Stalking (englisch; []) ist das willentliche und wiederholte (beharrliche) Verfolgen oder Belästigen einer Person, deren physische oder psychische Unversehrtheit dadurch unmittelbar, mittelbar oder langfristig bedroht und geschädigt werden kann. Stalking ist in vielen Staaten Thema kriminologischer und psychologischer Untersuchungen. Der Begriff ist in den 1990er-Jahren im US-amerikanischen und britischen Raum aufgekommen und hat sich im deutschsprachigen Raum vor allem in der Umgangssprache verbreitet. () Stalking wird im deutschen Strafgesetzbuch (seit 2007, ) und im schweizerischen Strafgesetzbuch (seit 2026, ) als Straftatbestand der Nachstellung bezeichnet; das österreichische Strafgesetzbuch (seit 2006) spricht von beharrlicher Verfolgung.

Cyberstalking ist eine immer häufiger auftretende Variante von Stalking, die digital erfolgt, und vom Verein Weisser Ring als „das penetrante Nachstellen, Bedrohen und Belästigen im digitalen Raum“ beschrieben wird, wobei die Opfer überdurchschnittlich oft weiblich sind.Digitale Gewalt: Cyberstalking. Weisser Ring, abgerufen am 25. September 2025.

Definition Es gibt keine einheitliche Definition von Stalking.

Eine erste wissenschaftliche Definition erfolgte durch Zona et al. (1993), die Stalking als „obsessives und unnormal langes Muster von Bedrohung durch Belästigung gegen ein bestimmtes Individuum gerichtet“ bezeichnen. Meloy und Gothard führten 1995 den Begriff „obsessives Verfolgen“ ein, um den psychiatrischen Aspekt hervorzuheben.J. R. Meloy, S. Gothard: Demographic and clinical comparison of obsessional followers and offenders with mental disorders. In: The American journal of psychiatry. Band 152, Nummer 2, Februar 1995, S. 258–263, doi:10.1176/ajp.152.2.258. PMID 7840361. Damit wurde zudem an die ursprüngliche Bedeutung in der Jagdsprache, die Pirschjagd, angeknüpft.Was ist Stalking? Polizei Bayern, abgerufen am 3. August 2021

Pathe und Mullen (1997) sehen im Stalking eine . Westrup (1998) nannte als Merkmale von Stalking: M. Pathé, P. E. Mullen: The impact of stalkers on their victims. In: The British journal of psychiatry : the journal of mental science. Band 170, Januar 1997, S. 12–17. PMID 9068768.

Die offizielle präventivpolizeiliche Definition in Deutschland lautet:

Cyberstalking oder Cyber-Mobbing bezeichnet die Belästigung und das beharrliche Nachstellen einer Person unter Anwendung und Zuhilfenahme von modernen technischen Hilfsmitteln wie Handy oder Internet.Cyber Bulling

Herkunft des Wortes Das englische Wort to stalk bedeutet in der Jägersprache „jagen, heranpirschen, hetzen, steif gehen, stolzieren“ (aus dem Gälischen stalc oder dem Substantiv stalcaire für „Jäger“, „Falkner“). Daraus abgeleitet: verfolgen; „Stalking“ bedeutet in der deutschen Sprache übertragen „Nachstellen, Verfolgen, Psychoterror“.

Mögliche Stalking-Handlungen Gemäß einer Handreichung zur Beratung des deutschen Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2005)Materialien zur Gleichstellungspolitik: Stalking: Grenzenlose Belästigung (PDF-Datei; 254 kB) des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend erstrecken sich mögliche Handlungsformen von Stalkern auf:

+ Standard Außenwirkung StraftatenAusfragen des BekanntenkreisesVerleumdungen(z. B. gegenüber dem Arbeitgeber)Beleidigungen und Üble NachredeTelefonanrufe, SMS, Nachrichten auf dem AnrufbeantworterSenden von E-Mails zu allen Tages- und NachtzeitenBestellungen von Warensendungen im Namen des OpfersNötigungen und Bedrohungen„Liebesbezeugungen“ wie Liebesbriefe, Blumen, GeschenkeAnwesenheit sowie das Verfolgen und Auflauern(z. B. vor der Wohnung, dem Arbeitsplatz, dem Einkaufsort) Das Spektrum der so genannten Stalking-Verhaltensweisen kann in dramatischen Fällen über körperliche Gewalt bis hin zu Tötung reichen. Die einzelne Handlung ist dabei nicht notwendigerweise kriminell, die Anzahl und die Dauer solcher Handlungen allerdings können zusammen als Stalking betrachtet werden. Der Versuch beispielsweise, die Telefonnummer einer Person zu ermitteln, muss als einzelne Tat nicht notwendigerweise als Störung auffallen, in Kombination mit anderen Handlungen kann solch ein Verhalten aber als Stalking bezeichnet werden. Umgekehrt ist eine Person, die vereinzelt versucht, eine Person zu erreichen, nicht notwendigerweise ein Stalker. Fälschlicherweise werden auch generelle Störenfriede, Nervensägen oder unangenehme Personen als Stalker bezeichnet, obwohl deren Handlungen nicht unbedingt eine Verfolgung darstellen. Bei einem Verbrechen wie Mord oder Überfall ist nicht jeder vorherige Versuch der Kontaktaufnahme ein Anzeichen von Stalking.

