Der 1. FC Lok Stendal ist ein deutscher Fußballclub, dessen Vorgänger BSG Lok Stendal in den 1950er und 1960er Jahren mit seiner Fußballmannschaft in der höchsten DDR-Fußballklasse, der Oberliga, spielte.
Von der SG Nord zur BSG Lokomotive mini|hochkant=0.5|links|Logo der BSG Lok Stendal Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Fußball in der Altmarkstadt Stendal hauptsächlich von Viktoria Stendal vertreten. Dieser Verein musste wie alle Sportvereine in Ostdeutschland nach 1946 aufgrund der Direktive Nr. 23 des Alliierten Kontrollrats der Besatzungsmächte aufgelöst werden. Sportwettkämpfe wurden zunächst nur auf Stadt- oder Kreisebene zugelassen, später durfte der Sportverkehr mehr und mehr ausgeweitet werden. In Stendal gründete sich zur Ausübung des Fußballsports 1945 eine Sportgemeinschaft namens Stendal-Nord, die sich im September 1948 in SG Blau-Weiß und im November 1948 in SG Eintracht umbenannte. Nach Einführung des Systems der Betriebssportgemeinschaften beteiligte sich die SG Eintracht zusammen mit der BSG Reichsbahn und der BSG RAW an einer Fusion, aus der am 17. September 1949 die BSG Eintracht „Hans Wendler“ Stendal entstand (benannt nach dem Lokomotivkonstrukteur Hans Wendler). Ein Jahr später erhielt die BSG den Namen Lokomotive Stendal, unter dem sie bis zum Ende des DDR-Sports auftrat. In den Chroniken der Betriebssportgemeinschaft wird die Gründung der BSG Reichsbahn am 18. Februar 1949 als Gründungsdatum von Lok Stendal ausgegeben. Trägerbetrieb der BSG Lok war das Stendaler Reichsbahnausbesserungswerk, einer der wichtigsten Betriebe in der damals 45.000 Einwohner zählenden Stadt.
Unter dem Trainer Otto Nawrocki gab es eine Abteilung Rollsport, die im Rollschnelllauf zu Erfolgen bei DDR-Meisterschaften und Spartakiaden kam.
DDR-Oberliga 1949–1968 Der Stendaler Fußballsport entwickelte sich in der Nachkriegszeit im schnellen Tempo. 1947 als auch 1948 ist die SG Nord Vizemeister der Altmark, jeweils hinter der SG Salzwedel-Ost. Ebenfalls Zweiter wurde die SG Eintracht in der Sachsen-Anhalt-Meisterschaft 1949 nach einem 0:2 im Finale gegen die ZSG-VVB Halle (spätere ZSG Union Halle). Die Finalteilnahme berechtigte zur Teilnahme an der 2. Ostzonen-Fußballmeisterschaft. Die Stendaler kamen bis in das Halbfinale, wo wieder Halle, diesmal mit 3:0, die Oberhand behielt. Als Vizemeister des Landes Sachsen-Anhalt hatte sich Stendal jedoch für die neugeschaffene Oberliga, die höchste ostdeutsche Spielklasse, qualifiziert. Die erste Saison schloss die BSG Eintracht „Hans Wendler“ 1950 mit Platz 10 ab, und auch in den folgenden Spielzeiten waren die Stendaler im unteren Drittel der Oberliga zu finden. Nach Abschluss der Saison 1953/54 fand sich die BSG Lok auf Rang 13 wieder, der den Abstieg in der zweitklassige DDR-Liga bedeutete. Nach dem sofortigen Wiederaufstieg erreichte Lok Stendal 1956 in der Oberliga den 4. Platz, das beste Ergebnis, das die Stendaler Fußballer in ihrer Zeit als Betriebssportgemeinschaft erzielten. Der damalige Trainer Gerhard Gläser konnte in den 26 Punktspielen der Saison 1956 folgende im Durchschnitt 25,6 Jahre alte Stammelf aufbieten: Günter Reh (28 Jahre, 20 Spiele) Heinz Werner (21/15), Karl Köhler (28/17), Günter Bartnicki (24/22) Kurt Brüggemann (30/26), Heinz Neubauer (23/25) Horst Karlsch (27/24), Ernst Lindner (22/22), Karl-Heinz Lahutta (29/26), Dieter Gradetzke (30/25), Kurt Liebrecht (20/25)
Die erfolgreiche Saison wurde von durchschnittlich 8.200 Zuschauern in der Wilhelm-Helfers-Kampfbahn (bis 1951 und wieder seit 2005 „Stadion am Hölzchen“) besucht. Sie erlebten 55 Tore ihrer Mannschaft, die damit treffsicherstes Team der abgelaufenen Saison wurde und mit Ernst Lindner auch den Oberliga-Torschützenkönig stellte. Lindner trat damit in die Fußstapfen seines Mannschaftskameraden Kurt Weißenfels, der bereits 1952 zusammen mit Rudolf Krause die Torjägerkrone errungen hatte. Die 1957 folgende Spielzeit verlief nach diesem Höhenflug sehr enttäuschend, denn wieder reichte es nur zu Platz 13 mit dem Abstieg als Folge.
