mini|Die historische Häuserzeile am Marktplatz von Burgkunstadt mit Schustermuseum; oben im Hintergrund das Rathaus (2009) Burgkunstadt (fränkisch: Borkuscht) ist eine Stadt im Obermainland im oberfränkischen Landkreis Lichtenfels in Bayern. Von 1888 bis 1990 war sie mit Pirmasens Zentrum der deutschen Schuhindustrie.
Geographie Geographische Lage mini|Burgkunstadt mit Gemeindeteilen mini|Klimadiagramm von Burgkunstadt Der Stadtkern liegt etwa einen Kilometer nördlich des Mains, zwischen Lichtenfels und Kulmbach. Die Oberstadt liegt erhöht auf einer Felsnase aus Sandstein, die Unterstadt erstreckt sich vor allem entlang des mittlerweile größtenteils überbauten Mühlbachs. Es gibt auch einige Neubaugebiete. Den höchsten Punkt im Stadtgebiet stellt mit der Spitzberg bei Gärtenroth dar.
Klima Es herrscht ein humides kühlgemäßigtes Übergangsklima, das weder sehr kontinental noch sehr maritim ausgeprägt ist. Die monatlichen Durchschnittstemperaturen schwanken zwischen −0,7 °C im Januar und 17,9 °C im Juli, jedoch werden gelegentlich deutlich wärmere und kältere Spitzenwerte verzeichnet. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 8,8 °C, der jährliche Gesamtniederschlag beläuft sich auf 648,6 mm.
Ausdehnung Die kommunale Fläche beträgt 40,5887 km². 12,3041 km² sind von Wald bedeckt, 22,1815 km² werden landwirtschaftlich genutzt und 0,5626 km² sind Gewässer. Der Rest mit 5,451 km² ist die bebaute Fläche und das Straßennetz, 0,1074 km² dienen als Naherholungsgebiet.Geologische Daten und Fakten zu Burgkunstadt
Die Gesamtausdehnung in Ost-West-Richtung, also von Neuses bis Gärtenroth, beträgt etwa 11,2 Kilometer; vom Spitzberg bis zur Mainbrücke, also in Nord-Süd-Richtung um die 6,6 Kilometer. Die Ost-West-Ausdehnung der Kernstadt beträgt rund 2,3 Kilometer. Im Westen geht die Stadt in den Gemeindeteil Weidnitz über. Im Osten liegen das Neubaugebiet Lerchenbühl und der Friedhof. Die nächste Ortschaft ist Theisau. Die Nord-Süd-Ausdehnung der Kernstadt beläuft sich auf rund 1,4 Kilometer. Im Süden liegen die ehemaligen Schuhfabriken Obermain und Püls, die jetzt als Geschäfts- und Lagerräume verwendet werden, der Bahnhof sowie diverse Geschäfte und Betriebe. Auf der anderen Mainseite liegt die Gemeinde Altenkunstadt. Im Norden grenzt die Stadt an den Gemeindeteil Meuselsberg.
Nachbargemeinden
Stadtgliederung Die Stadtgemeinde hat 19 Gemeindeteile, die sich auf 8 Gemarkungen verteilen: Burgkunstadt mit Meuselsberg und Kaltenreuth Mainroth Theisau mit Mainklein Weidnitz Ebneth mit Hainweiher und Pfaffeggetten Gärtenroth mit Wildenroth, Lopphof, Eben, Flurholz und Neue Weiher Kirchlein mit Reuth und Hainzendorf Neuses am Main
Einwohnerverteilung mini|Häuserzeile am Markt in Burgkunstadt In der Tabelle sind die Einwohnerzahlen der Stadt Burgkunstadt in den Jahren 2005 bis 2013 aufgeführt (ohne Nebenwohnsitze).
2005 2006 2007 2008 2009Jahresbericht der Stadt von 2009 (PDF) burgkunstadt.de, abgerufen am 4. Oktober 2010. 2010Jahresbericht der Stadt Burgkunstadt von 2010 (PDF) burgkunstadt.de, abgerufen am 27. Juli 2011. 2011 (PDF; 2,7 MB) burgkunstadt.de, abgerufen am 10. August 2013. 2012 2013 Burgkunstadt 4263 4231 4166 4133 4083 4073 4018 3984 3932 Weidnitz 714 719 709 702 733 730 722 731 720 Mainroth 552 541 541 540 534 514 526 519 501 Theisau 271 272 267 260 249 238 241 238 238 Gärtenroth 235 250 237 231 215 219 219 221 216 Neuses 219 225 221 216 218 217 209 198 196 Kirchlein 201 206 213 199 195 192 188 189 182 Mainklein 146 142 143 145 138 143 146 144 142 Ebneth 93 95 98 88 84 82 81 79 79 Hainweiher 70 67 66 65 64 62 63 63 59 Wildenroth 38 39 41 36 40 35 35 40 42 Hainzendorf 36 32 32 32 31 31 29 29 27 Eben 22 21 23 19 22 27 20 20 29 Reuth 23 22 22 21 27 21 20 20 19 Flurholz 21 21 20 19 20 21 20 21 21 Meuselsberg 17 17 17 17 16 14 14 16 16 Kaltenreuth 16 18 17 17 18 16 15 13 15 Lopphof 9 8 8 9 8 8 7 7 7 Pfaffeggetten 5 5 4 4 5 7 7 5 3 Neue Weiher 3 3 3 3 3 3 1 1 1 Gesamt 6954 6934 6848 6756 6704 6653 6581 6538 6445
Laut dem Bayerischen Landesamt für Statistik hatte Burgkunstadt zum 31. Dezember 2023 eine Einwohnerzahl von 6.459
(31.12.2020: 6.399 / 31.12.2022: 6.470).
