mini|285px|Burg Stolberg ab Finkenberggasse

Stolberg (Rheinland) [], amtlich Kupferstadt Stolberg (Rhld.), ist als Große Mittelstadt ein Mittelzentrum und eine regionsangehörige Stadt in der nordrhein-westfälischen Städteregion Aachen. Der Name der Stadt stammt von der inmitten der Stolberger Altstadt gelegenen Burg Stolberg, bei der die Ursprünge des Ortes liegen und die das Wahrzeichen der Stadt ist. Stolbergs Beiname Kupferstadt und Älteste Messingstadt der Welt – Kupferstadt ist seit dem 24. Juli 2012 auch offizieller Titel von StolbergStatistisches Bundesamt – Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2012 – weisen auf die lange Tradition seiner metallverarbeitenden Industrie, die der Stadt wirtschaftlichen Aufschwung, aber auch Altlasten brachte. Neben der Altstadt sind die Galmeiflora und die zahlreichen Kupferhöfe und Reitwerke sehenswert.

Geografie Lage und Nachbargemeinden Stolberg liegt geografisch im Vennvorland in einem vom Vichtbach durchflossenen Tal in der Nähe des Dreiländerecks Deutschland-Belgien-Niederlande bei Aachen.

Die Talsohle des Vichtbachs ist zwischen Hammerberg und Bauschenberg nur 300 m breit, zwischen dem Donnerberg, einer 287 m hohen Anhöhe zwischen Stolberg und dem Eschweiler Stadtwald sowie Burgstüttgen gar nur 250 m. Von der Talsohle, die 180 bis 200 m hoch liegt, beträgt der Anstieg bis zu den Höhenstadtteilen Donnerberg im Osten und Münsterbusch im Westen rund 90 m. Die höchsten Erhebungen über 300 m sind der Hedchensknepp (bei Zweifall, 335 m), der Burgberg (bei Vicht, 333 m) und der Große Kranzberg (bei Vicht, 300 m).

Aufschlüsselung der Fläche Gesamtfläche 9831 ha, davon: Landwirtschaftlich genutzte Flächen 2622 ha Waldflächen 4822 ha Wasserflächen 130 ha Gebäude- und Freiflächen 1404 ha Verkehrsflächen 414 ha Flächen anderer Nutzung 439 ha Größte Nord-Süd-Ausdehnung 13,35 km Größte Ost-West-Ausdehnung 13,50 km Höchster Punkt 483 m (Stadtgrenze Stadt Stolberg – Gemeinde Hürtgenwald bis Raffelsbrand) Tiefster Punkt 160 m (Kläranlage Steinfurt)

Nach Simmerath und Aachen ist Stolberg die flächenmäßig drittgrößte Gemeinde der Städteregion Aachen.

Gewässer mini|hochkant|Vichtbach in Oberstolberg

Die bedeutendsten Fließgewässer Stolbergs sind der Vichtbach und die Inde. Der Vichtbach durchfließt das Stadtgebiet von Süden nach Norden und mündet beim Stadtteil Steinfurt-Velau in die Inde. Die Inde umfließt nach dem Eintritt auf das Stadtgebiet hinter Aachen-Freund den Stolberger Stadtteil Münsterbusch, fließt durch die Stadtteile Kohlbusch und Hamm und gelangt bei der Steinfurter Kläranlage auf Eschweiler Stadtgebiet. Sie heißt ausschließlich im Stolberger Volksmund auch Münsterbach, da die von ihr durchflossenen Gebiete zum nach der Reichsabtei Kornelimünster benannten Münsterländchen gehörten. Weitere Fließgewässer sind der Omerbach, der durch Gressenich fließt, der stark belastete Saubach bei Steinfurt, und der Mausbach aus dem Ort Mausbach und der Wehebach, der nach seinem Austritt aus der gleichnamigen Talsperre durch Schevenhütte fließt. Die Wehebachtalsperre, deren Staumauer sich auf Stolberger Gebiet befindet, bildet das größte Standgewässer. Daneben gibt es noch künstliche Teiche am Vichtbach aus der Zeit der frühneuzeitlichen Metallverarbeitung.

