mini|Blick auf Bruchköbel (oben rechts), Hanau und Mittelbuchen (oben links) aus der Luft mini|Altes Rathaus und Jakobuskirche

Bruchköbel ist eine Stadt im Main-Kinzig-Kreis in Hessen an der Bundesautobahn 66. Sie gehört zur Stadtregion Frankfurt und befindet sich etwa 20 km nordöstlich von Frankfurt am Main.

Geographie Geographische Lage Bruchköbel liegt im westlichen Teil des Main-Kinzig-Kreises, rund sieben Kilometer nördlich von Hanau auf einer Höhe von 114 m über NN. Durch die Stadtteile Ober- und Niederissigheim sowie Bruchköbel fließt der Krebsbach. Um Bruchköbel liegen meist Ackerböden, südöstlich schließt sich der Bruchköbeler Wald an. Im Südwesten liegt die Hessische Staatsdomäne Kinzigheimer Hof. Südöstlich der Kernstadt liegt der Fliegerhorst Langendiebach, von dem ein kleinerer Teil zur Bruchköbeler Gemarkung gehört.

Nachbargemeinden Bruchköbel grenzt im Norden an die Stadt Nidderau, im Nordosten an die Gemeinde Hammersbach, im Osten an die Gemeinde Neuberg, im Südosten an die Stadt Erlensee, im Süden und Westen an die Stadt Hanau sowie im Nordwesten an die Gemeinde Schöneck.

Stadtgliederung Bruchköbel Roßdorf Niederissigheim Oberissigheim Butterstadt, früher „Welsche Höfe“

Geschichte Vorgeschichte mini|hochkant|Bronzezeitliches Steinkammergrab aus dem Bruchköbeler Wald im Museum Schloss Steinheim Bei den Vorarbeiten zur Erschließung des Baugebietes „Im Peller“ wurden in Richtung Erlensee am östlichen Gemarkungsrand der Kernstadt 2003 Siedlungsreste aus der Jungsteinzeit (Bandkeramik) um 5.000 v. Chr. entdeckt. Im Bruchköbeler Wald befand sich nahe dem heutigen Autobahnanschluss ein bronzezeitliches Gräberfeld.Hugo Birkner: Ein urnenfelderzeitliches Steinkammergrab von Bruchköbel bei Hanau. In: Prähistorische Zeitschrift 34/35, 1949/50, S. 266–272; Peter Jüngling: Das bronzezeitliche Gräberfeld im Bruchköbler Wald bei Hanau. Wiesbaden 1982 (= Archäologische Denkmäler in Hessen 24). Ab ca. 800 v. Chr. siedelten Kelten auf Bruchköbeler Gebiet, etwa 100 n. Chr. Römer. Aus dieser Zeit wurden unter anderem ein römischer Brunnen und eine Villa Rustica im Bereich des Baugebiets „Im Peller“ gefunden. Nach dem Limesfall siedelten hier Alamannen.

Mittelalter Die älteste erhaltene Erwähnung von Bruchköbel überliefert eine Urkunde aus dem Jahr 1062 mit der Nennung von Kebilo. Ursprünglich gehörte das Dorf wohl dem Kloster Seligenstadt. Die Herren von Rückingen trugen die Vogtei über den Besitz vom Kloster zu Lehen. Vor 1368 kam Bruchköbel in den Besitz der Herrschaft Hanau.Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Winfried Speitkamp (Hrsg.): Handbuch der hessischen Geschichte Band 3 Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900 – 1806. Historische Kommission für Hessen, Marburg 2014, ISBN 978-3-942225-17-5, S. 196–230 (204). Das Dorf gehörte nun zum allodialen Eigentum der Herren von Hanau, zunächst zur Herrschaft, später Grafschaft Hanau, ab 1458: Grafschaft Hanau-Münzenberg, und hier zum Amt Büchertal. 1567 verkaufte das Kloster Seligenstadt seine dort verbliebenen drei Höfe mit dem höfischen Gericht an die Grafen von Hanau.

mini|Das Neue Spielhaus Am 6. Februar 1368 erhielt Bruchköbel aufgrund eines Privilegs des Kaisers Karl IV. durch Ulrich III. von Hanau das Stadtrecht mit einem Befestigungs- und Marktrecht verliehen. Nach Errichtung des heute noch stehenden Wehrturms 1410, Wahrzeichen der Stadt, wurde das Spielhaus, ein Rathaus für Beratungen, Gerichtsverhandlungen und gesellschaftliche Veranstaltungen errichtet. Es wurde ebenso als Herberge für Fremde genutzt.

Im westlichen Stadtbereich, an einem vom Krebsbach abgeleiteten Betriebsgraben, lag die Untermühle (auch: Mühle Baumann). Sie wurde erst 1962 stillgelegt.

