mini|Herbert Köfer, 2008 rahmenlos|zentriert|class=notpageimage skin-invert-image|180px|Autogramm Herbert Köfer deutscher Schauspieler Herbert Köfer (* 17. Februar 1921 in Berlin; † 24. Juli 2021 ebenda) war ein deutscher Schauspieler, Moderator, Hörspiel- und Synchronsprecher. In seiner 80 Jahre lang währenden Karriere spielte er in mehr als 300 Film- und Fernsehproduktionen wie Nackt unter Wölfen, Rentner haben niemals Zeit, Geschichten übern Gartenzaun und Familie Neumann mit und wirkte in etlichen Theaterinszenierungen wie beispielsweise Pension Schöller mit. Mit seiner Moderation der Erstausgabe der Aktuellen Kamera am 21. Dezember 1952 gilt er als der erste Nachrichtensprecher im deutschen Fernsehen.Herbert Köfer: 99 und kein bisschen leise beim Eulenspiegel Verlag In: Märkische Allgemeine vom 14. Februar 2015.
Leben Herkunft und Ausbildung Herbert Köfer wurde als einziger Sohn eines Postkartenverleger-Ehepaars im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg geboren. Biografie bei defa-stiftung.de; abgerufen am 1. Juli 2019. Nach dem Besuch der Sozialistischen Gemeinschaftsschule in Berlin-Niederschönhausen sowie einer Privatschule, die er mit der Mittleren Reife abschloss, begann er 1937 auf Wunsch seiner Eltern eine kaufmännische Lehre bei der Lokomotivfabrik Orenstein & Koppel in Berlin-Spandau, die er nach sechs Monaten abbrach.Herbert Köfer: Nie war es so verrückt wie immer… Das Neue Berlin, Berlin 2008. Köfer, der etwas machen wollte, um Aufmerksamkeit zu erregen, erlernte professionell das Geigenspiel und war sogar am Konservatorium, bis ihm das Üben von Tonleitern zu monoton war.Simona Block: Herbert Köfer wird 95: Rentner haben niemals Zeit In: Schweriner Volkszeitung vom 17. Februar 2016. Köfer entschied sich letztlich für das Schauspiel und ließ sich von 1937 bis 1940 an der Schauspielschule des Deutschen Theaters ausbilden.
1941 wurde Köfer im Zuge des Zweiten Weltkriegs zur deutschen Wehrmacht nach Potsdam eingezogen und zum Funker ausgebildet. Im Anschluss an die Ausbildung wurde er an die Ostfront versetzt und dort als Funker eines Regimentskommandeurs eingesetzt. Nach einer Verwundung wurde er in ein Lazarett nach Düsseldorf transportiert. Im Anschluss an die Genesung geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft und spielte dort in einer Theatergruppe.
Politisches Engagement Herbert Köfer zeigte zur Zeit der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR politisches Engagement. Ab Juni 1946 war er Mitglied der SED. Daneben war er Mitglied der betrieblichen Gewerkschaftsleitung an den Theatern, an denen er spielte, sowie beim Fernsehen der DDR. 1981 wurde er zum Berliner Stadtverordneten gewählt, wo er Mitglied der Ständigen Kommission Kultur war.
mini|Herbert Köfer während der Alexanderplatz-Demonstration 1989
Privates Herbert Köfer war dreimal verheiratet. Aus seiner ersten Ehe stammt der Kameramann Andreas (* 1949). Aus der zweiten Ehe mit der Schauspielerin Ute Boeden entstammen seine beiden Töchter Mirjam (* 1973) und Geertje (* 1985), die ebenfalls den Schauspielberuf ergriffen; die zweite Ehe war jedoch schon vor der Geburt seiner zweiten Tochter getrennt.„Mein Vater hat wirklich keine Zeit“, saechsische.de, 24. Februar 2019 Neben seinen drei leiblichen Kindern hatte er auch eine Pflegetochter. Seine Enkelin Alice Köfer ist als Musikerin und Dozentin tätig. Im Oktober 2000 heiratete er in dritter Ehe seine langjährige Lebensgefährtin Heike Knochee, die als Schauspielerin und Sängerin arbeitete. Beide lebten in Kleinmachnow, Zeuthen und ab 2013 am Seddiner See in Brandenburg.
