mini|hochkant=1.35|Luftbild von Kühlungsborn-Ost und einem Teilabschnitt der Strandpromenade zwischen Kühlungsborn-Ost und West (2013)

Das Seebad Kühlungsborn (amtlich mit Namenszusätzen Stadt Ostseebad Kühlungsborn) ist eine amtsfreie Stadt im Landkreis Rostock in Mecklenburg-Vorpommern. Kühlungsborn ist eines der ältesten und beliebtesten Ostseebäder und hat mit über 3100 m die zweitlängste deutsche Strandpromenade nach den Kaiserbädern auf Usedom. Der Ort bildet das Herzstück der „mecklenburgischen Riviera“.

Geographische Lage Das Seebad ist der größte Bade- und Erholungsort Mecklenburgs. Es liegt an der Ostseeküste direkt an der Mecklenburger Bucht, etwa 25 km westlich von Rostock. Auf ihre Umgebung bezogen ist die Stadt Ostseebad Kühlungsborn ein Grundzentrum.Regionales Raumentwicklungsprogramm Mittleres Mecklenburg/Rostock 2011 – Zentralorte und perspektivische Entwicklung, Planungsregion MMR, abgerufen am 12. Juli 2015

Südlich von Kühlungsborn erhebt sich der Höhenzug der Kühlung – eine Endmoräne, welche die letzte Kaltzeit vor gut 15.000 Jahren in Mecklenburg zurückgelassen hat. Vom weithin sichtbaren Leuchtturm Buk auf dem Signalberg im Nachbarort Bastorf ist bei klarer Sicht der Blick auf Ostsee und Ostseeküste möglich.

Mit 3150 m Länge verfügt Kühlungsborn über eine der längsten Strandpromenaden Deutschlands; sie endet am westlichen Stadtrand in Kühlungsborn-West, dem früheren Arendsee, am Baltic-Platz. Der breite Sandstrand des Seebades erstreckt sich über rund sechs Kilometer entlang der Ostseeküste und liegt vor einer mit Strandhafer befestigten Küstendüne und der Promenade. Zwischen Strand und bebautem Stadtgebiet liegt ein Waldstreifen, der Kühlungsborn vor Wind und Wetter, aber auch vor dem von der Küste anwehenden Sand schützt. Die Bäume und Sträucher des Waldstreifens gehören zum rund 1500 Hektar großen Kühlungsborner Stadtwald, den die Stadt ringförmig umschließt.

Geschichte Von 1177 bis 1850 Die Geschichte der einstigen Dörfer Arendsee und Brunshaupten sowie des zuletzt zu Brunshaupten gehörenden Gutes Fulgen, aus denen 1937 zunächst die Gemeinde Ostseebad Arendsee-Brunshaupten und ein Jahr später die Stadt Ostseebad Kühlungsborn gebildet wurde, führt fast 800 Jahre zurück. 1177 wurden in einer Urkunde „Bruno von Cubanze“ und „zwei Dörfer Brunos“ erwähnt. 1219 wurde der Name „Brunshövede“ (= Hof oder Hafen des Brunos) in einer Stiftungsurkunde des Nonnenklosters Sonnenkamp erstmals urkundlich erwähnt.Geschichte des Ostseebades Darin wird beurkundet, dass das Dorf Brunshaupten ein Geschenk des damaligen Landesfürsten an das Nonnenkloster Sonnenkamp ist, das seinen Sitz zunächst nahe Kröpelin in Parchow – heute ein Ortsteil der Gemeinde Biendorf im Landkreis Rostock – und später in Neukloster hatte.

Fulgen wurde erstmals während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) urkundlich erwähnt. Von den Kriegshandlungen waren sowohl die Dörfer. Arendsee als auch Brunshaupten aber besonders das damalige Dorf Fulgen betroffen.

Brunshaupten war ein Reihendorf das ungefähr dem Verlauf des Cubanze-Baches folgte. Der älteste Teil von Arendsee ist dort zu finden, wo die Landstraße nach Rerik in scharfem Knick Kühlungsborn verlässt. Fulgen, das vor dem Dreißigjährigen Krieg noch ein großes Dorf war, lag östlich von Brunshaupten. Die Bewohner der drei Dörfer lebten sowohl von Fischfang als auch von Landwirtschaft. Als Erbpächter bewirtschafteten sie ihr Pachtland als Büdner oder Häusler.

