Die Aachener Straßenbahn und Energieversorgungs-AG (ASEAG) betreibt den öffentlichen Personennahverkehr in der Städteregion Aachen. Trotz ihres Namens ist sie heute ein reines Bus-Unternehmen. Sie beförderte 2025 ca. 70,936 Millionen Fahrgäste auf 118 Linien in einem Gebiet von 770 km². Damit ist sie das größte deutsche Verkehrsunternehmen, das allein auf Busse setzt. Die Länge des Liniennetzes beträgt 1995 km. Das ASEAG-Netz ist in den Aachener Verkehrsverbund (AVV) integriert.

Unternehmen Geschichte

mini|Aktie der Aachener Kleinbahn-Gesellschaft über 2000 Mark vom 4. Juni 1907 mini|Bis 2014 existierendes Straßenbahn-Denkmal auf dem Betriebshof

In vielen Städten spielten die lokalen Stadtwerke und ÖPNV-Betriebe eine große Rolle bei der Entwicklung und Erschließung des Umlandes und des Stadtgebietes, so auch im Falle der ASEAG. Bereits 1880 wurde der Vorläuferbetrieb, die Aachener und Burtscheider Pferdeeisenbahn-Gesellschaft, gegründet, die neben mehreren Strecken in den namensgebenden Städten Aachen und Burtscheid auch eine Strecke im benachbarten Stolberg errichtete. Nicht lange nach Inkrafttreten des Preußischen Kleinbahngesetzes wurde sie 1894 als Aachener Kleinbahn-Gesellschaft (AKG) neugegründet und begann mit der Elektrifizierung und dem Ausbau ihres Straßenbahnnetzes. Innerhalb weniger Jahre entstand neben einem dichten Stadtnetz in Aachen eines der größten Überlandstraßenbahnnetze in Deutschland. Bei Beginn des Ersten Weltkrieges reichte das Streckennetz der AKG im Westen ins niederländische Vaals, im Südwesten bis Eupen, im Süden bis Zweifall (damals Kreis Monschau), im Osten bis Weisweiler (damals Kreis Düren) und im Norden bis Alsdorf. Neben Personenverkehr führte die AKG in ihrem Überlandnetz auch Güterverkehr durch – so etwa für die Kalköfen in Sief und Schmithof. In Schmithof lassen sich der Straßenbahndamm und die Verladerampe noch gut erkennen. 1914 nahm die AKG eine erste Buslinie in Betrieb, die sie jedoch nach wenigen Monaten aufgrund des begonnenen Krieges wieder einstellen musste.

Als zweites Straßenbahnunternehmen in Aachen wurde am 21. März 1900 die Rheinische Elektricitäts- und Kleinbahnen AG (REKA) gegründet, die Straßenbahnstrecken von Aachen nach Kohlscheid und Merkstein im Aachener Revier baute und betrieb. Die REKA betätigte sich zudem als Elektrizitätsanbieter und übernahm die Stromversorgung in ihrem Einzugsgebiet. 1907 übernahm die AKG die Aktienmehrheit an der REKA, 1916 auch ihre Betriebsführung. 1942 erfolgte die Übertragung des gesamten Vermögens der REKA auf die AKG und die gleichzeitige Umbenennung zur ASEAG.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs musste die AKG ihre Strecken nach Eupen und Raeren im nunmehrigen Neubelgien an die belgische Nationale Kleinbahngesellschaft (SNCV) abtreten. Das Streckennetz wurde nach dem Krieg lediglich noch um zwei kleinere Abschnitte erweitert und blieb ansonsten unverändert. Eigene Buslinien nahm die AKG in der Zwischenkriegszeit nicht in Betrieb. Im Zweiten Weltkrieg übernahm die Aachener Straßenbahn nochmals von 1940 bis 1944 ihre ehemaligen Strecken im Kreis Eupen. Mit dem Vorrücken der US-Army über die Reichsgrenze musste die ASEAG im September 1944 ihren Betrieb einstellen, die Schlacht um Aachen hatte erhebliche Schäden am ASEAG-Netz zur Folge. Ab Herbst 1945 fuhren wieder die ersten Straßenbahnen, das Streckennetz der ASEAG diente zunächst auch der Trümmerberäumung. Erst 1950 kam die letzte kriegsbeschädigte Strecke wieder in Betrieb. Einzelne Straßenbahnstrecken blieben dauerhaft eingestellt.

