mini|Ein Mitglied des New Yorker Charters auf einer Harley-Davidson Der Hells Angels Motorcycle Club (HAMC) ist ein Motorrad- und Rockerclub, dessen Mitglieder sich Hells Angels nennen und typischerweise Harley-Davidson-Motorräder fahren. Er wurde 1948 gegründet und ist zurzeit in 32 Ländern mit sogenannten Charters (Orts- oder Landesclubs) vertreten. National und international wird der Club seit Jahrzehnten regelmäßig durch Behörden und Medien mit verschiedenen Straftaten in Verbindung gebracht, und es kam weltweit immer wieder zu Verurteilungen einzelner Mitglieder z. B. aufgrund von Gewalt- und Drogendelikten, Delikten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und Schutzgelderpressungen sowie zu Verboten ganzer Charter. In den Niederlanden ist jede Aktivität des Clubs verboten.

Geschichte mini|Mitglieder des kalifornischen Charters mit typischen Lederkutten Der Club wurde am 17. März 1948 in den USA in Fontana (San Bernardino County, Kalifornien) gegründet. Unter der Führung von Ralph „Sonny“ Barger schlossen sich ab 1. April 1957 im kalifornischen Oakland weitere Clubs unter diesem Namen zusammen. Im Verlauf der 1960er Jahre dehnte sich die Gruppe zunächst über die USA, den amerikanischen Kontinent und danach auch auf andere Länder aus.

Im Jahr 1969 gerieten die (kalifornischen) Hells Angels, deren britische Vertreter bei dem Konzert der Rolling Stones im Londoner Hyde Park bereits als Sicherheitskräfte mitwirkten, in die Schlagzeilen, als sie bei einem Konzert der Band The Rolling Stones auf dem nordkalifornischen Altamont Speedway, dem Altamont Free Concert, als – einem Vorschlag Rock Scullys, dem Manager der Band Grateful Dead folgend – von Mick Jagger angeheuerteMarc Spitz: Mick Jagger. Rebell und Rockstar. (Originaltitel: Jagger. Rebel, Rock Star, Rambler, Rogue, 2011) Aus dem Englischen von Sonja Kerkhoffs. Edel Germany, Hamburg 2012, ISBN 978-3-8419-0122-4, S. 12 und 167. Ordner fungierten. Der 18-jährige Zuschauer Meredith Hunter wurde direkt vor der Bühne von einem Mitglied erstochen, nachdem er unter Drogeneinfluss eine Schusswaffe gezogen hatte und auf die Rolling Stones gezielt hatte. Das Gericht erkannte auf Notwehr und sprach den Ordner frei.

Als erste Hells Angels in Europa wurde das Charter London am 30. Juli 1969 aufgenommen. Die erste Hells-Angels-Gruppe auf dem europäischen Festland entstand in der Schweiz. Sie erhielt die Lizenz Ende 1970; als ihr Gründer gilt Martin „Tino“ Schippert. Im norddeutschen Raum formierte sich Ende der 1960er Jahre unter dem Namen „Bloody Devils“ eine Rocker-Gruppe; sie gründete am 16. März 1973 die erste Gebietsvertretung in Deutschland in Hamburg (siehe Hells Angels Deutschland).

In großem Stil trat der Club in Deutschland im November 1999 durch den Übertritt („patchover“) des bis dahin bedeutendsten deutschen Motorradclubs, der „Bones“, massiv in Erscheinung. Davor gab es Charter (Untergruppierungen) in Hamburg, Stuttgart, Kiel und Berlin.

Das erste Hells Angels Charter Österreichs wurde 1975 in Vorarlberg gegründet. In den Folgejahren wurden dann die Charter Wien, Kärnten, Tirol, Steiermark und die Nomads in Oberösterreich gegründet.

Die Hells Angels basieren nach ihren eigenen Angaben auf vier Werten: Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Respekt und Freiheit.

