Wodzisław Śląski [] (deutsch: Loslau) ist die Kreisstadt des Powiat Wodzisławski in der Woiwodschaft Schlesien in Polen.
Geographie Wodzisław Śląski liegt rund 50 Kilometer südwestlich von Katowice (Kattowitz) und etwa 25 Kilometer nördlich von Ostrava (Ostrau) in unmittelbarer Nähe der Landesgrenze zu Tschechien. mini|hochkant=0.8|Wappen an der Fassade des Schlosses der Familie Dietrichstein mini|ohne|Loslau auf einer Landkarte von 1905 Stadtgliederung Auf Beschluss des Stadtrats vom 28. Juni 1996 wurde das Stadtgebiet von Wodzisław Śląski in neun Stadtteile gegliedert:
Jedłownik Osiedle Jedłownik (Jedlownik)-Turzyczka (Klein Thurze)-Karkoszka (Krausendorf) Kokoszyce (Kokoschütz) Nowe Miasto (Neustadt) Trzy Wzgórza (Drei Hügel) Radlin II (Radlin Zweite) Stare Miasto (Altstadt) Wilchwy (Wilchwa) Zawada
Geschichte mini|Ring mini|Wohnsiedlung Piastów mini|Loslau um 1860, Sammlung Alexander Duncker mini|Dreifaltigkeitskirche, 14. Jahrhundert Die Ursprünge der Stadt sind unbekannt. Archäologische Untersuchungen im Jahr 2024 zeigten, dass der slawische Burgwall im heutigen Stadtteil Grodzisko bereits im 9. Jahrhundert existierte. Besonders verheerend war der Mongolensturm im Jahre 1241. 1257 wurde Loslau nach Magdeburger Stadtrecht vom Oppelner Herzog Wladislaus I. gebildetPiotr Hojka: O początkach Wodzisławia Śląskiego Ratibor, 2023, ISBN 978-83-954738-5-2. Er hatte wahrscheinlich 1257 das Minoritenkloster Loslau gegründet.
Von 1464 bis 1483 war Loslau Sitz des damals přemyslidischen Herzogtums Loslau. Von 1515 an war der Inhaber der Herrschaft Loslau ein Status minor, d. h. ein Stand ohne Stimmrecht auf den Fürstentagen, in Abgrenzung zu den Freien Standesherren.
Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Loslau mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. Die Stadt gehörte zunächst zum Kreis Pleß und seit 1818 zum neugebildeten Kreis Rybnik im Regierungsbezirk Oppeln der Provinz Schlesien. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Loslau eine evangelische Kirche, eine katholische Kirche, eine Synagoge, eine Lungenheilanstalt, eine Ziegelei, eine Bierbrauerei und Zigarrenfabrikation. Von 1879 bis 1921 war es Sitz des Amtsgerichts Loslau, das zum Bezirk des Landgerichts Ratibor und des Oberlandesgerichts Breslau gehörte.
Während des Zweiten Schlesischen Aufstandes kam es im August 1920 auch in Loslau zu gewalttätigen Ausschreitungen, bei denen ein Deutscher getötet wurde.Karsten Eichner: Briten, Franzosen und Italiener in Oberschlesien 1920–1922, S. 100Guido Hitze: Carl Ulitzka (1873–1953), oder, Oberschlesien zwischen den Weltkriegen, S. 305. Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien 1921 über die zukünftige staatliche Zugehörigkeit des Gebiets des Kreises Rybnik entschied sich eine Mehrheit für die Angliederung an Polen, so dass der größte Teil des Kreises, einschließlich der Stadt Loslau, 1921 an Polen abgetreten und Loslau in Wodzisław_Śląski umbenannt wurde. Statt des deutschen Amtsgerichts wurde gemäß polnischer Gerichtsverfassung ein Sąd Rejonowy eingerichtet. Nach dem deutschen Überfall auf Polen wurde die Stadt vorübergehend in Loslau zurückbenannt und in den Landkreis Rybnik eingegliedert.
