Der Generalgouverneur von Kanada (, maskulin und feminin ) ist der Repräsentant des kanadischen Monarchen. Kanada ist eines von fünfzehn Commonwealth Realms, die alle denselben Monarchen haben. Dies ist derzeit König Charles III. Der Generalgouverneur tritt als vizeköniglicher Repräsentant des Monarchen in Kanada auf. Ein königliches Dekret (Letters Patent) aus dem Jahr 1947 gewährte dem Generalgouverneur die Stellung des Oberbefehlshabers der Kanadischen Streitkräfte im Namen des Königs von Kanada – formaltheoretisch zumindest.
Da Kanada eine parlamentarische Monarchie ist, beschränken sich die Aufgaben des Generalgouverneurs zumeist auf zeremonielle Funktionen. In der Praxis liegt die größte politische Macht beim Parlament von Kanada, das aus der Krone, dem Senat und dem Unterhaus besteht, sowie beim Premierminister und dem Kabinett. Nach der Verfassung übt der Generalgouverneur seine Befugnisse mit wenigen Ausnahmen grundsätzlich nur auf Ratschlag des Premierministers und anderer Minister aus. Obwohl der König von Kanada auch gleichzeitig der König des Vereinigten Königreichs ist, hat die britische Krone heutzutage keinen Einfluss auf den Generalgouverneur. Sie hat auch keine Befugnis mehr, sich auf andere Weise in kanadische Angelegenheiten einzumischen. Ebenso wenig nimmt der König persönlich Einfluss auf die kanadische Politik. Er hat zwar die Befugnis, den Generalgouverneur zu bestimmen, allerdings muss er auch dafür den Ratschluss des kanadischen Premierministers annehmen. Jede Verfassungsänderung bezüglich des Amtes des Generalgouverneurs bedarf der Zustimmung des Unterhauses, Senats und aller Provinzparlamente.
Seit dem 8. Juni 2026 ist die frankophone Louise Arbour die 31. Generalgouverneurin von Kanada. Der kanadische Premierminister Mark Carney hatte am 5. Mai 2026 bekanntgegeben, dass König Charles III. die Ernennung von Louise Arbour zur 31. Generalgouverneur von Kanada genehmigt hatte. Arbour folgt im Amt Mary Simon, die als erste Inuk zur Vertreterin der Königin bzw. des Königs ernannt worden war. Simon übernahm das Amt als 30. Generalgouverneurin am 6. Juli 2021. Zuvor wurden die Aufgaben des Generalgouverneurs fast sechs Monate lang durch Richard Wagner, Vorsitzender des Obersten Gerichtshofes von Kanada, als „Administrator of the Government of Canada“ wahrgenommen. Die Einsetzung eines „Administrator of the Government of Canada“ war notwendig da Julie Payette, die 29. Generalgouverneurin von Kanada, nach Abschluss einer unabhängigen Untersuchung über das von ihr geschaffene Arbeitsumfeld am 21. Januar 2021 als Generalgouverneurin zurückgetreten war.
Geschichte Die französische Besiedlung Nordamerikas begann etwa 1580. Die ausgedehnte Kolonie Neufrankreich, die aus Kanada, Louisiana und Akadien bestand, gewann jedoch erst während des frühen und mittleren 17. Jahrhunderts größere Bedeutung. Der Entdecker Samuel de Champlain wurde etwa 1613 zum ersten inoffiziellen Gouverneur von Neufrankreich. Im Jahr 1636 wurde Charles Huault de Montmagny als Erster offiziell in dieses Amt ernannt. Ursprünglich war Neufrankreich durch die französische Kompanie der Einhundert Gesellschafter (Compagnie des Cent-Associés) verwaltet worden. Doch im Jahr 1663 übernahm König Ludwig XIV. die Kontrolle über die Kolonie. Ab diesem Jahr hatte das Oberhaupt der französischen Verwaltung in Neufrankreich den Titel eines Generalgouverneurs. Der erste Amtsinhaber war Augustin de Saffray de Mésy, von 1663 bis 1665.
