mini|Oberreifenberg vom Großen Feldberg gesehen Oberreifenberg ist mit über 2100 Einwohnern der nach Einwohnerzahl größte Ortsteil der Gemeinde Schmitten im Taunus im südhessischen Hochtaunuskreis sowie der Stammsitz des Adelsgeschlechts Reifenberg.

Geographische Lage mini|Sängelberg über den Dächern Oberreifenbergs vom Hühnerberg gesehen, aus Richtung Südsüdost. mini|Dillenberg über der Siegfriedsiedlung mini|Winterlandschaft

Oberreifenberg im östlichen Hintertaunus ist mit durchschnittlich 640 Meter in der Ortslage das höchstgelegene Dorf im Taunus und eines der höchstgelegenen Dörfer in Hessen. Es liegt auf einem nach Nordwesten gerichteten Ausläufer des rund 1,5 Kilometer entfernten und 879 Meter hohen Großen Feldbergs. Die Gemarkung des Ortes hat eine Fläche von 383 Hektar. Der höchstgelegene Punkt der Gemarkung findet sich im Südosten, wo die Gemarkungsgrenze im Walddistrikt Stölker auf 350 Meter Länge dem Obergermanisch-Raetischen Limes folgt. Hier, wo die vom Feldberggipfel herabführende Nordbahn-Piste den Limes quert, erreicht die Gemarkung eine Höhe von 770 m. Demgegenüber liegt im Norden der Gemarkung der tiefste Punkt im Weiltal am oberen Bärenfichtenweiher unterhalb der Reste der Burg Hattstein bei 460 m.Geodaten online und Topographische Karte 1:25.000 Die Burg Hattstein liegt am nördlichen Hang des Sängelbergs (). Am östlichen Ortsrand erhebt sich über der Siegfriedsiedlung der Dillenberg, mit achthöchster Gipfel des Taunus.

Charakteristisch für das Ortsbild ist die Burg Reifenberg im Nordwesten der Ortslage. Weitere interessante historische Gebäude sind das Bassenheimer Palais und die St.-Gertrudis-Kapelle.

Geschichte Die lange angenommene schriftliche Ersterwähnung des Ortes Reifenberg im Jahr 950 ist nach neueren Forschungen nicht mehr haltbar. Aber noch 1950 wurde durch Bürgermeister Magnus Buch von Niederreifenberg neben dem Kriegerdenkmal ein Gedenkstein zum 1000-jährigen Jubiläum eingeweiht. Die älteste heute bekannte schriftliche Erwähnung des Ortes erfolgte unter dem Namen Rifinberg und wird in die Zeit 1215–1222 datiert. Die Geschichte des Ortes ist eng mit der Burg Reifenberg verbunden die ab 1331 belegt ist.

1156 nennt die „Walsdorfer Gründungsurkunde“ einen „Guntramus de Hazechenstein“. Jener Guntram hatte seine – anno domini 1686 unter dem Namen „Hattstein“ besser bekannte – Burg vermutlich vom Limburger Burgherren, dem Grafen Emmerich von Leiningen, als Lehen erhalten.

Das Geschlecht derer von „Hazechenstein“ war auf das Engste mit dem Geschlecht derer von „Riffinberg“ verwandt, wenn nicht gar identisch. Die gesamte ritterliche Familie stammte ursprünglich eventuell aus der westerwälder Gegend nördlich der Lahn oder aus der Gegend um Limburg.

Der Ort gehörte im Mittelalter zum Herrschaftsbereich der Hattsteiner und später derer von Reifenberg. Mit dem Aussterben dieses Adelsgeschlechtes fiel das Amt Reifenberg 1686 an die Grafen Waldbott von Bassenheim. Der Reichsdeputationshauptschluss 1803 regelte einen erneuten Besitzwechsel. Nun gehörte das Amt Reifenberg zu Nassau-Usingen bzw. ab 1806 zum Herzogtum Nassau. Das Amt Reifenberg wurde 1810 aufgelöst und Niederreifenberg wurde dem Amt Usingen zugeordnet. Nach der Annexion durch Preußen wurde Niederreifenberg 1868 Teil des neuen Landkreises Usingen.