Der Club Name und Symbole mini|Clubnamen und Death’s-head-Emblem als Tätowierung mini|Diese B-17 (Nr. 41-24577) gehörte zur 358th Bombardment Squadron der 303rd Bombardment Group („Hell's Angels“) und wurde am 13. Mai 1943 auf dem Stützpunkt RAF Molesworth in Großbritannien aufgenommen. Sie absolvierte als erste B-17 der 8. US-Luftflotte 25 Einsätze und kehrte am 20. Januar 1944 nach insgesamt 48 Einsätzen für eine Publicity Tour in die USA zurück. Der Name geht auf einen Film von Howard Hughes von 1930 zurück, der unter dem Titel Hell’s Angels die Erlebnisse von Kampffliegern der britischen Royal Flying Corps im Ersten Weltkrieg behandelte. In Deutschland hatte der Film 1986 Fernsehpremiere unter dem Titel Höllenflieger. Während des Zweiten Weltkriegs nannte eine Bomberstaffel der USAAF sich nach dem durch den Filmtitel geprägten Begriff ebenfalls Hell’s Angels; dies war auch der Name von mindestens einem B-17F Flying Fortress-Bomber (Boeing B-17F-25-BO “Hell’s Angels” Seriennummer #41-24577).Memphis Belle#BekanntheitFoto der Boeing

Der wenige Jahre nach Kriegsende gegründete, erste Club in Fontana übernahm dann den Begriff in der abweichenden Schreibweise Hells Angels, das heißt ohne Apostroph. Der Hells Angels MC stellt auf seiner offiziellen Webseite klar, dass kein Angehöriger der 358th Bombardment Squadron der 303rd Bombardment Group (Hell’s Angels) und auch kein Angehöriger einer der verschiedenen anderen militärischen Fliegereinheiten, die den Namen Hell’s Angels angenommen haben, je Mitglied des Hells Angels MC geworden sei. Die einzige Verbindung zwischen dem Hells Angels MC und einer militärischen Einheit gleichen Namens sei Arvid Olsen. Von ihm stamme die Anregung für die Benennung des Motorradclubs als „Hells Angels“. Arvid Olsen habe der Fliegerstaffel Flying Tigers angehört und sei mit einigen Gründungsmitgliedern des Hells Angels MC befreundet gewesen, sei jedoch selbst nie Mitglied geworden.

Die Clubmitglieder tragen heute in der Regel eine (ärmellose) Kutte aus Jeansstoff oder Leder, die mit Backpatches versehen sind; teils werden auch Lederjacken mit Backpatches getragen. Die typischen Backpatch-Insignien der Hells Angels bestehen aus Schriftzügen mit dem Clubnamen Hells Angels, der Abkürzung MC für Motorcycle Club und dem Namen des jeweiligen Landes- oder Orts-Charters sowie aus dem Hells-Angels-Emblem, einem Totenkopf mit Helm und Flügeln.

Das Emblem wird auch als Death’s head (dt. Totenkopf) bezeichnet. Die Schriftzüge sind stets in den Clubfarben „rot auf weiß“ gehalten, das heißt als rote Schrift auf weißem Untergrund. Als Schriftart wird einheitlich die Schrift Hessian Regular (mit Ausnahme des Schriftzugs „MC“) verwendet, und die Schriftzüge werden grundsätzlich nur in Großbuchstaben ausgeführt.

Das Backpatch-Emblem Death’s head und der Name Hells Angels sind markenrechtlich geschützt. Außerdem legen der Club und seine Mitglieder Wert darauf, dass diese Kennzeichen nur von Clubmitgliedern und nur innerhalb des Clubs benutzt werden. Deshalb gibt es eine Reihe von Umschreibungen für den Clubnamen. Gleichbedeutend sind zum Beispiel 81, wobei 8 und 1 für H und A (nach der jeweiligen Position im Alphabet), also die Initialen des Clubs, stehen. Andere Schriftzüge sind Big Red Machine und Red & White (nach den Clubfarben). Oft finden sich die Buchstaben AFFA, die Angels Forever, Forever Angels bedeuten.

Weltweite Charter Zurzeit sind die Hells Angels in folgenden Ländern vertreten: Albanien, Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Chile, Dänemark, Deutschland, Dominikanische Republik, England, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Island, Italien, Japan, Kanada, Karibik, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Neuseeland, Niederlande, Nordirland, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Südafrika, Thailand, Tschechien (Böhmen), Türkei, USA, Ukraine, Ungarn und Wales.

Bulgarien, Uruguay, Peru, Bosnien & Herzegowina, Ecuador und Namibia werden gegenwärtig im Anwärterstatus als sogenannte „Prospect-Charters“, Venezuela als sogenannter „Hangaround-Charter“ geführt. abgerufen am 26. Juni 2014.

