mini|Luftaufnahme von Nackenheim Nackenheim ist eine Ortsgemeinde und ein Weinbauort in Rheinhessen im Landkreis Mainz-Bingen und liegt ca. 10 Kilometer südlich von Mainz. Nackenheim ist die einzige Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Bodenheim, die direkt am linken Ufer des Rheins liegt. Nackenheim ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.

Geographie Lage mini|DLRG-Anlandungsstelle auf der Insel Kisselwörth Nackenheim ist eine zwischen Rebhügeln und dem Rhein gelegene Gemeinde, deren Weinberge vor mehr als 1.200 Jahren erstmals urkundlich erwähnt wurden. Die Inseln Kisselwörth (35 ha) und Sändchen trennen Nackenheim vom Rheinhauptstrom. Zwischen dem bewohnten Gebiet von Nackenheim und diesen beiden Inseln befindet sich der Nebenarm Mühlarm. Die beiden Binneninseln stehen unter Naturschutz und gehören zum FFH-Gebiet Rheinauen. Früher wurde das Gebiet landwirtschaftlich genutzt, heute befinden sich dort Streuobstwiesen. Im Zuge der Rheinbegradigung vergrößerte man die Inseln Kisselwörth und Sändchen durch Uferaufschüttungen und Stromleitwerkewebpräsentation Kisselwörth.

Nachbargemeinden Nackenheim grenzt an die Gemeinden Bodenheim, Nierstein und Lörzweiler in Rheinland-Pfalz sowie Trebur in Hessen auf der anderen Rheinseite.

Geschichte Chronik Zeittafel 2200 v. Chr. Jungsteinzeitliches Dorf der Rössener Kultur in der Fruchtgewann der Nackenheimer Gemarkung 1200 v. Chr. Urnenfelderfriedhof auf dem Oppenheimer Berg bezeugt bronzezeitliche Besiedlung der Gemarkung 600 v. Chr. In der älteren Eisenzeit bestand eine Siedlung der Hallstattkultur auf dem Vogelsreich 250 n. Chr. Römische Gutshöfe (villae rusticae) in den Fluren des Rudelheck und Thierhäupter 580 n. Chr. Fränkische Grabfunde aus diesen Jahren An der Heidenpforte bestätigen die Gründung des Dorfes im unteren Tal des Eichelbaches 630 n. Chr. Das fränkische Dorf scheidet durch königliche Schenkung aus dem Reichsgut und gelangt in den Besitz des Bistums Köln Anfang 8. Jahrh. Der Kölner Erzbischof schenkt dem neu entstandenen St. Gereons-Stift seinen Nackenheimer Besitz 772 n. Chr. Erste urkundliche Erwähnung zwischen Oktober 771 und Oktober 772 mit einer Schenkung von Teudald und seiner Gemahlin Runtrud über vier Weinberge in Nackenheim an das Kloster Lorsch, (Urkunde 1448). 1024 n. Chr. Wahl Kaiser Konrads II. auf dem Königsstuhl 1100 n. Chr. Sunsweiler und Albisheim sind – später untergegangene – Weiler in der Nakheimer Mark. 1258 n. Chr. „Nachenn“ geht vom Kölner St.-Gereons-Stift an das Mainzer St.-Stephans-Stift über 14. bis 16. Jahrh. Aus dem ortsansässigen Rittergeschlecht von Nackheim gingen bedeutende Priester hervor (Godefried von Nacknheim, Vikar von St. Stephan, Herbord von Nackheim, Kantor des Deutschen Ordens in Mainz) 1615 Nackenheim wird dem Mainzer Kurfürsten unterstellt 1714 In einem Vertrag zwischen Kurmainz und Kurpfalz wird der Verlauf der Mainzer Staatsgrenze südlich von Nackenheim festgelegt. In Nackenheim gibt es eine Zollstation. (Das Zollhaus auf dem Prof. Pierplatz stand bis 1938) 1792/1793 Die Bevölkerung leistet in der Nackenheimer Revolution den französischen Bürgereid 1816 Nackenheim kommt an das Großherzogtum Hessen. Die zwölf rechtsrheinischen Auen gehen verloren

Der Name Nackenheim Die Herkunft des Namens Nackenheim ist ungeklärt. Einer Theorie zufolge soll der Name von einem Häuptling mit dem Namen Nacho abgeleitet worden sein, also „Heim des Nacho“ bedeuten. Eine andere Hypothese besagt, dass der Name von der Lage Nackenheims im „Nacken des Berges“ abzuleiten ist. Beide Theorien sind bislang unbestätigt.

