Bad Bederkesa (, bis 1996 Bederkesa; Aussprache: Betonung auf der 3. Silbe, Bederkesa), Luftkurort und Moorheilbad, ist eine Ortschaft der Stadt Geestland im niedersächsischen Landkreis Cuxhaven.

Geografie mini|Bad Bederkesa und NSG Fleckenshölzer (2019) Lage Bad Bederkesa liegt im nördlichen Elbe-Weser-Dreieck ca. 20 km östlich von Bremerhaven. Der Ort liegt am Bederkesaer See, am Hadelner Kanal und am Bederkesa-Geeste-Kanal. Mit der Geeste bilden die Kanäle den Elbe-Weser-Schifffahrtsweg.

Die Gehölze Begrabenholz, Brunnenholz, Holzurburg, Spitzackerholz, Zechholz prägen das Ortsgebiet.

Ortsgliederung Ankelohe Bederkesa (Kernort) Fickmühlen

Nachbarorte

(Quelle:)

Geschichte Name Bederkesa liegt in der historischen Landschaft Wigmodi, die in Texten des 9. Jahrhunderts (Vita Sancti Willehadi, Miracula Sancti Willehadi und Chronik von Moissac) zumeist als Provinz, seltener als pagus (Gau) bezeichnet wird und sich von der Unterweser bis an die Unterelbe erstreckte. Vom späten 11. bis in das frühe 13. Jahrhundert wurde der Norden des Elbe-Weser-Dreiecks auch als Haduloha bezeichnet, abgeleitet von einem Ort (lat.: locus) auf der Hohen Lieth, wohl mit einem heute verlandeten Hafenplatz. Den von Heimatforschern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts postulierten Gau Haduloha hat es nie gegeben.

Der Name Bederkesa – richtiger Bederichs-Ahe – geht in der Bedeutung auf einen Ritter Bederich zurück, der hier eine Ahe, einen Herrenwald besaß. Seine Nachfahren errichteten die Burg Bederkesa am südwestlichen Seeufer. Der Name blieb erhalten und ging später auf den Ort über.

Herren von Bederkesa mini|Innenhof der Burg Bederkesa Bederkesa wird in frühen Urkunden meist in Verbindung mit dem Rittergeschlecht gleichen Namens genannt. Die Familie spaltete sich in zahlreiche Zweige, denen es unter Bestimmung eines gemeinsamen Seniors gelang, ihr Territorium lange Zeit gemeinsam zu regieren. Zeitweise wohnten neun verschiedene Familien, Zweige dieses Rittergeschlechts und ihre Knappen, gleichzeitig auf der Burg.

Die Herren von Bederkesa wurden schon um die Jahrtausendwende als Dienstmannen der Erzbischöfe von Hamburg-Bremen eingesetzt und erlangten im Hochmittelalter im Mündungsgebiet der Elbe und Weser besondere Bedeutung. Sie verfügten über reichen Grundbesitz und andere Einkünfte in der Börde Ringstedt. Vielleicht lag ihr Stammsitz am Nordufer des Bederkesaer Sees in Holzurburg, wo es noch heute einen mit Wällen und Gräben umsäumten, geräumigen Platz gibt, dessen eigentlichen Namen und ursprüngliche Bedeutung man nicht kennt.

Ihre erste Erwähnung finden die Herren von Bederkesa in einer erzbischöflichen Urkunde. 1159 erschien Marcward de Bederkesa als Zeuge unter einer von Erzbischof Hartwig I. von Stade (1148–1168) ausgestellten Urkunde. Fünf Herren von Bederkesa gehörten im 13. Jahrhundert zu den Domherren des Bremer Doms, beispielsweise war Erich von Bederkesa Archidiakon von Rüstringen oder Rudolf von Bederkesa war Dekan des bremischen Domkapitels.

1295 gründeten die Herren von Bederkesa die dortige St.-Jakobi-Kirche und statteten sie mit reichen Einkünften aus. Fortan galt Bederkesa als Tochtergründung der Mutterkirche in Ringstedt, zu deren Parochie sie vorher gehörte. Ein Knappe, Gevehard von Bederkesa, schenkte der Kirche damals aus Verehrung eine Roggenernte im nahen Flögeln. Der Flecken Bederkesa hat im Anschluss an die stattliche Burg und die Pfarrkirche bereits im Mittelalter eine größere Straßensiedlung gebildet, stellte also von der Anlage her eine andere Siedlungsform dar als die vielen Haufendörfer der Geest. Insofern spiegelt die Bezeichnung Flecken den stadtähnlichen Charakter des Ortes wider, in dem schon recht früh neben der Landwirtschaft fast jedes Handwerk vertreten war. Bereits 1339 wurde in einer Urkunde ein Markt zu Bederkesa genannt.

16./17. Jahrhundert mini|Bederkesa in der Urbis Bremae Typus et Chronicon (1603) mini|links|Umfang des Amtes Bederkesa 1603 Nach dem Ende der Familie von Bederkesa hatten verschiedene Mächte Interesse an dem Gebiet von Bederkesa. Zeitweise wurde es vom Herzogtum Sachsen-Lauenburg und der Stadt Bremen gemeinsam regiert, schließlich aber allein von der Hansestadt.

