mini|Karusseit (rechts) neben Benno Besson und Galina Malinowskaja, 1974 rahmenlos|zentriert|class=notpageimage skin-invert-image|Unterschrift von Ursula Karusseit

Ursula Karusseit (* 2. August 1939 in Elbing, Regierungsbezirk Westpreußen, Provinz Ostpreußen; † 1. Februar 2019 in Berlin) war eine deutsche Schauspielerin und Theaterregisseurin.

Karusseit avancierte in ihren Jahren an der Berliner Volksbühne zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des DDR-Theaters, spielte jedoch auch in über 50 DFF- und DEFA-Filmen, etwa in Wege übers Land (1968), Daniel Druskat (1976) und Märkische Chronik (1983). Im wiedervereinigten Deutschland wurde sie ab 1998 vor allem durch ihre Rolle der Charlotte Gauß in der ARD-Krankenhausserie In aller Freundschaft bekannt.

Leben Herkunft und Ausbildung Ursula Karusseit wurde am 2. August 1939 im ostpreußischen Elbing geboren. Nach der Vertreibung 1945 wuchs sie in Parchim und in Gera auf. Nach einer kaufmännischen Lehre arbeitete die Lehrerstochter als Stenotypistin und Sachbearbeiterin und wirkte nebenbei in der Laienkabarettgruppe ihres Betriebes mit. Ihre Schauspielausbildung absolvierte sie von 1960 bis 1962 an der Staatlichen Schauspielschule Berlin-Schöneweide.

Theater Nach ihrer Schauspielausbildung erhielt Karusseit feste Engagements am Deutschen Theater Berlin und am Maxim-Gorki-Theater sowie eine viele Jahre währende Festanstellung im Ensemble der Berliner Volksbühne. In der Ära Benno Besson (1969 bis 1977) feierte sie dort europaweit Erfolge. Sie glänzte vor allem in Stücken wie der Märchenkomödie Der Drache von Jewgeni Schwarz (Deutsches Theater Berlin) als Tochter Elsa oder in Bertolt Brechts Der gute Mensch von Sezuan (Berliner Volksbühne) als Shen Te. 1984 debütierte Karusseit als Theaterregisseurin mit John Millington Synges Der Held der westlichen Welt. Seit Mitte der 1980er-Jahre hatte Karusseit zahlreiche Gastengagements in Westdeutschland, so trat sie etwa 1986 als Mutter Courage im gleichnamigen Stück am Kölner Schauspiel auf. Ab 2006 spielte sie gemeinsam mit Thomas Rühmann im Theater am Rand in Zollbrücke mit.

Gelegentlich lehrte sie an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg.

Film und Fernsehen mini|Ursula Karusseit (rechts) wird von ihrer Serienkollegin Arzu Bazman zur Goldenen Henne für ihr Lebenswerk beglückwünscht, 2009 Ihr Filmdebüt gab Karusseit 1963 in Lothar Bellags Fernsehfilm Was ihr wollt. Mit ihrer Darstellung der Gertrud Habersaat im Fernsehmehrteiler Wege übers Land nach Helmut Sakowski erlangte sie bis über die Grenzen der DDR hinaus große Popularität. In dem Vierteiler Eva und Adam verkörperte sie im ersten Film die Hauptrolle der Helga Lorenz an der Seite von Dietmar Richter-Reinick. Bekannt wurde sie außerdem durch Filme wie das antifaschistische Filmepos über die Widerstandsgruppe um Harro Schulze-Boysen, KLK an PTX – Die Rote Kapelle (1971), oder als rothaarige Lola an der Seite von Michael Gwisdek in dem Boxerfilm Olle Henry (1983). Unter Dieter Scharfenberg übernahm sie 1984 neben Kurt Böwe eine Doppelrolle als herrische Königin und gutmütige Schmiedin Hanne in dem Märchenfilm Die vertauschte Königin.

mini|hochkant|Ursula Karusseits Grab auf dem Senziger Friedhof, 2020 Im wiedervereinigten Deutschland war Karusseit vorwiegend in Fernsehproduktionen beschäftigt. Ab 1998 gehörte sie als Charlotte Gauß in der ARD-Krankenhausserie In aller Freundschaft ab der ersten Folge zur Stammbesetzung und wurde mit dieser Rolle auch beim gesamtdeutschen Publikum bekannt. Sie war bis März 2019 (Folge 847) in der Serie zu sehen. Im August 2019 (Folge 863) wurde ihr Serientod thematisiert.

2008 besetzte sie Regisseur Ulrich König neben Winfried Glatzeder als Schneiderin in dem Märchenfilm Tischlein deck dich aus der ARD-Reihe Sechs auf einen Streich. 2014 spielte sie an der Seite von Michael Gwisdek, Anna Loos, Jutta Wachowiak, Dieter Mann und Marie Gruber in Udo Wittes Fernsehkomödie Die letzten Millionen. Ihre letzte Filmrolle hatte sie 2015 ebenfalls unter der Regie von Udo Witte in einer Nebenrolle als Renate in Eins ist nicht von dir.