1995 erschien im Ullstein Verlag seine erste Autobiografie unter dem Titel Das war’s noch lange nicht. Erinnerungen. Im März 2008 wurde eine weitere Autobiografie mit dem Titel Nie war es so verrückt wie immer … im Verlag Das Neue Berlin veröffentlicht. Im November 2014 erschien anlässlich seines 75. Bühnenjubiläums ein Anekdotenbuch mit dem Titel Ick hab überall zu tun im Eulenspiegel Verlag. beim Eulenspiegel Verlag Ende Januar 2020 erschien ebenfalls beim Eulenspiegel-Verlag unter dem Titel 99 und kein bisschen leise eine weitere Autobiografie. Im Rahmen der Damals war’s-Legenden des MDR wurde 2016 ein 90-minütiges Porträt unter dem Titel Ein Abend für Herbert Köfer gesendet.Legenden 03: Ein Abend für Herbert Köfer
Im August 2013 wurden Köfer zwei Tumore an der Lungenspitze operativ entfernt.Herbert Köfer (92): Lungenkrebs! Der TV- und Theater-Star wurde im Klinikum Bad Saarow operiert In: Berliner Kurier vom 16. August 2013. 2018 unterzog er sich einer Herzklappen-OP.Herbert Köfer: Muskelkater nach Herzklappen-OP Herbert Köfer starb am 24. Juli 2021 im Alter von 100 Jahren an den Folgen einer Sepsis in einem Berliner Krankenhaus. Er wurde auf dem Waldfriedhof von Beelitz beigesetzt.Abschied in Beelitz: Trauerfeier für Herbert Köfer zeit.de, 17. August 2021.
mini|Grabstätte von Herbert Köfer auf dem Waldfriedhof Beelitz
Karriere Theater 1940–1964 In der Spielzeit 1940/41 bekam Herbert Köfer direkt im Anschluss seiner Schauspielausbildung sein erstes Engagement am Stadttheater in Brieg in Schlesien und debütierte für einen erkrankten Schauspieler als Kronprinz Friedrich in Katte, einem historischen Schauspiel von Hermann Burte über Hans Hermann von Katte, den Jugendfreund von Friedrich II.
Erst nach Kriegsende 1945 nahm er seine professionelle schauspielerische Tätigkeit wieder auf. Er erhielt das Angebot, am Theater Lübeck zu spielen, lehnte dies aber ab, um zurück zu seinen Eltern in Kleinmachnow zu ziehen. Bis 1947 war er am Neuen Berliner Künstlertheater engagiert, wo er unter anderem in Johann Wolfgang von Goethes Drama Iphigenie wirkte und in Bühnenadaptionen Friedrich Schillers den Don Cesar in Die Braut von Messina oder den Sekretär Wurm in Kabale und Liebe gab. In der Spielzeit 1947/48 folgte für Köfer ein Gastspiel an der Volksbühne Berlin. 1949 arbeitete er am Kabarett Kleine Bühne, dem Vorgänger des Kabarett-Theaters Distel in Berlin, wo er zwischen 1956 und 1959 gastierte.
Von 1950 bis 1952 folgte für Köfer ein Engagement am Deutschen Theater, hier sah man ihn in der Hauptrolle in der Komödie Der Zimmerherr von Gerhart Hermann Mostar, als Lewis in dem Drama Golden Boy von Clifford Odets (1950; Regie: Wolfgang Langhoff), in William Shakespeares Was ihr wollt (1951, Regie: Wolfgang Heinz) oder in dem Schauspiel Pygmalion (1952) von George Bernard Shaw. 1964 wurde er Mitglied des Kleinmachnower Kreises (einem Zimmertheater im Bezirk Potsdam) und wirkte dort in anspruchsvollen literarischen Programmen unter anderem über Heinrich Heine, Theodor Fontane und Georg Weerth mit.
1990–2018: Nach der Wende 1990 war Köfer am Berliner Hansa Theater an der Seite von Brigitte Grothum und Eberhard Cohrs in der Bühnenadaption Rosen-Emil zu sehen. Danach wirkte er am Theater am Kurfürstendamm unter anderem in Horst Pillaus′ Guten Tag, Herr Liebhaber und in Erich Kästners Das lebenslängliche Kind sowie 1997 an der Seite von Winfried Glatzeder und Elisabeth Wiedemann in der Inszenierung Pension Schöller, einem Stück von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs, wo er die Titelrolle des ehemaligen Musikdirektors Ludwig Schöller übernahm, mit. Im Juli 2017 wurde das Stück Pension Schöller anlässlich des 20-jährigen Jubiläums erneut mit damaliger Besetzung aufgeführt.Pension Schöller Inhalt/Video/Besetzung bei komoedie-berlin.de 2003 bis 2018 betrieb er Köfers Komödiantenbühne, ein privates Tourneetheater mit vielen ostdeutschen Schauspielern. 1995 stand er gemeinsam mit Ursula Staack im Theater „Schlossgarten“ in Arnstadt für das Lustspiel Die Bratpfannenstory als Hausbesitzer Friedrich Riemer auf der Bühne.