Ort und Amt Bederkesa blühten im 16. Jahrhundert wirtschaftlich auf. Bremen gewährte den Bürgern mancherlei Rechte: Sie durften Bier brauen und Schnaps brennen und im ganzen Amt und in anderen Gebieten verkaufen. Handel und Gewerbe nahmen einen besonderen Aufschwung. Es durfte Markt abgehalten werden und jedes Handwerk konnte im Ort ansässig sein. Der Rat der Stadt Bremen setzte in den sechs Kirchengemeinden des Amtes Bederkesa reformierte Prediger ein und sorgte durch die Visitationen von Ratspersonen, dass nur das reformierte Bekenntnis in Ringstedt, Bederkesa, Flögeln, Debstedt, Holßel und Lehe gültig war. Auf den Altären dieser Orte wurden Schrifttafeln anstatt von Bildwerken eingesetzt. Nur Elmlohe blieb lutherisch.

Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts setzte der Rat der Stadt Bremen bremische Bürger gegen eine Pachtsumme als Amtmänner in Bederkesa ein. Danach übernahm die Stadt die Herrschaft in eigener Regie. Als Zeichen der Gerichtshoheit ließ Bremen 1602 den Roland im Burghof errichten. Die Wappenschilde der den Roland begleitenden Figuren erinnern an Bremer Ratsfamilien, die hier als Amtleute tätig waren. Der liegende Schlüssel im Wappen von Bederkesa erinnert an die Zeit der bremischen Herrschaft im Amte.

Es gelang Bremen im Dreißigjährigen Krieg, Flecken und Amt Bederkesa mehr als andere Gebiete im Erzbistum Bremen vor Plünderungen und Brandschatzungen zu bewahren.

Im Westfälischen Frieden von 1648 wurde das bisherige Erzbistum Bremen der Krone Schwedens zugesprochen. Bremen jedoch verweigerte die Abtretung seiner Landesgebiete. Im Ersten Bremisch-Schwedischen Krieg holte sich die Großmacht Schweden 1654 mit Gewalt, was sie als ihr Eigentum betrachtete. Darunter war auch das Amt Bederkesa. Das schwedische Königreich beabsichtigte nun auch, die bisher reformierten Kirchen im Amte lutherisch zu machen. Dies gelang nur zum Teil, denn die Gemeinden leisteten Widerstand gegen das aufgezwungene Luthertum. Das reformierte Bekenntnis blieb in Holßel, Lehe und Ringstedt bis heute erhalten. Das Amt Bederkesa kam 1661 mit seinen Einkünften gegen eine Summe von 40.000 Reichstalern in den Pfandbesitz des schwedischen Feldmarschalls Graf Hans Christoph von Königsmarck. Die Burg war in den nachfolgenden Jahren Wohnsitz von Königsmarcks Frau und seinen Enkelinnen, zu denen auch die berühmte Aurora zählte.

Vom 18. Jahrhundert bis heute mini|hochkant|Hauptmann Böse Zu Beginn des 18. Jahrhunderts verlor Schweden unter Karl XII. im Nordischen Krieg seine europäische Großmachtstellung. Das Kurfürstentum Hannover erwarb 1720 für eine Summe von 1.090.000 Reichstalern die Herzogtümer Bremen und Verden von Schweden. Erst nach langen Verhandlungen wurden 1735 auch die Rechte der Familie von Königsmarck am Amte Bederkesa gegen Erstattung der Pfandsumme von Kurhannover eingelöst. Die Einwohnerzahlen wiesen in der ungefähr 150 Jahre dauernden hannoverschen Epoche nur geringfügige Schwankungen auf und bewegten sich zwischen 1000 und 1300 Personen.

1852 wurde das Amtsgericht Bederkesa gebildet, aber bereits 1859 wieder aufgelöst. Eine markante Persönlichkeit war Hauptmann Heinrich Böse, der Sohn eines Bremer Zuckerfabrikanten. Er hatte mit einer eigenen Einheit gegen Napoléon Bonaparte gekämpft und nahm danach im Brunnenholz seinen Wohnsitz. Er wurde Wohltäter für den Ort und das Sietland, das unter dem Meeresspiegel lag und dessen Bewohner stetige Überflutungen zu erleiden hatten. Durch seine Initiative wurde der Hadelner Kanal gebaut. 1834 gründete er die Schützengilde der Elbe und Weser – später dann Schützenverein Bederkesa. 1876 erhielt Bederkesa ein königliches Lehrerseminar am Brunnenholz und 1896 eine Eisenbahnverbindung nach Bremerhaven.

Die kleine Fachwerkkirche in der Ortsmitte war im Laufe der Zeit für die wachsende Einwohnerzahl zu klein geworden. Sie wurde abgerissen und an ihrer Stelle trat 1861 die neugotische Kirche. Sie wurde durch den Bremer Architekten Simon Loschen erbaut, der auch die Bürgermeister-Smidt-Gedächtniskirche in Bremerhaven errichten ließ.

