mini|Teilansicht einer Puppenszene mini|Ausstellungsplakat Neues Palais Mon Plaisir (frz. Mein Vergnügen) ist die Puppenstadt der Fürstin Auguste Dorothea von Schwarzburg-Arnstadt (1666–1751), geborene Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel.

Die barocke Miniaturstadt für Puppen wurde während der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach den Vorstellungen und Plänen der Fürstin errichtet und gestaltet. Bereits 1697 erwarb sie die ersten Kleinigkeiten für ihre Puppensammlung. Der Plan für die Anlage von Mon Plaisir entstand um 1704 in der ehemaligen Residenz in Arnstadt. Im Puppenkabinett der Fürstin auf Schloss Augustenburg in Arnstadt-Oberndorf wurde die Puppenstadt immer weiter ausgebaut. Noch im Jahr 1751 wurde dort an Mon Plaisir gearbeitet.Wolfgang Leber: Zur Entstehungsgeschichte von Mon Plaisir. In: Wolfgang Leber, Klaus Beyer: Die Puppenstadt Mon Plaisir. Edition Leipzig 1965, S. 20–23.

Mon Plaisir besteht aus 82 Szenen mit 391 Wachspuppen in insgesamt 26 Puppenhäusern oder Schaukästen.Heinrich Pleticha: Die Puppen der Fürstin. Die Entstehung von Mon Plaisir. In: Heinrich Pleticha, Constantin Beyer: Die Puppenstadt Mon Plaisir. Ein Lesebuch von Heinrich Pleticha. Stürz, Würzburg 1995, S. 11. Zu den Puppenszenen gehören auch einige Tierfiguren und zahlreiche Einzelteile, wie Möbelstücke und andere Miniaturen für die Puppen. Die Puppenszenen sind in den Gebäuden und Räumen der Puppen sowie an Schauplätzen unter freiem Himmel arrangiert und stellen das adelige, bürgerliche und bäuerliche Leben zur Barockzeit dar.Renate Müller-Krumbach: Puppenhäuser im 18. Jahrhundert. In: Renate Müller-Krumbach, Hannelore Henze: Kleine heile Welt. Eine Kulturgeschichte der Puppenstube. Edition Leipzig, 1992, S. 26. Mon Plaisir wird in verglasten, eigens dafür angefertigten Schaukästen präsentiert. Die Puppenstadt der Fürstin Auguste Dorothea von Schwarzburg-Arnstadt ist im Umfang, in der Gestaltung und in der kulturhistorischen Bedeutung weltweit einzigartig.Leonie von Wilckens: Puppenhäuser im 18. Jahrhundert. Mon Plaisir in Arnstadt. In: Leonie von Wilckens: Das Puppenhaus. Vom Spiegelbild des bürgerlichen Hausstandes zum Spielzeug für Kinder. Callway, München 1978, S. 59.

Nach 1765 wechselte die Puppensammlung der Fürstin mehrfach den Standort; dadurch hat sich auch der Aufbau der Puppenstadt maßgeblich verändert.Renate Müller-Krumbach: Puppenhäuser im 18. Jahrhundert. In: Renate Müller-Krumbach, Hannelore Henze: Kleine heile Welt. Eine Kulturgeschichte der Puppenstube. Edition Leipzig, 1992, S. 30. Seit 1930 ist Mon Plaisir im Besitz der Arnstädter Museumsstiftung.Wolfgang Leber: Vom Kunstkammerstück zum Museumsexponat. In: Wolfgang Leber, Klaus Beyer: Die Puppenstadt Mon Plaisir. Edition Leipzig 1965, S. 75–78. Der Sammlungsbestand wurde bis Dezember 2024 im Schlossmuseum im Neuen Palais in Arnstadt in Thüringen gezeigt.Die barocke Puppensammlung Mon Plaisir – Interimsausstellung auf der Website Bachstadt Arnstadt Nach Abschluss der gegenwärtigen Restaurierungsarbeiten von Mon Plaisir soll die Puppenstadt neu angeordnet werden. Um sich dem ursprünglichen Charakter der Sammlung wieder anzunähern, werden zusammengehörende Szenen erneut auf mehreren Ebenen übereinander gestellt.Puppensammlung Mon Plaisir – Restaurierung geht voran auf der Website Arnstadt – Aktuelles

Aufbau & Gestaltung Puppenhäuser mini|Die Posthalterei mini|Die Hofküche mit Weinkeller Die Puppenstadt der Fürstin Auguste Dorothea von Schwarzburg-Arnstadt zeigt typische Szenen einer kleinen Residenzstadt aus den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts.Wolfgang Leber, Klaus Beyer: Die Puppenstadt Mon Plaisir. Edition Leipzig 1965, S. 5. Mon Plaisir ist aber keine Sammlung von einzelnen Puppenhäusern dieser Zeit; es ist auch keine modellhafte, verkleinerte Wiedergabe einer echten Stadtanlage mit Straßen, Plätzen und Bauwerken. Lediglich manche Häuser, wie der Bauernhof oder die Posthalterei, wurden nach ihrem realen Vorbild gebaut.