Historische Namensformen In erhaltenen Urkunden wurde Bruchköbel unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Kebilo (1062) minor Chevela (1128) Kebele inferior (1247) Bruchkebele (1247) Bruchgebil (1368)

Neuzeit Frühe Neuzeit 1520 wurde das Rathaus errichtet und somit die Doppelfunktion des Spielhauses beendet. Im Keller des Rathauses wurde überschüssiger, zum Verkauf bestimmter Wein aus örtlichem Anbau gelagert. Im 16./17. Jahrhundert tagte in Bruchköbel ein Hals- und Zehntgericht. In den Jahren 1539, 1540, 1593 und 1605 fanden Hinrichtungen statt. Noch 1689 wurde ein 17-jähriges Mädchen am Galgengarten (heute Industriegebiet) als Hexe verbrannt.

1565 kam es zu einem Hexenprozess, bei dem vier Frauen verurteilt und verbrannt wurden.Peter Gbiorczyk: Zauberglaube und Hexenprozesse in der Grafschaft Hanau-Münzenberg im 16. und 17. Jahrhundert. Shaker, Düren 2021, ISBN 978-3-8440-7902-9, S. 95.

1634/35 brannte Bruchköbel bis auf den Wehrturm und ein Haus in der Schweizergasse nieder. Einer bekannten örtlichen Sage nach warnte ein Trompeter die Bewohner vor der Gefahr, wobei der Trompeter umkam. Die Bürger der Stadt stifteten ihm zum Gedenken den sogenannten Trompeterstein, der noch heute in der Stadt zu besichtigen ist.

Nach dem Wechsel zum lutherischen Grafenhaus Hanau-Lichtenberg 1642 bildeten sich in vielen Orten der Grafschaft Hanau-Münzenberg wieder lutherische Gemeinden, so auch in Bruchköbel. Zunächst vom lutherischen Pfarrer in Rüdigheim mit betreut, erhielt sie 1717 ein eigenes Kirchengebäude und 1737 einen eigenen Pfarrer, der nun wiederum auch die Lutheraner in Niederissigheim, Roßdorf und Mittelbuchen mit versorgte.Max Aschkewitz: Pfarrergeschichte des Sprengels Hanau („Hanauer Union“) bis 1986. 1. Teil, Historische Kommission für Hessen, Marburg 1984, ISBN 978-3-86354-062-3, S. 161.

Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) wurde Bruchköbel von Franzosen besetzt. Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736 erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg und damit auch das Amt Büchertal und Bruchköbel. 1803 wurde die Landgrafschaft Hessen-Kassel zum Kurfürstentum Hessen erhoben. Während der napoleonischen Zeit stand das Amt Büchertal ab 1806 unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807–1810 zum Fürstentum Hanau, und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es wieder an das Kurfürstentum Hessen zurück. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, ging das Amt Büchertal im neu gebildeten Kreis Hanau auf.

19. Jahrhundert 1858 wurde der Volkschor gegründet (heute ältester Verein Bruchköbel).Volkschor Bruchköbel Die Bahnstrecke Friedberg–Hanau, an der Bruchköbel einen eigenen Bahnhof erhielt, wurde hier 1881 eröffnet.

Im 19. Jahrhundert gab es als Gewerbe zwei Ziegeleien an der heutigen Bundesstraße 45, die Fechenmühle, Köhler im Bruchköbeler Wald, einen Steinbruch (heute Silbersee), Diamanten-Reiber und -Schleifer, eine Küchenmöbelfabrik, eine Knopffabrik, eine Leistenfabrik und ein Sägewerk (das erst 1980 schloss).

20. Jahrhundert mini|Rathaus Bruchköbel (inzwischen abgerissen) Für den Bau des Fliegerhorstes Langendiebach musste Bruchköbel 1934 achtzig Hektar Wald abgeben. 1937 wurde das Schwimmbad errichtet und der Bärensee entstand durch das Ausbaggern für eine Umgehungsstraße.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Bruchköbel am 10. August 1940 von der Britischen Luftwaffe bombardiert. Am 28. März 1945 marschierte die U.S. Army ein.

Im Februar 1952 wurde die Baugenossenschaft gegründet.

Das neue Rathaus wurde 1973 auf dem Gelände des ehemaligen Mönchshofes gebaut. Am 7. Mai 1975 wurden Bruchköbel (erneut) die Stadtrechte verliehen. Zwei Jahre später wurde damit begonnen, den Stadtkern zu sanieren. Ebenfalls 1977 kam es zur Gründung des Geschichtsvereins. 1978 wurde zur 850-Jahr-Feier im alten Rathaus das Heimatmuseum eingeweiht. Ende des Jahrzehnts folgte der Bau der Bundesautobahn 66 und der Umgehungsstraße.

Am 9. Februar 1982 explodierte die Produktionshalle der damals in Bruchköbel ansässigen Kosmetikfirma Reinelt, wobei es zu 3 Toten, 17 teils Schwerverletzten und einem hohen Sachschaden kam. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens wurde 1987 das Archiv für den Geschichtsverein geöffnet. Im Juli 1988 fand die 100-Jahr-Feier der Freiwilligen Feuerwehr Bruchköbel statt.