Nachdem das Königreich Hannover 1866 preußische Provinz geworden war, verlegte man den Amtssitz nach Lehe.

Das Lehrerseminar wurde 1927 zum heute noch existenten Niedersächsischen Internatsgymnasium. Bederkesa entwickelte sich zum Luftkurort und Moorheilbad und trägt seit dem 1. Oktober 1996 die Bezeichnung Bad.

Eingemeindungen Am 1. Januar 1970 wurde die zuvor selbständige Gemeinde Ankelohe in die Gemeinde Bederkesa eingemeindet. Die Samtgemeinde Bederkesa entstand 1971 und umfasste mit Bederkesa acht Gemeinden. Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen, die am 1. März 1974 stattfand, wurde die Nachbargemeinde Fickmühlen eingegliedert.

Zum 1. Januar 2015 bildete Bad Bederkesa mit den übrigen Gemeinden der Samtgemeinde Bederkesa und der Stadt Langen die neue Stadt Geestland.

Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Bad Bederkesa von 1885 bis 2017

Jahr Einwohner Quelle 1885 1366 1910 1672 1925 1631 1933 1739 1939 1898 1950 3291 1956 3104 1961 2899 ¹ 1970 3603 ² 1973 3777 Jahr Einwohner Quelle 1975 3978 ³ 1980 4012 ³ 1985 4013 ³ 1990 4320 ³ 1995 4870 ³ 2000 5215 ³ 2005 5072 ³ 2010 4993 ³ 2014 5259 ³ 2017 5733 ¹ Volkszählungsergebnis vom 6. Juni ² Volkszählungsergebnis vom 27. Mai ³ jeweils zum 31. Dezember

Politik

Ortsrat Der Ortsrat von Bad Bederkesa setzt sich aus neun Ratsmitgliedern plus drei beratenden Mitgliedern (zwei von den Grünen und eines von der FDP) zusammen. CDU: 5 Sitze SPD: 1 Sitz Grüne: 2 Sitze AfD Niedersachsen: 1 Sitz (Stand: Kommunalwahl am 12. September 2021)

Ortsbürgermeister Der Ortsbürgermeister von Bad Bederkesa ist Thomas Kuberski (CDU). Sein Stellvertreter ist Jörg Schröder (CDU).

Wappen Ortswappen Der Entwurf des Kommunalwappens von Bad Bederkesa stammt von dem Heraldiker und Wappenmaler Gustav Völker, der zahlreiche Wappen im Landkreis Cuxhaven erschaffen hat.

Wappen der Ortsteile

Kultur und Sehenswürdigkeiten hochkant|mini|Windmühle Bederkesa Bauwerke

Burg Bederkesa am Rand des Kernortes; vom See durch die Wasserverbindung von der Geeste zum Hadelner Kanal getrennt Windmühle Bederkesa von 1881 Steinbackofen neben der Windmühle Altes Amtshaus von 1740 mit Amtsscheune

Bahnhof Bederkesa Wohnhaus Seebeckstraße 18 Villa Homburg von 1875/79, Gröpelinger Straße 45 Ehem. Schulgebäude Bergstraße 4 von 1851, heute ev. Kirchenkreisjugenddienst Ehem. Försterei Holzurburg von um 1832, Holzurburger Straße 19 Scheune am Brink 2 von 1730 (im Ortsteil Ankelohe) Großsteingräber bei Ankelohe (wurden im 19. Jahrhundert zerstört) Großsteingräber bei Bederkesa (sie wurden im 19. oder frühen 20. Jahrhundert zerstört) Niedersächsisches Internatsgymnasium Bad Bederkesa Rittergut Valenbrook (im Ortsteil Fickmühlen) Gut Ankelohe von 1873 Jüdischer Friedhof Bederkesa von 1754

Kirchen hochkant|mini|St.-Jacobi-Kirche Bad Bederkesa ist Sitz der Superintendentur des Kirchenkreises Wesermünde der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Zuvor war es bereits Sitz des Kirchenkreises Wesermünde-Nord, der zum 1. Januar 2013 mit dem Kirchenkreis Wesermünde-Süd vereinigt wurde Die evangelisch-lutherische neogotische St.-Jacobi-Kirche stammt von 1861; die erste Kirche wurde 1295 erstmals erwähnt. Die römisch-katholische St.-Benedikt-Kapelle in Bad Bederkesa, Berghorn 5, gehört zur Pfarrei Hl.-Herz-Jesu in Bremerhaven-Lehe mit der Herz-Jesu-Kirche Die Neuapostolische Kirchengemeinde hält Gottesdienst im Musiksaal der Grundschule Bad Bederkesa

Denkmäler Rolandstatue vor der Burg Bederkesa An der äußeren Kirchenmauer der St.-Jacobi-Kirche befindet sich ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen und Vermissten aus dem Ersten Weltkrieg.