Anfänge des Tourismus ab 1857 mini|Altes Kurhaus von Arendsee (1994 abgerissen, später in gleicher Kubatur wiederaufgebaut) mini|Plan der drei Ursprungsorte Arendsee, Seebad Brunshaupten und Gutsbezirk Fulgen um 1908 mini|Denkmalgeschützte Bäderarchitektur, hier die ehemalige Meeresburg

1857 ließ der Erbpächter E. Wittholz von Fulgen ein zweistöckiges Logierhaus erbauenHinweis auf den Erbpächter Wittholz und einen Badeprospekt drucken, in dem er sich zur Aufnahme von Badegästen empfahl, und für eine Person pro Woche für Aufwartung, Beköstigung, Logis und Bäder 7 bis 9 Reichstaler je nach Zimmerwunsch berechnete. Das Ostseesturmhochwasser am 12./13. November 1872 richtete auf dem Hof Fulgen erheblichen Schaden an. Da alle Wiesen und Weideflächen und sogar die Stallungen unter Wasser standen, wurde das Vieh kurzerhand für einige Tage im komfortablen Logierhaus untergebracht. 1881 kamen Badegäste auch nach Brunshaupten und drei Jahre später nach Arendsee, wo 1882 eine Seenotrettungsstation eingerichtet wurde.Einrichtung einer Seenotrettungsstation 1887 zählte man in Brunshaupten rund 600 Einwohner und 300 Gäste. Von Kröpelin aus wurde 1895 mit dem Bau einer Chaussee nach Brunshaupten begonnen. Ab dann fuhr zweimal täglich ein Postomnibus nach Arendsee und Brunshaupten. Für diese Tour wurde mit Privatfahrzeugen etwa eine Stunde benötigt. Man konnte auch mit einem Zweispänner von und nach Kröpelin ohne Unterbrechung und Aufenthalt für 6 Mark die einfache Fahrt nach Brunshaupten und Arendsee gelangen. Ein Badeverein beschloss 1899 den Bau einer Warmbadeanstalt. Zu dieser Zeit waren auch schon einige Logierhäuser wie das „Ostseehotel“ oder die „Strandperle“ bezugsfertig. Erstmals wurde ein Promenadensteg von 120 Metern Länge in die Ostsee hinein errichtet.

Mit dem Bau des Promenadenwegs, der parallel zum Strand verlief, wurde 1900 begonnen. Am 1. Juni 1901 wurde für die Feriengäste, die sich erstmals auch zu der Zeit der Osterferien einstellten, das Warmbad eröffnet. Der Verbindungsweg zwischen Arendsee und Brunshaupten, die heutige Ostseeallee, wurde 1904 zur Bebauung freigegeben. Es entstanden prachtvolle Villen in der für die Region typischen Bäderarchitektur.Bebauung der Ostseeallee Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Hotels und Pensionen in der dem Sandstrand nachgelagerten Küstendüne gebaut. Am 4. August 1906 wurden Petroleumlampen als Straßenbeleuchtung eingeführt, da Gas oder elektrische Anlagen bei der großen Ausdehnung von Brunshaupten und Arendsee zu teuer gewesen wären. 1908 bis 1912 entstand die zentrale Wasserversorgungsanlage. 1909 wurde beschlossen, ein Gaswerk zu bauen. Ab 1910 fuhr die Bäderbahn Molli von Doberan über Heiligendamm und Brunshaupten bis nach Arendsee. 1911 erhielten die beiden Orte elektrischen Strom.

Trotz gemeinsamer Interessen arbeiteten die Gemeinden Brunshaupten (mit Fulgen) und Arendsee getrennt, oft sogar in scharfer Konkurrenz gegeneinander. Viele Einrichtungen gab und gibt es deshalb zweifach (z. B. die Konzertgärten Ost und West, zwei Seebrücken). Die Anzahl der Gäste stieg in den Friedensperioden stark an (1913: 28.000 Gäste bei 2600 Einwohnern, 1933–1935: 30.000–45.000 Badegäste jährlich, 1970–1981: 130.000–160.000 Badegäste jährlich).

1926 erhielt Arendsee die Bezeichnung „Ostseebad“;Bekanntmachung vom 27. September 1926 (RBl. S. 523) Brunshaupten folgte 1930.Bekanntmachung vom 17. März 1930 (RBl. S. 45)

Stadtgründung 1938 und Zweiter Weltkrieg mini|Ehemalige Grenze zwischen Brunshaupten und Arendsee

Am 1. April 1937 wurden die Gemeinden Arendsee und Brunshaupten mit dem zugehörigen Gut Fulgen zur Gemeinde Brunshaupten-Arendsee zusammengeschlossen.Geschichte Ostseebad Kühlungsborn Zum 1. April 1938 erhielt die neu gegründete Gemeinde die Stadtrechte und den Ortsnamen Ostseebad Kühlungsborn.Hans Christian Feldmann, Gerd Baier, Dietlinde Brugmann, Antje Heling und Barbara Rimpel: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Mecklenburg-Vorpommern. Dehio-Handbuch, Deutscher Kunstverlag, 2000, ISBN 3-422-03081-6, S. 294 Der Name Kühlungsborn ist ein Kunstwort, das aus den Begriffen Kühlung (Name des Höhenzuges südlich des Ortes) und Born (Quelle, Brunnen) abgeleitet und zeitgenössisch als „ein Born der Gesundheit und neuer Kraft“ interpretiert wurde.Zusammenlegung der Orte Im Zweiten Weltkrieg nahm Kühlungsborn zahlreiche Luftkriegsevakuierte auf, Frauen und Kinder, nicht nur aus dem schwer bombardierten Rostock, sondern auch aus Berlin und anderen deutschen Gebieten. Seit 1944/45 wurde Kühlungsborn dann für viele Kriegsflüchtlinge aus den früheren deutschen Ostgebieten zum zeitweiligen oder endgültigen neuen Wohnplatz.

