Huckingen ist ein Stadtteil im Duisburger Stadtbezirk Duisburg-Süd. Im Stadtteil leben 10.006 Einwohner auf einer Fläche von 4,49 km² (Stand: 31. Dezember 2025).
Mit seiner über 1500-jährigen Geschichte ist Huckingen nach der Duisburger Altstadt der älteste rechtsrheinische Ort auf Duisburger Stadtgebiet.Volker Herrmann, Joseph Milz, Konrad Schilling: 2000 Jahre Duisburg – Entstanden in römischer Zeit. In: Duisburger Denkmalthemen Nr. 7, Duisburg 2010, S. 13 (PDF, 1,61 MB). Von der langen Geschichte zeugen noch heute verschiedene ehemalige Burgen, Wasserschlösser und Gutshöfe. Bis in das 20. Jahrhundert hinein war Huckingen dörflich und stark landwirtschaftlich sowie aufgrund seiner jahrhundertelangen Zugehörigkeit zum Bergischen Amt Angermund durch den Düsseldorfer Raum geprägt. Erst mit der einsetzenden Industrialisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts stieg die Bevölkerungszahl stark an. 1929 wurde Huckingen dem Stadtkreis Duisburg zugeordnet.
Heute zeigt Huckingen eine breite gewerbliche Infrastruktur und ein reges bürgerliches Zusammenleben, das insbesondere auf den lokalen Kirchengemeinden und verschiedenen Vereinen basiert.
Namensgebung Die Endsilbe -ingen lässt auf einen altfränkischen Ursprung schließen. Gleiches gilt für einige der umliegenden Orte, wie zum Beispiel Ehingen.
Bezüglich des Stammworts Huck war man lange davon überzeugt, dass dies ein dialektaler Ausdruck für Ecke oder Spitze sei. Huckingen stünde demnach für eine Siedlung an einer Spitze oder Ecke (vgl. niederl.: hoek). Diese Spitze oder Ecke glaubte man in der Einmündung der heutigen Raiffeisenstraße (früher Unterstraße) in die Düsseldorfer Landstraße (früher Oberstraße) erkannt zu haben, denn das alte Huckinger Kerndorf bestand hauptsächlich aus zwei Häuserreihen, die sich entlang dieser Straßen zogen. Diese Annahme ist aus heutiger Sicht allerdings falsch.
Inzwischen ist man sich sicher, dass der Name analog dem Ortsnamen von Hocquinghen, einem ebenfalls vom Ursprung her fränkischen Ort in Nordfrankreich, abgeleitet werden kann. Danach stammt der Name Huckingen von der germanischen Form huigininga haim, die für eine Siedlung der Leute, die zu Hugin/Hugo gehören, steht. Die aus dem Jahr 1229 für Huckingen bekannte Form Huchilheym war damit noch sehr nah an der ursprünglichen Form, zumal ein g im Niederfränkischen oft wie ein ch ausgesprochen wurde. Der Ortsname hat sich dann durch Lautverschiebungen und sprachlichen Schliff von Huginheim/Huchilheym über Hukinhem, Huckinghen zu Huckingen entwickelt.Dietmar Ahlemann: Huckingen: Siedlung der Leute, die zu Hugo gehören. In: Huckinger Heimatbuch, Band III. Duisburg 2015, S. 76–93.
Wappen mini|Wappen Huckingens nach Fritz Brockerhoff
Das Wappen von Huckingen wurde von dem lokalen Malermeister Fritz Brockerhoff († 1936) für die Chronik der Katholischen Kirchengemeinde Huckingen gemalt. In der Gestaltung des Ortswappens orientierte sich Brockerhoff aufgrund einer Veröffentlichung von Anton FahneAnton Fahne: Die Dynasten Freiherrn und jetzogen Grafen von Bocholtz, Band 1, 2. Abteilung. Köln 1858, S. 232. an dem Ritterwappen der aus der Gegend um Korschenbroich stammenden Herren von Hucking, deren Herkunft Fahne fälschlicherweise in Huckingen verortete. Da aber schon Fahne das Wappen der Herren von Hucking falsch darstellte (drei Kreuze anstatt drei Hermelinschwänze; drei Schüsseln/Boote anstatt drei Seerosenblätter) und Brockerhoff die Helmzier frei wählte, ist das Huckinger Wappen nun ein vollständig eigenständiges Wappen.