Die folgenden Jahre erlebte Lok Stendal als Fahrstuhlmannschaft mit Auf- und Abstieg im jährlichen Wechsel. Erst mit dem Aufstieg 1963 konnte sich die Mannschaft konsolidieren und erreichte vier Jahre lang Plätze im Mittelfeld der Oberliga. Auch der Publikumszuspruch war groß. In der Wilhelm-Helfers-Kampfbahn fanden zwar nicht viele Zuschauer Platz (ab 1968: 15.000), aber das Stadion war oft ausverkauft. Zu einem Publikumsrenner wurden regelmäßig die Vergleiche mit dem Lokalrivalen 1. FC Magdeburg, gerade wenn Lok als Gast an die Elbe reiste. 1962 gehörte der Vergleich Magdeburg gegen Stendal zu den Spielen mit der größten Zuschaueranzahl der DDR-Oberliga in dieser Saison (35.000 Zuschauer). 1964 war der Stendaler Gerd Backhaus bester Torschütze im Oberhaus des DDR-Ligafußballs. Auch Güssau und Karow konnten neben Backhaus in den 1960er Jahren für die nötigen Tore sorgen, um Lok im Fußballoberhaus zu halten. Die letzte Oberliga-Saison erlebte Stendal in der Spielzeit 1967/68. Als Tabellenletzter musste wieder der Abstieg in die DDR-Liga hingenommen werden, danach wurde nie wieder die Erstklassigkeit erreicht.
Saisondaten 1949–1968 Saison Ligen-Niveau Liga Platz (von) FDGB-Pokal 1949/50 1 DDR-Oberliga 10. (14) 1. Runde 2:5 gegen BSG Heiddorf 1950/51 1 DDR-Oberliga 14. (16) nicht ausgetragen 1951/52 1 DDR-Oberliga 10. (19) Halbfinale 1:0 gegen BSG Einheit Pankow * 1952/53 1 DDR-Oberliga 11. (17) unterbrochen, 1954 fortgesetzt1953/54 1 DDR-Oberliga 13. (15) 1. Runde 1:3 gegen BSG Motor Oberschöneweide1954/55 2 DDR-Liga St. 1 1. (14) 1. Runde 2:4 gegen SC Fortschritt Weißenfels 1955 1 DDR-Oberliga ** 9. (14) nicht ausgetragen 1956 1 DDR-Oberliga 4. (14) Achtelfinale 1:3 gegen SC Einheit Dresden1957 1 DDR-Oberliga 13. (14) Viertelfinale 0:2 gegen ASK Vorwärts Berlin1958 2 I. DDR-Liga 2. (14) 2. Runde 1:10 gegen ASK Vorwärts Berlin1959 1 DDR-Oberliga 14. (14) 1. Runde 1:2 n. V. gegen SC Traktor Schwerin (Wiederholungsspiel)1960 2 I. DDR-Liga 2. (14) Viertelfinale 0:2 gegen SC Motor Karl-Marx-Stadt1961/62 1 DDR-Oberliga 14. (14) 3. Runde 1:2 gegen SC Potsdam1962/63 2 I. DDR-Liga St. Nord 1. (14) Viertelfinale 0:3 gegen BSG Motor West Karl-Marx-Stadt 1963/64 1 DDR-Oberliga 9. (14) Achtelfinale 2:5 gegen SC Empor Rostock 1964/65 1 DDR-Oberliga 6. (14) Achtelfinale 2:5 gegen BSG Wismut Aue 1965/66 1 DDR-Oberliga 12. (14) Finale 0:1 gegen BSG Chemie Leipzig 1966/67 1 DDR-Oberliga 7. (14) Achtelfinale 0:1 gegen FC Carl Zeiss Jena1967/68 1 DDR-Oberliga 14. (14) Viertelfinale 0:4 gegen FC Vorwärts Berlin grün unterlegt: Aufstiegrot unterlegt: Abstieg* Disqualifikation** Übergangsrunde