Loslau war als Eisenbahnknotenpunkt eines der beiden Zielorte des von der SS brutal angetriebenen Todesmärsche der überlebenden KZ-Häftlinge aus Auschwitz, die zwischen dem 19. und dem 23. Januar 1945 Gleiwitz und das 60 km entfernte Loslau erreichten. Am 26. März 1945 gelang der Roten Armee im Rahmen der Mährisch-Ostrauer Operation der entscheidende Durchbruch in Richtung Oderberg.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1922 Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen 1742 kaum 700 Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1865, S. 774. 1753 768 1780 883 1791 963 1800 1133 1803 1311 1810 1319 1812 1324 1816 1400 davon 88 Evangelische, 1120 Katholiken, 192 JudenAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 328–335, Ziffer 409. 1820 1367 1825 1559 darunter 69 Evangelische, 252 JudenJohann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Melcher, Breslau 1830, S. 965. 1830 1695 1821 1373 1840 1990 davon 87 Evangelische, 1582 Katholiken, 321 JudenJohann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage. Graß, Barth und Comp., Breslau 1845, S. 868–869. 1850 1776 1855 2277 ohne Schloss und Vorwerk Loslau (48 Einwohner) 1860 2408 1861 2503 mit Schloss und Vorwerk Loslau, davon 112 Evangelische, 1990 Katholiken, 401 JudenFelix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1865, S. 737, Ziffer. 1867 2349 am 3. Dezember 1871 2401 darunter 120 Evangelische und 450 Juden (1300 Polen);Gustav Neumann: Das Deutsche Reich in geographischer, statistischer und topographischer Beziehun. Band 2, G. F. O. Müller, Berlin 1874, S. 180–181, Ziffer 12. nach anderen Angaben 2401 Einwohner (am 1. Dezember), davon 67 Evangelische, 2022 Katholiken, 303 JudenKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Schlesien und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871. Berlin 1874, S. 350–351, Ziffer 1. 1900 2701 meist KatholikenMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 12, Leipzig/Wien 1908, S. 718. 1905 3126 1910 3493 ohne Schloss und Gutsbezirk Loslau mit (am 1. Dezember) 68 Einwohnern
Verkehr Die Stadt ist über die Autobahn A1, die nach Norden bis zur Ostseeküste bei Danzig verläuft, und die Straßen DK78, DW932, DW933 und DW936 an das überregionale Straßennetz angebunden. Sie hat einen Bahnhof an der Strecke Bohumín–Chałupki–Wodzisław–Rybnik–Kattowitz (Bahnstrecke Rybnik Towarowy–Chałupki).
Kultur Museen Wodzisław, Kubsza 2 Kino, WCK Gladbeck Platz Stadion, Bogumińska 8
mini|Katholische St. Heribertkirche mini|Synagoge vor der Profanierung
Religion In Wodzisław Śląski gibt es elf römisch-katholische Kirchen, die zu den Dekanaten Wodzisław Śląski und Pszów im Erzbistum Katowice gehören. Neben einer Gemeinde der Evangelisch-Augsburgischen Kirche, die zur Diözese Katowice gehört, bestehen weitere kleinere Protestantische Gemeinden. Nachdem sich die Jüdische Gemeinde 1924 aufgelöst hatte, wurde deren Synagoge profaniert. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente sie zeitweise als Kino. Heute ist in dem Gebäude ein Bekleidungsgeschäft untergebracht.
Sport Der örtliche Fußballverein Odra Wodzisław Śląski spielte von 1996 bis 2010 in der Ekstraklasa, der höchsten polnischen Spielklasse. Nach mehreren Abstiegen und dem Rückzug aus der fünftklassigen IV liga tritt er seit 2025 in der neuntklassigen Klasa B an.
Politik Bürgermeister An der Spitze der Verwaltung steht der Bürgermeister. Seit 2006 ist dies Mieczysław Kieca, der seit 2010 der Platforma Obywatelska angehört, aber für das Wahlkomitee „Unser Wodzisław“ antritt. Bei der turnusmäßigen Wahl im April 2024 wurde folgendes Ergebnis ermittelt:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 2. Januar 2026. Mieczysław Kieca (Wahlkomitee „Unser Wodzisław“) 40,2 % der Stimmen Dezyderiusz Szwagrczak (Wahlkomitee „Örtlicher Verwaltungsverband“) 21,7 % der Stimmen Alan Szatyło (Wahlkomitee „Wodzisław 2.0“) 15,6 % der Stimmen Dariusz Szymczak (Wahlkomitee „Die Stimme der Generationen“) 13,9 % der Stimmen Marcin Piwoński (Wahlkomitee „Wodzisław verbindet uns“) 8,6 % der Stimmen
In der damit notwendigen Stichwahl wurde Amtsinhaber Kieca mit 55,4 % der Stimmen gegen Szwagrczak wiedergewählt.
Die turnusmäßige Wahl im Oktober 2018 brachte folgendes Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 2. Januar 2026. Mieczysław Kieca (Wahlkomitee „Unser Wodzisław“) 54,8 % der Stimmen Jarosław Mrozek (PiS) 22,2 % der Stimmen Kacper Biernacki (Wahlkomitee „Wodzisław 2.0“) 17,2 % der Stimmen Dariusz Prus (Wahlkomitee „Die Stimme der Generationen“) 5,8 % der Stimmen
Damit wurde Amtsinhaber Kieca bereits im ersten Wahlgang wiedergewählt.