Strukturen Die Strukturen eines jeden Charters gliedern sich wie folgt: President – Leitung des Charters Vice President – Stellvertreter des Presidents Secretary – Verwaltung Sergeant at Arms – zuständig für die Disziplin im Club Treasurer – Schatzmeister Road Captain – Organisation der Motorradkonvois Member – Mitglied Prospect – Anwärter auf den Memberstatus Hangaround – Anwärter auf den Prospectstatus Supporter – Unterstützung eines Charters, kein Mitglied

Soziologische Zuordnung Die Hells-Angels-Bewegung ist aus soziologischer und kriminologischer Sicht einer Subkultur zuzuordnen. Es handelt sich um eine geschlossene Personengruppe, die gegenüber der dominierenden Kultur unterschiedliche und differenzierte Normen und Werte aufweist. Subkulturen bilden sich insbesondere als Reaktion eines Kollektivs aufgrund von Anpassungsproblemen in Kombination mit einer ungleichen gesellschaftlichen Lage.

Veranstaltungen der Hells Angels Eine Party über ein ganzes Wochenende, der sogenannte „World Run“, findet seit 1979 jährlich in einem Land statt, in dem die Hells Angels vertreten sind. Es dürfen nur Mitglieder der Hells Angels sowie „Prospects“ und „Hangarounds“ teilnehmen, andere Personen nur auf ausdrückliche Einladung.

Zu den bekanntesten öffentlichen Hells-Angels-Veranstaltungen gehört der „Bulldog Bash“ der Hells Angels England. Dieser findet jedes Jahr Anfang August in Stratford-upon-Avon in der englischen Grafschaft Warwickshire statt.

Nähe zur Kriminalität mini|Mitglied des australischen Charters mini|Geparkte Motorräder von Hells-Angels-Mitgliedern in einem Vergnügungsviertel in San Francisco mini|Profil erstellt vom US-Justizministerium

Vorfälle in Europa In Skandinavien lieferten sich in den 1990er Jahren die Hells Angels mit den Bandidos einen Rockerkrieg mit vielen Toten. Der mörderische Konkurrenzkampf um Drogen- und Waffenhandel und Zuhälterei wurde mit Handgranaten, Maschinenpistolen und Granatwerfern ausgetragen. 1996 wurde der Vizepräsident der Bandidos in Helsinki ermordet. Die Bandenkriege setzten sich fort, so kam es im Mai 2007 zu einer Messerstecherei zwischen einem Bandido und fünf Hells Angels.

Im Dezember 2007 löste die katalanische Polizei wegen Drogen- und Waffenhandel sowie Erpressung das Charter Barcelona auf. Das sichergestellte Material enthielt auch eine Hakenkreuzflagge.

Der Hannoveraner Frank Hanebuth wurde im Juli 2013 auf Mallorca zusammen mit 20 weiteren Hells-Angels-Mitgliedern festgenommen., ndr.de, 23. Juli 2013 Als Kopf des Hells-Angels-Charters „Spain“ werden ihm unter anderem Bildung einer kriminellen Vereinigung, Förderung illegaler Prostitution, Drogenhandel und Geldwäsche vorgeworfen.Tobias Morchner: , HAZ, 4. August 2013 Hanebuth hatte mehrere Bordelle erworben. Berichtet wird auch über die Misshandlung von Prostituierten.

Ende Mai 2019 verbot ein Gericht alle Aktivitäten der Hells Angels in den Niederlanden. Das Verbot gilt nicht nur für den niederländischen Ableger des Klubs, auch die weltweite Organisation darf nicht mehr in den Niederlanden aktiv sein. Die Organisation stelle eine Gefahr für die öffentliche Ordnung dar, so das Gericht.

Im Oktober 2023 wurden vom Sondereinsatzkommando Cobra im Vereinslokal der Hells Angels im Bezirk Ried in Österreich zwei Festnahmen von Mitgliedern aufgrund des Verdachts auf gefährliche Drohung und mögliche Schutzgelderpressung durchgeführt. Außerdem fanden mehrere Hausdurchsuchungen im Bundesgebiet statt.

Vorfälle in Deutschland