mini|Buchdruck im 16. Jahrhundert Der Buchdruck, historisch auch Buchdruckerkunst genannt, ist ein mechanischer Prozess zur Herstellung von Büchern. Beim Buchdruck werden Schriften und Bilder in großer Anzahl auf Papier oder einer anderen ebenen Fläche reproduziert. Vor der Erfindung des Buchdrucks wurden Bücher als Handschriften (Manuskripte) hergestellt und kopiert. Im Mittelalter geschah dies fast ausschließlich in den Skriptorien der Klöster.
In Ostasien gab es bereits im 8. Jahrhundert gedruckte Werke. Der moderne Buchdruck mit den auswechselbaren Lettern einer Satzschrift in einer Druckpresse (Typendruck), der die flexible, relativ kostengünstige und schnelle Erstellung größerer Auflagen ermöglichte, wurde in Europa um 1440 von Johannes Gutenberg erfunden. Der Buchdruck ist Teil der Verlagsherstellung.
Geschichte des Buchdrucks
Die Technik des Buchdrucks entwickelte sich in Asien und Europa zunächst unabhängig voneinander. Die fernöstliche Tradition endete jedoch im 19. Jahrhundert mit der Übernahme westlicher Druckerpressen.
Früher Buchdruck in Asien Am 11. Mai 868 wurde die erste Druckversion des Diamant-Sutra in China mittels Holztafeldruck (auch Holzblockdruck) hergestellt. Jedes Zeichen wurde dabei spiegelverkehrt in einen Holzstock geschnitten, indem man das umgebende Holz entfernte. Es entstanden erhabene Linien, die eingefärbt und auf Papier abgerieben den gewünschten Text abdruckten. Dieses Hochdruckverfahren des klassischen Buchdrucks wurde in China bis Ende des 19. Jahrhunderts verwendet. Obwohl die ersten schriftlichen Zeugnisse über den chinesischen Buchdruck erst aus dem Jahr 1324 stammen, erfand der chinesische Schmied Bi Sheng bereits um 1040 bewegliche Druckstempel aus Keramik.
Das koreanische Jikji wurde im Jahr 1377 mit Lettern aus Metall gedruckt. Es ist damit das älteste erhaltene Buch, das mit dieser Technik gedruckt wurde.Angaben der UNESCO zur Eintragung des Jikji in das Weltdokumentenerbe im Jahr 2001 (englisch). Der Buchdruck mit beweglichen Lettern in Fernost wurde jedoch nur sporadisch verwendet, blieb als arbeitsintensiver Reiberdruck unter den technischen Möglichkeiten der Zeit und verschwand mit Einführung der westlichen Drucktechnik im 19. Jahrhundert schließlich ganz.
Johannes Gutenberg mini|Gutenberg-Museum in Mainz
Die Erfindung des modernen Buchdrucks am Ende des Spätmittelalters geht auf den Mainzer Goldschmied Johannes Gutenberg zurück. Er entwickelte im 15. Jahrhundert eine Reihe von Verfahren und Geräten, die zusammen einen effizienten Buchdruck mit beweglichen Lettern ermöglichten (siehe Gutenbergs Druckverfahren): Prinzip der beweglichen Lettern Handgießinstrument für den Guss der metallenen Lettern Weiterentwicklung der Spindelpresse zur Druckpresse Setzkasten und Winkelhaken Verbesserung der Druckfarbe
Gutenbergs Druckverfahren löste einerseits das manuelle Kopieren von Büchern ab, andererseits verdrängte es bald die herkömmliche Herstellung von Blockbüchern mittels Blockdruck. Das Setzen der vorgefertigten Lettern war viel einfacher und schneller als die Herstellung von Druckplatten für den Blockdruck. Der von Gutenberg erfundene Buchdruck mit beweglichen Lettern und Druckpresse machte das Buch zu einem Massenartikel, da Bücher für eine breitere Allgemeinheit erschwinglich wurden.
Ausbreitung des Buchdrucks mini|Verbreitung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert
Im 15. Jahrhundert breitete sich die Erfindung des Buchdrucks von Mainz ausgehend sehr schnell aus (Jahreszahlen gemäß dem Incunabula Short Title Catalogue der British Library).Incunabula Short Title Catalogue der British Library (archivierte Webseite, Stand 2011).
Noch zu Lebzeiten von Johannes Gutenberg entstanden weitere Druckereien im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und in Italien: Bamberg (1457, Albrecht Pfister), Straßburg (um 1460 Johannes Mentelin), Subiaco (1465), Köln (1465) und Rom (1467).
