Slayer (engl. ‚Mörder‘ oder ‚Schlächter‘) ist eine US-amerikanische Thrash-Metal-Band aus Huntington Park in Kalifornien. Sie wird zusammen mit Metallica, Megadeth und Anthrax zu den „Big Four“ des Thrash Metal gezählt. Slayer veröffentlichten bislang zwölf Studioalben (vier davon erreichten in den USA Gold-Status), drei Live-Alben, ein Box-Set, sechs Musikvideos, zwei EPs und ein Cover-Album. Verschiedene Songtexte der Band sorgten in der Vergangenheit für Kontroversen, ihr Album Divine Intervention (1994) war in Deutschland 25 Jahre lang durch die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz indiziert.Bekanntmachung Nr. 11/2023 vom 2. November 2023, Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz, BAnz AT 27.11.2023 B5 2007 und 2008 erhielten Slayer einen Grammy in der Kategorie Best Metal Performance. Anfang 2018 gab die Band ihr Karriereende bekannt. Knappe fünf Jahre später, im September 2024, erfolgte das Comeback. Slayer spielen seitdem wenige Konzerte im Jahr, vornehmlich auf Festivals.
Geschichte Die frühen Jahre (1981–1985) mini|Tom Araya beim Gods of Metal 2008 Slayer wurde im Jahre 1981 von den beiden Gitarristen Kerry King und Jeff Hanneman gegründet. Vervollständigt wurde die Band durch den Schlagzeuger Dave Lombardo sowie durch den Sänger und Bassisten Tom Araya. Araya und King spielten zuvor bereits zusammen in der Band Quits. Zunächst spielte die Band Coverversionen von Iron Maiden und Judas Priest.
Bei einem Konzert im Vorprogramm von Bitch in Los Angeles befand sich Brian Slagel im Publikum. Slagel war ein ehemaliger Musikjournalist und hatte kurz zuvor die Plattenfirma Metal Blade Records gegründet. Vom Konzert beeindruckt bot Slagel Slayer einen Platz auf seiner Kompilation Metal Massacre III an. Slayer nahm hierfür das Lied Aggressive Perfector auf. Aufgrund der guten Reaktionen aus der Szene bot Slagel der Band schließlich einen Vertrag an.
Im November 1983 gingen Slayer ins Studio, um ihr Debüt Show No Mercy aufzunehmen. Da der Band kein Aufnahmebudget zur Verfügung gestellt wurde, musste sie die Kosten selbst tragen. Drei Wochen nach Beendigung der Aufnahmen wurde das Album veröffentlicht. Im Underground konnten sich Slayer mit dem Debüt einen Namen machen und wurden neben Venom und Metallica als Neuentdeckung in der extremen Metalszene gefeiert. Anfang 1984 ging die Band auf ihre erste US-Tournee. Im August 1984 schoben Slayer die EP Haunting the Chapel nach. Musikalisch fallen die drei Lieder darauf dunkler und härter als die Lieder auf dem Debütalbum aus. Damit legten Slayer den Grundstein für ihre spätere musikalische Ausrichtung.
Da Metal Blade zur damaligen Zeit noch kein weltweites Vertriebsnetz hatte, waren Slayer in Europa nur im Untergrund bekannt. Unter den Fans kursierten bei Konzerten mitgeschnittene Bootlegs. King verließ Slayer, um sich Dave Mustaines neuer Band Megadeth anzuschließen, kehrte allerdings bereits nach nur fünf Konzerten mit der Band wieder zurück. Für Slayer folgte die 1984 Combat Tour mit Venom und Exodus, bevor im November das Live-Minialbum Live Undead erschien. Dieses Album wurde in einem Studio vor einer Handvoll Fans aufgenommen und enthält sieben Lieder. Wenige Jahre später veröffentlichte eine Band namens The Undead ein Live-Album unter dem Namen Live Slayer.
Das Konzert in New York wurde aufgezeichnet und ein Jahr später unter dem Namen Combat Tour: The Ultimate Revenge auf Video veröffentlicht. Im Sommer 1985 spielten Slayer in Belgien ihr erstes Europakonzert. Show No Mercy hatte sich in der Zwischenzeit ca. 40.000 Mal in den USA verkauft und Slayer gingen erneut ins Studio, um ihr zweites Album Hell Awaits aufzunehmen. Wegen der guten Verkäufe stellte Metal Blade ein Budget zur Verfügung, so dass sie sich mit Ron Fair einen Produzenten leisten konnten. Hell Awaits erschien im September und setzte die auf Haunting the Chapel eingeschlagene Linie fort. Das Album enthielt längere und komplexere Lieder und gilt deshalb heute als das progressivste Werk der Band.