Frankreich verlor den größten Teil seiner nordamerikanischen Besitzungen im Zuge des Siebenjährigen Kriegs (1756–1763), darunter auch Kanada. Dieses Ergebnis wurde schließlich im Vertrag von Paris bestätigt. Durch die Königliche Proklamation von 1763 wurde Kanada zur Provinz von Québec umbenannt. Gleichzeitig wurde das Amt eines Gouverneurs von Québec eingerichtet. Generalleutnant Sir Jeffrey Amherst regierte die Provinz während der letzten Jahre des Siebenjährigen Krieges. Der erste Zivilist, der dieses Amt übernahm, war im Jahr 1764 James Murray. Die Provinzen Nova Scotia und New Brunswick wurden weiterhin separat von ihren eigenen königlichen Gouverneuren regiert. Um etwa 1780 freundete sich die britische Regierung des Premierministers William Pitt mit der Idee an, dass die Provinzen von Québec, Nova Scotia und New Brunswick durch einen gemeinsamen Chefgouverneur (später umbenannt in Generalgouverneur) regiert werden sollten. Der Erste, der dieses gemeinsame Amt bekleidete, war Lord Dorchester, der 1786 ernannt wurde. Dem Chefgouverneur oder später dem Generalgouverneur unterstanden direkt jedoch nur die Provinz Niederkanada; Oberkanada, Nova Scotia und New Brunswick wurden durch ihre eigenen stellvertretenden Gouverneure (Vizegouverneure) verwaltet. Im Jahr 1841 wurden Niederkanada und Oberkanada zur Provinz Kanada zusammengefasst. Fortan wurden diese Provinzen vom Generalgouverneur geführt.
Die Rolle des Generalgouverneurs veränderte sich nach den Rebellionen von 1837 grundlegend. Bald nach den Rebellionen erklärte sich die britische Regierung damit einverstanden, den kanadischen Provinzen eine verantwortungsvolle Regierung zu gewähren. Als Ergebnis wandelte sich die Rolle des Generalgouverneurs und der Stellvertretenden Gouverneure zu einer mehr nominellen Führerschaft, während die wirkliche Macht durch demokratisch gewählte parlamentarische Versammlungen und Provinzpremiers ausgeübt wurde. Diese Abmachung hatte auch nach der Umwandlung Kanadas zum Dominion im Jahr 1867 Bestand. Der Generalgouverneur und die Stellvertretenden Gouverneure blieben die symbolischen Repräsentanten der Krone und der britischen Regierung, während die tatsächliche politische Macht im Amt des Premierministers von Kanada und der Premiers blieb, die diese auf bundesstaatlicher beziehungsweise provinzieller Ebene ausübten.
Die Stellung des Generalgouverneurs erfuhr in den 1920er und frühen 1930er Jahren als Reaktion auf die King-Byng-Affäre größere Veränderungen. Im Jahr 1926 forderte der liberale Premierminister William Lyon Mackenzie King den Generalgouverneur Lord Byng of Vimy auf, das Parlament aufzulösen. Der Generalgouverneur nutzte jedoch sein Notstandsbefugnis (Reserve power), um das Ersuchen abzulehnen. Er begründete dies damit, dass die allgemeinen Wahlen erst wenige Monate zuvor abgehalten worden waren. Entsprechend trat King zurück, und Lord Byng ernannte Arthur Meighen zum Nachfolger. Innerhalb einer Woche wurde jedoch Meighens konservativer Regierung in einer Abstimmung im House of Commons das Misstrauen ausgesprochen, wodurch der Generalgouverneur dazu gezwungen wurde, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen auszurufen. Nachdem Mackenzie King mit einer klaren Parlamentsmehrheit an die Macht zurückgekehrt war, trachtete er danach, das Amt des Generalgouverneurs neu zu definieren.