Geologie Stolberg liegt am Rande des Rheinischen Schiefergebirges in der Niederrheinischen bzw. Kölner Bucht, einem von drei Haupterdbebengebieten in Deutschland. Das Stadtgebiet bietet von Südosten nach Nordwesten einen Aufriss durch die Erdgeschichte vom Tonschiefer des Kambrium über die „bunten Schiefern“ aus dem Unterdevon, den Massenkalk und Dolomit von der Wende vom Mittel- zum Oberdevon bis zum Famenne-Schiefer und Condroz-Sandstein vom Ende des Devons, die dreimal aufgrund einer Faltung mit den mächtigen Kohlenkalk-Steinbänken wechseln, die im Unter-Karbon angelegt wurden. Die letzte Schicht bilden die Oberen und Unteren Stolberger Schichten, die im Ober-Karbon entstanden und sich von Münsterbusch über Oberstolberg bis zum Donnerberg erstrecken.Helmut Schreiber: Die Kalkindustrie, in: Die metallverarbeitende Industrie in Stolberg, Bericht des Heimat- und Geschichtsvereins Stolberg e. V., Kap. 9

Biotope und Naturschutz mini|Naturschutzgebiet an der Mausbachquelle

Eine Verordnung des damaligen Kreises Aachen als Untere Naturschutzbehörde vom 8. November 1973 schützt 19 Naturdenkmäler: der Schleicher-Park am Fettberg, die renaturierte Halde Schlossberg, der Friedhof Bergstraße, die renaturierten Steinbrüche Obersteinfeld und Gehlen sowie die Waldfläche, die über die Hälfte der Fläche Stolbergs ausmacht, und die Wehebachtalsperre. 80 % des Freiraums stehen unter Landschafts- oder Naturschutz; die Hälfte des Stadtgebiets ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen wie z. B. das Naturschutzgebiet Schomet und, als größten Teil, das Vennvorland als Teil des Naturparks Nordeifel. Viele Arten stehen auf der „Roten Liste“. 1979 gab es mit der Werther Heide das erste Naturschutzgebiet in Stolberg, zehn Jahre später bereits sechs geschützte Landschaftsbestandteile (gLB) und 14 Naturschutzgebiete (NSG).

Die beiden wichtigsten Pedobiome sind erstens die Galmeiflora als Teil einer eiszeitlichen alpinen Reliktflora mit dem Informationszentrum Schlangenberg in Breinig, zweitens Kalkgebiete mit Orchideenarten und drittens Feuchtgebiete: Saubach, Lehmsief bei Steinbachshochwald, Inde an der Grenze zur Stadt Eschweiler, Wehebachtäler und Leyberg an der Grenze zur Gemeinde Hürtgenwald, Gedautal und Tatternsteine. Weitere Naturschutzgebiete sind ein Heidegebiet in Münsterbusch im Stolberger Norden und ehemalige Steinbrüche: Schomet, Auf der Rüst, Bärenstein, Brockenberg, Binsfeldhammer/Bernhardshammer und Obersteinfeld – teilweise mit Fossilien, sowie der Steinbruch Schevenhütte.

Stolbergs frühe Industrialisierung brachte Belastungen der Menschen in Stadt und Umgebung der durch Schwefelsäure, Schlacke und Schwermetalle (wie Cadmium, Zink und Blei) mit sich. Ein Hauptbelaster für Schwermetallemissionen war die Bleihütte Binsfeldhammer. Obwohl Abgaselektrofilter und weitere Maßnahmen eingebaut wurden, kam es immer wieder zu erhöhten und gesundheitsgefährdenden Schwermetallniederschlägen, die sich in den speziell Stolberger Krankheiten und Phänomenen der Bleikinder bei Menschen und der Gressenicher Krankheit bei Tieren manifestierten. 1965 wurden Fälle der Gressenicher Krankheit aus Diepenlinchen, Gressenich und Oberstolberg offiziell bekannt. Im Sommer 1982 lag der Blei- und Cadmiumgehalt im Blut Stolberger Kinder bei einem Maximalwert von 38,5 µg Pb / 100 ml Blut, im Jahre 1990 betrug er dann 15,5 µg Pb / 100 ml Blut.

Sanierte Halden Im Zuge des Umweltschutzprogramms wurden zahlreiche Halden als sekundäre Schwermetallemittenten saniert und dienen renaturiert der Naherholung oder rekultiviert als Gewerbefläche. Ein großer Teil der Erzbergbauhalde Diepenlinchen wurde als Gewerbefläche hergerichtet, die Mülldeponie, die sich auf einem anderen Teil befand, rekultiviert. Auf ungenutzten Teilen bildet sich natürlicher Bewuchs. Gegenüber der Halde Diepenlinchen liegt die Halde Weißenberg, die aus Flotationsrückständen der Erzanreicherung besteht. Ihre Hänge wurden in den 1970er Jahren gesichert, ihre Fläche übererdet und sämtliche Lücken des natürlichen Bewuchses geschlossen. Außerdem wurden Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers getroffen.

