mini|300px|Die Kaufbeurer Altstadt vom Fünfknopfturm aus

Kaufbeuren (mittelalterlich: Buron) ist eine kreisfreie Stadt im bayerischen Allgäu. Die frühere Reichsstadt und heutige Mittelstadt ist mit Einwohnern die viertgrößte Stadt im Regierungsbezirk Schwaben. Kaufbeuren ist vollständig vom Landkreis Ostallgäu umgeben und liegt etwa in der Mitte zwischen München und Lindau. Im Jahre 2013 wurde die Stadt zum Oberzentrum aufgestuft. Kaufbeuren nennt sich aufgrund seiner Randlage zum Allgäu auch Tor ins Allgäu. Seit 2019 ist Kaufbeuren Hochschulstadt. Kaufbeuren ist Verwaltungssitz der Planungsregion Allgäu und befindet sich außerdem innerhalb der Metropolregion München. Der wirtschaftliche Einzugsbereich Kaufbeurens hat rund 140.000 Einwohner.

Geografie mini|Kaufbeuren von oben Die Stadt liegt in einem Moränental am Fluss Wertach und gliedert sich in die zwei großen, räumlich getrennten Quartiere Kaufbeuren-Altstadt und Kaufbeuren-Neugablonz sowie einige eingemeindete Dörfer der Umgebung. Neugablonz ist eine typische bayerische Vertriebenenstadt, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf einem ringsum von Wald umgebenen Gelände einer ehemaligen Munitionsanstalt der Dynamit-AG entstanden ist.

Zur Stadt Kaufbeuren gehören die neun amtlich benannten Ortsteile Kaufbeuren (Alt- u. Kernstadt) (ca. 25.700 Einwohner) und Kaufbeuren-Neugablonz (ca. 14.400 Einwohner), Oberbeuren (ca. 3.800 Einwohner), Hirschzell (ca. 2.100 Einwohner), Kleinkemnat (ca. 500 Einwohner mit Großkemnat und Ölmühlhang), Großkemnat, Märzisried, Ölmühlhang und Sankt Cosmas.Gemeindeteiledatei Abschnitt Schwaben Die ehemals eigenständigen Dörfer Oberbeuren, Hirschzell, Kleinkemnat, Großkemnat haben sich ihren dörflichen Charakter bewahren können.

Wenige Kilometer nordwestlich von Kaufbeuren liegt Irsee mit dem bekannten Tagungs- und Bildungszentrum Kloster Irsee.

Geschichte Anfänge der Ansiedlung Archäologische Funde belegen Siedlungsaktivitäten in der Region Kaufbeuren in fast allen Epochen ab der Jungsteinzeit. In und um die Stadt finden sich hallstattzeitliche Grabhügel, auf der Vorderen Märzenburg liegen Reste einer bronzezeitlichen Siedlung. Ferner gibt es nahe der Stadt bei Frankenhofen eine keltische Viereckschanze.Vgl. Helmut Lausser: Die urbane Formung. Vor- und Frühgeschichte Kaufbeurens. In: Stefan Fischer, Jürgen Kraus (Hg.): Die Stadt Kaufbeuren I. Geschichte und Gegenwart. Thalhofen 1999, S. 11 f. Mit dem Auftreten der Römer ab 15 v. Chr. wurde die Region erstmals staatlich erfasst und administrativ erschlossen. Ab Ende des 5. Jahrhunderts ließen sich Alamannen in der Region, die die Römer 401 n. Chr. verlassen hatten und nun den Ostgoten unterstand, nieder.Vgl. Lausser 1999, S. 12. Raumpolitisch bedeutsam wurde Kaufbeuren erst nach der endgültigen Unterwerfung der Alamannen durch die Franken unter Karl Martell und Pippin dem Jüngeren 730 bzw. 746.Vgl. Marcus Simm: Des Königs Stadt zu Buron. Kaufbeuren – Eine stadtarchäologische Studie zu Genese, früher Entwicklung und Topographie. Thalhofen 2012, S. 41. Ausgang der Kaufbeurer Siedlung war vermutlich ein fränkisch-karolingischer Reichshof, der Mitte des 8. Jahrhunderts in der Oberbeurer Urmark gegründet wurde. Der Hof diente als Verwaltungssitz zur Kolonialisierung des Umlandes und aufgrund der Nähe zum Lech, der die Grenze zum bayrischen Herzogtum markierte, als militärisches Rückzugsgebiet.Vgl. Lausser 1999: 15 ff.

