mini|Ilja Kabakow (2018) Ilja Iossifowitsch Kabakow (, wiss. Transliteration ; * 30. September 1933 in Dnepropetrowsk, Sowjetunion; † 27. Mai 2023 auf Long Island, New YorkILYA KABAKOV (1933–2023)) war ein Maler und Konzeptkünstler ukrainisch-jüdischer Herkunft. Während seiner Schaffensperiode in der Sowjetunion war er ein bedeutender Vertreter des „Moskauer Konzeptualismus“ (). Er emigrierte 1988 aus der UdSSR nach New York, wo er fortan den Großteil seines Lebens ansässig war. Er und seine Frau Emilia Kabakow waren als Künstlerpaar tätig und wurden von der Galerie ARNDT in Berlin, der Galerie Brigitte Schenk in Köln sowie von der Galerie Thaddaeus Ropac in Salzburg und Paris vertreten.

Leben Kabakow wurde als Sohn der Buchhalterin Bella Judelewna Soloduchina und des Schlossers Iossif Benzionowitsch Kabakow in Dnepropetrowsk, einer Großstadt in der Ukrainischen SSR, geboren. 1941, während des Zweiten Weltkrieges, als Kabakows Vater an der Front kämpfte, wurden er und seine Mutter nach Samarkand (Usbekistan) evakuiert. Sein Vater starb im Krieg. 1943 wurde er Schüler der Kunstschule der Leningrader Akademie der Bildenden Künste, die ebenfalls nach Samarkand evakuiert worden war. Nach dem Ende des Krieges ging er zur Ausbildung nach Moskau, wo er gemäß den Prinzipien des sozialistischen Realismus als Zeichner ausgebildet wurde. Daneben setzte er sich mit Cézanne und, soweit möglich, mit Strömungen der westlichen Kunst auseinander, und er machte Zeichenstudien nach der Natur. 1951 schloss er sein Studium mit einem Diplom als Illustrator ab. Die nächsten Jahre arbeitete er als Kinderbuchillustrator. 1965 wurde er Mitglied des Künstlerbundes der UdSSR. Ab 1967 bewohnte Kabakow eine Dachgeschosswohnung im Zentrum Moskaus, die bald zum Zentrum der dissidenten Moskauer Kunstszene wurde. mini|hochkant|links|Plastik Und blickst du hinauf und liest die Worte in Münster/Westfalen Ab 1978 entstanden seine ersten Bildwände mit Texten, in denen er die offizielle Sowjetkunst parodierte. Die Technik der Collage erweiterte er in der Folge in seinen Installationen. 1981 begann seine Geschichte vom Mann, der niemals etwas wegwarf, eine Installation von verschiedenen Kisten mit Papieren, Notenblättern und allerhand Alltagsmüll.

Ohne Chance, dass seine Arbeiten in der UdSSR ausgestellt werden konnten, gelangten jedoch bald Zeichnungen und andere Arbeiten Kabakows auf abenteuerliche Weise in den Westen. Seine erste Ausstellung überhaupt fand 1985 in der Schweiz in der Kunsthalle Bern statt. Unter dem Titel Ilya Kabakov: Am Rande wurden 25 Bilder und 490 Zeichnungen ausgestellt. mini|Kabakow in New York (1988) 1987 erhielt er ein dreimonatiges Stipendium des Kunstvereins Graz, das ihm einen ersten Aufenthalt im Westen ermöglichte, von dem er nicht mehr in die Sowjetunion zurückkehrte. 1989 erhielt er ein Stipendium vom DAAD und im gleichen Jahr wurden seine Arbeiten am Centre Pompidou in Paris gezeigt. Ab 1988 lebte und arbeitete er hauptsächlich in New York, zusammen mit seiner Frau Emilia Kabakow, die bereits 1973 nach Israel, 1975 dann in die USA emigriert war. Von 1992 bis 1993 lehrte er an der Städelschule in Frankfurt am Main. 1992 wurden Arbeiten auf der Documenta IX in Kassel gezeigt. 1990 erhielt Kabakow den Kunstpreis Aachen, 1993 den Max-Beckmann-Preis, den Schweizer Joseph-Beuys-Preis und das Ehrendiplom der Biennale von Venedig. 1998 wurde er mit dem Goslarer Kaiserring ausgezeichnet.

Die Arbeiten der Kabakows werden in der ganzen westlichen Welt sowie in Russland in Galerien und Museen gezeigt. Zu den Installationen verfasste Ilja Kabakow häufig umfangreiche, eigenständige Textbände. Kabakow war ein außerordentlich erfolgreicher Ausstellungskünstler mit jährlich einer beachtlichen Zahl von Ausstellungen.