Die Wappenelemente werden heute wie folgt gedeutet: Die drei Kreuze in der Vierung stehen für die schwierigen Zeiten der Pest, an die auch die Rochuskapelle im Ort erinnert, und die drei Boote für die regelmäßigen Hochwasser, die Huckingen zwischen Angerbach und Rhein in der Vergangenheit regelmäßig trafen. Der Ritterhelm steht für die verschiedenen Rittersitze in der alten Honnschaft Huckingen, die alte Grafenkrone für die lange Zugehörigkeit zur Grafschaft, später Herzogtum Berg, das Kreuz für die christliche Tradition des Ortes, der nachweislich bereits 1289 eine Kapelle besaß, und die Büffelhörner für die Kraft und Tapferkeit, d. h. die Wehrhaftigkeit des Ortes, der seit mindestens 1687 eine Schützenbruderschaft besitzt.Dietmar Ahlemann: Die angeblichen Herren von Huckingen und das Huckinger Wappen. In: Huckinger Heimatbuch, Band III. Duisburg 2015, S. 94–106.
Ortsentwicklung Im Vergleich zum heutigen, städtischen Verwaltungsbezirk Huckingen war die frühere Honnschaft Huckingen deutlich größer. Sie umfasste auch die damals dünn oder nicht besiedelten, heute eigenständigen Bezirke Buchholz, Großenbaum, Eichelskamp, Wedau und Bissingheim. Außerdem gehörten zur Honnschaft auch Teile der heutigen Bezirke Hüttenheim und Ungelsheim.
Zu Zeiten der alten Honnschaft hatte Huckingen folgende Einwohnerzahlen:Manfred Schulz: Die Entwicklung Duisburgs und der mit ihm vereinigten Gemeinden bis zum Jahre 1962. In: Duisburger Forschungen 24./25. Band, Duisburg 1977, S. 22. Jahr Einwohnerzahl 1476ca. 1.000 1797938ZBGV, Band 39, Elberfeld 1906, S. 191. Zahl enthält Huckingen und Großenbaum. 1815/61.083Hans Stöcker (Hrsg.): Zwischen Anger und Schwarzbach. 2. Auflage. Düsseldorf 1976, S. 133. Die Zahl spiegelt die damals erhobene Specialgemeinde Huckingen, d. h. Dorf Huckingen (723 Einwohner), Haus Remberg (17), Eichelskamp (20), Haus Böckum (19), Gut Kesselberg (10), Haus Angerort (30), Sandmühle (14) und Kickenbusch (20), zuzüglich des zur Städtischen Gemeinde Angermund gehörenden Dorfs Großenbaum (230) wider. 18321.284Hans Stöcker (Hrsg.): Zwischen Anger und Schwarzbach. 2. Auflage. Düsseldorf 1976, S. 133. Die Zahl spiegelt die damals erhobene Specialgemeinde Huckingen, d. h. Dorf Huckingen (913 Einwohner), Haus Remberg (8), Eichelskamp (10), Neuenhof (15), Haus Böckum (10), Gut Kesselberg (13), Haus Angerort (24), Angerorther Mühle (9), Sandmühle (13), Scherpelskotten (10) und Kickenbusch (ohne Weiler) (5), zuzüglich des zur Städtischen Gemeinde Angermund gehörenden Dorfs Großenbaum (246) und des Weilers Kickenbusch (8) wider. 18431.471Diese Zahl enthält die 1843 bereits separat berichteten Einwohner von Großenbaum (232 Einwohner). Siehe Schulz (1977), S. 22. 18953.389Diese Zahl enthält die 1895 bereits separat berichteten Einwohner von Großenbaum (386 Einwohner) und Buchholz (887 Einwohner). Siehe Schulz (1977), S. 22. 19004.185Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 9. Leipzig 1907, S. 594 (Digitalisat bei zeno.org). 19055.360Rudolf Harnisch: Jahrbuch für den Regierungs-Bezirk Düsseldorf, 14. Jg., Düsseldorf 1909, S. 33.
Nach Ausgliederung der heute eigenständigen Verwaltungsbezirke Großenbaum, Buchholz, Wedau, Bissingheim, Hüttenheim etc. entwickelten sich die Einwohnerzahlen des nun enger gefassten städtischen Verwaltungsbezirks Huckingen wie folgt:Schulz (1977), S. 22 sowie Einwohnerstatistik der Stadt Duisburg.Nach Gründung des neuen Stadtteils Ungelsheim im Jahre 1959, wird auch dieser separat berichtet (1962: 6.017 Einwohner). Siehe Schulz (1977), S. 22.
500px|Einwohnerzahl Huckingens bis 2022
In Huckingen existierte Ende 2024 ein Bestand von 2017 Wohngebäuden mit 5200 Wohnungen. Die Wohngebäude verteilten sich auf 586 Mehrfamilienhäuser mit 3551 Wohnungen und 1431 Ein- oder Zweifamilienhäuser mit 1649 Wohnungen. Weitere 75 Wohnungen existierten in Nichtwohngebäuden. Damit verzeichnete Huckingen Ende 2024 1,86 Einwohner je Wohnung. Die Gesamtwohnfläche betrug 461.978 m², d. h. durchschnittlich 87,58 m² je Wohnung bzw. 46,71 m² je Einwohner.