Die erste Druckerei in der Schweiz wurde um 1468 in Basel gegründet, die erste französische 1470 in Paris. Der Buchdruck erreichte 1473 Spanien und England, 1482 Österreich (Wien).Buchdruck im Austria-Forum.
Im Jahr 1500 gab es bereits rund 270 Druckorte, von denen mehr als 60 im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation lagen.
Frühe Buchproduktion in Europa mini|Buchdruck im 15. Jahrhundert
Zunächst wurden Bücher (Bibeln, Fachliteratur und Belletristik), daneben auch kleinere Texte wie Ablassbriefe, Kalender, Donate gedruckt.Als die Lettern laufen lernten, Medienwandel im 15. Jahrhundert: Inkunabeln aus der Bayerischen Staatsbibliothek München, red. Bettina Wagner; Ludwig Reichert Verlag, Wiesbaden 2009 (Bayerische Staatsbibliothek München, Ausstellungskatalog, 81), ISBN 978-3-89500-699-9. Das erste Druckwerk nach der Bibel war ein aus deren Lettern gefertigter Aderlass-Kalender für 1457.Ernst Kern: Sehen – Denken – Handeln eines Chirurgen im 20. Jahrhundert. ecomed, Landsberg am Lech 2000, ISBN 3-609-20149-5, S. 254. In der Frühdruckerzeit wurden durchschnittliche Auflagen von 150 bis 250 Exemplaren erreicht. Etwa 77 % aller Inkunabeln erschienen in lateinischer Sprache.Zahlen aus Reinhard Wittmann: Geschichte des deutschen Buchhandels, S. 27.
Die Zunft der Buchdrucker führt das Buchdruckerwappen, von dem die Buchdruckermarken der einzelnen Betriebe und Druckereien zu unterscheiden sind. Bevor sich das Lektorat etablierte, war es üblich, mit öffentlichen Aushängen von Vorab-Aushängen (Aushängebogen) die Öffentlichkeit bei der Suche von Druck- und Satzfehlern aufzufordern und auf das spätere Druckerzeugnis werblich hinzuweisen. Im 16. Jahrhundert bildete der Druck der Schriften Martin Luthers fast ein Drittel der gesamten Auflage.
Das Aufkommen des Buchdruckes führte zu einer Umstrukturierung der Werkstätten. Im Laufe der Zeit entstanden Großbetriebe wie der von Anton Koberger in Nürnberg. Dieser beschäftigte bis zu 100 Arbeiter an 24 Pressen. Nun wurden Facharbeiter verschiedener Berufe notwendig. Eine neue Art des intellektuellen Austausches wurde möglich. Der Drucker führte alle ausgeführten Arbeiten zusammen. Sein Aufgabenbereich war die Beschaffung von Geld und der für den Druck benötigten Komponenten. Er stellte Arbeiter ein, verschaffte sich einen Überblick über den Buchmarkt und gab Rundschreiben und Flugblätter heraus. Zu Beginn musste der Drucker auch für den Absatz seiner Produkte sorgen, was später die Buchführer übernahmen. Schon früh setzte eine Arbeitsteilung zwischen der technischen Abteilung und der Finanzierung ein.
Buchdruck in arabischer Schrift Die ersten Drucke mit beweglichen Lettern in arabischer Schrift erschienen im 16. Jahrhundert in Venedig, doch war die Technik ungeeignet für die Darstellung der kunstvollen Schrift mit ihren vielen Ligaturen und Oberlängen, so dass sich ein unästhetischer, oft wohl auch unleserlicher Eindruck ergab. Der osmanische Sultan Ahmed III. erlaubte 1727 zwar İbrahim Müteferrika die Einrichtung einer Druckerei, verbot aber den Druck religiöser Schriften des Islam. Jedoch wurden Bücher in armenischer oder hebräischer Schrift gedruckt. Das Verbot wurde bis 1803 befolgt und hatte erstens zur Folge, dass der Druck islamischer – im Gegensatz zu christlichen – Schriften erst ab 1817 Aufschwung erhielt;Reinhard Schulze: Islamischer Internationalismus im 20. Jahrhundert. S. 28. zweitens verzögerte es die Übersetzung westlicher wissenschaftlicher Literatur in die arabische Sprache, und schließlich beschränkte es die Zahl der Exemplare von Büchern arabischer oder türkischer Autoren erheblich, obwohl in Konstantinopel Zehntausende von Schreibern beschäftigt waren. Massenauflagen wurden erst durch die Erfindung der Lithographie durch Aloys Senefelder ermöglicht, da damit z. B. der Koran in Handschrift gedruckt werden konnte. In dieser Zeit entstanden im Orient mehrere Druckereien.