Neben ihren Arbeiten auf der Bühne und in Film und Fernsehen betätigte sie sich als Hörspielsprecherin, so wirkte sie kontinuierlich in zahlreichen Hörspielproduktionen für den Rundfunk der DDR mit.

Innerhalb der MDR-Fernsehsendung Lebensläufe entstand 2015 eine halbstündige Dokumentation unter dem Titel Ursula Karusseit – eine Vollblutschauspielerin.

Politisches Engagement Bei der Bundestagswahl 2009 rief Karusseit öffentlich zur Wahl der Partei Die Linke auf.

Privates und Tod Ursula Karusseit heiratete 1969 den Schweizer Theaterschauspieler Benno Besson und erhielt damit auch den Schweizer Pass. Der aus der Beziehung entstammende gemeinsame Sohn Pierre Besson (* 1967) ergriff ebenfalls den Schauspielberuf. 1998 heiratete sie in zweiter Ehe ihren langjährigen Lebensgefährten, den Beleuchtungstechniker Johannes Wegner.

Karusseit starb am 1. Februar 2019 im Alter von 79 Jahren in einer Berliner Klinik an den Folgen einer Herzinsuffizienz. Ihre letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Friedhof von Senzig, Ortsteil von Königs Wusterhausen, südlich von Berlin.

Im März 2019 erschien postum unter dem Titel Zugabe eine Autobiografie von ihr, an der sie zuletzt noch gearbeitet hatte. In den Jahren 2019 und 2020 hielt ihr einstiger Schauspielkollege Herbert Köfer Lesungen aus ihrer Autobiografie.Senzig: „Köfer liest Karusseit“ bei maz-online.de. Abgerufen am 2. November 2020.

Theater Als Schauspielerin 1964: Manfred Bieler: Nachtwache – Regie: Hans-Joachim Martens (Volksbühne Berlin – Theater im III. Stock) 1964: Robert Planchon nach Alexandre Dumas der Ältere: Die drei Musketiere – Regie: Rudolf Vedral (Volksbühne Berlin) 1965: Peter Hacks: Moritz Tassow (Rote Rosa) – Regie: Benno Besson (Volksbühne Berlin) 1966: William Shakespeare: Maß für Maß (Isabella) – Regie: Adolf Dresen (Deutsches Theater Berlin) 1967: Horst Salomon: Ein Lorbaß – Regie: Benno Besson (Deutsches Theater Berlin) 1967: Rolf Schneider: Prozeß in Nürnberg – Regie: Wolfgang Heinz (Deutsches Theater Berlin) 1970: Bertolt Brecht: Der gute Mensch von Sezuan (Shen Te) – Regie: Benno Besson (Volksbühne Berlin) 1970: Walentin Katajew: Avantgarde (Polina, Tschorbas Frau) – Regie: Fritz Marquardt (Volksbühne Berlin) 1971: Heiner Müller: Weiberkomödie (Jenny Nägle) – Regie: Fritz Marquardt (Volksbühne Berlin) 1971: Carlo Gozzi: König Hirsch (Smeraldina) – Regie: Benno Besson/Brigitte Soubeyran (Volksbühne Berlin) 1972: Tirso de Molina: Don Gil von den grünen Hosen (Dona Clara) – Regie: Brigitte Soubeyran (Volksbühne Berlin) 1973: Mittelalterliches Jahrmarktstück: Vom Furz (Ehefrau) – Regie: Brigitte Soubeyran (Volksbühne Berlin – Linkes Seitenfoyer) 1975: Jean Racine: Britannicus (Agrippine) – Regie: Brigitte Soubeyran (Volksbühne Berlin) 1979: Ferenc Molnár: Liliom (Jule) – Regie: Brigitte Soubeyran/Irene Böhme (Volksbühne Berlin) 1980: Euripides: Die Frauen von Troja (Hekabe) – Regie: Berndt Renne (Volksbühne Berlin – Theater im III. Stock) 1984: Gerhart Hauptmann: Schluck und Jau (Hofdame Adeluz) – Regie: Siegfried Höchst/Gert Hof (Volksbühne Berlin) 1985: Wsewolod Wischnewski: Optimistische Tragödie (Kommissarin) – Regie: Siegfried Höchst/Gert Hof (Volksbühne Berlin)

Als Regisseurin 1985: John Millington Synge: The Playboy of the Western World (Volksbühne Berlin)

Filmografie mini|hochkant|Ursula Karusseit und Manfred Krug 1968 im DFF-Fernsehfilm Wege übers Land Kinofilme 1971: KLK an PTX – Die Rote Kapelle 1974: Der nackte Mann auf dem Sportplatz 1980: Levins Mühle 1981: Die Stunde der Töchter 1983: Olle Henry 1984: Die vertauschte Königin 1985: Die Gänse von Bützow 1999: Nachtgestalten 1999: Waschen, schneiden, legen 2006: Elementarteilchen