Die renommierte internationale Kunstzeitschrift Parkett widmete Ilya Kabakov die Ausgabe 34 im Jahr 1992, zu der der Künstler die Edition „Zitat“ beisteuerte. Ein Exemplar der aus 50 Exemplaren bestehenden Auflage ist im Besitz des Museum of Modern Art (MoMA), New York.

Ab seiner Dissidentenzeit in Moskau war seine Konzeptkunst, in der es zunächst um Reflexionen über die russische Mentalität, die gesellschaftlichen Bedingungen und um tägliche Probleme der Menschen in der UdSSR ging und in der er sich später mit utopischen Bauentwürfen und Gesellschaftsutopien grundsätzlich beschäftigte, von großem und vielfältigem Einfluss auf zeitgenössische Künstler.

Ausstellungen (Auswahl) mini|Installation Der gefallene Kronleuchter, im Foyer des Hochhaus zur Palme in Zürich 1986: Am Rande, Düsseldorfer Kunstverein 1988: 10 Alben, Portikus, Frankfurt am Main 1989: Das Schiff, die Kommunalwohnung, Kunsthalle Zürich 1989: Who are these little men, Institute of Contemporary Art, Philadelphia 1990: He lost his mind, ran away, naked, Ronald Feldman Fine Arts, New York 1991: 52 entretiens dans la cuisine communautaire, (Wanderausstellung), Art Transit, Marseille 1992: Das Leben der Fliegen, Kölner Kunstverein 1992: Illustration as a way to survive (Wanderausstellung), Courtrai, Koninklijke Academie voor Schone Kunsten 1992: DOCUMENTA IX in Kassel. 1993: Het Grote Archief, Stedelijk Museum, Amsterdam. 1993: Incident at the Museum or Water Music, Museum of Contemporary Art, Chicago; danach 1994: Zwischenfall im Museum oder Wassermusik, Hessisches Landesmuseum Darmstadt. Katalog de/en. 1993: NOMA oder der Kreis der Moskauer Konzeptualisten, Kunsthalle HamburgDer Zellenbaumeister. In: FAZ, 3. Januar 1994. 1994: Operations room, (Wanderausstellung), Nykytaiteen Museum, Helsinki 1995: The disconnected railway car, Deichtorhallen Hamburg 1996: On the roof, Palais des Beaux-Arts, Brüssel 1996: Ilya Kabakov – Der Lesesaal, Deichtorhallen Hamburg 1997: Skulptur.Projekte: Blickst du in den Himmel, Aaseewiese Münster 2000: Between the cinema and a hard palace, Tate Modern, London 2000: Palace of Projects, Public Art Fund, New York 2001: Palace of Projects, ständige Ausstellung im Salzlager der Kokerei Zollverein, Essen 2001: Tacita Dean – Kunstpreis Aachen 2002, Ludwig Forum Aachen 2003: 50. Biennale von Venedig 2004: Ilya und Emilia Kabakov – The incident in the museum and other installations, Eremitage, St. Petersburg 2005: 1. Moskau Biennale 2006: RUSSIA! Guggenheim Museum, New York und Bilbao 2007: Under the snow, Museum am Ostwall, Dortmund 2007: Die totale Aufklärung: Moskauer Konzeptkunst 1960–1990, Schirn Kunsthalle, Frankfurt 2010: Ilya Kabakov – ORBIS PICTUS – Der Kinderbuchillustrator als eine soziale Figur, Kunsthaus Zug, Schweiz 2010: Ruhr-Atoll, Baldeneysee, Essen 2012: A Return to Painting. Eine Rückkehr zur Malerei. 1960-2011, Sprengel Museum Hannover 2012: zusammen mit Emilia Kabakow: The Happiest Man. Galleria continua, San Gimignano, Provinz Siena, Toskana, Italien 2013: Monumenta Grand Palais, Paris 2014: El Lissitzky – Ilya und Emilia Kabakov: Utopie und Realität., Kunsthaus Graz, ÖsterreichSeite des Museums zur Ausstellung, abgerufen am 28. Mai 2023. 2014: Ich beginne zu vergessen, Ilya Kabakov und Schweizer Sammlungen, Kunsthaus Zug, Schweiz 2019: In the Making: Ilya & Emilia Kabakov. Von Zeichnung zu Installation, Museum für Architekturzeichnung, Berlin