Geschichte Stadtgeschichte
8. Jahrhundert bis 1058: Erste Siedlungsanfänge mini|Ausschnitt aus dem Codex Eberhardi (erhaltene Kopie der originalen Schenkungsurkunde) über die Schenkung Burgkunstadts aus dem 12. Jh.PPT-Präsentation 950 Jahre Burgkunstadt von Hans Losert, landschaftsmuseum.de, abgerufen am 13. April 2010. Wann das Gebiet der heutigen Stadt Burgkunstadt erstmals besiedelt wurde, ist unklar. Die ersten schriftlichen Angaben zur Besiedelung der Gegend stammen von 741 n. Chr., wobei eine frühere Besiedlung nicht ausgeschlossen ist. Keramikfunde in der Oberstadt legen eine slawisch-geprägte Siedlung im 8. Jahrhundert als erste größere Siedlung nahe. Zentral an Handelsstraßen und dem schiffbaren Main gelegen, kam Burgkunstadt schon bald eine große Bedeutung als Handelsstadt zugute.
Zwischen 827 und 851 n. Chr. wurde in der Urkunde einer Schenkung der Gräfin Blitrud an das Kloster Fulda erstmals eine „villa kunestadt“ erwähnt, was auf einen Statthalter/Stadtherrscher namens Kunibert deutet. Es ist jedoch unklar, ob es sich dabei um Burgkunstadt oder Altenkunstadt handelte.
Bereits ab 830 n. Chr. gab es in Burgkunstadt eine weitläufige, rund 5000 m² große Burganlage von großer militärischer Bedeutung mit einem weitläufigen Herrschaftsbezirk. Zu dieser Zeit gab es auch schon eine kleine Siedlung am Fuße des Berges. Während der Karolingerzeit gab es mit der Bamberger Burg nur eine einzige vergleichbare Festung in ganz Oberfranken.
1059–1429: Entwicklung zum Munizipalstädtchen mini|Erwähnung des Aepelin de Counstat im Synodalprotokoll von 1059 Die erste urkundlich gesicherte Erwähnung Burgkunstadts stammt vom 13. April 1059. Es wird ein Aepelin de Counstat genannt, der vermutlich mit dem Burggraf Adalbert von Constat identisch ist.
Um 1160 war die Burganlage eine staufische Reichsburg, die vor allem von Friedrich Barbarossa als Sammelplatz und Rekrutierungsstelle für seine Italienfeldzüge genutzt wurde. 1160 wurde das castrum cunstat jedoch dem Bamberger Bischof Eberhard II. übergeben, der es hauptsächlich zur Sicherung der Handelswege nutzte. Um diese Zeit hatte Burgkunstadt bereits einige nicht näher bekannte Privilegien.
Die erste urkundliche Bestätigung der Stadterhebung Burgkunstadts befindet sich in der ältesten Bamberger Hochstiftsurbar von 1323 oder 1327. Einige spätere Quellen deuten darauf hin, dass die Stadt bereits rund 100 Jahre vorher hochstiftische Munizipalstadt mit bestimmten Stadtrechten war.
Fürstbischof Friedrich von Bamberg verlieh der Stadt mit Zustimmung des Dompropstes und des Domkapitels am 27. April 1426 sämtliche Güter, Zenten und Lehen in der Stadtmarkung, die bis dahin Mannlehen waren, als Stadtrecht. Dies hatte zur Folge, dass der städtische Grund und Boden freies Eigen und kein Lehen mehr war, für das Steuern bezahlt werden mussten. Im Gegenzug forderte der Fürstbischof 1441, dass ihm die Stadt als Festung dienen sollte.
1430–1649: Kriegszeiten Die gut zwei Jahrhunderte zwischen 1430 und 1649 stellen für Burgkunstadt sehr kriegsgezeichnete Jahre dar. Die Hussiten brandschatzten 1430 die Burgkunstadter Unterstadt. 30 Jahre später, in einem Kleinkrieg zwischen dem hohenzollerschen Markgrafen Albrecht Achilles von Ansbach-Bayreuth und dem Bamberger Fürstbischof Georg I. wurde die Oberstadt im Juni 1460 verwüstet.
mini|Skizze des Burgkunstadter Burgareals der ehemaligen Schweinfurter Markgrafenburg mit den Rittergütern und der Altenburg um 1477
1517 übernahmen die Burgkunstadter die Lehre Martin Luthers und blieben evangelisch bis zum Ende des Jahrhunderts. Trotz der Gegenreformation im Jahr 1598 blieb bis zum Jahre 1624 ein konfessionelles Durcheinander, da die Bamberger Bischöfe die Rückkehr zum katholischen Glauben forderten, die Bayreuther Markgrafen hingegen die Beibehaltung der protestantischen Konfession ihrer Untertanen.