Abstieg in die Zweit- und Drittklassigkeit 1968–1990 Der endgültige Abstieg war eine logische Folge der Fußballsportpolitik in der DDR. Bereits in den 1950er Jahren wurden durch Sportklubs in den Großstädten und 1965/66 durch die Gründung von Fußballklubs Leistungszentren gegründet, die sportpolitisch besonders gefördert wurden. Betriebssportgemeinschaften wie Lok Stendal genossen lediglich die Unterstützung ihrer Trägerbetriebe und hatten ihre Talente an die Klubs zu delegieren. So gingen junge veranlagte Spieler aus Stendal oder dessen Einzugsgebiet wie Klaus Decker (später 278 Oberligaspiele, 3 Länderspiele), Rolf Döbbelin (131 OL), Norbert Pysall (22 OL), Dirk Ullrich (10 OL), Frank Windelband (129 OL) zum 1. FC Magdeburg. Weitere Spieler wie Siegfried Nathow (Erfurt, 87 OL), Joachim Sigusch (Union Berlin, 160 OL) und Erhard Kochale (Dynamo Berlin, 39 OL) sahen in Stendal keine Zukunft mehr. Unter diesen Umständen war es in der strukturschwachen Region der Altmark nicht mehr möglich, eine neue leistungsstarke Mannschaft zu entwickeln. Lok Stendal verblieb ohne Aussicht auf den Aufstieg in der zweitklassigen DDR-Liga, zwischen 1977 und 1990 lagen sogar sechs Jahre in der drittklassigen Bezirksliga Magdeburg.
Saisondaten 1968–1990 Saison Ligen-Niveau Liga Platz (von) FDGB-Pokal 1968/69 2 DDR-Liga St. Nord 2. (16) Achtelfinale 0:1 n.V.gegen BFC Dynamo 1969/70 2 DDR-Liga St. Nord 2. (16) Achtelfinale 0:1 gegen FC Carl Zeiss Jena 1970/71 2 DDR-Liga St. Nord 9. (16) 1. Runde 2:3 gegen BSG Stahl Blankenburg 1971/72 2 DDR-Liga St. C 2. (12) 2. Runde 1:4 gegen ASG Vorwärts Stralsund 1972/73 2 DDR-Liga St. C 5. (12) 1. Runde 0:1 n. V. gegen BSG Motor/Vorwärts Oschersleben 1973/74 2 DDR-Liga St. C 4. (12) 1. Runde 4:6 n. E. gegen 1. FC Magdeburg II 1974/75 2 DDR-Liga St. C 7. (12) Zwischenrunde 2:3 gegen BSG Rotation 1950 Leipzig 1975/76 2 DDR-Liga St. C 5. (12) 2. Runde 1:3 gegen Hallescher FC Chemie1976/77 2 DDR-Liga St. C 11. (12) 2. Runde 1:4 gegen ASG Vorwärts Stralsund II1977/78 3 Bezirksliga Magdeburg 1. (16) 1. Runde 0:4 gegen SG Dynamo Schwerin 1978/79 2 DDR-Liga St. C 9. (12) 2. Runde 1:2 gegen 1. FC Union Berlin 1979/80 2 DDR-Liga St. C 7. (12) 1. Runde 0:1 gegen BSG Traktor Klötze 1980/81 2 DDR-Liga St. C 5. (12) 1. Runde 0:1 gegen ISG Schwerin Süd 1981/82 2 DDR-Liga St. C 7. (12) 2. Runde 2:5 n. V. gegen Hallescher FC Chemie1982/83 2 DDR-Liga