Im Januar 1944 hatte die ASEAG trotz kriegsbedingter Schwierigkeiten noch den Oberleitungsbus Aachen als Linie 51 vom Kaiserplatz nach Baesweiler eingeweiht. Mit einer Länge von 19,3 km war diese Linie bis zu ihrer Einstellung am 3. Februar 1974 Deutschlands längste O-Bus-Linie. Ab 1950 begann die ASEAG wieder den Betrieb eigener Buslinien. In den Folgejahren setzte zwar eine zaghafte Modernisierung der Infrastruktur und der Fahrzeuge ein, bereits 1951 wurde jedoch die erste Strecke der Straßenbahn eingestellt und durch Busse ersetzt. Die Verkehrsplanung der Stadt Aachen folgte damals dem Ziel der autogerechten Stadt und die Straßenbahn mit ihren vielen eingleisigen Strecken in Seitenlage zu den Landstraßen und einem überalterten Wagenpark (1950 waren abgesehen von zwei Fahrzeugen des Baujahrs 1948 alle Triebwagen mindestens 22 Jahre alt) galt weiten Kreisen als altmodisches Verkehrshindernis. Die ASEAG stellte bis Ende der 1950er Jahre weite Teile ihres Streckennetzes auf den Bus um, nur einige Strecken innerhalb Aachens und einzelne Überlandstrecken wurden zunächst noch mit neueren, teils gebraucht erworbenen Fahrzeugen weiter betrieben. Das Streckennetz wurde jedoch kaum noch an die Siedlungs- und Verkehrsentwicklung angepasst. Bis 1969 legte die ASEAG alle verbliebenen Überlandlinien still und ersetzte sie durch Busse. Anfang der 1970er Jahre betrieb die ASEAG lediglich noch die innerstädtischen Straßenbahnlinien 12 (Eilendorf–Vaals) und 5/15 (Brand–Ronheide). Seit der Einstellung der letzten Straßenbahnlinie (Linie 15) am 28. September 1974 ist die ASEAG ein reines Omnibus-Unternehmen.

Beteiligungsverhältnisse Gesellschafter der ASEAG Die ASEAG ist zu 94,9 % Tochter der 1972 gegründeten Energieversorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH Aachen (E.V.A.), die Stadt Aachen ist zu 5,1 % am Unternehmen beteiligt. Gesellschafter der E.V.A. sind die Stadt Aachen mit 99,99 %, sowie mit 0,01 % die Städteregion Aachen. Somit ist die ASEAG de facto ein städtisches Unternehmen.

Das Unternehmen war bis 2005 börsennotiert. Im August 2004 fasste die Hauptversammlung den Beschluss, alle Aktienanteile der Minderheitsaktionäre auf die Stadt Aachen zu übertragen (Squeeze-out). Wegen anhängiger Anfechtungsklagen konnte der Beschluss erst im August 2005 rechtswirksam werden, woraufhin am 15. August 2005 die Börsennotierung eingestellt wurde (Delisting).

Beteiligungen der ASEAG ASEAG Energie GmbH (verkauft) Der Energieversorgungsbereich (Strom, Gas und Fernwärme) wurde 1992 in die ASEAG Energie GmbH ausgegründet. Diese wurde im Juni 2004 mit den Wasserwerk des Kreises Aachen GmbH zur enwor – energie & wasser vor ort GmbH verschmolzen. Die Anteile wurden verkauft.

APAG (100 %) 1994 wurde die Aachener Parkhaus GmbH (APAG) gegründet, deren Parkhäuser in der Aachener Innenstadt durch die ASEAG bewirtschaftet wurden. Die Gesellschafteranteile, die nicht bei der ASEAG lagen, wurden 2003 übernommen, womit das Unternehmen zu 100 % zur ASEAG gehört. Im Aachener Stadtgebiet betreibt die APAG 13 Parkhäuser. Zu den weiteren Produkten zählen das Event-Parkmanagement und die Bereitstellung von Werbeflächen.

ESBUS (100 %) Zum 8. August 2000 wurden die Gesellschafteranteile der Firma Horst Taeter Verkehrsunternehmung GmbH mit Sitz in Eschweiler erworben. Das Unternehmen wurde am 23. Mai 2003 zur ESBUS Eschweiler Bus- und Servicegesellschaft mbH umfirmiert.

weitere Beteiligungen Die Unterstützungseinrichtung AKREKA GmbH sowie die ASEAG Reisen GmbH sind ebenfalls zu 100 % Töchter der ASEAG. An der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft für Aachen AG (gewoge) ist sie zu 0,20 % beteiligt, an der Better Mobility GmbH zu 49,5 %, an der Einkaufs- und Wirtschaftsgesellschaft für Verkehrsunternehmen (beka) mbH zu 0,91 % und an der Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft für den Kreis Aachen GmbH zu 0,61 %.

Ausbildung Die ASEAG bildet Kraftfahrzeugmechatroniker (Kfz-Mechatroniker) in den Fachrichtungen Nutzfahrzeugtechnik und Fahrzeugkommunikationstechnik sowie Fahrzeug- und Karosseriebauer aus. Darüber hinaus bietet die ASEAG jährlich vier Ausbildungsstellen zur Fachkraft im Fahrbetrieb (FiF) an.