Etliche fürstliche Räume und Gemächer wurden entsprechend ihrem Verwendungszweck in der Gestaltung und Einrichtung nachempfunden. Die Zusammenstellungen von vier bis acht solcher Räumlichkeiten bilden jedoch keine Puppenhäuser, die mit der Aufteilung im Inneren oder der Außengestaltung einem dieser Schlösser ähneln. Es gibt kein Puppenhaus in Mon Plaisir, das der damaligen Residenz in Arnstadt, der Augustenburg in Arnstadt-Oberndorf oder etwa dem Neuen Palais in Arnstadt baulich entsprechen würde.vergl. Puppenhaus 19, 20, 21 und 22 von Mon Plaisir, Bilder der 1930er Jahre aus dem Schlossmuseum Arnstadt im Bildindex beim Bildarchiv Foto Marburg

Die unterkellerte Hofküche von Mon Plaisir ist ein sogenanntes Küchenhaus, eine Sonderform der Puppenküche. Das Haus besitzt ein Dach mit Schornstein.vergl. Puppenhaus 18 von Mon Plaisir, Bilder der 1930er Jahre aus dem Schlossmuseum Arnstadt im Bildindex beim Bildarchiv Foto Marburg Mit einer deutlich schlichter gestalteten Feuerstelle gab es baulich vergleichbare Küchenhäuser auch als Kinderspielzeug. Die Hofküche gilt als Paradebeispiel für eine Prunkküche, ein prächtig und sehr reichhaltig ausgestattetes Schau- oder Spielobjekt. Den hohen, geschlossenen Kamin gab es ähnlich auch in holländischen Puppenhäusern und Puppenküchen. Die echte Hofküche in Arnstadt war im Bau nicht das Vorbild für dieses zweistöckige Küchenhaus.Renate Müller-Krumbach: Puppenhäuser im 18. Jahrhundert. In: Renate Müller-Krumbach, Hannelore Henze: Kleine heile Welt. Eine Kulturgeschichte der Puppenstube. Edition Leipzig, 1992. S. 27–28. Das Objekt wurde im 18. Jahrhundert als „holländische Küche“ und noch nicht als „Hofküche“ bezeichnet.

Für die Puppenszenen, die im Puppenkabinett der Fürstin entstanden, wurden Häuser und andere Gebäude errichtet, aber keine Puppenstuben gebaut: Im Gegensatz zu Puppenstuben haben alle Innenräume von Mon Plaisir Zimmerdecken und sind festeingebaute Bestandteile der Gebäude oder der Schaukästen. Dadurch entsprechen diese Räumlichkeiten im Bau den Zimmern eines Puppenhauses und deshalb sind es keine Puppenstuben. Es wurden auch nur wenige Gebäude für Mon Plaisir angefertigt, die als „eigentliche Puppenhäuser“ bezeichnet werden können.

Schaukästen mini|Gesinde beim Bettmachen mini|Wachszieher, Geschirrhändlerin und Schuhstand auf dem Jahrmarkt Im Wesentlichen wurde die Puppenstadt aus einfachen, unterschiedlich großen Holzkästen aufgebaut. Diese außen sehr schlicht gestalteten und nach vorne offenen Schaukästen für Puppenszenen im Freien oder in Räumlichkeiten wurden aneinander gereiht und aufeinander gestapelt. Mittels Trennwänden wurden manche der Holzkästen in mehrere, kleinere Räume unterteilt. Ursprünglich waren viele der Kästen, die sich auf verschiedenen Ebenen befanden, durch Treppen und Terrassen miteinander verbunden. Auch auf diesen Bauelementen und auf den Absätzen und Lücken zwischen den Holzkästen in unterschiedlichen Größen waren Puppenszenen arrangiert.

Manche der Holzkästen wurden auf den Schauseiten mit Säulen, Balkonen und Balustraden, angedeuteten Hausfronten mit Fenstern und Türen, Giebeln und Dächern versehen. Dadurch wurden miteinander kombinierte, einzelne Holzkästen zu Aufbauten, die Puppenhäusern sehr ähneln, auch wenn die Bauweise eine andere ist. Diese Gehäuse mit ganz oder teilweise geöffneten Fassaden wirkten direkt nebeneinander wie die Bauwerke in Häuserzeilen einer Stadt. Auf ähnliche Weise wurden auch die Häuser gestaltet, die sich wie Kulissen eines Theaters im Hintergrund innerhalb der Schaukästen befinden und durch Torbögen oder offen stehende Fenster Einblick in die Räume der Puppen gewähren.vergl. Puppenhaus 2 und 8 von Mon Plaisir, Bilder der 1930er Jahre aus dem Schlossmuseum Arnstadt im Bildindex beim Bildarchiv Foto Marburg