Stadtrat Der Stadtrat besteht aus 21 Mitgliedern und wird von der Bevölkerung in Mehrpersonenwahlkreisen gewählt. Die Gemeinderatswahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 2. Januar 2026. Prawo i Sprawiedliwość (PiS) 22,7 % der Stimmen, 6 Sitze Koalicja Obywatelska (KO) 20,8 % der Stimmen, 6 Sitze Wahlkomitee „Örtlicher Verwaltungsverband“ 18,8 % der Stimmen, 4 Sitze Wahlkomitee „Unser Wodzisław“ 15,0 % der Stimmen, 2 Sitze Wahlkomitee „Wodzisław 2.0“ 11,0 % der Stimmen, 2 Sitze Wahlkomitee „Die Stimme der Generationen“ 8,8 % der Stimmen, 1 Sitz Übrige 2,9 % der Stimmen, kein Sitz
Die Gemeinderatswahl 2018 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 2. Januar 2026. Wahlkomitee „Unser Wodzisław“ 32,6 % der Stimmen, 8 Sitze Prawo i Sprawiedliwość (PiS) 24,0 % der Stimmen, 6 Sitze Wahlkomitee „Örtlicher Verwaltungsverband“ 13,8 % der Stimmen, 3 Sitze Wahlkomitee „Einwilligung und Entwicklung“ 13,0 % der Stimmen, 2 Sitze Wahlkomitee „Wodzisław 2.0“ 10,0 % der Stimmen, 1 Sitz Wahlkomitee „Die Stimme der Generationen“ 6,6 % der Stimmen, 1 Sitz
Städtepartnerschaften Wodzisław Śląski unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften: Alanya, Türkei Gladbeck, Deutschland Sallaumines, Frankreich Siret, Rumänien
Zudem pflegt die Zespół Szkół eine Partnerschaft mit dem Ratsgymnasium in Gladbeck.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Eleasar Löw (1758–1837), Rabbiner Johann Peter Paul Beier (1769–1842), preußischer Generalleutnant Benjamin Wolf Löw (1773–1851), polnisch-ungarischer Rabbiner, Talmudgelehrter Carl Graf von Reichenbach (1778–1820), preußischer Regierungspräsident von Oppeln (1816–1820) Jacob Hamburger (1826–1911), deutscher Rabbiner, Bibelforscher, Lexikograph und Enzyklopädist Alexander von Schalscha (1836–1895), Reichstags- und Landtagsabgeordneter (Zentrum) Gustav von Görtz (1842–1903), österreichisch-ungarischer Kammerherr (geboren auf Gut Zawada) Emanuel Aufrecht (1844–1933), deutscher Arzt Martin Hennig (1864–1920), evangelisch-lutherischer Theologe, Direktor des Rauhen Hauses Paul Pospiech (1878–1922), römisch-katholischer Geistlicher und Politiker, Reichstagsabgeordneter Wanda Treumann (1883–1963), deutsche Schauspielerin und Filmproduzentin Hugo Heinrich Figulla (1885–1969), deutsch-britischer Altorientalist Alojzy Adamczyk (1895–1940), Widerstandskämpfer Bolesław Kominek (1903–1974), Erzbischof von Breslau Wilhelm Brasse (1917–2012), polnischer Fotograf und KZ-Überlebender Barbara Haeger (1919–2004), deutsche Bildhauerin Tadeusz Kijonka (1936–2017), polnischer Dichter, Journalist, Dramaturg und Politiker Herbert Rösch (* 1943), deutscher Kommunalpolitiker Idzi Panic (* 1952), polnischer Historiker, Professor Henryk Siedlaczek (* 1956), polnischer Politiker Bogdan Marcinkiewicz (* 1966), polnischer Politiker Krzysztof Sosna (* 1969), polnischer Biathlet Piotr Sowisz (* 1971), polnischer Fußballspieler Grzegorz Karnas (* 1972), polnischer Jazzsänger Tomasz Sikora (* 1973), polnischer Biathlet Sławomir Elsner (* 1976), polnischer Künstler Leszek Blanik (* 1977), polnischer Kunstturner Remigius Bunia, (* 1977), deutscher Komparatist Wojtek Czyz (* 1980), deutscher Paralympic-Goldmedaillen-Gewinner Tomasz Klon (* 1986), deutscher Politiker (CDU) Claudia Ciesla (* 1987), polnisches Model Damian Rączka (* 1987), polnischer Fußballspieler Kamil Wilczek (* 1988), polnischer Fußballspieler Zofia Neugebauer (* 1994), polnische Flötistin