Bundesländer: Hamburg, Niedersachsen Die Nieder- oder Unterelbebahn verbindet Hamburg-Harburg mit Cuxhaven. Die 103,6 Kilometer lange Eisenbahnstrecke verläuft in nordwestlicher Richtung parallel zur Unterelbe auf Hamburger und niedersächsischem Gebiet.
Von Harburg bis Stade ist die Unterelbebahn mittels Oberleitung elektrifiziert (Bahnstrom mit einer Wechselspannung von 15 kV/16,7 Hz) und wird von der Linie S5 der S-Bahn Hamburg bedient. Für Triebwagen der bis Neugraben fahrenden Harburger S-Bahn (S3/S5) erfolgt die Versorgung mit Gleichstrom mit einer Gleichspannung von 1200 V aus einer neben dem Gleis angebrachten Stromschiene. Der Abschnitt Stade–Cuxhaven erfordert weiterhin Dieseltraktion.
Strecke mini|links|hochkant|Strecke bei Kehdingbruch mini|links|hochkant|Strecke bei Altenbruch
Einordnung Die Niederelbebahn ist seit 1964 als Hauptbahn klassifiziert und offiziell Teil der Bahnstrecke Lehrte–Cuxhaven (DB-Streckennummer 1720, siehe Bahnstrecke Lehrte–Hamburg-Harburg); die Streckenkilometrierung beginnt daher im Bahnhof Lehrte bei Hannover. Über die Niederelbebahn verläuft die Kursbuchstrecke 121.
Streckenverlauf Die Trasse folgt von Hamburg bis Cadenberge dem Übergang der niedersächsischen Geest zu den Elbmarschen, von Cadenberge bis Cuxhaven durch die Hadelner Marsch. Sie verläuft weitgehend durch ebenes, aber oft morastiges Gelände, schneidet aber bei Stade und Hemmoor auch die Geest an. Bedeutende Städte in diesem Bereich sind Buxtehude, Stade und Otterndorf. Den gleichen Verlauf wie die Eisenbahnstrecke nimmt auch die Bundesstraße 73.
Überquerte Gewässer Die Niederelbebahn überquert alle linksseitigen Nebenflüsse am Unterlauf der Elbe:
den Seevekanal (Zulauf von der Seeve) unmittelbar hinter dem Bahnhof Hamburg-Harburg den Göhlbach, der dann gemeinsam mit dem Seevekanal in ein Hafenbecken mündet die Este in Buxtehude die Aue (Lühe) in Horneburg die Schwinge in Stade den Horsterbeck zwischen Himmelpforten und Burweg die Oste zwischen Himmelpforten und Hechthausen den Neuhaus-Bülkauer Kanal bei Cadenberge die Aue zwischen Kehdingbruch und Neuhaus (Oste) den Hadelner Kanal zwischen Kehdingbruch, Osterbruch und Otterndorf die Medem in Otterndorf den Altenbrucher Kanal in Cuxhaven-Altenbruch
Streckenausbau
Zwischen Stade und Cuxhaven besteht ein Bahnhof in Cadenberge, außerdem zwei Überleitstellen in Hechthausen und Himmelpforten sowie zwei Blockstellen in Otterndorf und Hemmoor.
Die Strecke ist bis auf einen kurzen Abschnitt zwischen Himmelpforten und Hechthausen zweigleisig ausgebaut. Das kurze eingleisige Stück ist zwar ebenfalls zweigleisig trassiert, nicht aber die 1945 durch englische Pioniere errichtete Eisenbahnbrücke Hechthausen über die Oste. Auch die südöstlich gelegene Brücke über die Bundesstraße 73 ist nur eingleisig errichtet. Bei Bauarbeiten im eingleisigen Abschnitt wird der Personenverkehr eingestellt, Güterzüge können über Bremerhaven–Cuxhaven umgeleitet werden.
Seit dem 24. November 2014 ist das neue Elektronische Stellwerk Hechthausen in Betrieb, es steuert bisher den Bereich von Stade bis Cadenberge.
Seit 1968 ist die Unterelbebahn zwischen Hamburg-Harburg und Stade mit Oberleitung elektrifiziert. Die Strecke lässt hier einen 20-Minuten-Takt der S-Bahn zusätzlich zum Regional-Express zu, bis Buxtehude einen 10-Minuten-Takt. Zwischen Heimfeld und Neugraben verläuft die mit Gleichstrom aus einer seitlichen Stromschiene versorgte Harburger S-Bahn über einige Kilometer parallel zur Unterelbebahn.
Von März 1902 bis Mai 1971 wurde die Unterelbebahn im Bereich Schloßmühlendamm/Harburger Schloßstraße von der Hamburger Straßenbahn niveaugleich auf ihrem Weg von der Hamburger Innenstadt nach Harburg gekreuzt. Technisch anspruchsvoll wurde die Situation, als die Unterelbebahn ab 1968 elektrisch betrieben wurde: Es war die Montage einer Oberleitungskreuzung erforderlich, die auf die Besonderheit Rücksicht nahm, dass die Hamburger Straßenbahn mit Rollenstromabnehmern betrieben wurde.