Fernsehfilme 1963: Was ihr wollt 1968: Wege übers Land (Fünfteiler) 1971: Avantgarde (Theateraufzeichnung) 1971: Der Arzt wider Willen (Theateraufzeichnung) 1973: Eva und Adam (Vierteiler) 1976: Daniel Druskat (Fünfteiler) 1977: Camping-Camping 1977: Tod und Auferstehung des Wilhelm Hausmann 1979: Pinselheinrich 1980: Puppen für die Nacht 1982: Familie Rechlin (Zweiteiler) 1982: Das Mädchen und der Junge 1983: Der Biberpelz (Theateraufzeichnung der Volksbühne Berlin) 1983: Der Bastard (Zweiteiler) 1983: Der entführte Prinz 1984: Paulines zweites Leben 1986: Weihnachtsgeschichten 1991: Die verschwundene Miniatur 1991: Die Sprache der Vögel 1993: Wer zweimal lügt 2003: Ich leih dir meinen Mann 2003: Der zweite Frühling 2004: Ein Engel namens Hans-Dieter 2006: Willkommen in Lüsgraf 2007: Liebe ist das schönste Geschenk 2008: Tischlein deck dich (ARD-Märchenfilmreihe Sechs auf einen Streich) 2013: Willkommen auf dem Land 2013: In aller Freundschaft: Bis zur letzten Sekunde 2014: Wir tun es für Geld 2014: Die letzten Millionen 2014: Neufeld, mitkommen! 2015: Eins ist nicht von dir

Fernsehserien und -reihen 1979: Der Staatsanwalt hat das Wort: Akte Zabel 1979: Der Staatsanwalt hat das Wort: Konsequenzen 1981: Der Staatsanwalt hat das Wort: Nachtpartie 1983: Märkische Chronik (12 Folgen) 1987: Einzug ins Paradies (6 Folgen) 1987: Polizeiruf 110: Abschiedslied für Linda 1998–2019: In aller Freundschaft (857 Folgen) 2002: Die Rettungsflieger (1 Folge: Voller Überraschungen) 2003: Wolffs Revier (1 Folge: Unwürdiger Zeuge) 2003: Schloss Einstein (4 Folgen) 2005: Polizeiruf 110: Vorwärts wie rückwärts 2007: Tatort: Die Falle 2011: SOKO Stuttgart (1 Folge: Zweiter Frühling) 2014: Dr. Klein (2 Folgen: Rückschläge, Rausch)

Hörspiele 1980: Georg Büchner: Dantons Tod (Julie) – Regie: Joachim Staritz (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1980: Brüder Grimm: Das tapfere Schneiderlein / Der Fischer und seine Frau (Bauersfrau / Seine Frau) – Regie: Dieter Wardetzky (Kinderhörspiel – Litera) 1981: Joachim Brehmer: Der Doppelgänger (Evelyn) – Regie: Achim Scholz (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1983: Hans Christian Andersen: Die Schneekönigin (Räuberweib) – Regie: Rainer Schwarz (Kinderhörspiel – Litera) 1984: Charles Perrault: Riquet und Mirabelle (Königin, am Hof Prinzessin Mirabelles) – Regie: Karin Lorenz (Kinderhörspiel – Litera) 1987: Brüder Grimm: Brüderchen und Schwesterchen (Hexe) – Regie: Maritta Hübner (Kinderhörspiel – Litera) 1987: Albert Wendt: Prinzessin Zartfuß und die sieben Elefanten (Prinzessin Zartfuß) – Regie: Cox Habbema (Kinderhörspiel – Litera) 1996: Holger Böhme: Stillleben mit Dorf und Leichen – Regie: Joachim Staritz (Hörspiel – ORB/RB) 1999: Isaak Babel: Die Reiterarmee (Saska, weiblich) – Regie: Joachim Staritz (Hörspiel (3 Teile) – MDR/DLR) 2003: Dylan Thomas: Unter dem Milchwald (Rosie Probert) – Regie: Götz Fritsch (Hörspiel – MDR) 2008: A. L. Kennedy: Paradies – Bearbeitung und Regie: Irene Schuck (Hörspiel – MDR/NDR)

Auszeichnungen 1968: Nationalpreis der DDR I. Klasse im Kollektiv 2009: Goldene Henne für ihr Lebenswerk

Autobiografie Zugabe. Eulenspiegel-Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-355-01879-1.

Literatur Hans-Dieter Schütt: Ursula Karusseit: Wege übers Land und durch die Zeiten. Verlag Das Neue Berlin, Berlin 2009, ISBN 978-3-360-01982-0.

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Einzelnachweise

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