Hochmittelalter mini|hochkant|Wehrgang der Stadtmauer zwischen Fünfknopfturm und Blasiuskirche Ab 1112 ist das Adelsgeschlecht der Freiherren von Buron/Beuren, aus Stoffen-Oberbergen bei Kaufering stammende Vasallen der Welfen, schriftlich belegt, die den Hof wohl schon seit Ende des 11. Jahrhunderts als erblichen Lehenbesitz innehatten. Nach deren Aussterben im Mannesstamm mit dem Tod Heinrichs des Jüngeren von Buron 1167 brachte Herzog Welf VI. den Ort an sich, da Heinrichs Schwester Liutgard beabsichtigte, das Familienerbe dem Kloster Ottobeuren zuzuwenden. Nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes schloss Welf einen Erbvertrag mit seinem Neffen, dem Stauferkaiser Friedrich Barbarossa, womit der Beurer Besitz nach seinem Tod 1191 an die Staufer fiel.Vgl. Simm 2012: 42 f.Vgl. Lausser 1999: 19 ff.

Reichsstadt und Mediatisierung Am 3. Februar 1286 wurde die Stadt vom römisch-deutschen König Rudolf I. von Habsburg als Reichsstadt privilegiert. Im Jahre 1327 erhielt Vils in Tirol durch Ludwig IV. das Stadtrecht nach dem Recht von Kaufbeuren. 1377 wurde die Stadt Kaufbeuren vom Herzog Friedrich von Teck und 1388 von den bayerischen Herzögen vergebens belagert. In den Jahren 1482/84, 1521 und 1627/29 wütete die Pest in Kaufbeuren; bei der letzten und schwersten Epidemie verlor die Stadt rund zwei Drittel ihrer Bevölkerung.Vgl. Annemarie Berning: Die Pest in Kaufbeuren. In: Kaufbeurer Geschichtsblätter 1987/11, S. 107 f.

Die Stadt Kaufbeuren, ab 1500 Mitglied im Schwäbischen Reichskreis, verlor 1802 mit dem Reichsdeputationshauptschluss den Status einer Reichsstadt und fiel an das Kurfürstentum Bayern, das ab 1806 zum Königreich Bayern wurde.

1863 ging das Gaswerk Kaufbeuren in Betrieb. Bis 1953 diente es zur Erzeugung von Stadtgas aus Steinkohle.Das Gaswerk Kaufbeuren auf der Website der Gaswerksfreunde Augsburg

Weimarer Republik und Nationalsozialismus Bis 1935 war Kaufbeuren eine sich selbst verwaltende Stadt. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde 1939 in einem nordöstlich von Kaufbeuren gelegenen Waldgebiet eine Munitionsfabrik der Dynamit AG, vormals Alfred Nobel u. Co, aufgebaut. Dort wurden Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge aus dem nahegelegenen KZ-Außenlager Riederloh in Steinholz bei Mauerstetten, einer Außenstelle des KZ Dachau, eingesetzt.

Zwischen Mai 1944 und April 1945 bestand auf dem Gelände einer ehemaligen Baumwollspinnerei ein KZ-Außenlager, das ebenfalls zum KZ Dachau gehörte bzw. dem KZ-Außenlager Allach unterstellt war. Hier waren zwischen 300 und 600 Häftlinge untergebracht, die für die Firma BMW in Zwangsarbeit Ersatzteile für Rüstungsgüter herstellen mussten. mini|Haus in Oberbeuren

Aus der sogenannten Heil- und Pflegeanstalt, dem heutigen Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren, wurden während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft unter der Leitung ihres Direktors Valentin Faltlhauser etwa 2000 psychisch kranke Kinder, Frauen und Männer in der „Euthanasie“-Tötungs-Aktion T4 nach Hadamar, Grafeneck und Hartheim deportiert. An diese Opfer erinnert seit 1989 ein Gedenkstein hinter der Klosterkirche der Anstalt.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 152 f.

→ Siehe auch weitere Hinweise zur Heil- u. Pflegeanstalt (1939–1945) im Hauptartikel: Aktion T4

Am 25. Februar 1945 wurde Kaufbeuren durch 13 Boeing-B-17-Bomber bombardiert. Die Stadt überstand den Zweiten Weltkrieg fast ohne Schäden – geplante Bomberangriffe auf die Munitionsfabrik fielen auf Nebeltage. Nur an den Bahnanlagen am Grafensteigle wurden einzelne Einfamilienhäuser durch Bombentreffer beschädigt. Der NSDAP-Bürgermeister Karl Deinhardt übergab die Stadt am 27. April 1945 kampflos den einrückenden Amerikanern, die Stadt und Flughafengelände besetzten und die Munitionsfabrik Dynamit Nobel vor den Toren der Stadt sprengten.

Nachkriegszeit und jüngste Vergangenheit Ab Frühjahr 1946 entstand auf den Trümmern des Rüstungsbetriebs der Dynamit AG der heutige Stadtteil Neugablonz, gegründet von sudetendeutschen Vertriebenen aus Gablonz an der Neiße. Maßgeblich beteiligt an der Ansiedlung der Vertriebenen waren der von den Amerikanern wieder eingesetzte Vorkriegs-Bürgermeister Georg Volkhardt, der Landrat Georg Stang sowie der als „Vater von Neugablonz“ bekannt gewordene Ingenieur Erich Huschka. Die Vertriebenen wurden zunächst im Lager Riederloh untergebracht, ehe ihnen Flächen auf dem Gelände der Munitionsfabrik zugewiesen wurden.Heinz R. Schmidt: Kaufbeuren – Aufbruch und Wandel. Kaufbeuren wurde damit eine der bayerischen Vertriebenenstädten.

