diplomatischen Foren statt. Bedeutende Gesprächs-Foren der Diplomatie sind etwa die Vereinten Nationen (UNO), die Europäische Union (EU), die Vereinigung der süd-ost-asiatischen Nationen (ASEAN) und die Union Südamerikanischer Nationen (UNASUR). Bei Verhandlungen und Konferenzen auf supranationaler Ebene werden in der Regel Diplomaten, die an diese Organisation entsandt werden, tätig.
Über die Aufnahme oder einen Abbruch diplomatischer Kontakte zu einem Land entscheidet in der Regel das jeweilige Bundesparlament, in Deutschland der Deutsche Bundestag.
Funktionsweise bzw. Besonderheiten Jede Diplomatie funktioniert auf der Basis des verbalen Taktgefühls, welches gewährleistet, dass sachlich über Fakten diskutiert werden kann.
Vorgehensweisen Es existieren unzählige diplomatische Vorgehensweisen oder Strategien, um die Interessen eines Staates bei einem anderen durchzusetzen. Eine Vorgehensweise ist die informelle Diplomatie. Sie wird seit Jahrhunderten zur Kommunikation zwischen den Großmächten verwendet. Viele Diplomaten bemühen sich, Kontakt zu einflussreichen Figuren in anderen Staaten herzustellen, um auf diesem Weg Zugang zur Führungsspitze eines Landes zu erhalten. In einigen Fällen, zum Beispiel zwischen den USA und der Volksrepublik China, läuft ein Großteil der Diplomatie über halboffizielle Kanäle unter Verwendung von Gesprächspartnern wie akademischen Mitgliedern politischer Stiftungen (Denkfabriken) ab. Dies geschieht zumal in Angelegenheiten, in denen Regierungen Empfehlungen oder Ratschläge geben möchten, ohne dies über die offiziellen Kanäle verlautbar werden zu lassen.
In Europa werden seit langem auch vertrauensbildende Maßnahmen praktiziert, um Spannungen zwischen Völkern langfristig abzubauen oder Gemeinsamkeiten zu fördern. So werden zum Beispiel Programme zum Jugendaustausch, akademische Austauschprogramme wie das Erasmus-Programm oder das Erasmus+-Programm vereinbart. Weitere vertrauensbildende Maßnahmen sind das Schließen internationaler Städtepartnerschaften und die Förderung des Fremdsprachenunterrichtes (an Schulen).
Im Orient und anderen Teilen der Welt gab es eine ganz andere Vorgehensweise. Im osmanischen Reich, Persien und anderen Staaten wurden Diplomaten als eine Garantie für gutes Verhalten angesehen. Sofern eine Nation ein Abkommen brach oder Angehörige dieser Nation sich schlecht verhielten, zum Beispiel ein Schiff kaperten oder ein Grenzdorf plünderten, dann wurden die Diplomaten dafür bestraft. Diplomaten waren also ein Mittel dazu, Abkommen und Völkerrecht durchzusetzen. Damit gesichert war, dass die Bestrafung von Diplomaten den Herrschenden auch etwas bedeutete, bestand man auf hochrangige Diplomaten. Diese Tradition findet sich schon im Römischen Reich der Antike. Die Römer forderten von den unterworfenen Stämmen in Germanien häufig Geiseln, meist Kinder des Stammeshäuptlings oder nahe Verwandte. Diese wurden nicht als Gefangene gehalten, sondern als eine Art von Gästen. So kamen sie in den Genuss römischer Erziehung und Lebensart. Nur bei Fehlverhalten ihres Stammes konnte es zu drastischen Repressalien gegen sie kommen.
Diplomatische Immunität Diplomatische Immunität ist der Schutz von Diplomaten vor strafrechtlicher, zivilrechtlicher oder administrativer Verfolgung in einem fremden Staat.
Diplomatische Rechte wurden in Europa in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts etabliert und haben sich seitdem in der ganzen Welt ausgebreitet. Diese Tradition wurde 1961 im Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen formell niedergelegt. Der Vertrag schützt Diplomaten davor, belangt oder verfolgt zu werden, während sie sich auf diplomatischer Mission befinden. Sie erhalten diese Immunität durch die Ausweisung als Handlungsbefugte im Namen einer Regierung (Akkreditierung) und nicht allein durch den Besitz eines Diplomatenpasses. Es ist jedoch üblich, Diplomaten mit solchen Pässen auszustatten.
Der akkreditierte Diplomat genießt Immunität nur im Empfangsstaat. Ist er bei einer internationalen Organisation akkreditiert, richtet sich seine Immunität in einem Staat nach den Vereinbarungen der Organisation mit jeweils diesem Staat. Besitzt der Diplomat auch oder nur die Staatsangehörigkeit des Empfangsstaates, ist er wegen seiner dienstlichen Handlungen immun, nicht aber wegen seines privaten Verhaltens.