Im Bauernkrieg von 1525 unterstützten die Burgkunstadter Bürger die Bauern und plünderten und zerstörten im Zuge des Krieges mehrere Klöster und Schlösser. In Burgkunstadt wurden die Altenburg und das Alte Schloss zerstört, wovon die Sage von der Goldenen Wiege handelt. Da sich Burgkunstadt im Juni 1525 nicht ergeben wollte, befahl das Hochstift, die Stadt zu plündern und die Aufständischen zu töten, woraufhin die Stadt doch kapitulierte. Als Strafe wurden einige Hinrichtungen vollzogen und Geldstrafen auferlegt.
Im Zweiten Markgrafenkrieg wurde die Stadt im Oktober 1553 von Albrecht Alcibiades angegriffen und besetzt. Als er die Stadt verließ, steckte er die Oberstadt in Brand, so dass nahezu alle Häuser abbrannten.
Die Pest brach in Burgkunstadt 1312, 1348, 1448, 1473 und 1626 wieder aus. In diesem Jahr starben 195 Burgkunstadter an der Krankheit, was etwa ein Drittel der damaligen Bevölkerung ausmachte. Die Toten wurden in zwei Massengräbern beim Friedhof beigesetzt.
Dreißigjähriger Krieg
Im Dreißigjährigen Krieg übergaben die Burgkunstadter Ratsherren im März 1632 die Stadt an die markgräflichen Truppen. Nur wenige Tage bzw. Wochen später verließ die markgräfliche Armee jedoch wieder die Stadt.
mini|Stein-Martern an der Kirchleiner Straße (2010) Ab 1632 fanden mehrere, teils verheerende Angriffe und Überfälle der Schweden auf Burgkunstadt statt. Aus dieser Zeit sind zwei Sühnesteine erhalten, von denen der eine aus dem Dreißigjährigen Krieg stammen könnte. Nachdem die Schweden Burgkunstadt ein Jahr und fünf Monate besetzt hatten, zogen sie völlig unerwartet ab. Nach unzähligen Verwüstungen und dem daraus resultierenden immensen Sach- und Finanzschaden endete 1635 das schwedische Kriegswesen in und um Burgkunstadt.
Mit dem Westfälischen Frieden war der Dreißigjährige Krieg 1648 zu Ende. Zum Kriegsende wurde eine Inventur der noch vorhandenen Arbeitstiere durchgeführt. Diese fiel zwar eher positiv bei den meisten Haushalten aus, die allgemeine Lebenssituation der Menschen in Burgkunstadt war jedoch meist verheerend. So mangelte es vor allem an Wohnungen und Essen. Viele Bürger waren zudem während der Pestepidemien in der Stadt gestorben.
1650–1887: Von der Agrarstadt bis zu den Anfängen der Industrialisierung Die Bierkriege begannen 1666. Es handelte sich dabei um unzählige, meist bewaffnete Fehden bis etwa 1880, mit denen die Burgkunstadter das ihnen verliehene Braurecht in ihrem Amtsbezirk durchsetzen wollten. 1668 wurde in einem Abkommen genau festgelegt, welche Ortschaften Burgkunstadt mit Bier beliefern durfte. Zum blutigen Höhepunkt der Bierkriege kam es im Juli 1783, als die Neuseser ihr Kirchweihbier nicht aus Burgkunstadt bezogen hatten.
mini|Die Rechnung zum Burgkunstadter Rathausbau im Jahr 1690 Im Jahr 1689 beauftragte Bürgermeister Moritzen Stahl Hans Gebelin und den zur damaligen Zeit bedeutendsten Meister fränkischen Fachwerkbaus, den Zimmermann Jörg Hofmann aus Zeil am Main, den ehemaligen Bergfried der Burg in ein Rathaus umzubauen. Begonnen im Oktober 1689, konnte der Um- und Ausbau nach nur sieben Monaten fertiggestellt werden.
Während des Siebenjährigen Krieges fielen zweimal preußische Freikorps in die Stadt ein und quartierten sich einmal auch dort ein. Die Zerstörung und Plünderung der Stadt konnte jedoch verhindert werden.
Im Zuge der Säkularisation wurde der Fürstbischof Christoph Franz von Buseck zum Rücktritt gezwungen und das Hochstift Bamberg 1802/1803 eine bayerische Provinz. Damit endete die Zugehörigkeit Burgkunstadts zu Bamberg. mini|links|Die Burgkunstadter Oberstadt um 1870.
Im Frühjahr 1812 wurde die Ruine der eingestürzten katholischen Kirche abgetragen. Nach 26 Jahren Bauzeit wurde die neue katholische Kirche auch unter Mitarbeit namhafter Künstler fertiggestellt.