Die Geschichte der Stadt Aachen umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der Stadt Aachen von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart. Sie beginnt bereits in der Jungsteinzeit, als in der Gegend Feuerstein abgebaut wurde. Die Römer bauten auf dem heutigen Stadtgebiet Thermalbäder für ihre Soldaten, die nach dem Rückzug der römischen Truppen im 4. Jahrhundert von den Franken weiter genutzt wurden. Ihre größte Bedeutung hatte die Stadt sicher als De-facto-Residenz von Karl dem Großen und einiger nachfolgender Karolinger sowie später daran anknüpfend als Krönungsort von 30 deutschen Königen. Ab dem 17. Jahrhundert wurde Aachen zur Kur- und Badestadt ausgebaut und auch deswegen zum beliebten Aufenthaltsort von Kaiser Napoléon, der sich dabei aber auch der karolingischen Wurzeln Frankreichs zur eigenen Herrschaftslegitimierung bediente. Auch heute noch Kurort, ist Aachen durch die ausgezeichnete Technische Hochschule außerdem zu einem modernen Hochtechnologiestandort herangewachsen.

Von der Steinzeit bis zu den Römern Die frühesten Hinweise auf eine menschliche Siedlung auf dem Gebiet der heutigen Stadt Aachen stammen aus der Jungsteinzeit. In dieser Zeit (etwa 3000–2500 v. Chr.) wurde bereits auf dem Lousberg, Schneeberg und Königshügel Feuerstein abgebaut und reger Handel damit getrieben. Auch in der Bronzezeit (etwa ab 1600 v. Chr.) war der Aachener Raum besiedelt, von dieser Zeit zeugen die Reste von Hügelgräbern, wie sie zum Beispiel auf dem Klausberg gefunden wurden.

Später, in der Eisenzeit, siedelten Kelten und Germanen in dieser Gegend, sie huldigten im sumpfigen Talkessel Aachens, in dem zahlreiche Bäche ihr Wasser in die Wurm entließen, dem Wassergott Grannus, einem antiken keltisch-germanischen Gott des Lichts, des Feuers, der heißen Quellen und des Heilens. Erst im Gallischen Krieg wurde die Gegend vom römischen Feldherrn Julius Caesar unterworfen.

Etwa um Christi Geburt legten die Römer auf dem heutigen Stadtgebiet eine planmäßige Siedlung, mindestens seit dem Mittelalter Aquae Granni genannt, an. Sie nutzten die heißen, schwefelhaltigen Quellen und bauten die Ansiedlung gezielt zu einem Heilbad mit mehreren Thermalanlagen aus. Die erste Anlage wurde von der VI. Legion zu Beginn des 1. Jahrhunderts am BüchelAndreas Schaub erläutert die archäologischen Befunde am Hof errichtet, gegen Ende des Jahrhunderts kamen die Münstertherme3D-Rekonstruktion der Münstertherme sowie zwei Wasserleitungen und möglicherweise ein Heiligtum des Gottes Grannus hinzu. Ein forumartiger, von Säulenhallen umgebener Platz verband die beiden Thermenkomplexe. Eine umfangreiche Wohnbebauung und ein Handwerkerviertel existierten ebenfalls.Andreas Schaub erläutert das archäologische Fenster im Elisengarten Auch im nahen Burtscheid wurden von den Römern Thermen errichtet. Nahe dem heutigen Kornelimünster entstand ein Tempelbezirk, von den Römern Varnenum genannt.

Zwischen Ende des 4. bis Anfang des 5. Jahrhunderts brach die römische Verwaltung in Aachen zusammen. Rom zog seine Truppen aus der Gegend ab, Aachen blieb jedoch besiedelt. Im Zuge der Völkerwanderung kamen auch Franken in den Aachener Raum.

Zeit der Karolinger

Die erste schriftliche Erwähnung Aachens als Aquis Villa erfolgte 765, als der Frankenkönig Pippin der Jüngere das Weihnachtsfest und das nachfolgende Osterfest hier verbrachte.Diese Erwähnung findet sich in den Annales regni Francorum: „DCCLXV.(765) […] Et celebravit natalem Domini in Aquis villa et pascha similiter.“ Sein Sohn und Nachfolger Karl der Große ließ nach römischen und byzantinischen Vorbildern eine prächtige Pfalz errichten, deren Bau 789 begonnen wurde und von der noch heute der Granusturm, heute ein Teil des Aachener Rathauses, als ältestes Bauwerk der Stadt erhalten ist. Später kam noch die Pfalzkapelle hinzu, die im Jahr 805 von Papst Leo III. geweiht wurde und den Zentralbau des heutigen Aachener Doms bildet. Das Oktogon der Pfalzkapelle war lange Zeit der höchste Kuppelbau diesseits der Alpen. In den letzten zwei Jahrzehnten seines Lebens hielt sich Karl besonders gern und oft in Aachen auf, wahrscheinlich wegen der Thermalquellen, so dass diese Pfalz fast so etwas wie seine Residenz wurde.