Oberreifenberg wurde 1849 im Rahmen einer nassauischen Verwaltungsverfügung gegründet, als sich das Dorf Reifenberg in Ober- und Niederreifenberg teilt wurde.

Bis in die 1950er Jahre hielt sich in der heimatkundlichen Literatur die Theorie, dass die Reifenberger Burg bereits aus dem 9. Jahrhundert nach Christus stamme – worauf sich dann auch die „1000-Jahr-Feier“ 1950 in Oberreifenberg bezog. Hattstein sei dann von einem Reifenberger Sohn erbaut worden. Tatsächlich nannte Hans Heinrich von Reifenberg in einer Ahnenprobe 1609 einen Herrn „Engelhardt“ als Aufseher und Leiter der damals üblichen Ritterturniere „in dem Zweyten Turnier nach Christi gebuerdt 942“. Aber dies beweist lediglich die Existenz der Familie, nicht deren Wohnort. Und bereits in den 1930er Jahren kamen dem sich um Reifenberg sehr verdient gemachten Heimatforscher Karl Beuth Zweifel an der noch von ihm selbst vertretenen Theorie. Denn am 3. Mai 1938 hatte ihm Otto Renkhoff, Staatsarchivrat in Wiesbaden geschrieben: „Das Geschlecht derer von Reifenberg und das derer von Hattstein sind eines Stammes. Früher hat man angenommen, dass die von Hattstein ein Stamm derer von Reifenberg seien. Nach neueren Forschungen muss man gerade umgekehrt annehmen: die Burg Hattstein scheint die ältere Burg zu sein und es scheint die Gründung Reifenbergs von Hattstein aus erfolgt zu sein …“ – vermutlich weil die Stammburg Hattstein auf der schmalen Felsenklippe zu klein für die Familie wurde.

Helmut Gensicke vermutet in einem Aufsatz von 1963 den Bau der Burg Reifenberg vor 1215. 1226 starb ein Conrad zu Hattstein, den Gensicke für den Bruder Cuno von Hattsteins hält, der wiederum mit dem 1234 nochmals erwähnten „Cuno von Reifenberg“ identisch gewesen sein soll.

1331 finden wir die erste urkundliche Erwähnung der Burg Reifenberg. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts hatte sich die Reifenberger Sippe in zwei Linien geteilt: in die Wetterauer (auf der Stammburg Reifenberg verbleibend) und in die Weller Linie, die sich im Westerwald ansiedelte.Béatrice Träger: Chronica Reifenbergensis, in: Norbert Marx: Treffen der Reifenberger aus aller Welt, 1986, S. 59–75

Der letzte Ritter von Reiffenberg, Philipp Ludwig starb im Jahr 1686. Philipp Ludwigs Schwager, der Graf Johann Lothar Waldbott von Bassenheim erbte die Burg Reiffenberg.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 wurde die bassenheimsche Herrschaft Reifenberg Nassau-Usingen zugeschlagen. Der dagegen gerichtete Prozess vor dem Reichskammergericht endet mit dem Ende des Alten Reiches 1806 und Reifenberg gehörte als Amt Reifenberg zu Nassau-Usingen bzw. dem Herzogtum Nassau. Waldbott-Bassenheim behielt jedoch als Standesherr weiterhin Rechte an Oberreifenberg (z. B. als Gerichtsherr).

mini|Bassenheimer Palais Oberreifenberg 1768 bis 1770 wurde anstelle der Burg für die Grafen Waldbott von Bassenheim vom Baumeister Johann Friedrich Sckell (* 1725) ein neues herrschaftliches Gebäude, das heutige Bassenheimer Palais, errichtet. Der Saal im ersten Stock des Palais wurde von dem in Frankfurt am Main wirkenden Schweizer Maler Christian Stöcklin (1741 bis 1795) mit Fresken bemalt, die Perspektiven von Venedig zeigen, die später unter Putz und Tünche verschwanden und erst 2014 wieder freigelegt wurden.Mit Blick auf den venezianischen Markusplatz in FAZ vom 21. Februar 2014, Seite 52