Körperliches Attackieren oder die Ausübung von körperlicher Gewalt kommen in jedem fünften Fall vor.Analyse der Technischen Universität Darmstadt in Zusammenarbeit mit dem Weißen Ring Häufig sind es jedoch die eher „leichten“ Stalking-Handlungen, wie etwa das Telefonieren oder das Sich-Aufhalten in der Nähe des Opfers, die den überwiegenden Anteil aller Handlungen ausmachen. Je nach Charakter, Belastbarkeit und Empfindlichkeit des Opfers können aber bereits diese „leichteren“ Formen des Stalkings beim Opfer psychische und physische Reaktionen hervorrufen, die sich mit Dauer des Stalkings steigern und zu Krankheiten, Berufsunfähigkeit und zu voller Erwerbsunfähigkeit führen können.

Für obsessive Fans von Stars hat sich in Südkorea und der K-Pop-Szene der Begriff Sasaeng () oder Sasaeng Fan etabliert. Der Begriff bedeutet so viel wie „Privatleben“. Diese Fans dringen in das Privatleben der Idole ein und verletzen deren Privatsphäre, vergleichbar mit Stalkern: Das Aufsuchen der Wohnungen der Stars, das Installieren von Überwachungskameras, die Belästigung ihrer Familienmitglieder, das Aufsuchen privater Familienfeierlichkeiten, das Senden unangebrachter Geschenke.

Täter-Opfer-Beziehung Wie ein Jäger sammelt ein Stalker Informationen über sein Opfer, um es stellen zu können. Dabei sind aber nicht nur die einzelnen, nachstellenden Handlungen des Täters von Bedeutung, sondern im Besonderen das psychologische Verhältnis zwischen Täter und Opfer. Das unterscheidet das Stalking von anderen, die Selbstbestimmung eines Menschen einschränkenden Handlungen, etwa der Nötigung.

Auch wenn jeder Mensch Opfer von Stalking werden kann und sich Opfer und Täter nicht notwendigerweise kennen müssen, sind nach bisherigen Erkenntnissen am häufigsten Personen betroffen, die eine Beziehung oder Ehe mit dem Täter beendet oder einen Beziehungswunsch des Täters zurückgewiesen haben.

Auslöser für die Stalking-Beziehung ist hierbei oft eine narzisstische Kränkung. Narzisstische Gewalt kann dabei sowohl vom Stalker als auch vom Gestalkten ausgehen und verursacht dabei zwei völlig unterschiedliche Stalking-Szenarien:

Auch Arbeitskollegen und Nachbarn befinden sich häufig unter den Opfern.

Des Weiteren können Angehörige von Berufsgruppen mit Kundenverkehr, Patienten oder Klienten Opfer eines Stalkers werden, wenn dieser sich selbst als Opfer einer Beratung, einer Behandlung, eines Rechtsstreites oder ähnlichem sieht. In einigen Fällen werden aber auch Patienten oder Klienten Stalking-Opfer eines Angehörigen der betreuenden Berufsgruppe; beispielsweise aus Liebes-Wahn. Das zugrunde liegende Abhängigkeits- und Vertrauens-Verhältnis wirkt sich hierbei besonders fatal aus. Des Weiteren können auch Konkurrenten in einer speziellen Sparte oder Rivalen, die eine Niederlage nicht verkraften, zu Stalkern werden. Auch wenn das Phänomen des Stalkings bei Prominenten zuerst aufgefallen ist, so scheinen diese nicht die Mehrheit der Opfer auszumachen.

In einigen Fällen ist dem Opfer der Täter aber nicht bekannt und gehört nicht zum näheren persönlichen, beruflichen oder wohnlichen Umfeld. In manchen Fällen spielt das Phänomen der Übertragung eine Rolle, wenn ein Täter für erlittene seelische oder körperliche Verletzungen ein Opfer stellvertretend büßen lässt, weil es bestimmte Merkmale aufweist, die für ihn im Bezug zum eigenen Schicksal stehen. Ein Teil der Täter weist erhebliche psychische Erkrankungen auf, wobei das Stalken selbst kein anerkanntes Krankheitsbild ist, aber als Sucht (gemäß der Definition der Weltgesundheitsorganisation) eine „seelische Behinderung“ sein kann.