Im Lauf der Zeit wechselte Mon Plaisir mehrfach den Standort und wurde immer wieder neu aufgebaut. Dabei wurde auch die Anordnung der Schaukästen und Gebäude sehr verändert. Die Holzkästen mit Puppenszenen standen ursprünglich auf bis zu fünf Ebenen übereinander und waren in Galerien eingebaut. Die Gebäude und die einzelnen Elemente der Puppenstadt reihten sich dann später weniger dicht aneinander; die Höhe der Aufbauten wurde geringer, indem man die Anzahl der Ebenen reduzierte. Die 82 bis 84 Kästen mit Puppenszenen, die im 20. Jahrhundert noch erhalten waren und aus denen die 26 Gebäude und Schaukästen von Mon Plaisir bestehen, wurden so zusammengestellt, dass sie in bequemer Sichthöhe von den Museumsbesuchern betrachtet werden können.Karl Gröbner: Das Puppenhaus einer deutschen Fürstin. (Der eiserne Hammer). Langewiesche, Königstein i. Ts. 1934, S. 2.

Puppenstadt mini|Der Albertinische Hofgarten mini|Die Hofapotheke mini|Das Speisezimmer der Fürstin Mit ihrer Puppenstadt hatte Auguste Dorothea von Schwarzburg-Arnstadt im Umfang und in der Gestaltung etwas noch nie Dagewesenes geschaffen. Das charakteristische im Aufbau und bei der Gestaltung von Mon Plaisir ist, dass die Innen- und Außenräume nicht für sich alleine wirken sollten, sondern immer in ihrem Gebrauch und in der jeweiligen Situation. Die Zimmer der Puppenhäuser und die Kästen mit Nachbildungen von komplett ausgestatteten Räumlichkeiten, mit Ansichten der Stadt oder dem Blick ins Umland, erinnern an Szenenbilder einer Theaterbühne, auf der die Puppen als Schauspieler agieren.Valerie C. Jackson: Das 18. Jahrhundert. Deutsche Puppenhäuser. In: Valerie C. Jackson, Joachim F. Richter: Puppenhäuser. Laterna Magica, München 1989, S. 43–44.

Renate Müller-Krumbach bezeichnete Mon Plaisir als „einen Höhepunkt, aber auch einen Ausnahmefall in der Entwicklungsgeschichte des Puppenhauses und der Puppenstube“.Renate Müller-Krumbach: Puppenhäuser im 18. Jahrhundert. In: Renate Müller-Krumbach, Hannelore Henze: Kleine heile Welt. Eine Kulturgeschichte der Puppenstube. Edition Leipzig, 1992, S. 25. Für den szenischen Aufbau der Puppenstadt und die ungewöhnliche Zusammenstellung von Puppenhäusern und Schaukästen gab es im 18. Jahrhundert kein unmittelbares Vorbild. Die Modelle von Residenzstädten, fürstlichen Anwesen oder die Dockenhäuser (Puppenhäuser) des 16. und 17. Jahrhunderts, die für Fürsten und Patrizier oder für wohlhabende, bürgerliche Familien und Kaufleute angefertigt wurden, waren repräsentative Einzelstücke und in erster Linie Macht- oder Statussymbole. Sie zeigten den fürstlichen Besitz oder veranschaulichten den wohlgeordneten, bürgerlichen Hausstand. Bei diesen frühen Erscheinungsformen des Puppenhauses wurde ein Bauwerk außen und innen immer in der Gesamtheit dargestellt, mit allen oder den wichtigsten Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsräumen. Auch die Puppenschränke (Schrankpuppenhäuser) und die holländischen Kabinetthäuser (Vitrinenpuppenhäuser), die Möbelstücke sind, mit denen also keine Gebäude nachgebildet wurden, beinhalteten diese wesentlichsten Räumlichkeiten eines adeligen oder bürgerlichen Wohnhauses.Renate Müller-Krumbach: Die Puppenhäuser – vom Barock bis zum Biedermeier. In: Renate Müller-Krumbach, Hannelore Henze: Kleine heile Welt. Eine Kulturgeschichte der Puppenstube. Edition Leipzig, 1992, S. 14–23. Das ist bei den Bauten von Mon Plaisir nicht der Fall; die Räume der Puppenstadt wurden nach anderen Gesichtspunkten ausgewählt und zusammengestellt.

Es gibt die Vermutung, dass deutsche Dockenhäuser und holländische Kabinetthäuser des 17. Jahrhunderts der Fürstin als Anregung gedient haben könnten. Die schlichten Kästen und Aufbauten von Mon Plaisir haben mit diesen kunsthandwerklichen Meisterstücken aber keine Gemeinsamkeiten. Ähnlichkeiten mit diesen Puppenhäusern beschränken sich auf die prunkvolle Ausgestaltung und Einrichtung der fürstlichen Räumlichkeiten von Mon Plaisir und sind auch dem Zeitgeschmack geschuldet.

Entstehung Im Puppenkabinett mini|Das Porzellankabinett der Fürstin mini|Schloss Neideck in Arnstadt war bis 1716 die Residenz von Arnstadt. mini|Lustschloss Augustenburg und Fayencemanufaktur Dorotheenthal mini|Das grüne Gemach