Seit dem 1. Januar 1948 ist die Stadt wieder kreisfrei. Eine vom Stadtrat bereits beschlossene Eingliederung in den im Zuge der Gebietsreform in Bayern entstandenen Landkreis Ostallgäu wurde vom damaligen Bürgermeister Rudolf Krause blockiert. In einem Bürgerbegehren sprachen sich 68 Prozent der Wähler für die Kreisfreiheit aus.

1960 brannte das Rathaus Kaufbeuren.

Großbrand der Rosenbrauerei Kaufbeuren Am Donnerstag, den 2. Juni 2022 kam es zu einem Großbrand auf dem Gelände der Rosenbrauerei auf dem Brauereiberg in Kaufbeuren. Die Flammen zerstörten einen Großteil des leerstehenden, denkmalgeschützten Hauberrisserhauses sowie das Nebengebäude der Rosenbrauerei. Das Hauberrisserhaus war Sitz der ehemaligen Rosenbrauerei. Es wurde vom Architekten Georg Joseph von Hauberrisser geplant. Er plante auch das Rathaus Kaufbeuren sowie das neue Rathaus in München.

Am 23. September 2008 erhielt die Stadt die von der Bundesregierung verliehene Auszeichnung „Ort der Vielfalt“.

Eingemeindungen Am 1. Juli 1972 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Hirschzell und Oberbeuren eingegliedert. Kleinkemnat wurde am 30. Juni 1972, demnach einen Tag zuvor, nach Kaufbeuren eingemeindet.

Bevölkerung Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 39.192 auf 43.893 um 4.701 Einwohner bzw. um 12 %. mini|300px|Einwohnerentwicklung von Kaufbeuren, 1997–2021

Jahr Einwohner 1. Dezember 1840 5012 1. Dezember 1871 6199 1. Dezember 1900 9526 16. Juni 1925 10.540 17. Mai 1939 14.939 13. September 1950 22.252 6. Juni 1961 38.056 27. Mai 1970 43.059 25. Mai 1987 38.946 Jahr Einwohner 31. Dezember 2010 41.843 9. Mai 2011 41.550 31. Dezember 2015 42.731 31. Dezember 2020 44.662 31. Dezember 2025 48.231

Bevölkerungsstruktur mini|300px|Bevölkerungspyramide für Kaufbeuren (Datenquelle: Zensus 2011)

Mit Stand vom 31. Dezember 2018 leben 45.701 Personen in Kaufbeuren (auch Nebenwohnsitze einbezogen). Die Altersverteilung innerhalb der Bevölkerung sieht nach Stand 31. Dezember 2018 folgendermaßen aus.Zahlen, Daten, Fakten aus den Statistiken der Stadt Kaufbeuren (vom 31. Dezember 2018; PDF; 1.947 kB) unter 6 Jahre 6,20 %7–17 Jahre 9,76 %18–64 Jahre 62,75 %65–79 Jahre 14,21 %80 Jahre oder mehr 7,07 %

Der Frauenanteil liegt zum 31. Dezember 2018 mit 23.093 Frauen (50,53 %) über dem der Männer (22.608).

Der Anteil an Ausländern liegt bei etwa 15,55 %. Wie auch in anderen „Vertriebenenstädten“ fanden in dem von der Kaufbeurer Kernstadt getrennten Stadtteil Neugablonz viele Russlanddeutsche/Spätaussiedler aus den ehemaligen UdSSR-Staaten wie einst Sudetendeutsche und andere Aussiedler-Gruppen ihre Heimat.

Am 13. September 1950 wurde die Anzahl der Flüchtlinge und Heimatvertrieben auf 7211 beziffert. Diese stieg bis 1965 auf 17695 Heimatvertriebene an.

Religionen Im Zuge der Reformation war Kaufbeuren eine evangelische Reichsstadt geworden. Bürgermeister Ludwig Bonrieder (1512–1589) unterzeichnete 1579 für den Rat der Stadt die lutherische Konkordienformel von 1577.Vgl. BSLK, S. 766; vgl. S. 17. Dieses Ereignis findet Ausdruck in einer starken evangelischen Bevölkerung (Evangelisches Hauptpfarramt in der Innenstadt; seit 1955 eigenes Pfarramt im Stadtteil Neugablonz) (Siehe auch: Evangelisches Kirchenarchiv Kaufbeuren). Mit 33 % der Gesamtbevölkerung (Stand 2025) gehört die Mehrheit der Christen Kaufbeurens heute jedoch der römisch-katholischen Kirche an.

Darüber hinaus sind folgende Freikirchen und kirchliche Gemeinschaften ansässig: Adventisten, Alt-Katholiken, Evangelisch-Freikirchliche, Freie evangelische, eine russischsprachige Baptistengemeinde sowie die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und die Neuapostolische Kirche.