mini|Terpodion von Johann David Buschmann (1775–1852). Städtische Museen Junge Kunst und Viadrina, Frankfurt (Oder)
Das Terpodion oder Uranion ist ein Tasteninstrument, für das wie bei der bekannteren Glasharmonika und dem Clavicylinder Friktion zur Tonerzeugung benutzt wird.
Anstatt der rotierenden Glasglocken rotiert eine lackierte Holztrommel. Von dem Instrument wurden 25 Stück gebaut, die meisten von Friedrich Buschmann, dem Sohn von Johann David Buschmann, dem Erfinder dieses Instruments.Nekrolog. In: Staats- und gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. 27. Juli 1852, S. , (Digitalisat) Dieser war ursprünglich Posamentierer und beschäftigte sich vor der Entwicklung des Terpodions mit der Reparatur von Musikinstrumenten. 1817 hatte dieses Instrument einen Tonumfang von 5,5 Oktaven. 1821 kam ein Instrument nach London,Miscellaneous Intelligence: 6. New Musical Instrument. In: The Quarterly journal. Band 11, 1821, Royal Institution of Great Britain, . 1821 verkaufte David Buschmann in London eine Lizenz zum Bau von Terpodien an den Instrumentenbauer David Loeschmann (Loescham) und den Käsehändler James Allwright.The London journal of arts and sciences. Band 6, 14. Januar 1822, S. 235–236, mit Zeichnung.Georg Kinsky: Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1912, S. 413. Darauf wurde mindestens ein Terpodion in England gebaut.
1841 erschien erneut ein Bericht in einer Londoner Zeitung.Music. In: The Literary gazette and journal of the belles lettres, arts, sciences &c. Nr. 1252, 16. Januar 1841, S. 350, . Einige Instrumente sind in den Museen in Kopenhagen, Leipzig, Wien, London, Brüssel, Stockholm, Jevišovice und Frankfurt/Oder erhalten.
Lizenz Neben der Lizenz, die 1821 an Löschmann in London vergeben wurde, erwarb 1835 auch der Klavier- und Orgelbauer Johann Georg Gröber aus Innsbruck eine Lizenz zum Nachbau des Terpodions vom Vater Johann David Buschmann.
Bauform mini|links|Ein Terpodion gespielt, (Tonbeispiel) mini|Terpodion, Innenansicht mini|Terpodion, Patentzeichnung Nach der Tonerzeugung gehört das Terpodion zu den Reibidiophonen. Eine gewisse Verwandtschaft besteht mit der Glasharmonika und dem Clavicylinder. Bei der Glasharmonika wird der Ton durch Reibung an den Glaskolben mit feuchten Fingern erzeugt. Beim Terpodion reibt an einer rotierenden Walze ein Gebilde, welches zum Schwingen gebracht werden kann. Diese schwingenden Teile sind bei den tieferen Tönen meist aus Holz, bei den hohen Tönen hauptsächlich aus Metall. Verstellbare Gewichte an den schwingenden Teilen dienen zum Stimmen. Die Walze ist aus Buchsbaumholz oder, wie im angeführten Patent zu entnehmen ist, auch aus anderen Materialien. Die Beschichtung der Walze erfolgte mit einer speziellen Lackmischung, die nach dem Austrocknen angeschliffen wurde. Die Zusammensetzung dieser Lacklösung ist kritisch. Die genaue Zusammensetzung steht in der Patentschrift (2 Teile Weingeist, 1 Teil Mastix, 1 Teil Sandarak, 1/16 Teil Kampfer).
Die schwingenden Teile werden durch die Tastenmechanik an die rotierende Walze gedrückt. Mit der Walze kommt eine Art Hammer in Berührung, welcher mit aufgerautem Wildleder überzogen ist. Dieser Hammer ist ebenfalls mit Lack imprägniert. Die Lautstärke kann durch den Tastendruck verändert werden, wird aber hin zu den tieferen Tönen bei gleich bleibender Ausdrucksstärke sehr viel leiser. Es gibt Tonbeispiele von instandgesetzten Instrumenten.
Meist funktionierten die Instrumente nicht sehr lange zuverlässig und mussten von Buschmann regelmäßig gewartet werden. Dies war möglicherweise einer der Gründe, warum die Buschmanns fieberhaft an der Verbesserung und dem Einsatz einer alternativen Tonerzeugung arbeiteten. Das Instrument hatte Klaviertasten und ähnelte vom Aussehen her dem Harmonium. Weiter wurden die Nachfolgemodelle sehr oft mit Zungenregistern kombiniert. Es ist daher schwer, eine exakte Zuordnung zu einer bestimmten Instrumentengruppe zu treffen. Die Familie Buschmann hatte somit einen sehr wesentlichen Anteil an der Entwicklung des Harmoniums, sowohl an Druck- als an Saugwind-Instrumenten.