Um 1970 wurde die Halde Schlossberg rekultiviert, deren Material von den Blei- und Zinkhütten in Münsterbusch stammte. Die Räumaschenhalden Kohlbusch Süd und Nord wurden zum Zwecke der Weiterverwertung abgebaut und danach bepflanzt. Die Bleischlackenhalde Münsterbusch, deren Material größtenteils für den Deichbau in den Niederlanden Verwendung fand, wurde durch das Aufbringen von Bodenmassen und Begrünung rekultiviert und dient seither als Grünanlage mit einem Bolz- und Spielplatz. Die Räumaschenhalde Birkengang, bekannt durch die in ihrer Mitte gelegene und im Volksmund Teufelsinsel genannte Werkssiedlung Birkengang wurde 1980 von der Stadt Stolberg von der Stolberger Zink AG erworben und 1987 bis 1992 für 2.280.000 DM durch Planierung, Abdeckung mit Erdreich, Bepflanzung und Ableitung des Sickerwassers rekultiviert. Die Bleischlackenhalde Binsfeldhammer ist noch heute in Betrieb.

Durch Umleitung des Sickerwassers, das die angrenzenden Fließgewässer Inde und Saubach belastet, in die Kläranlage Steinfurt sollen der so genannte Vegla-Polder und die aus Calciumsulfid, Asche, Kalk- und Steinkohleresten bestehende Reststoffhalde der Sodaproduktion nach dem Leblanc-Verfahren neben dem Betriebsgelände der ehemaligen Chemischen Fabrik Rhenania AG bzw. Kali Chemie in der Atsch saniert werden.

Die Zink- und Bleiwerte im Stolberger Trinkwasser entsprachen meist den Vorschriften der Trinkwasserverordnung, wohingegen der Cadmium-Grenzwert bei Untersuchungen im Jahre einige Male überschritten wurde. Nach dem Umbau der Wasseraufbereitungsanlagen sanken die Zink- und Cadmiumwerte unter die Grenze der Trinkwasserverordnung. Zwischen 1974 und 1981 sank dank erheblicher Reduktionen des Hauptemittenten Stolberger Metallwerke die Feststoffemission von 386.851 kg/a um 87 Prozent auf 57.689, die Zinkemission von 215.130 kg/a um 95 Prozent auf 10.769 kg/a. Die Bleiemission ging von 33.087 kg/a um 44 Prozent auf 18.456 kg/a zurück. Seit 1991 findet in der Bleihütte Binsfeldhammer, die 1983 noch für 99,6 Prozent der Bleiemissionen und 91,2 Prozent der Cadmiumemissionen verantwortlich war, das emissionsarme QSL-Verfahren Anwendung. 1990 wurde eine von der Stadt Stolberg und dem Kreisgesundheitsamt Aachen in Eschweiler in Auftrag gegebene umweltmedizinisch-epidemiologische Studie zur Schwermetallbelastung der Bevölkerung vorgestellt, die zu dem Ergebnis gelangte, dass eine weitere Beobachtung nicht mehr erforderlich sei.

Lehr- und Trimmpfade, Rad- und Reitwege Es gibt einen Waldlehrpfad im Solchbachtal bei Zweifall, den Naturlehrpfad Roggenläger zwischen Zweifall und Breinig und einen Lehrpfad über die Kalkbrennerei im renaturierten Steinbruch Gehlen. Das Rundwanderwegenetz umfasst über 200 km. Hinzu kommen Radwege und Trimmpfade sowie über 60 km Reitwege.

Klima Stolberg liegt in der kühl gemäßigten bis ozeanischen Klimazone, in der außerhalb des Vichttales feuchte Winde aus westlichen und südwestlichen Richtungen von der Nordsee vorherrschen. Hier fallen zu allen Jahreszeiten Niederschläge. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt 862 mm jährlich.Klima Stolberg. Auf de.Clima-Data.org, abgerufen am 20. Oktober 2019. Die Winter sind vergleichsweise mild und die Sommer verhältnismäßig kühl. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 9,6 °C. In Stolberg gibt es eine größere Häufigkeit von Nordost-, Ost- und vor allem Südostwinden. Letztere sind am Südosteingang des Stolberger Talraums besonders häufig. Als weitere Besonderheit ist die Windgeschwindigkeit im Stolberger Tal stark verlangsamt. Sie beträgt im Durchschnitt im Zentrum nur 0,7 m/s und in Stolberg-Süd 1,2 m/s gegenüber 2,8 m/s in Aachen. Im Unterlauf des engen Vichttals kann es deshalb im Sommer zu einer drückenden Schwüle kommen, während die Wintertemperaturen im eifelnäheren Süden tiefer liegen. Mehrgeschossige Bebauung führt im Vichtbachtal dazu, dass sich gerade im Bereich der Innenstadt bei austauscharmen Wetterlagen ein Kaltluftsee bildet, der Emissionen festhält. Die Höhen und die Stadtränder sind dagegen gut durchlüftet.

Stadtgliederung Stolberg ist unterteilt in die 17 Stadtteile Atsch, Breinig, Breinigerberg, Büsbach, Donnerberg, Dorff, Gressenich, Mausbach, Münsterbusch, Oberstolberg, Schevenhütte, Unterstolberg, Venwegen, Vicht, Vicht-Breinigerberg, Werth und Zweifall.