mini|Wappen des Deutschen Ordens am Torre Alemanna in Corneto Die Deutschordensballei Apulien, auch: Ballei Apulien, war die regionale Organisation (Verwaltungseinheit) des Deutschen Ordens im mittelalterlichen Königreich Neapel.

Struktur Die Ballei unterstand ursprünglich dem Hochmeister. Erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde sie dem Deutschmeister unterstellt. Es waren wohl kaum Eintritte aus Italien zu verzeichnen. Die Konvente wurden vornehmlich mit Ritter- und Priesterbrüdern aus süddeutschen und Schweizer Balleien besetzt.Klaus Militzer: Die Geschichte des Deutschen Ordens, S. 38; Stuttgart, 2005. Der Leiter der Ballei, der Landkomtur von Apulien, hatte auch Stimmrecht bei der Wahl des Hochmeisters. Sitz des Landkomturs war anfangs Brindisi und ab 1233 Barletta. Um 1350 wurde der Sitz erneut verlegt, diesmal nach San Leonardo di Siponto, wo er bis zum Ende der Ballei 1483 blieb.

Geschichte miniatur|links| Kloster San Leonardo di Siponto, Südseite. Es war der wichtigste Besitz des Ordens in Apulien Die Ballei Apulien entstand um 1225 und wurde maßgeblich von Kaiser Friedrich II. durch zahlreiche Schenkungen gefördert.

Bereits im Frühjahr 1197 wurde die erste Kommende in Barletta gegründet.Klaus Militzer: Die Geschichte des Deutschen Ordens S. 35, Stuttgart 2005. Die ersten Niederlassungen des Deutschen Ordens in Apulien, von wo aus viele Pilger und Kreuzfahrer ins Heilige Land einschifften. Die Ursprünge der Ballei lagen daher vor allem in der Krankenpflege, wie die Spitalgründungen in Barletta (im Jahre 1197), Bari (1209) und Foggia (1220) belegen. Für die Verbindungen ins Heilige Land war vor allem die Kommende Trani bedeutsam. 1239 wurde Hermann von Salza, der bedeutendste Hochmeister des Ordens, in Barletta bestattet. Ihre Blütezeit hatte die Ballei Apulien zur Zeit der Kreuzzüge, in der sie logistisch und geostrategisch von großer Bedeutung für den Orden war. Mit dem endgültigen Verlust des Heiligen Landes ab Anfang des 14. Jahrhunderts sank die Bedeutung Apuliens für den Deutschen Orden; auch verlagerte sich der Schwerpunkt des Ordens nach Preußen und Livland.

Für den Orden wurde es immer schwieriger, seinen Besitzstand in Apulien zu bewahren. Neben den Versuchen örtlicher Adeliger sich der Besitzungen zu bemächtigen, sank auch die Zahl der Ordenspriester und -ritter in der Ballei, und zwar von 17 im Jahre 1410/11Marian Biskup: Visitationen im Deutschen Orden im Mittelalter, Teil I, S. 62ff; Marburg, 2002. auf 7 im Jahre 1451Kurt Forstreuter: Der Deutsche Orden am Mittelmeer S. 132; Bonn Bad Godesberg 1967.; wobei Corneto, Foggia und Nardò schon ohne Ordenspriester waren.

1466 wurde die Ballei auf Vorschlag des Hochmeisters Ludwig von Erlichshausen dem Generalprokurator, also dem „Botschafter“ des Ordens am Heiligen Stuhl, zu seiner Versorgung übergeben. 1474 wurde so Stephan Grube Landkomtur der Ballei. Papst Sixtus IV. ernannte 1479 Grube zum Erzbischof von Riga, um sich den Einfluss auf die Ballei zu sichern. Nach seinem Tode am 20. Dezember 1483 setzte Papst Sixtus IV. einen Kardinal als Nachfolger ein. Zwar protestierte der Deutsche Orden gegen diese Maßnahmen, konnte sie aber nicht verhindern, so dass die Ballei ab 1483 aufhörte zu existieren.Klaus Militzer: Die Geschichte des Deutschen Ordens S. 178, Stuttgart 2005.