Geschichte Ur- und Frühgeschichte Huckingen befindet sich in einem uralten Kulturraum zwischen dem unteren Rhein und dem Angerbach und gleichzeitig an einer alten Nord-Süd-Handelsstraße zwischen dem Düsseldorfer und dem Duisburger Raum.
mini|Gut Kesselsberg – Südseite mini|Sandmühle – Südwestseite Funde in den Ehinger Bergen belegen, dass die Gegend bereits in der mittleren Steinzeit (8000 v. Chr. – 5300 v. Chr.) besiedelt war. Auch aus der jüngeren Steinzeit (5300 v. Chr. – 2000 v. Chr.) sind Funde, zum Beispiel neben dem Gut Kesselsberg, dem Biegerhof und in den Ehinger Bergen, bekannt. Während aus der Bronzezeit kaum Spuren vorhanden sind, existieren für die jüngere Eisenzeit wieder einige Hinweise, z. B. aus dem Süden Huckingens nahe der alten Sandmühle. Aus der römischen Epoche stammen germanische Gräber vom Ende des 2. Jahrhunderts bis Anfang des 3. Jahrhunderts am Heidberg und ein römischer Goldschatz bei Großenbaum.Stefan Ossenberg: Söldner vergruben den Lohn. In: Rheinische Post vom 8. August 2008. Vom Gelände der Mannesmann-Werke stammt ein fränkischer Grabfund der Zeit um 500.Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34, Rheinland-Verlag, Köln 1989, S. 309.
Mittelalter Der Ort Huckingen entstand in fränkischer, frühmittelalterlicher Zeit und ist seitdem durchgehend besiedelt. Archäologische Untersuchungen im Ortskern Huckingens konnten zum Beispiel eine Hofstelle aus dem 7. Jahrhundert nachweisen.Herrmann (2009), S. 98ff.
Die früheste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1193. In einer Urkunde des Kaisers Heinrich VI. vom 25. November 1193 findet sich neben benachbarten Orten wie Serm, Lintorf und der Grindsmark auch die Flurbezeichnung UngenshamTheodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins. 1. Band. Düsseldorf 1840, S. 377 (Urkunde 540) (Google Bücher)., nach der in den 1950er Jahren Huckingens Nachbarstadtteil Ungelsheim benannt wurde.Günter von Roden: Geschichte der Stadt Duisburg – Die Ortsteile von den Anfängen, die Gesamtstadt seit 1905. Duisburg 1974, S. 340. Ungensham ist gemäß der oben erläuterten Namensherkunft jedoch keine eigene Mark, sondern eine frühe Namensform von Huckingen (Ungensham = (H)uginsheim = Hugins/Hugos Heim).Stefan Ossenberg: Das Heim eines Edelmannes? In: Rheinische Post vom 1. Februar 2011, S. C4.Ahlemann/Kraume (2012), S. 13.
Die zweitälteste urkundliche Erwähnung stammt aus der Zeit kurz vor 1220: Huckingen erscheint als Hukingen in der Isenberg’schen Vogteirolle. Laut einer Literaturquelle aus dem Jahr 1921Heinrich Schmitz: Geschichtsbilder aus dem Landkreise Düsseldorf, 1921. wurde Huckingen auch 1229 erwähnt. In der Urkunde des Stifts Kaiserswerth wurden lt. Quelle die Orte Mundelichheym (Mündelheim), Kalichheym (Kalkum) und Huchilheym (Huckingen) genannt. Die zitierte Urkunde gilt aber seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen.Roden (1974), S. 273.
Ebenso wie die Honnschaften Mündelheim, Serm und Rheinheim gehörte die Honnschaft Huckingen seit dem 13. Jahrhundert zum Amt Angermund der Grafschaft Berg, ab 1380 Herzogtum Berg, und damit politisch, kulturell und auch sprachlich zum Düsseldorfer Raum. Huckingen bildete die nördliche Grenze zum benachbarten Herzogtum Kleve, zu dem die Enklave Wanheim-Angerhausen und ab 1290 auch die Stadt Duisburg gehörten. Von dieser Grenze zeugt noch heute die ehemalige Burg und Festung Haus Angerort an der Mündung des Angerbachs in den Rhein.
Zunächst noch musste der Graf von Berg dem Kölner Erzbischof in dessen Funktion als Herzog von Westfalen Heeresfolge leisten. Nachdem aber Graf Adolf V. von Berg sich zusammen mit seinem Verbündeten Herzog Johann von Brabant im Limburger Erbfolgestreit und der resultierenden Schlacht von Worringen 1288 gegen den Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg durchsetzte, besaß das Erzbistum keinen politischen Einfluss mehr auf bergisches Territorium. In den folgenden Jahrhunderten festigten die Grafen und Herzöge Berg ihren Einfluss in der Huckinger Gegend, obwohl diese immer wieder Kriegsschauplatz war.
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