Die Bahnstrecke Mönchengladbach–Stolberg wurde von der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft errichtet und abschnittsweise zwischen 1870 und 1875 eröffnet.
Planmäßiger Verkehr findet heute nur im Rahmen des Euregiobahn-Konzeptes und zur Bedienung von Gleisanschlüssen auf dem südlichen, als Eschweiler Talbahn oder Indetalbahn bekannten Abschnitt sowie durch Regionalzüge zwischen Mönchengladbach und Köln auf dem betrieblich der Bahnstrecke Rheydt–Köln-Ehrenfeld zugehörigen kurzen Teilstück zwischen Rheydt-Odenkirchen und Hochneukirch statt. Zwischen Mönchengladbach Hauptbahnhof und Rheydt-Geneicken verkehren sporadisch Güterzüge. Die nördlichen Abschnitte von Hochneukirch bis Frenz und Rheydt-Geneicken bis Rheydt-Odenkirchen sind stillgelegt und größtenteils abgebaut.
Regionale Namensgebung
Der Name (Inde-)Talbahn kommt daher, dass sich im etwa 800 Meter breiten Tal der Indemulde zwischen Eschweiler-Röthgen und der Dürener Straße in Eschweiler die Inde noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts ihren Weg suchte. In der Ebene mit seinerzeit vielen Mooren und Sümpfen hatte der Fluss mehrere Arme. Der südliche Arm verlief etwa dort, wo heute die Talstraße (von 1883 bis 1898 Bahnstraße) verläuft, welche parallel zur Eisenbahnlinie von 1872 bis 1873 in Ost-West-Richtung angelegt wurde und heute die Grenze zwischen Eschweiler-Stadtmitte und Röthgen markiert.
Geschichte
Entstehung
Am 1. Februar 1870 eröffnete die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft (BME) das erste Teilstück der Strecke zwischen Mönchengladbach und Odenkirchen.
Die Konzession zum Weiterbau und Betrieb der Strecke Hochneukirch, Jülich, Inden und Weisweiler nach Eschweiler-Aue mit einer Gesamtlänge von 48,77 Kilometern wurde der BME am 23. September 1870 erteilt. Dieser Streckenabschnitt wurde dann drei Jahre später am 1. Oktober 1873 in Betrieb genommen.
Ein weiteres Teilstück bis Stolberg folgte 1875. Der Bahnhof Stolberg BME lag dabei nur wenige hundert Meter südlich des Bahnhofs Stolberg RhE an der Strecke Köln–Aachen der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft, heute Stolberg (Rheinland) Hauptbahnhof.
Am Ende des gleichen Jahres wurde dann auch noch eine Verbindungsstrecke zum Bahnhof Stolberg AIE der Aachener Industriebahn in Betrieb genommen, die aber schon bald nach der Verstaatlichung der (nominell) privaten Eisenbahngesellschaften Ende des 19. Jahrhunderts wieder stillgelegt wurde.
Wie auch die anderen Eisenbahnstrecken der Region wurde die Strecke zwischen Mönchengladbach und Stolberg der Königlichen Eisenbahndirection zu Cöln rechtsrheinisch(!) der Preußischen Staatseisenbahnen unterstellt (KED-Wechsel am 1. April 1883), die daraufhin die einzelnen Strecken verband. Die Verbindungsstrecke vom sich damals noch auf Eschweiler Gebiet befindlichen Bahnhof Stolberg RhE nach Eschweiler-Aue wurde am 15. Oktober 1884 eröffnet.
Die Preußischen Staatseisenbahnen waren es auch, die erstmals durchgehende Personenzüge von Stolberg nach Mönchengladbach einführten. Im Jahr 1920 ging der Betrieb auf die Deutschen Reichseisenbahnen über. 1935 wurde das Gebiet des Bahnhofs Stolberg RhE von der Stadt Eschweiler nach Stolberg ausgemeindet.
Nachkriegszeit
Nach der Besetzung des Rheinlands durch die Alliierten im Zweiten Weltkrieg wurde im März 1945 zunächst der Betrieb auf dem Teilstück Stolberg-LamersdorfMarie-Luise Herrmann, Adam Elsen: Eschweiler nach der Besetzung durch amerikanische Truppen. In: Schriftenreihe des Eschweiler Geschichtsvereins. Nr. 15, 1994, , S. 11., kurz darauf auf der gesamten Länge der Strecke wiederaufgenommen. 1949 ging der Betrieb an die neugegründete Deutsche Bundesbahn über. In den 1950er Jahren wurde der Bahnhof Frenz für den Güterverkehr des Kraftwerkes Weisweiler in Betrieb genommen. In der Folgezeit sollte sich letzteres als der wichtigste Güterverkehrskunde der Strecke etablieren.
Bis zur Einstellung des Geschäftsbetriebes Anfang der 1970er Jahre wurden Braunkohlebriketts der Rheinbraun-Brikettfabrik Weisweiler Richtung Stolberg befördert. Im Güterverkehr wurden Dampflokomotiven der Baureihe 50 des Bahnbetriebswerkes Stolberg bis 1975 eingesetzt.