Karl der Große, inzwischen durch den Papst legitimierter römischer Kaiser, starb am 28. Januar 814 in Aachen und wurde im Vorhof der Pfalzkapelle beigesetzt. Ludwig der Fromme, der bereits im Jahr 813 in Aachen als einziger noch lebender Sohn Karls zum Mitkaiser gekrönt worden war, hielt sich ebenfalls bevorzugt in Aachen auf. In den Jahren seiner Herrschaft ließ er etwa 10 km von der Stadt entfernt das Kloster Inda errichten, aus dem das heutige Kornelimünster entstand. Dort wollte er sich auch bestatten lassen, doch nach seinem Tode im Jahr 840 veranlasste sein Halbbruder Drogo die Beisetzung in der Kathedrale von Metz.

Der letzte Karolinger mit Wohnsitz in Aachen war Lothar I., ein Sohn Ludwigs. Im Jahr 817 in Aachen zum Mitkaiser gekrönt, hatte er nur wenig Glück in den Kämpfen um das Erbe Karls des Großen. Ihm blieb am Schluss nur ein kleines Reich, das jedoch immerhin noch die Städte Aachen und Rom einschloss.

Während das große Kaiserreich in den folgenden Jahrzehnten weiter auseinanderbrach, fielen die Normannen auf ihren Raubzügen in den Rheinlanden im Dezember des Jahres 881 in Aachen ein. Sie brandschatzten die Kaiserpfalz, die Therme und das Kloster Inda; die Pfalzkapelle und andere Kirchen wurden zwischenzeitlich sogar als Pferdestall genutzt.

Krönungsstadt

Erst Otto I. ließ die karolingische Tradition wieder aufleben und sich im Jahr 936 in Aachen zum deutschen König krönen. Die Stadt Aachen blieb fast 600 Jahre Krönungsort deutscher Könige und erlebte 31 Krönungen. Die drei Aachener Reichskleinodien, nämlich das Reichsevangeliar, die Stephansbursa und der Säbel Karls des Großen, spielten dabei eine wichtige Rolle; ohne sie war die Krönung nicht rechtskräftig. Heute befinden sich im Aachener Rathaus allerdings nur noch Nachbildungen der Kleinodien, die Originale wurden 1794 vor den Franzosen entfernt und gelangten schließlich in die Wiener Schatzkammer.

Nach den Krönungsberichten aus dem 15. und 16. Jahrhundert lief die Krönung folgendermaßen ab: Am Tage vor der Salbung zog der designierte König feierlich durch das Köln- oder Königstor in die Stadt ein, gefolgt von einem Besuch der Marienkirche, des heutigen Doms, sowie anschließend dem Aufsuchen der Herberge. Am nächsten Tag fand im Rahmen einer Messfeier das Krönungszeremoniell statt, beginnend mit dem Schwur des Königs auf die Verpflichtungen seines Amtes und dem Treueeid der Fürsten auf den König. Anschließend salbten die Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier den mit Reichsinsignien bekleideten König. Nach dem Krönungseid auf das Krönungsevangeliar folgten die Thronbesteigung in der Oberkirche, Entgegennahme der Glückwünsche, Aufnahme als Kanoniker ins Münsterstift und Erteilung des Ritterschlages. Die Messfeier wurde später wieder vor dem Marienaltar fortgesetzt. Nach dem feierlichen Zug zum Rathaus mit Münzauswurf für das Volk fand im Kaisersaal des Rathauses das Krönungsmahl mit den Kurfürsten, Bischöfen, übrigen Fürsten und städtischen Vertretern statt.

Folgende Könige wurden auf diese Weise in Aachen gekrönt: 936 Otto I. (HRR) 961 Otto II. (HRR) 983 Otto III. (HRR) 1028 Heinrich III. (HRR) 1054 Heinrich IV. (HRR) 1087 Konrad (III.) (HRR) 1099 Heinrich V. (HRR) 1125 Lothar III. (HRR) 1138 Konrad III. (HRR) 1147 Heinrich-Berengar 1152 Friedrich I. (HRR) 1169 Heinrich VI. (HRR) 1198 Otto IV. (HRR) 1205 Philipp von Schwaben 1215 Friedrich II. (HRR) 1222 Heinrich (HRR) 1248 Wilhelm von Holland 1257 Richard von Cornwall 1273 Rudolf I. (HRR) 1292 Adolf von Nassau 1298 Albrecht I. (HRR) 1309 Heinrich VII. (HRR) 1314 Ludwig IV. (HRR) 1349 Karl IV. (HRR) (2. Krönung)Hartmut Geißler: Wer war Karl IV.? Darin: 2. Karls Politik in Italien, Königswahlen und Krönungen, Frankreich und dem [sic!] Reich. In: Historischer Verein Ingelheim e. V. (Hrsg.): histvereiningelheim.de. 1376 Wenzel (HRR) 1407 Ruprecht (HRR) (bestieg am 14. November 1407 den Karlsthron)Oliver Auge: Ruprecht (III.) von der Pfalz. In: Neue Deutsche Biographie. Band 22. Berlin 2005, S. 283–285, hier S. 284. 1414 Sigismund (HRR) 1442 Friedrich III. (HRR) 1486 Maximilian I. (HRR) 1520 Karl V. (HRR) 1531 Ferdinand I. (HRR)