Über 90 % der Opfer von Stalking, die bei der Polizei oder anderen Stellen Hilfe suchen, sind weiblich und rund 85 % der Täter sind Männer. 91 % der weiblichen Opfer werden von Männern gestalkt und 56 % der männlichen von Frauen. In den übrigen Fällen handelt es sich um ein gleichgeschlechtliches Stalking.Joachim Burgheim: Stalking – Erklärungsansätze und neue Forschungsergebnisse. In: Die Kriminalpolizei. 2, 2007. Nach einer Studie im Auftrag des Justizministeriums der Vereinigten Staaten wurden 8 % der Frauen und 2 % der Männer im Laufe ihres Lebens schon einmal von einem Stalker verfolgt.Patricia Tjaden, Nancy Thoennes: Stalking in America: Findings from the National Violence Against Women Survey. U.S. Department of Justice. 2008, NCJ 169592, S. 2:

Bei der Interpretation dieser Zahlen sind jedoch die Schwierigkeiten der empirischen Erfassung des Tatgeschehens zu berücksichtigen: Es fehlt an einer einheitlichen Definition des Stalking-Begriffes. Waren die Beteiligten durch eine Beziehung miteinander verbunden, fällt es den Opfern erfahrungsgemäß schwer, sich offen darüber zu äußern.

Psychologische Einteilung der Täter Die australischen Wissenschaftler Mullen, Pathe und Purcell teilen die Stalker in sechs Gruppen ein, ausgehend von deren Motivation und Beziehungsverhältnis:Quelle: P. E. Mullen, M. Pathé, Purcell: Stalkers and their victims. Cambridge University Press, Cambridge 2000.

Gruppe Motivation Beziehungsverhältnis 1 Zurückgewiesene Stalker Gefühl der Demütigung, Zurückweisung unter anderem meist Ex-Partner / Freunde 2 Beziehungssuchende Stalker Fehlwahrnehmungen der Beziehungsbereitschaft des Opfers, häufig Liebeswahn Persönliches und weiteres Umfeld des Opfers 3 Intellektuell retardierte Stalker Ungenügende Sozialkompetenz, überschreiten Grenzen Persönliches und weiteres Umfeld (Nachbarschaft) 4 Rachsüchtige Stalker sehen sich selbst als Opfer oder bilden sich ein, Opfer der Personen zu sein, denen sie nachstellen; Hilfe, die sie bekommen, nutzen sie zur fortgesetzten Rache und Befriedigung aus.temporäres Umfeld (beispielsweise Arzt oder Rechtsanwalt als Opfer, jedermann im Umfeld des Opfers) 5 Erotomane, morbide, krankhafte Stalker Kontrolle/Dominanz – meist psychopathische Persönlichkeit Persönliches und weiteres Umfeld (Nachbarschaft) 6 Sadistische Stalker Gefühl der Befriedigung Persönliches und weiteres Umfeld

Gesundheitliche und soziale Folgen Ein Großteil der Opfer leidet unter vegetativen Erscheinungen, wie etwa Unruhe (Schreckhaftigkeit), Kopfschmerzen, Angstsymptomen, Schlafstörungen und Magenbeschwerden und der daraus resultierenden geistigen und körperlichen Erschöpfung. Viele sind schnell gereizt und reagieren dann situationsbedingt unbegründet aggressiv. Ein nicht geringer Teil der Opfer leidet unter depressiven Verstimmungen, einige darunter unter Depressionen.

Vor allem bei Opfern, denen aufgelauert wird oder die körperlich verfolgt werden, zeigen sich rasch tendenziell reaktive Verhaltensmuster, wie etwa Vermeidungsverhalten, Abkapselung (Vereinsamung) oder Kontrollverhalten. So, wie der Täter auf sein Opfer fixiert ist, ist durch die als lästig und als unberechenbare Bedrohung empfundene Situation auch das Opfer auf den Stalker fixiert.

Am 23. April 2008 hat in Berlin die erste Beratungsstelle für Stalker ihren Betrieb aufgenommen.Berlin: Erste Stalker-Beratungsstelle eröffnet. In: Die Welt. 23. April 2008, Abruf 18. Juni 2017.

Fallzahlen Deutschland Die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt eine Opfergefährdungszahl in den Jahren 2008 bis 2019 im Bereich von 24–38 je 100.000 Einwohner/Jahr für § 238 StGB.T91 Opfergefährdung – OGZ – Straftaten vollendet ab 2000 (V1.1)