mini|hochkant=1.5|Parkierungsverbotsschild am Basler Rheinufer in Schweizer Hochdeutsch. (Deutschländische Standardvarietät: Gesamter Platz. Zuwiderhandelnde haften für die Kosten des entstehenden Aufwands.) Die Ausdrücke Ganzer Platz, Fehlbare, Umtriebe und behaftet sind Helvetismen.

Das Schweizer Hochdeutsch (auch Schweizerhochdeutsch geschrieben) ist das Standarddeutsch in der Schweiz. Es ist eine nationale Varietät der plurizentrischen deutschen Sprache, und es unterscheidet sich «in der Schreibung, Wortbildung, im Wortschatz und in der Sprachverwendung» von anderen nationalen Varietäten des Deutschen.Hans Bickel, Christoph Landolt: Schweizerhochdeutsch. Wörterbuch der Standardsprache in der deutschen Schweiz. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Hrsg. vom Schweizerischen Verein für die deutsche Sprache. Dudenverlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-411-70418-7, S. 7. Die entsprechenden Varianten des Schweizer Hochdeutsch werden als Helvetismen bezeichnet. Ebenso wie im Deutschen gibt es auch abweichende Varietäten im Schweizer Französisch und im Schweizer Italienisch.

Die volkstümliche Bezeichnung des Standarddeutschen in der Schweiz ist Schriftdeutsch oder Schriftsprache, da es vornehmlich für den schriftlichen Gebrauch verwendet wird. Schweizerdeutsch hingegen ist die Sammelbezeichnung für die zumeist mündlich verwendeten alemannischen Dialekte der Deutschschweiz.

Der Pflege des Schweizer Hochdeutsch hat sich der Schweizerische Verein für die deutsche Sprache verschrieben. Dessen (schweizerischer) Dudenausschuss ist Ansprechpartner der Dudenredaktion für alles, was das Deutsch der Schweiz betrifft.

Schriftliche Verwendung mini|Bei der in Basel nach dem Ort Ötlingen (Baden-Württemberg) benannten «Oetlingerstrasse» wird die in der Schweiz übliche Schreibweise verwendet (Oe für Ö am Anfang von Strassen-, Orts- und Stationsnamen, Zusammenschreibung, ss für ß)

Das in der Schweiz geschriebene Deutsch unterscheidet sich von der geschriebenen Sprache im übrigen deutschsprachigen Raum. Die Unterschiede betreffen zum grössten Teil den Wortschatz sowie die Wortbildung; viel weniger Eigenständigkeiten zeigen sich in der Rechtschreibung und in der Grammatik (siehe Helvetismen).

Augenfällig ist, dass in der Schweiz das Eszett (ß) im Laufe des 20. Jahrhunderts (vor allem zwischen den 1940er und 1970er Jahren) sukzessive ausser Gebrauch geraten ist; an seiner Stelle wird immer ein Doppel-s geschrieben.Duden, die deutsche Rechtschreibung, 21. Auflage. Regel § 25 E₂ ISBN 3-411-04011-4 In Schweizer Schulen wird der Gebrauch des ß nicht unterrichtet, und es kommt auf der Schweizer Tastatur nicht vor.Die beispielsweise gegenüber der deutschen Tastatur deutlichen Unterschiede haben folglich einen anderen Grund, nämlich die Auslegung für das Schreiben in allen Landessprachen der Schweiz, wobei Französisch den Haupteinfluss hat.

Mit einem Umlaut beginnende Schweizer Gemeinde-, Orts- und Stationsnamen werden mit Ae, Oe, Ue geschrieben (beispielsweise Aetzikofen, Oerlikon oder Uebeschi). Strassennamen werden ebenfalls grundsätzlich nach dieser Bundesempfehlung gehandhabt. Flurnamen werden im Anlaut jedoch im Regelfall mit Umlaut geschrieben (beispielsweise Äbenegg, Ölegg oder Überthal). Diese Empfehlungen gelten allgemein seit 1948, waren aber «bereits vor der Einführung der Schreibmaschine um ca. 1880 zu finden». Bei Gattungswörtern (etwa Oel statt Öl) gilt diese Schreibweise hingegen inzwischen als unkorrekt.