Die Hamburger S-Bahn wurde mittels der 2007 eingeführten Zweisystemfahrzeuge über den Bahnhof Neugraben hinaus bis Stade verlängert. Die S-Bahn nutzt die Gleise der Niederelbebahn und die Oberleitung. Dies entlaste nicht nur den Knoten Hamburg-Harburg durch die entfallenden Fahrtrichtungswechsel und Zugkreuzungen, sondern auch den Hamburger Hauptbahnhof. Statt auf den überlasteten Fernbahngleisen in den Bahnhof zu führen, erreichen die S-Bahn Züge den Hauptbahnhof dann über die S-Bahn-Gleise, welche noch Kapazitäten aufweisen.
Ausblick Ein weiter Ausbau ist im Bundesverkehrswegeplan 2030 im „vordringlichen Bedarf“ unter der Projektnummer 2-047-V01 vorgesehen. Die Strecke soll demnach zwischen Stade und Cuxhaven elektrifiziert und für Tempo 160 ausgebaut werden, was den Personenverkehr um ungefähr zwölf Minuten beschleunigen soll. Das Projekt war bei der Aufstellung des BVWP 2030 im Jahr 2016 zunächst nur im „potenziellen Bedarf“ enthalten, dabei war zusätzlich ein zweigleisiger Ausbau des verbliebenen eingleisigen Abschnitts Hechthausen–Himmelpforten erwogen worden. Für eine Elektrifizierung und Geschwindigkeitserhöhung ohne zweigleisigen Ausbau wurde 2018 ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,1 und damit die notwendige Wirtschaftlichkeit nachgewiesen. In dieser Form stieg das Projekt daraufhin in den „vordringlichen Bedarf“ auf.
Als weitere Maßnahme ist eine neue, unterirdische Verbindungskurve in Hamburg-Harburg im Rahmen des „Knoten Hamburg“ im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen.
Anlagen für den Güterverkehr Nordwestlich des Bahnhofs Hamburg Unterelbe liegen an einer Stichstrecke die Anlagen des Bezirksgüterbahnhofs Hamburg Unterelbe Seehafen mit Anschlussgleisen zu den Harburger Seehäfen und den dortigen Raffinerien.
Auf Höhe des Bahnhofs Hamburg-Hausbruch zweigen Strecken der Hamburger Hafenbahn zu den Containerterminals Altenwerder (CTA) und Hamburg-Waltershof sowie über die Kattwykbrücke in das östliche Freihafengebiet ab.
In Stade wird über eine Stichbahn das große Industriegebiet in Bützfleth mit Aluminium- und Chemieindustrie und dem ehemaligen Kernkraftwerk erschlossen. Derzeit (2015) werden die Wagen mit einer Lok der Baureihe 295 von DB Cargo von und nach Bützfleth überführt.
Vor dem Endpunkt in Cuxhaven befinden sich umfangreiche, größtenteils aufgegebene Gleisanlagen des Hafens und der Fischereiindustrie. Hauptnutzungspunkt der Gleisanlagen ist 2015 das BLG-Autoterminal. Hauptkunden sind ARS Altmann und BLG selbst.
Geschichte und Betrieb Unterelbebahn Als Unterelbebahn wurde die Strecke von 1880 bis 1881 in der damaligen Provinz Hannover von der Unterelbe’schen Eisenbahngesellschaft gebaut. Das erste Teilstück von Harburg bis Stade wurde am 1. April 1881 dem Verkehr übergeben. In der zweiten Jahreshälfte von 1881 konnte der Betrieb über Stade hinaus aufgenommen werden. Ab 1882 verkehrten durchgehende Züge vom damaligen „Venloer Bahnhof“ in Hamburg bis Cuxhaven. Der Bahnhof Dollern kam 1920 hinzu. Der Bahnhof Harburg-Wilhelmsburg U E (Unter Elbe) wurde in Folge des Groß-Hamburg-Gesetzes zum 1. April 1938 in Hamburg-Unterelbe umbezeichnet.Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (Hg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion Mainz vom 14. April 1938, Nr. 19. Bekanntmachung Nr. 262, S. 110. Die Haltepunkte Hausbruch (1984) sowie Altenbruch, Neuhaus (Oste) und Warstade-Hemmoor (1991) wurden aufgegeben.