St. C 10. (12) 1. Runde 1:3 gegen BSG Chemie Schönebeck1983/84 3 Bezirksliga Magdeburg 1. (18) 1. Runde 0:1 gegen BSG Chemie Premnitz Aufstiegsrunde St. 2 3. (5) 1984/85 3 Bezirksliga Magdeburg 2. (18) nicht qualifiziert 1985/86 3 Bezirksliga Magdeburg 2. (16) nicht qualifiziert1986/87 3 Bezirksliga Magdeburg 1. (16) 1. Runde 1:5 gegen 1. FC Union Berlin Aufstiegsrunde St. 2 1. (5) 1987/88 2 DDR-Liga St. A 16. (18) nicht qualifiziert1988/89 2 DDR-Liga St. A 18. (18) Achtelfinale 0:2 gegen FC Carl Zeiss Jena1989/90 3 Bezirksliga Magdeburg 1. (16) 1. Runde 0:1 gegen FC Rot-Weiß Erfurt Aufstiegsrunde St. 1 1. (5) grün unterlegt: Aufstiegrot unterlegt: Abstieg
FDGB-Pokal Im DDR-Fußballpokal-Wettbewerb machte Lok Stendal zweimal nachdrücklich auf sich aufmerksam. Im Pokaljahr 1952 erreichten die Stendaler nach einem klaren 6:2-Sieg über den Oberligakonkurrenten Stahl Thale das Halbfinale. Dort kam es zur Begegnung mit dem Oberligaabsteiger Einheit Pankow, die mit 1:0 gewonnen wurde. Das Pokalendspiel gegen die SG Volkspolizei Dresden wurde für den 14. September 1952 angesetzt. Einen Tag vorher teilte ein Vertreter der BSG Einheit Schwerin dem Referat Fußball (höchstes DDR-Fußballgremium) mit, dass der von Schwerin nach Stendal gewechselte Jochen Giersch, der die letzten beiden Pokalspiele für Stendal bestritten hatte (24. und 31.8.), keine Freigabe erhalten hätte. Lok Stendal wurde noch am gleichen Tag disqualifiziert, und an seiner Stelle bestritt Einheit Pankow das Finale (3:0 für Dresden). Da in jüngster Zeit Berliner Mannschaften mehrfach von der DDR-Sportführung durch Manipulationen bevorzugt worden waren, kam auch hier der Verdacht unlauterer Einflussnahme zugunsten der Berliner auf.
In der Pokalsaison 1965/66 erreichten die Stendaler nach jeweils Heimsiegen über die Oberligisten FC Carl Zeiss Jena (1:0), Berliner FC Dynamo (2:1) und Hansa Rostock (1:0) endlich das Finale. Im Bautzener Stadion an der Müllerwiese unterlagen die Lok-Fußballer am 30. April 1966 der BSG Chemie Leipzig durch ein Tor von Hans-Bert Matoul in der 73. Minute. Stendal trat mit folgender Mannschaft an: Hans ZeppmeiselManfred Felke, Ernst Lindner, Siegfried NathowGünter Prebusch, Albrecht StrohmeyerKurt Liebrecht, Helmut Schmidt, Gerd Backhaus, Dieter Karow, Wolfgang Abraham
Zwischen 1950 und 1990 erreichte Lok Stendal sechsmal das Achtelfinale, viermal das Viertelfinale und jeweils einmal das Halbfinale und das Finale.
Vereinsgründungen ab 1990 mini|links|hochkant=0.5|Logo der FSV