Schweizer Hochdeutsch wird in der Schweiz für sämtliche deutschen Texte verwendet, beispielsweise in den Schweizer Medien (sämtlichen Tageszeitungen und Magazinen), in amtlichen Texten, im betrieblichen und privaten Briefverkehr oder in Publikationen von Schweizer Firmen. Dagegen trifft ein Leser in der Schweiz auf ein anderes Hochdeutsch, sobald Textgut oder ihre Verfasser aus anderen deutschsprachigen Gebieten stammen.

Mündliche Verwendung Gesprochen wird Schweizer Hochdeutsch zumeist formell bezogen auf die Öffentlichkeit, im Schulunterricht, bei Veranstaltungen mit «Nicht-Schweizerdeutschen», an Hochschulen in Lehrveranstaltungen, in Nachrichtensendungen der öffentlich-rechtlichen Sender, in den Parlamenten einiger Deutschschweizer Kantone und – sofern nicht eine andere Landessprache Verwendung findet – bei Debatten im eidgenössischen Parlament. In Hochdeutsch gehalten sind beispielsweise auch die Lautsprecherdurchsagen auf Bahnhöfen. Üblich ist die Verwendung des Schweizer Hochdeutschen für geschriebene Texte: Ein Rechtsanwalt wird seinen Vortrag bei Gericht üblicherweise in Schweizer Standarddeutsch bzw. Schweizer Hochdeutsch schriftlich verfassen und vorlesen, ansonsten aber seine Reden, wie Richter, Staatsanwalt und sonstige Beteiligte, im Schweizer Dialektdeutsch weiterführen.

In Alltagssituationen wird Schweizer Hochdeutsch grösstenteils nur mit Menschen gesprochen, die den Dialekt nicht verstehen. Unter den verschiedenen Dialekten herrscht weitgehende gegenseitige Verständlichkeit, so dass hier nicht auf das Schweizer Hochdeutsch zurückgegriffen werden muss. In der Schweiz haben Dialekte zumeist ein höheres Ansehen als im übrigen deutschen Sprachraum. Die mündliche Umgangssprache zwischen Deutschschweizern ist fast ausnahmslos die jeweils heimische Mundart, der Ortsdialekt, unabhängig von Bildung und dem gesellschaftlichen Status. Der Dialekt hat heute keine Konnotationen des Ungebildeten, Ländlichen oder Bäuerlichen, wie es im übrigen deutschsprachigen Raum zumindest früher zumeist der Fall war (Soziolekt). Auch Universitätsprofessoren benutzen ausserhalb von Vorlesungen ihren jeweiligen deutschschweizerischen Dialekt – sowohl für die Kommunikation mit Studierenden als auch für den wissenschaftlichen Austausch.

Mundart (Dialekt) und Standarddeutsch stehen in einem Diglossie-Verhältnis zueinander, da beide Sprachformen deutlich voneinander getrennte Funktionen und Geltungsbereiche besetzen. Zwischen Mundart und dem Standarddeutsch gibt es keine graduellen Abstufungen bzw. Übergänge.

Im Umgang mit gehörlosen Kindern wird in der Deutschschweiz im familiären Umfeld und an Gehörlosenschulen Schweizer Hochdeutsch genutzt, d. h., es werden Helvetismen verwendet (z. B. Trottoir), mundartliche Begriffe aber vermieden (z. B. Katze statt Büsi). Folglich ist das Hochdeutsche – neben der Deutschschweizer Gebärdensprache – Muttersprache der gehörlosen Menschen.SGB-FSS: (FAQ, Punkt 2). Gehörlose Menschen beherrschen daher nur schlecht bis gar kein Schweizerdeutsch, es sei denn, das Schweizerdeutsche wird entgegen Empfehlungen von Fachleuten auf privater Ebene gelehrt. Dieser Umstand führt dazu, dass die Kommunikation im Verkehr mit hörenden Menschen erschwert ist, da letztere das Hochdeutsche oft nur passiv beherrschen. Die Muttersprache von hörenden Schweizer Codas (Kinder gehörloser Eltern) ist in der Folge je nach dem sozialen Umfeld neben der Gebärdensprache ebenfalls Schweizer Hochdeutsch, das Schweizerdeutsche wird spätestens im Schulumfeld angelernt.