Kommenden

Kommende von bis Anmerkung BildSan Leonardo1240um 1483Das Augustinerchorherrenstift S. Leonardo wurde dem Orden 1260 übertragen. Die Kommende wurde ab 1350 Sitz des Landkomturs.Jürgen Sarnowsky: Der Deutsche Orden, S. 69; C.H.Beck, München 2007120pxBari1209um 14831209 besaß der Deutsche Orden ein Spital in Bari.Marian Tumler: Der Deutsche Orden im Werden, Wachsen und Wirken bis 1400 mit einem Abriß der Geschichte des Ordens von 1400 bis zur neuesten Zeit, S. 76–77; Wien, 1955.120pxBarlettaFrühjahr 1197um 14831197Klaus Militzer: Die Geschichte des Deutschen Ordens S. 35, Stuttgart 2005. wurde das Hospital des heiligen Thomas zu Barletta gegründet. Das Grab des Hochmeisters Hermann von Salza befand sich in der Kapelle der Kommende. Von 1233 bis 1350 Sitz des Landkomturs.120pxBellovedereum 1483Borgo LibertàDer befestigte Turm Torre AlemannaTorre Alemanna auf burgenwelt.org vom 11. August 2011, abgerufen am 10. November 2025 in Borgo Libertà (Cerignola) wurde zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert vom Deutschen Orden errichtet und umfasste den Chor einer bereits bestehenden Kirche.Brindisi1208Hubert Huoben: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken; hrsgg. vom Deutschen Historischen Institut in Rom; Bd. 83 2003, S. 47 um 1483 Die Kirche S. Maria Alamagnorum gehörte zur Ballei. Bis 1233 Sitz des Landkomturs.Klaus Militzer: Die Geschichte des Deutschen Ordens S. 35, Stuttgart 2005.120pxCorneto (bei Cerignola) 1226 1483Die Kommende und das Marienhospital in Corneto wurden im Jahre 1226 zum ersten Mal erwähnt. 1341 wurde der letzte Komtur erwähnt, aber 1440 gab es immer noch drei Mitglieder. Berühmt ist der "Torre Alemanna".1482/83 an den Bischof von Siponto verkauft.120pxEboli1212um 1483Bereits 1206 beschenkte Kaiser Friedrich II. den Deutschen Orden in Eboli.Marian Tumler: Der Deutsche Orden im Werden, Wachsen und Wirken bis 1400 mit einem Abriß der Geschichte des Ordens von 1400 bis zur neuesten Zeit, S. 76; Wien 1955.120pxFoggia1230Aniella Humpert: Statistische Auswertung der Urkundenempfänger Friedrichs II. S. 359; München 2003 ca. 1440Seit 1220 ein Hospital des Deutschen Ordens. Um Schenkungen des Grafen von Constia, Racius de Balbano, erweitert.120pxGinosaMai 12701270 wurde dem Deutschen Orden das Benediktinerstift Genusia und die Kirche in Ostuni übergeben.Marian Tumler: Der Deutsche Orden im Werden, Wachsen und Wirken bis 1400 mit einem Abriß der Geschichte des Ordens von 1400 bis zur neuesten Zeit, S. 78; Wien 1955.120pxNardò13. Jh.ca. 1440Kommende (eine lokale Niederlassung) des Deutschen OrdenTrani1237Ab 1237 Sitz eines Priors, ab 1240 Erwähnung eines Komturs.120pxUgentuca. 1483Kommende (eine lokale Niederlassung) des Deutschen Orden

Literatur Kurt Forstreuter: Der Deutsche Orden am Mittelmeer. Bonn-Bad Godesberg 1967. Damian Hung: Kommenden des Deutschen Ordens. Online. Klaus Militzer: Die Geschichte des Deutschen Ordens. Stuttgart 2005. Marian Tumler: Der Deutsche Orden im Werden. Wachsen und Wirken bis 1400 mit einem Abriß der Geschichte des Ordens von 1400 bis zur neuesten Zeit. Wien 1955.

Einzelnachweise

Apulien Kategorie:Historisches Territorium (Italien) Kategorie:Geschichte (Apulien)