Ab den 1950er Jahren wurden die Personenzugleistungen von Dampfzügen auf Schienenbusse der Baureihen VT 95 und VT 98 umgestellt. In den letzten Betriebsjahren wurden die Personenzugleistungen mit Akkutriebwagen der Baureihe 515 erbracht.
Niedergang
Im Zuge der individuellen Motorisierung ging das Fahrgastaufkommen in den 1970er Jahren stark zurück. Mit dem Einsatz von Bahnbussen verlagerte die damalige Bundesbahn den öffentlichen Personenverkehr weg von der Schiene und reduzierte damit auch den Betrieb auf der Strecke. Durch schlechte Anschlüsse der Bahnbusse an den Zugverkehr – besonders am Bahnhof Hochneukirch – wurden potentielle Fahrgäste weiter demotiviert, so dass ab 1976 der Bahnbusverkehr auf dem Streckenabschnitt Hochneukirch-Jülich in den Abendstunden, ab Samstag Mittag, und Sonntags sukzessive eingestellt wurde. Ohnehin wurde der Gesamtstrecke mittelfristig wegen der drohenden Unterbrechung durch die beiden Tagebaue Inden und Garzweiler keine große Perspektive beigemessen.
So wurde am 1. Juni 1980 der Personenverkehr zwischen Jülich und Hochneukirch eingestellt, gleiches geschah mit dem Güterverkehr zwischen Ameln und Jülich am 15. Juli 1980, der Güterverkehr von Ameln nach Hochneukirch wurde erst am 1. Juni 1984 eingestellt.
Am 31. Mai 1981 wurden die Bahnhöfe Eschweiler-Röhe und Eschweiler-Aue aufgelassen, am 29. Mai 1983 folgte dann auf dem Reststück der Talbahn die Einstellung des gesamten Personenverkehrs. Auch der Güterverkehr zwischen Frenz und Jülich fand zum gleichen Zeitpunkt ein Ende.
Durch die 1908 geschaffene Verbindung zwischen Rheydt-Odenkirchen und Rheydt Hauptbahnhof wurde die 1870 entstandene Strecke über Geneicken von der damals schon zweigleisigen, parallel verlaufenden Bahnstrecke zwischen Mönchengladbach Hauptbahnhof und Rheydt Hauptbahnhof ins Abseits gedrängt. Diese Teilstrecke, die auch von Zügen zwischen Mönchengladbach und Köln genutzt wurde und 1968 noch elektrifiziert worden war, wurde schließlich im Mai 1985 zwischen Odenkirchen und Geneicken stillgelegt und abgebaut, die Oberleitung auf dem verbliebenen Abschnitt wurde wieder entfernt. Die ehemaligen Bahnhöfe dieses abgebauten Streckenteils werden nun von Bussen der NVV bedient. Auf dem abgebauten Teil der Trasse wurde ein Wanderweg errichtet. Das Bahnhofsgebäude Geneicken wurde 1988 von der Stadt Mönchengladbach aufgekauft, beherbergte von 1996 bis 2014 ein Restaurant und Gesellschaftsräume und wird seit 2017 von einer Kunstakademie genutzt.
Teilübernahme
Am 1. November 2000 wurde die Teilstrecke von Stolberg nach Frenz von der EVS Euregio Verkehrsschienennetz übernommen. Motiviert durch den Aachener Verkehrsverbund wurde am 11. September 2004 der Abschnitt Stolberg (Rheinl) Hbf–Eschweiler-Weisweiler für den Schienenpersonennahverkehr reaktiviert, um die Innenstädte von Aachen, Eschweiler und Stolberg, der drei größten Städte der Städteregion, besser zu verknüpfen.Stefan von der Ruhren: Kursbuchstrecke 482.2 Stolberg – Weisweiler – Langerwehe (ex KBS 448). In: Eisenbahnen in Aachen und der Euregio Maas-Rhein. Abgerufen am 12. November 2019.
Hochwasser 2021 Durch das Hochwasser im Juli 2021 wurde die Strecke beschädigt. Erst im Dezember konnte der Betrieb zwischen Düren und Eschweiler-Weisweiler wieder aufgenommen werden, am 7. Februar 2022 folgte der Abschnitt bis Eschweiler Talbahnhof. Seit dem 14. Dezember 2025 wird auch der Abschnitt zwischen Stolberg Hbf und Eschweiler West wieder befahren. Der Abschnitt bei Eschweiler-Aue wurde dabei, bis auf weiteres, nur eingleisig wieder aufgebaut.