1823 wurde Oberreifenberg Sitz der neu gebildeten standesherrlichen Oberförsterei Reifenberg.Verordnungsblatt des Herzogtums Nassau, Band 15, Seite 90–91, 19. November 1823, Online

Vom 1. April 1939 bis zum 1. Oktober 1948 erfolgte eine erneute Zusammenlegung von Niederreifenberg und Oberreifenberg zur Gemeinde Reifenberg. Ab Oktober 1948 war Oberreifenberg dann bis zur Gebietsreform in Hessen wieder eigenständig. Kurt Bernecke (SPD) war der letzte Bürgermeister der selbständigen Gemeinde.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schlossen sich zum 31. Dezember 1971 die Gemeinden Niederreifenberg und Oberreifenberg erneut zur Gemeinde Reifenberg zusammengeschlossen. Damit wollten sie den Zusammenschluss mit Schmitten zuvorzukommen. Die Gemeinde Reifenberg bestand aber nur wenige Monate. Zum 1. August 1972 verlor sie kraft Landesgesetz ihre Eigenständigkeit und Oberreifenberg ist seither Ortsteil der Gemeinde Schmitten. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden in Schmitten nicht gebildet.

Territorialgeschichte und Verwaltung im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Reifenberg bzw. Oberreifenberg angehörten:

vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Herrschaft Reifenberg ab 1806: Herzogtum Nassau, Amt Reifenberg ab 1816: Herzogtum Nassau, Amt Usingen ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt Idstein ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Usingen ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Obertaunuskreis (Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Usingen) und Verwaltung) ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Obertaunuskreis ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Obertaunuskreis ab 1886: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Usingen ab 1932: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Obertaunuskreis ab 1933: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Usingen ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Usingen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Usingen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Usingen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Usingen ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Usingen ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Hochtaunuskreis

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Oberreifenberg 1998 Einwohner. Darunter waren 207 (10,4 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 444 Einwohner unter 18 Jahren, 882 zwischen 18 und 49, 281 zwischen 50 und 64 und 291 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 783 Haushalten. Davon waren 189 Singlehaushalte, 231 Paare ohne Kinder und 309 Paare mit Kindern, sowie 45 Alleinerziehende und 9 Wohngemeinschaften. In 135 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 567 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung

Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 32 evangelische (= 4,69 %), 650 katholische (= 95,17 %), ein jüdischer (= 0,15 %) Einwohner • 1961: 262 evangelische (= 23,86 %), 817 katholische (= 74,41 %) Einwohner

Wappen Das Wappen wurde am 21. November 1969 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Blasonierung: „In Silber drei rote Schrägrechtsbalken, oben belegt mit einem dreilätzigen blauen Turnierkragen.“

Das Wappen wurde vom Heraldiker Heinz Ritt gestaltet. Es entspricht dem Familienwappen derer von Reifenberg.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Vereine Im Ort besteht eine Anzahl von Vereinen, die im Vereinsring Reifenberg (Vereinsring für Ober- und Niederreifenberg) zusammengeschlossen sind. Eine Auswahl dieser Vereine:

Kanoniergesellschaft Oberreifenberg Angelsportverein Oberreifenberg Burgverein Reifenberg Freundeskreis Reifenberg Lauftreff Reifenberg MGV 1871 Oberreifenberg(Gesangsverein) Ski-Club Reifenberg Sportgemeinschaft Oberreifenberg Tennis-Club Reifenberg Vereinsring Reifenberg

Bauwerke mini|Burg Reifenberg Für die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude siehe die Liste der Kulturdenkmäler in Oberreifenberg.

Burgruine Reifenberg

Bergfried (Unterbau, etwa 33 Meter) und Wohnturm der Burg sind erhalten und überragen Oberreifenberg und das Weiltal.

Limes und Römerkastell Die alte Grenze des römischen Reiches verläuft oberhalb von Nieder- und Oberreifenberg über den Nordhang des Großen Feldbergs. Oberhalb Oberreifenbergs liegt auch das Römerkastell Kleiner Feldberg, von dem heute leider nur noch die Grundmauern zu sehen sind.

St.-Gertrudis-Kapelle mini|St.-Gertrudis-Kapelle Oberreifenberg