Al-Ubayyid ( ), Alternativschreibung El Obeid, seltener El-Obeid, El Obied; ist die Hauptstadt des sudanesischen Bundesstaates Schamal Kurdufan und ein bedeutender Handelsplatz besonders für Gummi arabicum.

Lage und Verkehr Die Stadt liegt auf rund 570 Metern Höhe im Süden des Sudan, rund 370 km südwestlich von Khartum und nördlich der Nuba-Berge. Eine gute Asphaltstraße verbindet die Stadt mit Khartoum und endet etwa 100 Kilometer weiter westlich, wo nach Darfur nur Erdstraßen weiterführen, ebenso wie in die südlich gelegenen Nuba-Berge.

Am 27. Februar 1912 wurde die Eisenbahnstrecke von Khartum nach al-Ubayyid eröffnet. Seit dem Ausbruch des Darfur-Konflikts ist die Eisenbahnverbindung von Khartum über Kusti nach Nyala und damit auch der Abzweig von dieser Strecke nach al-Ubayyid nahezu eingestellt. Der Flughafen al-Ubayyid liegt 4 Kilometer außerhalb des Zentrums.

Bevölkerung Stand Juli 2026 leben schätzungsweise 563.000 Menschen sowie 105.000 Binnenvertriebene in al-Ubayyid. Im Umkreis von 30 Kilometern leben rund 700.000 weitere Menschen.

+Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner; abgerufen am 29. Januar 2024. 1956 (k. A.) 47.700 1973 (Zensus) 90.060 1983 (Zensus) 141.528 1993 (Zensus) 229.425 2010 (Berechnung) 398.993 2012 (Berechnung) 408.357 2013 (Berechnung) 418.280

Geschichte mini|Der Tod von William Hicks, Befehlshaber der ägyptischen Truppen in der Schlacht von Scheikan, nach einer Illustration von Robert Talbot Kelly aus dem Buch Feuer und Schwert im Sudan von Rudolf Slatin mini|Kamele in der Nähe von al-Ubayyid Anfang der 1960er Jahre

Al-Ubayyid gehörte seit 1821 zum Reich des Muhammad Ali Pascha von Ägypten und wuchs in der Folge zur zweitgrößten Stadt des Sudan. Im Januar 1883 wurde sie nach einer viermonatigen Belagerung von den Mahdisten erobert, wobei schwere Zerstörungen angerichtet wurden. Daraufhin entsandte der ägyptische Khedive eine Expeditionsarmee, um die Stadt zurückzuerobern und die Mahdiyya (Bewegung des Mahdi) zu vernichten. Das Unternehmen endete in einem Desaster. Die aus rund 10.000 Mann bestehende Truppe, die vom langen Marsch entkräftet und demoralisiert war, wurde von der Armee des Mahdi in der Schlacht von Scheikan vernichtend geschlagen. Erst nach der Niederlage des Mahdi-Reiches wurde die Stadt 1898 wieder aufgebaut.

Im Februar 2000 stürzte ein Hubschrauber bei einer Zwischenlandung in der Stadt ab, unter dessen Passagieren sich Leni Riefenstahl befand. Diese war auf einer weiteren Erkundungsreise zu den Nuba in den Nuba-Bergen und überlebte den Absturz mit einigen Rippenbrüchen.

Krieg ab 2023

In Folge des 2023 ausgebrochenen Krieges im Sudan und der daraus resultierenden Flüchtlingskrise entstanden auch in al-Ubayyid Lager für Binnenvertriebene. Eines der beiden größten Lager ist das im Nordosten der Stadt gelegene Al Mina Al Bari IDP camp mit Stand Mai 2026 rund 30.000 Binnenvertriebenen. Insgesamt leben in und um die Stadt etwa 105.000 Binnenvertriebene (Stand Juli 2026).