Internationaler Durchbruch (1986–1991) Durch die guten Verkaufszahlen von Hell Awaits erhielten Slayer ein Angebot von Rick Rubins neu gegründeter Plattenfirma Def Jam Records. Auch wenn Def Jam zu dieser Zeit in erster Linie Rap- und Hip-Hop-Künstler unter Vertrag hatte, akzeptierte die Band das Angebot. Nach den langen und komplexen Liedern auf dem Vorgängeralbum schrieben Slayer nun kürzere und schnellere Lieder für das kommende Album Reign in Blood, das Rubin selbst produzierte.
Def Jams Vertriebspartner Columbia Records lehnte die Veröffentlichung des Albums ab. Hauptgrund hierfür waren das Coverartwork und insbesondere der Text des Liedes Angel of Death. In diesem Lied geht es um die Menschenversuche des KZ-Arztes Josef Mengele. Schließlich wurde das Album am 7. Oktober 1986 von Geffen Records, die Slayer in der Zwischenzeit unter Vertrag genommen hatten, veröffentlicht. Es stieg auf Platz 94 der US-amerikanischen Albumcharts ein, entwickelte sich zum Longseller und wurde schließlich im November 1992 als erstes Slayeralbum mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet.
Im Oktober 1986 begann die Reign-in-Pain-Welttournee mit Overkill in den USA und Malice in Europa. Nach der Tournee folgte eine weitere Tour im Vorprogramm von W.A.S.P. Nach einem Monat stieg Dave Lombardo aus finanziellen Gründen vorerst aus der Band aus. Für den Rest der Tour saß Tony Scaglione von Whiplash hinter dem Schlagzeug. Slayer steuerten außerdem 1986 den Soundtrack zum Film River's Edge von Tim Hunter bei, der als bester Film die Independent Spirit Awards 1988 gewann.
1987 kehrte Lombardo wieder zurück. Slayer nahmen eine Coverversion des Iron-Butterfly-Liedes In-A-Gadda-Da-Vida für den Film Less Than Zero auf. Auch wenn die Band mit dem Ergebnis nicht zufrieden war, war diese Coverversion das erste Slayer-Lied, welches im Radio gespielt wurde. Slayer kehrten ins Studio zurück, um ihr viertes Album South of Heaven aufzunehmen. Um einen Kontrast zu der hohen Geschwindigkeit auf dem Vorgängeralbum zu schaffen, entschied sich die Band, das Tempo zu drosseln und mehr auf melodischen Gesang zu setzen:
South of Heaven erschien 1988 und belegte Platz 57 in den US-amerikanischen Albumcharts. Es wurde wie sein Vorgänger mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Von den Fans und der Presse wurde das Album allerdings gemischt aufgenommen. Auf diesem Album zollten die Musiker auch ihrem Vorbild Judas Priest Tribut und gaben mit ihrer Version von Dissident Aggressor einen Einblick in ihre Entwicklungsgeschichte.
1989 begannen die Aufnahmen für das fünfte Studioalbum. Als Co-Produzent wurde Andy Wallace verpflichtet. Seasons in the Abyss wurde im Oktober 1990 von Rick Rubins neuer Plattenfirma Def American veröffentlicht. Das Album stieg auf Platz 44 in den US-amerikanischen Charts ein und wurde 1993 mit einer goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Für das Titellied nahm die Band ihr erstes Musikvideo auf. Dafür flog die Band kurz vor dem zweiten Golfkrieg nach Ägypten zu den Pyramiden von Gizeh. Ein weiteres Video wurde für War Ensemble in London gedreht.
Bereits einen Monat vor der Albumveröffentlichung begann die Clash-of-the-Titans-Tournee in Europa. Neben Slayer nahmen Megadeth, die Suicidal Tendencies und Testament teil. Die Popularität des Thrash Metals befand sich zu dieser Zeit auf dem Zenit, und so wurde die Tour im Mai 1991 in Nordamerika fortgeführt. Statt der Suicidal Tendencies und Testament nahmen dieses Mal Anthrax und Alice in Chains teil. Auf der Tour schnitten Slayer einige Konzerte mit und veröffentlichten 1991 das Live-Doppelalbum Decade of Aggression, um ihr zehnjähriges Bestehen zu feiern. Das Album stieg auf Platz 55 der US-amerikanischen Albumcharts ein.