Das Melodion von Dietz Sehr ähnlich war auch das Melodion oder Panmelodion. Das von Dietz in Emmerich erfundene und ab 1806 gebaute Instrument wurde von Petzhold (oder Betzold) an vielen Orten bei Auftritten präsentiert. Es gab nur einen wesentlichen Unterschied: Alle Tonstäbe waren aus Metall. „Der Ton wird durch die Reibung metallener Stäbe […] mittelst dem mit einem elastischen Körper umringten, sich umdrehenden Cylinders hervorgebracht, welcher […] mit den Füssen des Spielers in Bewegung gehalten wird, […]“
Vom Melodion wurden bei weitem mehr Instrumente gebaut als vom Terpodeon. Allgemeine musikalische Zeitung. Band 8, S. 715–718 (). Befeuchtet wurde im Gegensatz zum Clavicylinder dabei nichts. „- Und ohne Gebrauch des Wassers hervorgebracht; der innere […] Mechanismus, hat wol die meiste Aehnlichkeit mit dem, des Chladnischen Klavieylinders, ist aber weniger zusammengesetzt und weit vollkommener ausgeführt.“Allgemeine musikalische Zeitung. Band 8, S. 526, 527. (). Das Stimmen oder Umstimmen um bis zu plus minus einer Viertelnote der Tonstäbe erfolgte über eine Einstellschraube für jeden Ton. Ein Nachstimmen war allerdings im Normalfall nicht erforderlich, da sich die metallenen Tonstäbe kaum verstimmten. Dietz erfand außerdem noch das Chalybssonnans, bei dem der Friktionston an Glas und Stahlstäben in Längsrichtung erzeugt wird. Der Ton ähnelt fast vollkommen dem der Glasharmonika.Almanach der Fortschritte, neuesten Erfindungen und Entdeckungen in Wissenschaften, Kunsten, Manufacturen und Handwerken. Volume 8, 1804, S. 390 ().
Die Melodika von Riffelsen mini|Panharmonicon Konstruktionszeichnung Vergleichbar ist die Melodica von Riffelsen das in Altona, Kopenhagen und Kiel bereits um 1805 vorgeführt wurde. Riffelsen stammte aus Angeln, das an der damaligen Grenze zu Schleswig liegt. Dabei waren die rotierende Trommel aus Eisen und die Schwingenden Gebilde aus Messing. Almanach der Fortschritte, neuesten Erfindungen und Entdeckungen in Wissenschaften, Kunsten, Manufacturen und Handwerken. Volume 8, 1804, S. 391 ().
Panmelodicon von Franz Leppich Das Panmelodicon von Franz Leppich verwendete eine kegelförmige rotierende Trommel und winkelförmig gebogene Messingmetallstäbe. Der Tonumfang war fünf volle Oktaven, vom großen С bis zum viermal gestrichenen C. Am 29. März 1810 gab er mit Kreutzer ein Konzert im k. k. Redoutensaal. Erwähnenswert ist auch, dass er weitere Erfindungen besitzt und gemacht hat. Conradin Kreutzer der in ganz Europa unter anderem durch seine für Ludwig Uhland vertonten Wanderlieder berühmt wurde, lebte später in Wien und führte ein Panmelodion vor, das aus der Hand des Franz LeppichNeue fränkisch-würzburgische Chronik. Volume 5, Bonitas, 1810, S. 567 () stammte,Allgemeine musikalische Zeitung. Band 20, 1818, Spalte 56, . Herrn Franz Leppich (* 15. Oktober 1778) lernte Riffelsein, der zur selben Zeit das Dänische bereiste, in Altona kennen, baute mit ihm sein Melodeon, das Franz Leppich später aber vor 1810 in Wien nachbaute und verbesserte. Er durfte das Instrument Napoleon vorführen, dessen Anerkennung er erhielt.Biographische Notizen von Franz Leppig Mechanikus. In: Neue fränkisch-würzburgische Chronik, Band 5, Bonitas, 1811, S. 17–21 (Wikisource). Auch im Augarten traten die Künstler auf, jedoch wurde das Konzert viermal verschoben, so auch am 5. Juni 1810. Begründung: das Instrument hat den Transport nicht schadlos überstanden, oder es war zu kalt für die Vorführungen im Freien.Korrespondenz-Nachrichten. In: Morgenblatt für gebildete Leser. Band 4, J. G. Cotta’sche Buchhandlung, 1810, S. 620, . In der Allgemeinen Literatur-Zeitung 1810 auf Seite 404 findet sich ein Vermerk, dass er das Instrument mit Riffelsen entwickelte und dass alle Materialien für die klingenden Teile Verwendung finden können, auch Holz und Blei, dem er einen besonderen schönen Klang zuschreibt. Auch eine ausführliche Beschreibung mit Zeichnung und Anregungen zur Verbesserung findet sich in dieser Ausgabe der Zeitschrift. Weitere Berichte klären, dass Leppich Klangstäbe aus gebranntem Ton mit „Talg“ oder „Unschlitt“ meinte.Notizen. In: Allgemeine musikalische Zeitung. 1811, Spalte 151–153, .