2003 gründete er mit Köfers Komödiantenbühne seine eigene Theatergruppe. Von 2008 bis 2014 war er jährlich bei den Jedermann-Festspielen im Berliner Dom in der Rolle des Armen Nachbarn zu sehen.Herbert Köfer Biografie bei jedermann-festspiele.de
An der Comödie Dresden verkörperte er 2010 anlässlich seines 70. Bühnenjubiläums unter der Regie von Dominik Paetzholdt an der Seite von Lutz Jahoda und Regina Jeske den ehemals großen Schuldirektor und Schlossbesitzer Ludwig von Schwitters in der Bühnenadaption von Stefan Vögels Ritter Ludwig.Reinhard Heinrich: "Ritter Ludwig" - ein Komödien-Feuerwerk mit Tiefgang: Herbert Köfer feiert 70. Bühnenjubiläum - mit exzellenter Arbeit - in exzellentem Team vom 6. September 2010. Ab dem 26. August 2011 war er ebenfalls an der Comödie Dresden in der Theaterfassung der DDR-Vorabendserie Rentner haben niemals Zeit zu sehen, wo er wie einst die Rolle des Rentners Paul Schmidt spielte. Aufgrund des Erfolgs der Theaterauflage setzte Köfer mit Paul auf hoher See die Geschichte um den Rentner Paul Schmidt fort.„Paul auf hoher See“ mit Herbert Köfer – Das neue Abenteuer vom Rentner, der niemals Zeit hat auf adticket.de; abgerufen am 29. Juni 2016.
Mit dem Stück Opa ist die beste Oma (englischsprachiger Titel: Grandpa is a perfect Granny) der Britin Lydia Fox gab Köfer an der Comödie Dresden sein 75-jähriges Bühnenjubiläum, wo er die Doppelrolle des Au-pair-Mädchen Georgina Wilberforth und des Opas George Hanley, der sich nach Jahren wieder bei seiner Familie meldet, verkörperte. Das Stück wurde 2015/16 aufgeführt., Spielplan der Comödie Dresden.
Ab Januar 2017 gab er mit der schwarzen Komödie von Curth Flatow Ein gesegnetes Alter als 90-jähriger Rentner Georg Neumann, der um sein Haus, in dem er 40 Jahre lang lebte, und Erbe gebracht werden soll, mehrere Gastspiele in verschiedenen Städten.Gastbeitrag aus Zittau: Herbert Köfer in der Komödie "Ein gesegnetes Alter" In: Focus Online vom 20. Februar 2017.
Ab Februar 2018 war er mit einem Bühnenstück zu der DDR-Fernsehsendung Das blaue Fenster, die Köfer von 1982 bis 1990 insgesamt 99 Mal moderierte, auf Tournee.Fernsehgeschichte: Köfer öffnet "Das blaue Fenster" In: Volksstimme vom 25. November 2018.
Film, Fernsehen und Hörfunk DDR Herbert Köfer stand am 21. Dezember 1952 als Nachrichtensprecher der Aktuellen Kamera für die erste und knapp 40 Jahre später am 31. Dezember 1991 auch für die letzte Sendung des Deutschen Fernsehfunks, bei der er gemeinsam mit Frank Schöbel den „Bottelmeier“-Sketch spielte, vor der Kamera., in: Superillu.de, 6. September 2010. Damit war er der erste Nachrichtensprecher im gesamtdeutschen Fernsehen. In den Folgejahren baute Köfer das DDR-Fernsehen mit auf. Er moderierte unter anderem bis 1954 das Fernsehkarussell. Von 1955 bis 1965 trat er als einer der Drei Mikrofonisten in der Unterhaltungssendung Da lacht der Bär auf. Die Mikrofonisten standen für jeweils eine deutsche Region: Heinz Quermann alternierend mit Manfred Uhlig (Sachsen) – Gustav Müller (Rheinland) und abwechselnd Herbert Köfer (Ost-Berlin) sowie Gerhard Wollner (West-Berlin). Zu seinen späteren weiteren von ihm moderierten Sendungen gehörten Das blaue Fenster (von 1982 bis 1990) und Treffpunkt Kino (ursprünglich Hauptfilm läuft; von 1985 bis 1987).
mini|Herbert Köfer (Mitte) mit Frank Beyer (links) und Bruno Apitz (rechts) bei den Dreharbeiten zu Nackt unter Wölfen 1962