Jahre des Wandels (1992–2001) mini|Kerry King bei einem Festival 2013 mini|Tom Araya beim Rock am Ring 2014 Im Mai 1992 wurde Dave Lombardo wegen diverser Konflikte aus der Band hinausgeworfen. Diese gab dafür als Grund an, das Schlagzeugspiel Lombardos würde den Ansprüchen der Band nicht mehr genügen (wörtlich: „Es wäre nicht mehr tight genug.“). Lombardo spielte daraufhin u. a. auf Phillip Boas Metal-Projekt Voodoocult und gründete später die Band Grip Inc. Seine Kollaborationen mit John Zorn und die mit Mike Patton gegründeten Fantômas fanden auch außerhalb des Metal-Bereichs Beachtung. Lombardos Nachfolger bei Slayer wurde der ehemalige Forbidden- und heutige Testament-Schlagzeuger Paul Bostaph. Seinen ersten Auftritt mit Slayer hatte Bostaph beim Monsters-of-Rock-Festival 1992. Für den Soundtrack des Films Judgment Night – Zum Töten verurteilt nahmen Slayer mit dem Rapper Ice-T das Lied Disorder auf. Es handelt sich um ein Medley aus den The-Exploited-Liedern War, UK ’82 und Disorder.
1994 erschien das sechste Studioalbum Divine Intervention. Es stieg auf Platz acht der US-amerikanischen Charts ein und wurde somit das erste Top-10-Album der Band. Das Album wurde sowohl von den Medien als auch von den Fans mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Ein Jahr später gingen Slayer mit Biohazard und Machine Head auf Tournee. Einige Konzerte wurden mitgeschnitten und noch im gleichen Jahr als Livevideo Live Intrusion veröffentlicht. Ebenfalls 1995 traten Slayer erneut auf dem Monsters-of-Rock-Festival auf.
Um die Zeit zum nächsten Studioalbum zu überbrücken, veröffentlichten Slayer im Jahre 1996 das Album Undisputed Attitude. Das Album enthält Coverversionen von Punk- und Hardcore-Liedern von Bands wie Minor Threat, D.R.I. oder den Stooges. Zu den Coverversionen gesellten sich mit Gemini eine Eigenkomposition sowie zwei Lieder, die Hanneman Mitte der achtziger Jahre für sein Projekt Pap Smear geschrieben hat. Nach der Veröffentlichung des Albums verließ Bostaph die Band, um sich auf sein eigenes Projekt The Truth About Seafood zu konzentrieren. Sein Nachfolger wurde Jon Dette, der zuvor bei Testament aktiv war. Nach nur einem Jahr wurde dieser aber vor die Tür gesetzt, nachdem es zum Streit zwischen ihm und den restlichen Mitgliedern gekommen war. Also kehrte Bostaph zurück.
Ebenfalls 1996 wurde die Band von den Eltern von Elyse Pahler verklagt. Pahler wurde von drei Männern vergewaltigt und ermordet, die Slayer-Fans waren. Die Eltern des Opfers warfen der Band vor, die Täter durch ihre Musik und ihre Texte zu der Tat animiert zu haben. Nach einem längeren Verfahren wurde die Band 2001 von allen Vorwürfen freigesprochen. Der zuständige Richter E. Jeffrey Burke erklärte, dass er die Musik von Slayer nicht für jugendgefährdend halte. Kerry King zeigte sich über den Freispruch erleichtert:
Das siebte Studioalbum Diabolus in Musica erschien 1998 und erreichte Platz 31 der US-amerikanischen Charts. Slayer versuchten, ihren Sound zu modernisieren und nahmen einige Elemente des Nu Metal in ihre Lieder auf. Dies führte bei Fans der ersten Stunde zu Entrüstung. Auch das modernisierte Bandlogo auf dem Albumcover wurde kontrovers diskutiert. Neben dem Album nahm die Band zusammen mit Atari Teenage Riot das Lied No Remorse (I Wanna Die) für den Soundtrack des Filmes Spawn auf und spielte eine Coverversion von Hand of Doom für das Black-Sabbath-Tributalbum Nativity in Black II ein. In Deutschland wurde unterdessen das Album Divine Intervention wegen der Lieder Sex, Murder, Art und Serenity in Murder am 16. Dezember 1998 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert.Entscheidung Nr. 5476 (V) vom 2. Dezember 1998 bekanntgemacht im Bundesanzeiger Nr. 237 vom 16. Dezember 1998 Ein Foto im Beiheft zeigt einen Fan, der sich mit einer Rasierklinge das Bandlogo in den Arm geritzt hat.
Wiedervereinigung (2002–2013) mini|Lombardo bei einem Konzert 2007