Otto III. wollte Aachen zu einer Roma secunda, einem zweiten Rom, ausbauen. Dafür plante er den Bau der Kirchen St. Adalbert, St. Salvator und der Benediktinerabtei Burtscheid. Diese bildeten zusammen mit der Pfalzkapelle Karls des Großen symbolhaft die Endpunkte eines Kreuzes, wurden jedoch erst unter späteren Herrschern vollendet.

Reichsstadt Erhebung zur Reichsstadt und Spätmittelalter mini|Carl Rhoen: Karte Aachens mit den beiden Ringen der Stadtmauer (der äußere existierte damals noch nicht) sowie Damm und überflutetem Gebiet bei der Belagerung 1248 mini|hochkant|Wappen der Reichsstadt Aachen

Kaiser Friedrich I. Barbarossa, der im Jahr 1152 in Aachen zum König gekrönt wurde, ließ Karl den Großen 1165 von Gegenpapst Paschalis III. heiligsprechen. Mit dem Karlsprivileg erteilte Friedrich im darauffolgenden Jahr der Stadt das Markt- und Münzrecht und erklärte sie zur Reichsstadt, wodurch sie die Reichsunmittelbarkeit erwarb. Als Gegenleistung begannen die Bürger Aachens im Jahr 1171 mit dem Bau der 2,5 km langen Aachener Stadtmauer, der so genannten „Barbarossamauer“, die entlang des heutigen Grabenringes verläuft. Die Stadt umfasste nunmehr etwa 45 Hektar.

Im Jahr 1248 plante der von der päpstlichen Partei gewählte Gegenkönig Wilhelm von Holland sich in Aachen krönen zu lassen. Die Aachener Bürgerschaft, ihrem Kaiser Friedrich II. treu ergeben, leistete dagegen Widerstand. Während der Belagerung Aachens wurde ein Damm errichtet, der das Wasser von Pau, Paunell und Johannisbach staute, wodurch ein großer Teil des Stadtgebiets unter Wasser gesetzt wurde. Nach sechsmonatiger Belagerung ergaben sich die Bürger und Wilhelm wurde gekrönt.

Im 13. Jahrhundert entstand mit Spendengeldern von Richard von Cornwall anlässlich seiner Krönung in Aachen das erste Bürgerhaus. Es diente als Versammlungsstätte des Rates und wurde vermutlich 1267 fertiggestellt. Die Fassade des Grashauses ist in überarbeiteter Form bis heute erhalten geblieben.

Im Jahr 1278 versuchte Graf Wilhelm IV. von Jülich, eine Sondersteuer für König Rudolf I. von Habsburg einzutreiben. Bei einem daraufhin entstehenden Aufruhr wurde der Graf getötet. Die Stadt Aachen verpflichtete sich in einem Sühnevertrag vom 20. September 1280 auf Schloss Schönau, seiner Witwe Richarda eine hohe Summe Schadenersatz zu zahlen. Seit 1909 erinnert das Denkmal des Wehrhaften Schmieds, welcher der Legende zufolge den Grafen erschlagen haben soll, an diesen Vorfall.

mini|Aachen auf der Ebstorfer Weltkarte von 1300

Durch die von Friedrich Barbarossa gewährten Privilegien wuchs die Bevölkerung Aachens schnell an. Die Stadt begann etwa 1270 ebenfalls von Richard von Cornwall bezuschusst mit dem Bau eines neuen Mauergürtels, in etwa entlang des heutigen „Alleenringes“. Bis zu 4000 Handwerker arbeiteten an der 5,5 km langen Mauer mit elf Toren und zahlreichen Türmen. Die Haupttore wurden 1320 fertiggestellt. Damit vervierfachte sich die ummauerte Fläche auf 175 Hektar. Dieses Gebiet blieb bis zum Ende des 18. Jahrhunderts das Stadtgebiet Aachens und bildet nun die Aachener Altstadt. Die Einwohnerzahl erreichte in der Mitte des 14. Jahrhunderts mit knapp 20.000 ihren mittelalterlichen Höhepunkt. Damit zählte Aachen zu den größten deutschen Städten. Im Mittelalter wurden nur etwa zwei Drittel der ummauerten Fläche bebaut, der Rest blieb Grünland. Erst im 19. Jahrhundert wurde auch außerhalb des Mauerrings gebaut.

mini|Karte des Aachener Reichs