Auch mitreisenden Familienangehörigen von Diplomaten wird vom Empfangsstaat Immunität gewährt.
Auf die Immunität kann der Entsendestaat – nicht der Diplomat oder Familienangehörige – durch Erklärung gegenüber dem Empfangsstaat ganz oder teilweise verzichten. Hauptsächlich findet dies statt, wenn der Empfangsstaat einem Familienangehörigen des Diplomaten die Ausübung einer Erwerbstätigkeit gestattet. Damit keine Wettbewerbsverzerrungen gegenüber Berufstätigen aus dem Empfangsstaat entstehen, wird im Zusammenhang mit der Berufsausübung auf die Immunität verzichtet. So muss beispielsweise der Ehepartner eines Diplomaten, der in Deutschland als Arzt tätig werden will, nicht nur die Zulassungsvoraussetzungen erfüllen, sondern auch Beiträge an die Ärztekammer leisten und kann für Sorgfaltspflichtverletzungen bei Behandlungen vor deutschen Zivilgerichten in Anspruch genommen sowie vor Strafgerichten angeklagt werden; wegen des bei einem privaten Sonntagsausflug verursachten Verkehrsunfalls würde hingegen nach wie vor die Immunität greifen.
Die diplomatische Kommunikation wird ebenfalls als unverletzlich betrachtet, und Diplomaten ist es seit langem erlaubt, Dokumente mit dem sog. „Diplomatenkoffer“ oder der „Diplomatenpost“ außer Landes zu bringen, ohne durchsucht zu werden. Die Fortentwicklung der Verschlüsselungstechnik hat diese Methode jedoch in den letzten Jahren zunehmend obsolet gemacht. Das völkerrechtliche Verbot des Abhörens diplomatischer Telekommunikation wird häufig nicht beachtet, weshalb zwischen den Auslandsvertretungen eines Staates und der Zentrale brisante Inhalte häufig in stark verschlüsselter Form übermittelt werden.
In Zeiten von Feindseligkeiten werden Diplomaten zum eigenen Schutz oft ins Heimatland beordert. Dies geschieht manchmal auch, wenn das Gastland zwar befreundet ist, es aber Anschlagsdrohungen gibt. Botschafter und andere Diplomaten werden von ihren Heimatländern manchmal auch abgezogen, um Missfallen mit dem Gastgeberland auszudrücken. In solchen Fällen bleiben Botschaftsangehörige niederen Ranges zurück und erledigen die anfallenden Aufgaben. In anderen Fällen führt die Botschaft eines anderen, befreundeten Staates die konsularischen oder diplomatischen Aufgaben weiter.
Eine reduzierte Immunität genießen auch weitere entsandte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Konsulaten nach den Vorgaben des Wiener Übereinkommens über konsularische Beziehungen.Diplomatische Immunität – Bedeutung und Grenzen, Auswärtiges Amt.
Diplomatische Anerkennung Diplomatische Anerkennung ist das Maß der Akzeptanz einer Nation bei allen anderen nicht-unilateral agierenden Staaten.
Heutzutage gibt es eine ganze Anzahl de facto unabhängiger Gebiete, denen die diplomatische Anerkennung durch weite Teile der Welt verweigert wird, zum Beispiel die Republik China (Taiwan). Da die VR China Taiwan mit ihrer Ein-China-Politik als „abtrünnige Provinz“ betrachtet, sind diplomatische Beziehungen nur mit jeweils einer Regierung möglich. Viele Staaten erkennen die Republik China nicht offiziell an, um Verstimmungen mit der weit größeren VR China zu vermeiden. Es werden aber oft informelle Kontakte unterhalten.
Andere nicht oder von einem großen Teil der Staatengemeinschaft (Vereinte Nationen) nicht als staatliche Völkerrechtssubjekte anerkannte Länder sind Abchasien, die Cookinseln, Kosovo, Niue, Nordzypern, Somaliland, Südossetien, Transnistrien und Westsahara. Im Gegensatz zu Taiwan besitzen diese Länder jedoch eine deutlich geringere wirtschaftliche oder politische internationale Bedeutung und sind deswegen viel isolierter. Israel wird von 30 UN-Mitgliedern nicht anerkannt, ist selbst aber Mitglied im zwischenstaatlichen Zusammenschluss. Der Staat Palästina wird von 36 UN-Mitgliedern nicht anerkannt und verfügt über einen Beobachterstatus. Auch weitere Staaten werden nicht von allen anderen UN-Mitgliedern anerkannt (siehe Liste der Gebiete mit begrenzter Anerkennung als Staat).