Einwohnerstatistik Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Nackenheim; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten.

mini|400px|Einwohnerentwicklung von Nackenheim von 1815 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle

Jahr Einwohner 1815 826 1835 1.580 1871 1.295 1905 1.669 1939 2.215 1950 2.627 1961 2.759 1970 3.218 Jahr Einwohner 1987 3.891 1997 4.928 2005 5.024 2017 5.760 2022 5.686 2024 5.358

Konfessionsstatistik Mit Stand 30. Juni 2005 waren von den Einwohnern 51,4 % katholisch, 22,6 % evangelisch und 24,0 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik – Nackenheim Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Mit Stand September 2025 hatten 35,1 % der Einwohner die katholische Konfession, 15,4 % die evangelische. 49,5 % gehörten entweder einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Gemeindestatistik, abgerufen am 14. Oktober 2025

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Nackenheim besteht aus 22 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzender.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FDP FWG Gesamt 2024 4 5 – 13 22 Sitze 2019 3 9 2 8 22 SitzeWahlergebnis Gemeinderat Nackenheim 2019 2014 7 9 1 5 22 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen 2009 8 9 1 4 22 Sitze 2004 8 10 0 4 22 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Nackenheim e. V.

Bürgermeister Ortsbürgermeister von Nackenheim ist René Adler (FWG). Bei der Stichwahl am 16. Juni 2019 konnte er sich mit einem Stimmenanteil von 56,0 % gegen die bisherige Amtsinhaberin Margit Grub (CDU) durchsetzen. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 wurde er ohne Gegenkandidat mit einem Stimmenanteil von 90,2 % für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.

Folgende Personen waren ab 1948Altbürgermeister, nackenheim.de, abgerufen am 31. März 2020 Ortsbürgermeister:

Paul Lenz, 1948 – 1957 Richard Bauer, 1957 – 1968 Günter Ollig (SPDAmtsblatt Sonderausgabe 40 Jahre VG Bodenheim, Seite 8), 1968 – 1974 Wilhelm Wöll (CDUAmtsblatt Sonderausgabe 40 Jahre VG Bodenheim, Seite 8), 1974 – 1979 Günter Ollig (SPD), 1979 – 1994 Bardo Kraus (CDUBardo Kraus auf der Seite der CDU Nackenheim), 1994 – 2009 Heinz Hassemer (CDUHeinz Hassemer auf der Seite der CDU Nackenheim), 2009 – 2014 Margit Grub (CDU), 2014 – 2019 René Adler (FWG), seit 2019

Wappen

Gemeindepartnerschaft Französische Partnergemeinde ist Pommard, Département Côte-d’Or, Region Bourgogne-Franche-Comté; sie ist regelmäßig mit einem Weinstand auf dem jährlichen Weinfest vertreten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

mini|Das Rathaus, ein spätbarocker Walmdachbau Bauwerke Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Nackenheim

Rathaus Das Rathaus von Nackenheim stammt von 1751. Der spätbarocke Krüppelwalmdachbau gilt als eines der schönsten Fachwerkhäuser in Rheinhessen. An der Fassade befindet sich eine Büste des aus Nackenheim stammenden Schriftstellers Carl Zuckmayer (1896–1977).

Pfarrkirche St. Gereon mini|Pfarrkirche St. Gereon Die katholische Pfarrkirche St. Gereon prägt das Ortsbild; sie wurde von 1716 bis 1731 erbaut und 1901 nach Westen erweitert. Der Glockenturm stammt von 1911. Im Innern sind der Hochaltar aus dem Mainzer Dom von 1697, die von Nikolaus Binterim geschnitzten Figuren von 1770, das Orgelgehäuse von 1739 und die einzigen Seccowandmalereien aus dem 18. Jh. im Bistum Mainz erwähnenswert.

Weitere Bauwerke mini|Zehnthof des Mainzer St. Stephansstifts Der Zehnthof des Mainzer St. Stephansstifts wurde um 1710 erbaut. Der stattliche barocke Krüppelwalmdachbau in der Langgasse 3 wurde teilweise mit Fachwerk errichtet und ist straßenbildprägend. Direkt daneben befindet sich der Hof des Mainzer Reichklaraklosters, ein barockes Fachwerkhaus, das ebenfalls aus dem frühen 18. Jahrhundert stammt. Die Bergkapelle wurde um 1616 südlich des Ortes als Wegekapelle inmitten der Weinberge erbaut, aber in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts komplett neugestaltet.

Sport Die Turn- und Sportgemeinde 1906 (TuS 06) Nackenheim ist der größte Sportverein in Nackenheim und bietet eine breite Auswahl an sportlichen Aktivitäten an. Der 1. FC Nackenheim (1. FCN) ist der örtliche Fußballverein, der 1953 gegründet wurde. Der Ringerverein SV Alemania 1912, wurde ursprünglich als Fußballverein gegründet.