Heutiger Betrieb
mini|Euregiobahn bei Eschweiler-Nothberg mini|Verbindungsstrecke Eschweiler-Weisweiler–Langerwehe mini|Eisenbahnbrücke über die B 264 mit Blick Richtung Langerwehe mini|Ostportal des Tunnel Ulhaus
Gegenwärtig wird die Strecke im Güterverkehr mit Zügen für das Weisweiler Kraftwerk befahren. Des Weiteren fahren zwischen Mönchengladbach Hauptbahnhof und Rheydt-Geneicken sporadisch Güterzüge zur Bedienung des Gleisanschlusses der Firma General Electric Grid GmbH (ehemals Firma Schorch) im Bahnhof Geneicken, die schwere Transformatoren transportieren. Der Abschnitt Rheydt-Odenkirchen – Hochneukirch wird weiterhin regelmäßig durch Güter- und Regionalverkehrszüge zwischen Köln und Mönchengladbach genutzt. Zwischen Stolberg Hauptbahnhof und Eschweiler-Weisweiler verkehrt seit 2004 die Euregiobahn, deren Laufweg nach Fertigstellung der Neubaustrecke über Weisweiler hinaus verlängert wurde.
Bahnstrecke Eschweiler-Weisweiler–Langerwehe
Die Bahnstrecke Eschweiler-Weisweiler – Langerwehe ist eine 2,4 Kilometer lange Verbindungsstrecke, die den im Eschweiler Stadtteil Weisweiler liegenden Bahnhof Eschweiler-Weisweiler mit dem in der benachbarten Gemeinde Langerwehe liegenden Bahnhof Langerwehe verbindet. Sie ist im Eigentum des Infrastrukturunternehmens EVS Euregio Verkehrsschienennetz und wird betrieben von DB Regio als Teilstrecke der Euregiobahn.
Um die bis dato in Eschweiler-Weisweiler endende Strecke bis Langerwehe und darüber hinaus bis Düren zu verlängern und somit eine Verbindung zwischen Euregiobahn und der von der Rurtalbahn GmbH betriebenen Bahnstrecke Jülich–Düren einrichten zu können, wurde die Bahnstrecke Eschweiler-Weisweiler – Langerwehe als Neubaustrecke geplant und ausgeführt. Die Bauzeit dauerte von Juni 2007 bis Juni 2009, und die Gesamtkosten beliefen sich auf etwa 18 Millionen Euro.
Hierfür wurde über die Bundesstraße 264 eine neue, einspurige Überführung und unter der Langerweher Ausfallstraße Ulhaus eine 285 Meter Tunnel Ulhaus, 20. März 2012. lange, ebenfalls einspurige Unterführung, die unmittelbar vor dem Bahnhof Langerwehe endet, gebaut. Die offizielle Eröffnung war am 10. Juni 2009,Geschichte der evs auf: evs-online.com, 20. Februar 2011. die Inbetriebnahme am 14. Juni 2009.Strecke Langerwehe-Weisweiler auf: gessen.de, 16. Aug. 2010.
Durch diese Strecke und dem damit verbundenen zweiten Gleis für eine Zugkreuzung wurde der Haltepunkt Eschweiler-Weisweiler (wieder) zum Bahnhof.
Vom 14. Juni 2009 verkehrte die Euregiobahn aus Richtung Eschweiler Talbahnhof kommend bis Langerwehe; seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2009 wird stündlich ein Zug weiter bis Düren durchgebunden.
Durch den Bau der Strecke wird die stark befahrene und parallel verlaufende Schnellfahrstrecke Köln–Aachen entlastet.
Streckenbeschreibung
Bahnhof Stolberg (Rheinland) Hauptbahnhof
Der Stolberger Hauptbahnhof liegt an der Schnellfahrstrecke Köln–Aachen. Hier trafen und treffen mehrere Strecken aufeinander: Neben der Schnellfahrstrecke und der Eschweiler Talbahn noch die Stolberger Talbahn, die Bahnstrecke nach Herzogenrath, die Bahnstrecke nach Kohlscheid und die ehemalige Bahnstrecke nach Münsterbusch.
Bahnhof Eschweiler-Aue
mini|Dreibogenbrücke in Eschweiler-Aue an der Röher Straße/Phönixstraße
Der am 1. Oktober 1873 als Kopfbahnhof eröffnete Bahnhof Eschweiler-Aue (km 55,7), durch die Eröffnung der Strecke nach Stolberg 1875 zum Durchgangsbahnhof geworden, liegt im Eschweiler Stadtteil Aue an der Phönixstraße gegenüber der Einmündung der Auestraße. Das Bahnhofsgebäude von Eschweiler-Aue ist zwar heute noch erhalten wird jedoch nicht mehr genutzt. Durch Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und einen Brand vor einigen Jahren ist der Bau stark verändert worden. Am 31. Mai 1981 wurde der Bahnhof zusammen mit dem Haltepunkt Eschweiler-Röhe geschlossen. Der Personenverkehr in Aue wurde noch vor dem offiziellen Ende des Personenverkehrs zum 31. Mai 1981 eingestellt. Der Bahnhof sollte im Zuge der Reaktivierung der Strecke für den Personenverkehr durch die Euregiobahn als Haltepunkt Eschweiler-Aue bereits am 11. September 2004 reaktiviert werden. Dies wurde jedoch aufgrund fehlender Mittel trotz Bürgerprotesten verschoben.