Im Haus von Kirchenrat i. R. Karl Timm überlebte 1945 versteckt die Berliner Jüdin Rosemarie Dessauer bis zum Kriegsende nach einer Odyssee durch verschiedene Pfarrhäuser in Mecklenburg.

Neubeginn nach 1945 Die Sicherung von Wohnraum, die Versorgung mit Lebensmitteln und Brennstoffen, sowie der wirtschaftliche Neubeginn aus den Hinterlassenschaften des Krieges mit über Tausend Flüchtlingen im Ort war eine schwierige Phase. Die Überreste der Landwirtschaft, Fischerei und Handwerkstätigkeit reichten nicht aus, einen sicheren Neubeginn zu schaffen. Die beiden Schulen am Ort, traditionell in Kühlungsborn-Ost und -West, nahmen am 1. September 1945 den unterbrochenen Schulbetrieb wieder auf.Siegfried Akkermann: Jenseits von Riga, Godewind Verlag, 2005, Seiten 386–388, ISBN 3-938347-70-8; (b) Siegfried Akkermann: Kühlungsborner Bilderbogen & Rostocker Allerlei, Godewind Verlag, Seiten 38 ff sowie Abb. 1, 3 und 8 (1949), ISBN 978-3-939198-05-5. Die ersten Pensionen, die in den letzten Kriegsjahren zum Teil als Lazarett oder zu Schulungszwecken gedient hatten, nahmen langsam den gastronomischen Betrieb wieder auf.

Entwicklung des Tourismus mini|Innenansicht der Meerwasserschwimmhalle (1989)

Insgesamt 40 Hotels und Pensionen wurden 1953 während der „Aktion Rose“ teilweise willkürlich enteignet, verstaatlicht und mehrere davon in Ferienheime des staatlichen Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes umgewandeltHistorie Ostseebad Kühlungsborn: Aktion Rose In: kuehlungsborn.de Gebäude, in denen Umsiedler wohnten oder Kinderbetreuung erfolgte, erhielt die Stadt in Treuhand. In Kühlungsborn wurden 50 Einrichtungen verstaatlicht. Falls die Besitzer Widerstand leisteten, wurden sie teilweise in Schauprozessen verurteilt. Viele mussten in die Bundesrepublik Deutschland fliehen. Nach dem 17. Juni 1953 bemühten sich Verantwortliche in kommunalen Positionen durch Einsetzen einer sogenannten „Härtekommission“ ungerechtfertigte Urteile und verhängte Maßnahmen zu korrigieren. Bis zum 3. September 1953 überprüften sie 330 Strafverfahren und beschlossen in 129 Sachverhalten die eingezogene Immobilie oder den Nutzungsbetrieb den Betroffenen zurückzugeben.Jürgen Jahncke, Kühlungsborn. Ein Streifzug durch das Leben des Badeortes, Verlag Redieck & Schade Rostock 2006, S. 149f.

Die nunmehr staatlichen Ferieneinrichtungen wurden bis 1989 hauptsächlich für Ferien- und Kuraufenthalte der DDR-Bürger nach strengen Platzvergaberichtlinien und Vergabe von sogenannten FDGB-Ferienschecks genutzt. Individualtourismus war, wie in den meisten Ostseebädern in der DDR bis 1989, nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich (durch Nutzung von Privatwohnungen oder Camping). Die Kosten bei Nutzung des FDGB-Ferienschecks waren sehr gering (60–100 Mark der DDR für 14 Tage Vollpension am Meer). Durch die einheitliche Ferienzeit (Juli/August) in der DDR waren Kühlungsborn und insbesondere alle Handelseinrichtungen in dieser Zeit regelmäßig von Urlaubern überflutet. Es kam häufig zu Versorgungsengpässen in den Handelseinrichtungen. In den sogenannten „Ostseewochen“ (meistens die erste Juliwoche), die rund drei Jahrzehnte lang jährlich als Festwochen durchgeführt wurden, versuchte die DDR-Führung sich international Anerkennung zu verschaffen. Es gab ein besseres Warenangebot und zahlreiche hochkarätige Kulturveranstaltungen. Die Teilnehmer aus den Ostseeanliegerstaaten und Norwegens wurden in extra hierfür freigehaltenen Ferienheimen untergebracht.