An der Reichskonferenz 1926 nahmen das Vereinigte Königreich, Kanada und andere Dominions die Balfour-Deklaration an. Die Deklaration erkannte an, dass die Dominions gleichberechtigten Status wie das Vereinigte Königreich hatten, und dass jeder Generalgouverneur fortan lediglich als Repräsentant der Krone in den entsprechenden Dominions auftreten würde, nicht als Vertreter der britischen Regierung. Stattdessen sollten die Funktionen des Vertreters der britischen Regierung auf High Commissioners übergehen, deren Aufgaben denen eines Botschafters ähnelten. Das Prinzip der Gleichberechtigung der Dominions wurde durch das Statut von Westminster 1931 weiter gestärkt. Das Konzept, dass das gesamte Territorium des Britischen Empires zur Krone gehörte, wurde aufgegeben. Stattdessen wurde fortan davon ausgegangen, das jedes Dominion ein eigenes Königreich aus eigenem Recht sein sollte. Damit war der britische Monarch nun jeweils König des Vereinigten Königreichs, König von Kanada, König von Australien und so weiter. Obwohl nun das Dominion von Kanada als unabhängig von und gleichberechtigt mit dem Vereinigten Königreich anerkannt war, blieb es vorderhand doch Sitte, dass der Generalgouverneur ein Brite und nicht ein Kanadier war. Der Begriff Dominion wurde ebenfalls nicht mehr verwendet, da er darauf hindeutete, dass die britische Regierung irgendeinen Einfluss auf Kanada ausübt, was nicht der Fall ist. Der erste kanadische Generalgouverneur war Vincent Massey, der erst 1952 ernannt wurde. Seitdem werden nur noch Kanadier vorgeschlagen und ernannt; es ist aber üblich, dass englisch- und französischsprachige Generalgouverneure abwechseln, um einen Ausgleich zwischen den beiden Sprachgruppen Kanadas zu schaffen.
Nach diesen Umwälzungen kamen die nächsten bedeutenden Änderungen für das Amt während der Amtszeit von Roland Michener (1967–1974). Michener vereinfachte das Protokoll und die Förmlichkeiten um das Amt. Zum Beispiel wurde die langwährende Tradition des Verneigens und Hofknickses vor dem Generalgouverneur fallen gelassen. Michener behielt die traditionelle Militäruniform des Amtes bei, doch er war der letzte Generalgouverneur, der sie trug. Im Jahr 1971 besuchte Michener Trinidad und Tobago und wurde damit zum ersten Generalgouverneur, der einem anderen Land einen Staatsbesuch abstattete. Dieser Besuch war anfänglich Quell einer Kontroverse, da viele den Standpunkt vertraten, dass der Monarch und nicht der Generalgouverneur rechtlich das kanadische Staatsoberhaupt war. Trotz allem dauerte die Kontroverse nicht lange an. Heutzutage ist es vollkommen normal, wenn der Generalgouverneur in anderen Ländern auf Staatsbesuch geht.
Das Amt des Generalgouverneurs war gelegentlich ein umstrittenes Thema in Kanada. Bewegungen wie Bürger für eine kanadische Republik treten für eine Demokratisierung ein und wollen die Befugnisse des Generalgouverneurs für eine spätere Umwandlung in eine parlamentarische Republik wie in Irland oder Indien festschreiben. Damit würde die kanadische Monarchie abgeschafft. Dem gegenüber steht die Monarchistische Liga, die die Beibehaltung des Generalgouverneurs als Repräsentanten des herrschenden Monarchen befürwortet. Seit dem Scheitern des Meech Lake Accord 1987 und des Charlottetown Accord 1992 haben kanadische Politiker wenig Gefallen daran gefunden, derartige Verfassungsfragen erneut zu thematisieren. Besonders weichen sie solch polarisierenden Themen wie der Monarchie aus. Derzeit findet die Frage der Abschaffung der Monarchie kaum Beachtung in der öffentlichen Debatte, da viele Kanadier den Konflikt über eine eventuelle Souveränität Québecs oder Albertas für dringlicher halten. Dadurch hat die republikanische Bewegung in Kanada weniger Zulauf als vergleichbare Bewegungen in anderen Commonwealth Realms wie zum Beispiel Australien.
Ernennung Der Monarch ernennt den Generalgouverneur auf Ratschlag des Premierministers von Kanada. Zwischen 1867 und 1952 war jeder Generalgouverneur ein Untertan des Vereinigten Königreichs und ein Mitglied des Adels. Der letzte britische Generalgouverneur war Harold Alexander, 1. Viscount Alexander of Tunis, der sein Amt zwischen 1946 und 1952 führte. Seit der Ernennung von Vincent Massey 1952 wurde das Amt nur noch von Kanadiern ausgefüllt. Zudem hat sich die Sitte eingebürgert, dass das Amt im Wechsel von Anglokanadiern und Frankokanadiern ausgeübt wird. Seit 1967 übermittelte der Premierminister nur noch einen Kandidatennamen, wenn er um die Ernennung eines vizeköniglichen Repräsentanten bat. Zuvor waren der Königin noch mehrere Kandidaten zur Auswahl vorgelegt worden.