Zitat

Werke Ilya Kabakow, Jean-Hubert Martin, Claudia Jolles: Okno. Der aus dem Fenster schauende Archipow = Das Fenster, Benteli, Bern 1985, ISBN 3-7165-0519-6 (deutsch und englisch) SHEK Nr.8, Bauman-Bezirk, Stadt Moskau. Herausgegeben von Günter Hirt und Sascha Wonders, Reclam 1994, ISBN 3379014893 (deutsche Erstausgabe des Künstlerbuchs V našem ŽĖKe, Moskau: Samisdat, Eigenverlag 1982) Ilya Kabakov. Künstlerbücher 1958–2009. Werkverzeichnis. Herausgegeben von Matthias Haldemann, Bielefeld: Kerber art 2010. ISBN 978-3-86678-372-0 lya Kabakov: Paintings / Gemälde. Werkverzeichnis 1957–2007 (2 Bde.). Herausgegeben von Emilia Kabakov und Renate Petzinger, Bielefeld: Kerber Verlag 2008. ISBN 978-3-86678-173-3 Ilya Kabakov. Installationen 1983–2000. Werkverzeichnis (2 Bde.). Herausgegeben von Toni Stooss, Düsseldorf: Richter 2003. ISBN 978-3-933807-24-3 Die 60er und 70er Jahre. Aufzeichnungen über das inoffizielle Leben in Moskau. [Autobiografie] Wien 2001. ISBN 3-85165-394-7 Über die “totale” Installation – O “total’noj” installaciej – On the “Total” Installation. Ostfildern: Cantz 1995. ISBN 978-3-89322-712-9 Ilya und Emilia Kabakov: Der Palast der Projekte. Düsseldorf: Richter Verlag 2001. ISBN 3-933807-43-3 Ilja Kabakov und Boris Grojs: Die Kunst des Fliehens. Dialoge über Angst, das heilige Weiß und den sowjetischen Müll. München / Wien: Carl-Hanser-Verlag 1991. ISBN 978-3-446-20961-9 Ilja Kabakov und Boris Grojs: Die Kunst der Installation. [Dialoge]. München / Wien; Carl-Hanser-Verlag 1996. ISBN 3-446-18527-5

Literatur Ilya Kabakov Das angeflogene Archiv – The arriving archive. Anlässlich der Ausstellung Ilya Kabakov – Das Angeflogene Archiv – The Arriving Archive, 11. Dezember 1999 – 30. Januar 2000, Übersetzung von Ursula Keller, Galerie der Stadt Backnang. Hatje Cantz, Ostfildern 1999, ISBN 3-7757-9022-5. Die totale Aufklärung: Moskauer Konzeptkunst 1960–1990. Herausgegeben von Boris Groys, Max Hollein, Manuel Fontan del Junco; Text von Ekaterina Bobrinskaja, Manuel Fontán del Junco, Boris Groys, Martina Weinhart, Dorothea Zwirner; Künstlertexte von Ilya Kabakov, Andrei Monastyrski, Hatje Cantz, Ostfildern 2008, ISBN 978-3-7757-2124-0. (Anlässlich der Ausstellung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, 21. Juni – 14. September 2008, deutsch und englisch.) Wallach, Amei: Ilya Kabakov: the Man Who Never Threw Anything Away [Biographie], New York 1996. ISBN 0-8109-3525-2 Ilya Kabakov: Die 60er und 70er Jahre. Aufzeichnungen über das inoffizielle Leben in Moskau. Herausgegeben von Peter Engelmann. Passagen-Verlag, Wien 2001. ISBN 3-85165-394-7 Seeberger, Nicole: Ilya Kabakov. Der Konzeptkünstler und das Dialogische. Köln: Böhlau Verlag 2016. ISBN 3-412-50383-5

Filmdokumentationen Die seltsame Stadt der Kabakovs. (OT: La cité étrange des Kabakov.) Dokumentarfilm, Frankreich 2013, 26 Min., Buch und Regie: Heinz Peter Schwerfel, Produktion: Schuch Productions, RMN-Grand Palais, arte France, Erstsendung: 18. Mai 2014 bei arte, von arte. Fliegen und Engel. Ilya & Emilia Kabakov und die Kunst der totalen Installation. Dokumentarfilm, Deutschland 2009, 99 Min., Buch und Regie: Niels Bolbrinker und Kerstin Stutterheim. Ilya & Emilia Kabakov: Enter here. Dokumentarfilm, USA 2013, 103 Min., Buch und Regie: Amei Wallach.

Weblinks

Offizielle Webpräsenz von Ilya und Emilia Kabakow (englisch) Emilia und Ilya Kabakow bei ARNDT Berlin Emilia und Ilya Kabakow bei Thaddaeus Ropac, Paris-Salzburg (englisch) Ilja Kabakow auf artcyclopedia.com (englisch) Ilja Kabakow auf fineartbiblio.com (englisch) Ilja Kabakow auf kunstmarkt.com (englisch, PDF-Datei; 49 kB)

The Palace of Projects auf zollverein.de Moskauer Konzeptkunst 1960–1990 Denkmal für einen verlorenen Handschuh, 1998, Ilya Kabakov, Kurzfilm auf allaroundbasel.ch

Einzelnachweise

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