Im Mai 2025 wurde ein Krankenhaus von einem vermuteten Drohnenangriff der Rapid Support Forces (RSF) getroffen, wobei sechs Menschen starben und mindestens zwölf verletzt wurden. Zudem wurde das Krankenhaus durch den Angriff außer Betrieb gesetzt.

Stand Juni 2026 war die unter Kontrolle der Sudanesischen Streitkräfte (SAF) stehende Stadt, die eine SAF-Infanteriedivision beherbergt, monatelang von RSF-Milizen zum Teil eingekreist, was zu belagerungsähnlichen Zuständen führte, mit Engpässen in der Treibstoff-, Wasser- und Nahrungsversorgung. Zudem kam es seit Wochen zu Drohnenangriffen, die auch Zivilisten töteten. So dokumentierte der UNHCHR zwischen dem 6. und 28. Juni 15 Drohnenangriffe auf die Stadt und ihre Umgebung, die mindestens 45 Menschen töteten und 41 weitere verletzten. Aufgrund von Befürchtungen, dass sich ein Massaker wie in al-Fāschir wiederholen könnte, verabschiedete der UN-Sicherheitsrat am 20. Juni eine Erklärung, in der die Mitglieder ihre Besorgnis über die „unmittelbare Gefahr von Massenverbrechen“ zum Ausdruck brachten und von den RSF forderten, ihren Angriff auf al-Ubayyid unverzüglich einzustellen. Auch sieben europäische Länder forderten die RSF am 23. Juni in einer gemeinsamen Erklärung auf, ihren Angriff auf die Stadt sofort zu beenden. Es gäbe mittlerweile „glaubwürdige Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende Offensive“. Laut dem UNHCR wären die Menschen entlang der Routen durch Kurdufan einem dokumentierten Muster von Hinrichtungen, Entführungen, Folter und Misshandlungen, sexueller Gewalt und Raub ausgesetzt. Zudem könnten sich viele Menschen in al-Ubayyid die Flucht aus der Stadt wegen der hohen Transportkosten nicht leisten. Angriffe auf Tankstellen hatten die Preise in die Höhe getrieben.

mini|Eingang zum Campus der Universität

Religion mini|Kathedrale in al-Ubayyid

Die Stadt ist Sitz einer Kathedrale der römisch-katholischen Kirche im Sudan. Am 10. Mai 1960 wurde in al-Ubayyid das Apostolische Vikariat al-Ubayyid aus Gebietsabtretungen des Apostolischen Vikariats Khartum gegründet. Am 12. Dezember 1974 wurde es zum Bistum al-Ubayyid erhoben und dem Erzbistum Khartum als Suffraganbistum unterstellt.

Wirtschaft Al-Ubayyid ist wichtiges Handelszentrum für den zentralen Sudan und als Verbindung für den Handel zwischen dem westlichen und östlichen Sudan. Gehandelt werden insbesondere landwirtschaftliche Produkte und auf den Weltmarkt exportiert in erster Linie Gummi arabicum, daneben Sesam und Erdnüsse.

In al-Ubayyid befindet sich zudem eine Erdölraffinerie, die bei voller Betriebsauslastung 15.000 bpd (Barrel pro Tag) zu vorwiegend Heizöl verarbeitet. Laut Radio Dabanga wurde das Büro der Raffinerie im Juni 2023 von RSF-Milizen geplündert.

Söhne und Töchter der Stadt Ismail al-Wali (1793–1863), Sufi-Scheich und Gründer des Ordens der Ismailiyya Ibrahim Al-Kuwarti (1936–2009), Fußballspieler Yassir Eric (* 1972), evangelischer Theologe Muna Jabir Adam (* 1987), Leichtathletin Amina Bakhit (* 1990), Mittelstreckenläuferin

Klima Die Regenzeit in Schamal Kurdufan dauert von Juni bis September. Der Gesamtniederschlag kann von Jahr zu Jahr stark variieren.

Siehe auch Liste von Städten im Sudan

Einzelnachweise

Weblinks

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