ASEAG-Verkehrsangebot Liniennetz mini|Frittezang, Bushaltestelle am Friedrich-Wilhelm-Platz (Elisenbrunnen) nach einem Entwurf Eisenmans mini|Dynamische Fahrgastinformation am Elisenbrunnen mini|Mercedes-Benz CapaCity in aktueller Lackierung an der Haltestelle Aachen Hauptbahnhof mini|Doppelgelenkbus Van Hool AGG 300 vor dem Uniklinikum mini|Mercedes-Benz CapaCity mit Ganzreklame an der Haltestelle Annastraße

Bedingt durch die kombinierte Landes- und Stadtgrenze nach Westen hin betreibt die ASEAG mehrere grenzüberschreitende Linien. So fahren z. B. die Linie 14 nach Eupen (B) und die Linie 24 nach Kelmis (B), die Linien 25 und 33 nach Vaals (NL), die Linie 34 nach Kerkrade (NL) und die (Schnellbus-)Linie 44 nach Heerlen (NL). Die Nachtbuslinien N2, N4 und N7 sind ebenfalls grenzüberschreitend. Die Linie N2 nach Kerkrade Parkstad Stadion (NL), die N4 fährt nach Vaals (NL) und die Linie N7 nach Kelmis (B).

Mehr als 50 % des Leistungsvolumens der ASEAG werden von Subunternehmen im Auftrag der ASEAG erbracht; im Jahr 2024 übernahmen die Subunternehmen 11,65 Mio. von insgesamt 19,56 Mio. Nutzwagenkilometern im Linienverkehr der ASEAG. Die aktuellen Unternehmen sind ESBUS (Fahrdiensttochterunternehmen der ASEAG, mit Bussen der ASEAG), BVR Busverkehr Rheinland, Dardenne-Reisen, Eifelgold-Reisen, Elka-Reisen, Glückauf-Reisen, HR-Linienbus, Koppermann, Lehner Omnibusbetrieb, Omnibusreisen Langen, Société Anonyme des Autobus Régionaux (SADAR), Taeter Aachen, Tirtey, TT-Verkehrsbetriebe, TW-Verkehrsbetriebe, Verkehrsbetriebe Höninger.

Viele der Linien mit gemeinsamer Endziffer werden gebündelt, so fahren z. B. die Linien 11, 21 und 31 alle auf der Relation Haaren–Jülicher Straße–Aachen Bushof–Elisenbrunnen–Aachen Hauptbahnhof–Burtscheid denselben Weg, darüber hinaus aber noch weitere Ziele an. Dasselbe Prinzip gibt es auf vielen weiteren Linien, z. B. den 2er-, 5er- und 7er-Linien. Hiervon gibt es auch Abweichungen, da manche Linienverläufe sich im Laufe der Geschichte verändert haben, dennoch bleibt es ein Merkmal des Aachener Nahverkehrs. Eingeführt wurde dieses System der Liniengruppen 1933, als die damalige AKG zum 16. Juli ihr Straßenbahn-Liniennetz grundlegend neuordnete und im Stadtbereich parallel verkehrende Linien des Stadt- und Überlandnetzes mit gleichen Endziffern versah. Im Zuge der schrittweisen Einstellung der Straßenbahn zugunsten von Buslinien wurde das System in je nach Liniengruppe unterschiedlichem Umfang beibehalten.Reiner Bimmermann: Aachener Straßenbahn, Band 1: Geschichte. Schweers+Wall 1999, S. 104.

Seit März 2016 betreibt die ASEAG in Monschau zusätzlich ein Rufbus-System unter dem Namen NetLiner, welches im Juni 2019 auch in Aachen-Süd und im Herbst 2021 in Roetgen eingeführt wurde. Seit 7. Februar 2022 fährt auch der NetLiner in Simmerath. Er fährt aktuell aber nur im Rurtal. Aachen-Nord: Außerdem verkehrt in Laurensberg ab dem 6. Februar und später auch in Richterich der NetLiner, welcher auch nach Orsbach, Lemiers (D) und zur Uniklinik verkehrt. Die Umstiegsknoten sind in Monschau Monschau Altstadt und Imgenbroich Bushof, in Simmerath Simmerath Bushof und Einruhr, in Roetgen Roetgen Post und Relais Königsberg, in Aachen-Süd Walheim und in Aachen-Nord Laurensberg, Berensberger Straße und Uniklinik.

Zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2017 hat die ASEAG die Konzessionen sämtlicher von der Städteregion Aachen konzessionierten Linien übernommen, nachdem diese eine Direktvergabe als Gesamtleistung vorgenommen hatte.Vergabebekanntmachung vom 8. Januar 2016 im Tenders Electronic Daily. Die bisherigen Konzessionär Taeter Aachen und BVR verkehrten auf den vorherigen Linien weiterhin als Subunternehmer.

Fahrplanwechsel 6. Februar 2022