Erklärungsansätze Deutschschweizer sprechen im Allgemeinen ein erkennbar anderes Hochdeutsch als die Sprecher aus anderen deutschsprachigen Regionen. Folgende Faktoren spielen dabei eine Rolle:

Interferenz Das Standarddeutsch fast aller Deutschschweizer weicht in der Aussprache von der Standardlautung ab, da die heimischen Dialektformen weit mehr gesprochen werden als im übrigen deutschsprachigen Raum und sich insofern mit der Aussprache vermischen («man hört den eigentlichen Dialektsprecher bei der Aussprache des Standarddeutschen heraus»). Dieses Phänomen wird als Interferenz bezeichnet.

Beispiel: Den ich-Laut, also den palatalen Frikativ wie in «ich», gibt es in den Schweizer Dialekten nicht, hier werden ausnahmslos alle ch-Laute als uvulare Frikative gesprochen, also als ach-Laut, wobei das Schweizer ch meist noch deutlich stärker «kratzt». Daher verwenden viele Deutschschweizer Sprecher auch im Hochdeutschen ausnahmslos den ach-Laut. Bemerkenswert ist, dass schon innerhalb der Schweiz Standarddeutsch je nach Dialektregion unterschiedlich ausgesprochen wird; Berner sprechen also ein anders gefärbtes Hochdeutsch als St. Galler, weil ein Berner Dialekt andere Interferenzen verursacht als ein St. Galler Dialekt.Beat Siebenhaar: Regionale Varianten des Schweizerhochdeutschen. In: Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik. 61, 1994, S. 55. Oft ist es möglich, anhand der Aussprache des Standarddeutschen auf die Herkunft des Sprechers zu schliessen. Dies gilt im deutschsprachigen Raum allerdings überall, wo noch regionale Färbungen der Aussprache bestehen.

Andere Interferenzen sind – je nach Dialekt – das geschlossen und dunkel ausgesprochene lange a, das gegen o tendiert, ein sehr offen ausgesprochenes ä, teilweise andere Wortbetonungen oder eine stärkere Variation der Tonhöhe. Generell gilt sodann der fehlende Knacklaut, ausser bei besonderer BetonungEva-Maria Krech, Eberhard Stock, Ursula Hirschfeld, Lutz Christian Anders: Deutsches Aussprachewörterbuch. Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-018202-6, S. 262.; so werden etwa guten Abend oder vereisen nicht als guten | Abend und ver-eisen, sondern wie gute-nAbend und ve-reisen ausgesprochen, statt er-innern wird e-rinnern gesagt.In dieser Feststellung liegt keine Aussage zu der Fragestellung, welche der jeweiligen Aussprachen als «richtiger» anzusehen wäre oder ob die jeweiligen Sprecher zu einer anderen Aussprache willens oder in der Lage sind.

Sprachkonvention Eine Untersuchung des Sprechverhaltens von Erst- und Zweitklässlern an Deutschschweizer Volksschulen zeigt, dass Erstklässler ein Standarddeutsch sprechen, das näher am bundesdeutschen Hochdeutsch (kurz: Bundesdeutsch) ist als das Deutsch der Zweit- und Drittklässler. Gelernt haben sie es ausserhalb der Schule. Dabei spielt das Fernsehen eine wichtige Rolle. Erstklässler sprechen zum Beispiel die «Ich»- und «Ach»-Laute dem Bundesdeutschen ähnlicher aus als Zweitklässler. Schulkinder lernen also in den ersten Schuljahren, wie Schweizer Standarddeutsch zu klingen hat, passen ihre Artikulation an und entfernen sich dabei vom Bundesdeutschen. Dass Deutschschweizer eine erkennbar schweizerische Form der Standardsprache sprechen, ist demnach als Resultat eines Lernprozesses und der Anpassung an eine Sprachkonvention zu sehen. Triebfeder hinter dieser Anpassung sind das Streben nach Konformität und der Wunsch, von der Sprachgemeinschaft als Mitglied anerkannt zu sein.Ingrid Hove: Die Aussprache der Standardsprache in der Schweiz. Niemeyer, Tübingen 2002 (= Phonai: Texte und Untersuchungen zum Gesprochenen Deutsch. Bd. 47).

Dieser Ansatz versteht Schweizer Hochdeutsch als eine Varietät, für die eine eigenständige Sprachkonvention existiert; in der Gemeinschaft der Sprecher herrscht eine «recht weitgehende Übereinkunft darüber, welche Varianten für die schweizerische Standardsprache [= Schweizer Hochdeutsch] angemessen sind und welche nicht».Zitat aus: Ingrid Hove: Die Aussprache der Standardsprache in der Schweiz. S. 6.

Schriftlichkeit