Original-Beschreibung für Leppichs und Riffelsens Instrument In der Allgemeinen musikalischen Zeitung von 1811 findet sich eine gute Beschreibung der Funktion des Instrumentes und mit geschätzten Abmessungen, die ausreichten, um das Instrument annähernd gleich nachzubilden. Die Beschreibung ist eigentlich die von einem Instrument, das von Riffelsen im Jahr 1809 gebaut wurde.Panmelodicon des Herrn Leppich aus Wien. In: Allgemeine musikalische Zeitung. 1811, S. 142–145 (Wikisource).
Das Xylosistron von Uthe Der Orgel- und Instrumentmacher Uthe Hohlstädt bei Sangerhausen erfand das Xylosistron, das ebenfalls mit dem Terpodion vergleichbar ist. Uthe hatte in Berlin unter Georg Joseph Vogler gearbeitet.
Weitere Erfindungen 1812 findet man noch eine Auflistung von damals neuen Erfindungen: Glasharmonika, Euphon, Callipson, Melodion, Anemochord, Clavicylinder, Triphon, Xylosistron, Uranion, Harmonichord, Panmelodion, Tenorviola, Kriegsbass.
Beschreibung der Friktionsmusikinstrumente im Jahr 1829 Das Handbuch der Naturlehre von Georg Wilhelm Munke aus dem Jahr 1829 beschreibt die Friktionsmusikinstrumente. Er bewertet das Terpodion als das einzige,
Zeitgenössische Berichte in Zeitungen (Alle folgenden Zitate sind an heutiges Deutsch angepasst, der Originaltext ist über die angegebene Quelle einsehbar.)
Die Allgemeine musikalische Zeitung. Nr. 30 vom 25. April 1810 berichtet auf Seite 469 und 470 folgendes: Allgemeine musikalische Zeitung, Nr. 30, 25. April 1810, Spalte. 469–470, .
In der Allgemeinen Musikalischen Zeitung von J. L. Dussek Nr. 16 vom 15. April 1824, S. 257 findet man folgende Meldung: Allgemeine Musikalische Zeitung. von J. L. Dussek Nr. 16, 15. April 1824, S. 257. ().
In der Berliner Allgemeinen Musikalischen Zeitung, Band 1, von Adolf Bernhard Marx vom 1. Dezember 1824, Seite 441, wird berichtet: Berliner allgemeine musikalische Zeitung. Band 1 Von Adolf Bernhard Marx 1. Dez. 1824, S. 441 ().
In der Allgemeinen Musikalischen Zeitung von Leipzig, 1. Mai 1833 liest man: Allgemeine musikalische Zeitung. Nr. 18, 1. Mai 1833, Spalte 297, .
In der Neuen Zeitschrift für Musik, Allgemeiner Deutscher Musikverein, 15. Mai 1834 liest man: Neue Zeitschrift für Musik. Band 1 Von Beethoven-Stiftung, Allgemeiner Deutscher Musikverein Nr. 13, 15. Mai 1834, S. 52 ().
In der Wiener Allgemeinen Musik-Zeitung von August 1843 liest man Notizen. In: Wiener Allgemeine Musik-Zeitung von August Schmidt. Band 3, 1843, .
Ein günstiges Urteil über das Terpodion: Der Bazar für München und Bayern: ein Frühstücksbl. für Jedermann u. jede Frau. Kranzfelder, 1833, S. 1070, .
Einzelnachweise Allgemeine musikalische Zeitung. Band 12, 1809, Spalten 487–489, . In: Morgenblatt für gebildete Leser. Volume 4, J. G. Cotta’sche buchhandlung., 1810, S. 356 (). Vermischte Nachrichten. In: Allgemeine Literatur-Zeitung, Joh. Gottfr. Müllerischen Buchh., 1810, Spalte 403–404, . Allgemeine musikalische Zeitung. Band 10, Rieter-Biedermann, 1807, S. 735 ().
Allgemeine musikalische Zeitung. 1812, Band 14, Spalte 759,
Georg Wilhelm Munke: Handbuch der Naturlehre. Band 1, Heidelberg, C. F. Winter, 1829, S. 288–289,
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