Regelmäßige Veranstaltungen Fastnachtssitzungen des Carneval-Verein Entenbrüder und der Katholischen Jugend Nackenheim. Am Fastnachtsdienstag Umzug durch die Ortsstraßen Prozession mit Johannisfeuer am Rhein zu Ehren von Johannes Nepomuk Rothenberglauf der TuS 06 Nackenheim im April (vor dem Gutenberg-Halbmarathon in Mainz) Wandertag der TuS 06 Nackenheim im April Pfarrfest an Fronleichnam Bürgerfest am 1. Sonntag im Juni, auf dem Marktplatz (seit 2023) Tag der offenen Tür der Freiwilligen Feuerwehr am letzten Wochenende im Juni Inselfest der DLRG Ortsgruppe-Nackenheim e. V. am vorletzten Wochenende im Juli Weinfest am letzten Wochenende im Juli Kirchweihfest am vierten Sonntag im September Freilicht-Theateraufführungen der Carl-Zuckmayer-Gesellschaft im Sommer Backfischfest des Angelsportvereins am idyllischen Angelweiher Stiftungsfest der TuS 06 Nackenheim am ersten Adventssonntag Adventsmarkt am zweiten Adventswochenende

mini|Weingut Gunderloch

Wirtschaft und Infrastruktur Weinbau Das Weingut Gunderloch ist Mitglied des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter (VDP).

mini|Das Gymnasium Nackenheim Bildung Carl-Zuckmayer-Grundschule Janusz-Korczak-Regionalschule (bis 2008) Gymnasium Nackenheim (seit 2008)http://w.gymnasium-nackenheim.de/ gymnasium-nackenheim.de

mini|Der Nackenheimer Bahnhof an der Bahnstrecke Mainz–Mannheim Verkehr 14 km südlich von Mainz, die Bundesstraße 9 führt vierspurig zur A 60 (Anschlussstelle Mainz-Laubenheim); die A 60 ist Teil des Mainzer Autobahnrings Nackenheim liegt an der Bahnstrecke Mainz–Mannheim. Am Bahnhof Nackenheim halten halbstündlich, in Schwachverkehrszeiten stündlich, S-Bahnen der Linie S 6 der S-Bahn RheinNeckar; sie fahren die Richtung Süden nach Worms, Mannheim sowie teilweise Bensheim und Richtung Norden nach Mainz. Zusätzlich fährt seit 2022 die Buslinie 69, betrieben durch die Mainzer Mobilität und die KRN montags bis samstags (sowie zusätzlich bei diversen Dorffesten auch sonn- und feiertags) als in beiden Richtungen befahrener Ring durch die VG Bodenheim. Somit besteht stündlich eine Verbindung von der Langen Ruthe in Bodenheim über Lörzweiler, Harxheim und Hechtsheim bis zur Mainzer Innenstadt bzw. stündlich eine Verbindung über Bodenheim/Lange Ruthe, Gau-Bischofsheim und Hechtsheim in die Mainzer Innenstadt. Des Weiteren werden durch die KRN die Schullinien 662 (Oppenheim – Nierstein – Schwabsburg – Mommenheim – Lörzweiler – Harxheim – Gau-Bischofsheim – Nackenheim/Gymnasium) und 667 betrieben. Letztere verbindet die Gemeinden der VG Bodenheim sowie Mommenheim, Selzen, Hahnheim, Zornheim und Sörgenloch mit dem Nieder-Olmer Schulzentrum. Es gibt etliche Bootsstege am Rheinufer, ein Anlanden von Passagierschiffen ist nicht möglich. Radwege verbinden Nackenheim mit Bodenheim, Mainz, Nierstein und Lörzweiler. Der internationale Rheinradweg (Andermatt – Rotterdam) führt durch den Ort.

mini|Der fröhliche Weinberg in Nackenheim

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

mini|Erinnerung an Carl Zuckmayer Carl Zuckmayer (1896–1977), Schriftsteller. In seinem Stück Der fröhliche Weinberg hat er seiner Heimat ein bleibendes Denkmal gesetzt. Eine Büste am Eingang der Ortsverwaltung erinnert noch heute an ihn. Eduard Zuckmayer (1890–1972), Musikpädagoge, Komponist und Pianist Matthias Pier (1882–1965), Chemiker vor allem auf den Gebieten der Kohlehydrierung Regine Usinger (* 1958), später Usinger-Frank, Deutsche Weinkönigin 1980/1981 Ansbert Herdt (* 1966), Gründer des Herdt-Verlags Robin Maximilian Mayer Rumbombe (* 1990), Partyschlagersänger

Persönlichkeiten, die am Ort gewirkt haben