Technische Weiterentwicklung Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blieb das Verfahren des Setzens von Hand mit beweglichen Lettern unverändert. Erst mit der Einführung praxisgerechter Setzmaschinen (hierzu zählte ab 1886 speziell die Linotype-Setzmaschine) änderte sich vor allem für Zeitungen und Bücher das bisherige Setzverfahren. Mit Bleisetzmaschinen ließ sich Text schneller und in unbegrenzter Menge für den Druck auf aktuellen Hochdruck-Druckmaschinen herstellen. Eine Kombination von bisherigen Einzellettern (z. B. für Überschriften) und Setzmaschinen-Textzeilen war ohne Einschränkung möglich.
Heute werden Bücher auf Buchdruckmaschine meistens im Offsetdruckverfahren gedruckt, selten im Tiefdruckverfahren. Letzteres wird meistens für Zeitschriften und Versandhauskataloge verwendet. Das neueste Verfahren (Stand 2007) ist der Digitaldruck. Während beim Offsetdruck noch Druckplatten (Druckvorlagen) produziert werden, verzichtet man bei Digitaldruckverfahren völlig auf die Herstellung von (physischen) Druckvorlagen. Diese Techniken schaffen die Voraussetzungen für das „Book-on-Demand“-Verfahren.
Die Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Druckbranche wird durch die neue CSRD-Richtlinie der EU und die damit verbundenen europäischen Nachhaltigkeitsberichtsstandards (ESRS) maßgeblich beeinflusst. Diese verpflichten Unternehmen ab einer bestimmten Größe zur Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts, der Informationen über ihre ökologischen, sozialen und unternehmerischen Auswirkungen offenlegt. Entsprechend wird in der Druckbranche zunehmend auf einen energie- und ressourceneffizienten Buchdruck geachtet. Dies geschieht vornehmlich durch den Bezug von Ökostrom, den Einsatz von Recyclingpapier und den Verzicht auf mineralölhaltige Farben sowie durch CO2-Kompensation.
Technik der klassischen Buchdruckkunst mini|Arbeit an der Druckpresse. Relief am Gutenberg-Denkmal in Mainz. Die zum Betrieb der Buchdruckkunst erforderlichen Typen oder Lettern werden in verschiedene Gruppen Fraktur-, Antiqua- und Kursivschrift mit den dazugehörigen Interpunktions- und sonstigen Zeichen (Sternchen, Paragraphen etc.) eingeteilt. Die Verschiedenartigkeit und die Reichhaltigkeit der Typen sind außerordentlich. Man unterscheidet sie nach ihrer Gattung in Brot- und Zierschriften sowie nach ihrer Zeichnung in gotische, Fraktur, Grotesk- etc. Schriften. Ferner werden sie nach ihrer Kegelgröße unterschieden, etwa 8 Punkt oder 24 Punkt. Zu den Schriften gehört auch der Ausschluss, das sind Metallstückchen ohne Schriftbild. Diese sind etwa ein Fünftel niedriger als die eigentlichen Typen (Spatien, Viertel-, Drittel-, Halbgevierte, Gevierte, Quadrate). Sie dienen zur Trennung der Wörter, zum Ausfüllen leerer Zeilen etc. Ähnlichen Zwecken dient der Durchschuss, Metallplättchen von ein bis zehn typographischen Punkt Stärke und in genormten Längen bei 54 Punkt Höhe, oft aber auch von der ganzen Breite der Zeilen (Regletten). Man durchschießt damit den Zeilensatz, das heißt man legt die Regletten zwischen die Zeilen, welche dann auseinandergerückt werden. Der physische Ablauf des Druckens mit einzelnen Lettern kann als typographischer Kreislauf bezeichnet werden.
Form und Ablage von Typen Jede Type trägt an der Vorderseite, in Finnland und Frankreich an der Rückseite, ihres Körpers eine Einkerbung, die Signatur, zum sofortigen richtigen Erfassen der Type. Da diese Einkerbungen verschieden sind für die unterschiedlichen, oft aber doch sehr ähnlichen Typengattungen, so erleichtern sie auch deren Unterscheidung. Ein Durcheinander von Typen verschiedener Schriftgattungen oder auch verschiedener Typen ein und derselben Gattung wird als „Zwiebelfische“ bezeichnet.