Vorortverkehr und S-Bahn mini|links|hochkant|Der Regional-Express der DB – hier zwischen Belum und Kehdingbruch (Deichschlippe) – … mini|links|… wurde im Dezember 2007 durch den metronom abgelöst – hier neben dem Leuchtturm „Dicke Berta“ in Cuxhaven-Altenbruch – … mini|links|… der wiederum 2018 von der DB-eigenen Start Unterelbe abgelöst wurde – hier im Bahnhof Cuxhaven. In den 1930er Jahren wurde der Streckenabschnitt Harburg–Neugraben in den Tarif der Hamburger S-Bahn einbezogen. Nach Gründung des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) im Jahr 1965 wurde diese Linie als „S 3“ bezeichnet, auf der weiterhin lokbespannte Züge verkehrten. Während die Bevölkerung in den Hamburger Stadtteilen Hausbruch und Neugraben-Fischbek in den 1960er und 70er Jahren durch den Bau neuer Großsiedlungen stark anwuchs, blieb die Verbindung ins Hamburger Stadtzentrum mangelhaft: um den Hamburger Hauptbahnhof zu erreichen, war ein Richtungswechsel der Züge in Harburg erforderlich, zudem gab es keinen Taktfahrplan.
Erst 1984 wurde die gleichstrombetriebene S-Bahn (Linien „S 3“ und „S 31“) aus der Harburger Innenstadt bis nach Neugraben verlängert. Ihre Trasse verläuft ab Hamburg-Heimfeld auf circa sieben Kilometer Länge südlich parallel zur Niederelbebahn.
Nahe der Großsiedlung Neuwiedenthal entstand ein neuer S-Bahn-Haltepunkt. Der Neugrabener Bahnhof wurde auf fünf Gleise nebst Abstellanlage erweitert und das gründerzeitliche Empfangsgebäude durch eine Umsteigeanlage im „modernen Betonstil“ der 1980er Jahre ersetzt. Auf eine Verlängerung der S-Bahn in das ebenfalls dicht besiedelte Fischbek wurde verzichtet, um die Bedeutung des neu entstandenen (Einkaufs-)Zentrums in Neugraben nicht zu schmälern.
Mit Eröffnung dieser neuen S-Bahn-Strecke wurden die Bahnhöfe Unterelbe, Tempo-Werk und Hausbruch an der alten nördlichen Trasse aufgegeben. Im Nahverkehr nach Buxtehude und Stade setzte die Deutsche Bundesbahn ab 1987 unter der Produktbezeichnung City-Bahn (CB) Züge mit modernisierten n-Wagen mit E-Loks der Baureihe 141 ein. 2006/07 war die Baureihe 143 im Einsatz. Die meisten Zugfahrten von dort endeten nun stadteinwärts in Neugraben, einige wurden jedoch zum HVV-Tarif benutzbar nach Harburg und mit Richtungswechsel bis Hamburg Hauptbahnhof weitergeführt.
Im Eilzugdienst von und nach Cuxhaven fuhren bis in die 1980er Jahre Diesellokomotiven der Baureihe 220 mit n-Wagen, danach bis zum 8. Dezember 2007 Lokomotiven der Baureihe 218 mit modernisierten n-Wagen.
Mit der Erweiterung des Verkehrsverbundgebietes im Rahmen der Metropolregion Hamburg nach Niedersachsen im Dezember 2004 wurden die Bahnhöfe zwischen Neu Wulmstorf (Landkreis Harburg) sowie Himmelpforten (Landkreis Stade) – und damit der größte Teil der Unterelbebahn – als R 50 in den Tarif des HVV einbezogen. Seit Fahrplanwechsel im Dezember 2014 heißt die Linie RE 5.
mini|Bahnhof Hamburg-Harburg mini|Ankunft eines metronom in Cuxhaven
Ab Dezember 2007 bediente die metronom Eisenbahngesellschaft den Verkehr nach Cuxhaven. Dabei wurden moderne Doppelstockwagen und als Lok aus dem Fahrzeugbestand der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) die Baureihe 246 (TRAXX P160 DE) eingesetzt, eine Dieselvariante der Bombardier-TRAXX-Familie. Diese Züge verkehrten in der Regel stündlich bis Hamburg Hauptbahnhof.
Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2007 wurde die Linie der Hamburger S-Bahn von Neugraben über Buxtehude bis nach Stade verlängert. Dabei werden neu- bzw. umgebaute Zweisystem-S-Bahn-Triebwagen der Baureihe 474.3 eingesetzt. Diese nutzen die Oberleitung und fahren abwechselnd im Mischbetrieb mit den Güterzügen und den Regionalzügen des metronom.
Der Ausbau der Strecke bestand im Wesentlichen aus der Einrichtung zweier niveaugleicher Ausfädelungen und einer Systemwechselstelle bei der Abstellanlage Neugraben sowie in der Erhöhung der Bahnsteige auf 76 cm – dort wo auch Güterzüge verkehren – und 96 cm in Buxtehude und Stade. Des Weiteren wurden die Blockabschnitte auf der Strecke verkürzt, um eine dichtere Zugfolge zuzulassen. Außerdem wurde ein zusätzlicher Haltepunkt Fischbek eingerichtet. Innerhalb von zehn Jahren wuchsen die Fahrgastzahlen zwischen Hamburg und Stade um 65 Prozent.