Ende des Jahres 2002 wurde ein Stadtentwicklungsprozess eingeleitet. Unter Leitung des damaligen Bürgermeisters Michael Roth wurde eine ehrenamtliche Arbeitsgemeinschaft Stadtmarketing gegründet, die im Hinblick auf die demographische Entwicklung ein städtisches Leitbild „Bruchköbel 2025“ entwarf. 2003 wurde von der Stadtverordnetenversammlung einstimmig dieses Leitbild, der Slogan „Bruchköbel. Da will ich leben!“ und ein neues städtisches Logo beschlossen.

Eingemeindungen Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurden Oberissigheim, Niederissigheim und Butterstadt am 31. Dezember 1971 eingegliedert. Am 1. Juli 1974 kam Roßdorf als letzter Stadtteil kraft Landesgesetz hinzu.

Einwohnerentwicklung

Belegte Einwohnerzahlen sind:Ab 1998 statistisches Landesamt Hessen 1587: 63 Schützen, 42 Spießer 1632: 81 FamilienIn den Jahren 1632, 1707 und 1754 wurde in der Grafschaft Hanau die Zahl der Einwohner ermittelt. Die Zahlen sind hier wiedergegeben nach Erhard Bus: Die Folgen des großen Krieges – der Westen der Grafschaft Hanau-Münzenberg nach dem Westfälischen Frieden. In: Hanauer Geschichtsverein 1844: Der Dreißigjährige Krieg in Hanau und Umgebung. 2011, , S. 277–320 (289 ff.) (= Hanauer Geschichtsblätter 45) 1707: 37 Familien 1754: 75 Familien = 355 Einwohner 1821: 559 Einwohner Thomas Klein: Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1845. Reihe A: Preußen. Band 11: Hessen-Nassau einschließlich Vorgängerstaaten. Marburg 1979, S. 108. 1895: 967 Einwohner 1939: 1.948 Einwohner 1961: 4.370 Einwohner 1970: 8.707 Einwohner 1998: 20.183 Einwohner 1999: 20.289 Einwohner 2000: 20.396 Einwohner 2001: 20.450 Einwohner 2002: 20.570 Einwohner 2003: 20.729 Einwohner 2004: 20.821 Einwohner 2006: 20.796 Einwohner 2007: 20.646 Einwohner 2008: 20.621 Einwohner 2009: 20.627 Einwohner 2011: 20.227 Einwohner [Zensus] 2016: 20.475 Einwohner 2017: 20.390 Einwohner 2018: 20.427 Einwohner

Kirchengeschichte 1192 wird ein Pfarrer im Ort erwähnt. Vielleicht war Bruchköbel die Mutterkirche der Kirchen in Kesselstadt und Oberissigheim. Das Kirchenpatrozinium lag spätestens seit 1392 bei Jakobus dem Älteren. Kirchliche Mittelbehörde war das Archidiakonat des Propstes der Kirche St. Maria ad Gradus in Mainz, Landkapitel Roßdorf, in nachreformatorischer Zeit die Klasse Büchertal. Das Patronat der Kirche des Ortes lag seit 1364 bei dem Benediktinerkloster Limburg a.d. Haardt als Inhaber des Klosters Naumburg.

Evangelische Kirche mini|Die Evangelische Jakobuskirche

In der Grafschaft Hanau wurde Mitte des 16. Jahrhunderts nach und nach die Reformation eingeführt. In Bruchköbel geschah dies zwischen 1549 und 1567, zunächst im lutherischen Sinn. Die Jakobuskirche wurde evangelisch. 1561 erwarb die Grafschaft Hanau-Münzenberg das Kloster Naumburg und übernahm dabei auch das Recht, die Pfarrstelle zu vergeben. In einer „zweiten Reformation“ wurde die Konfession der Grafschaft Hanau-Münzenberg erneut gewechselt. Graf Philipp Ludwig II. verfolgte ab 1597 eine entschieden reformierte Kirchenpolitik. Er machte vom Jus reformandi, seinem Recht als Landesherr Gebrauch, die Konfession seiner Untertanen zu bestimmen, und setzte dies für die Grafschaft weitgehend als verbindlich durch. Über längere Zeiträume vom 16.–19. Jahrhundert war die Kirchengemeinde Niederissigheim der Kirche in Bruchköbel zugeordnet.

Nachdem die Grafschaft Hanau seit 1642 von dem lutherischen Grafen Friedrich Casimir regiert wurde, entstand 1705 in Bruchköbel wieder eine lutherische Gemeinde. 1717 wurde für sie eine eigene Kirche errichtet (heute Stadtbibliothek). 1818 wurden dann beide Konfessionen durch die Hanauer Union zu einer Kirche vereint.

Katholische Kirche