Quechua, (offiziell in Bolivien Qhichwa,Consejo Educativo de la Nación Quechua “CENAQ”: . Cochabamba 2015. in Peru meist Qichwa,Perú, Ministerio de Educación, Dirección General de Educación Intercultural, Bilingüe y Rural: , Lima 2013. S. 84, 181, 152f., 134, 168, 186.Perú, Ministerio de Educación: . Lima 2015. im östlichen Tiefland Perus und in Ecuador Kichwa), ist eine Gruppe eng miteinander verwandter indigener Sprachvarietäten, die im Andenraum Südamerikas gesprochen werden. Es existieren unterschiedliche Ansichten dazu, inwiefern man hier von einer einzigen, dialektal stark differenzierten Sprache oder einer Sprachfamilie aus mehreren Sprachen, und wenn ja wie vielen, sprechen sollte; dies ist auch davon abhängig, ob man dabei von sprachimmanenten strukturellen oder von soziolinguistischen und im weitesten Sinne identitären Kriterien ausgeht.
Die zentrale Makrosprache Quechua wird durch den ISO-639-2/3-Code [que] sowie den ISO-639-1-Code [qu] kodiert, während die verschiedenen Varietäten eigene ISO-639-3-Codes haben. Die zusammenfassende Quechua-Sprachfamilie dagegen wird durch den ISO-639-5-Code [qwe] kodiert.
Verschiedene Quechua-Varianten wurden neben anderen Sprachen auch in der Kultur der Inka, aber auch in vorinkaischen Kulturen gesprochen, wobei zum Ende der Inkazeit eine Variante („klassisches Quechua“) als Lingua franca in weiten Teilen des Andenraums diente. mini|Das Vaterunser in der Paternosterkirche von Jerusalem auf Ketschua
Glottonym Das Wort Quechua an sich (auf Quechua je nach Dialekt und Schreibweise: Qhichwa, Qichwa, Qiĉwa, Kichwa oder Qheswa) bezeichnet im Quechua „Tal“ oder eine Höhenlage inklusive ihrer Bewohner, die sich deshalb auch Qhichwa runa, „Menschen der Höhenzone Quechua“, nennen, woher sich auch die Sprachbezeichnung Qhichwa simi bzw. Kichwa shimi, „Sprache der Höhenzone Quechua“, ableitet. Die Quechua-Sprecher selbst nennen ihre Sprache aber traditionell in der Regel Runa Simi (Runasimi)Clodoaldo Soto Ruiz: Runasimi-Kastillanu-Inlis Llamkaymanaq Qullqa. CSR-PARWA. oder Runa Shimi. Ministerio de Educación, Quito 2009. (von runa „Mensch“ und simi „Mund, Wort, Sprache“, also „Menschensprache“). In modernen Quechua-Texten wird dagegen meist die Bezeichnung Qhichwa simi,. Ministerio de Educación, Chuqi Yapu (La Paz) 2011. Qheswa simi,Simi Taqe. Academia Mayor de la Lengua Quechua, Cusco 2005. Qichwa simiNonato Rufino Chuquimamani Valer, Carmen Gladis Alosilla Morales: Reflexionando sobre nuestra lengua – Ayakuchu Chanka Qichwa simi. Ministerio de Educación, Lima 2005. oder Kichwa shimiMarleen Haboud: Quichua y castellano en los Andes ecuatorianos. Ediciones Abya-Yala, Quito 1998, S. 15. („Quechua-Sprache“ also „Tal-Sprache“) verwendet.
Sprachverwandtschaft Eine genetische Verwandtschaft der Quechua-Sprachen mit Sprachen außerhalb dieser Gruppe ist bisher nicht nachgewiesen worden.
Auf Grund des großen gemeinsamen Wortschatzes mit dem Aymara wurden Quechua und Aymara (bzw. die Aymara-Sprachen) in eine gemeinsame Sprachfamilie (Quechumaran) gestellt. Neuere Untersuchungen (Sprachvergleich) weisen jedoch darauf hin, dass das gemeinsame Vokabular auf gegenseitige Entlehnungen auf Grund des langen Kontakts zurückzuführen ist.
Verbreitung mini|350px|Geographische Verbreitung Der Sprachraum des Quechua erstreckt sich vom Süden Kolumbiens über große Teile von Ecuador, Peru und Bolivien bis in den Norden von Chile und Argentinien. Den größten Anteil an den Sprechern hat dabei Peru, gefolgt von Bolivien und Ecuador, während in den anderen Ländern nur kleine Minderheiten die Sprache beherrschen.
Heute ist Quechua mit wahrscheinlich mehr als 7 Millionen Sprechern (die Schätzungen variieren allerdings stark) die meistgesprochene indigene Sprache Südamerikas und nimmt somit in Südamerika hinsichtlich der Sprecherzahl Rang 3 hinter Spanisch und Portugiesisch ein.
Für den größten Teil des Sprachgebiets, nämlich Peru, Ecuador und Bolivien, liegen Volkszählungsangaben zur Sprecherzahl vor (Peru: 2017, Bolivien: 2024, Ecuador: 2001). Für Kolumbien, Argentinien und Chile fehlen solche Daten völlig; es gibt lediglich Schätzungen, die, wie oben erwähnt, sehr stark variieren.
Zu den Volkszählungsergebnissen ist anzumerken, dass Kinder im Vorschulalter nicht erfasst werden. Bei der Volkszählung 2017 in Peru wurde zudem nur die Muttersprache erfasst. Bei der Volkszählung 2012 in Bolivien wurden zwar pro Person bis zu fünf Sprachen erhoben, aber nur die Daten zur Erstsprache veröffentlicht. In Ecuador wurden 2001 nur rund 500.000 Quechuasprachige (Ein- und Zweisprachige) gezählt. Unklar ist, ob die bei Volkszählungen oft beobachtete Tendenz bestand, eine als minderwertig empfundene Sprache nicht anzugeben (underreporting); umgekehrt muss auch beachtet werden, dass ein nicht unerheblicher Teil der Sprecher sich aus unterschiedlichen Gründen im Alltag des Spanischen bedient. Insbesondere die Quechuasprachigen in den großen Städten dürften die Sprache kaum benutzen, und ihre Kinder wachsen mit spanischer Sprache auf.
Die Verteilung der Sprecher auf die Länder: Peru: 3,8 Millionen (Muttersprachler laut Volkszählung von 2017) – 13,6 % der Bevölkerung; in 4 der 25 Regionen (Apurímac, Huancavelica, Ayacucho und Cusco) sind die Quechuasprachigen in der Mehrheit. Bolivien: 1,3 Millionen (Muttersprachler ab 4 Jahre laut Volkszählung von 2024) – 13,2 % der Bevölkerung, vor allem in den Departamentos Potosí, Chuquisaca und Cochabamba. Ecuador: 560.000 (laut Volkszählung von 2022) – 3,3 % der Bevölkerung;laut Volkszählung von 2022 sprechen 654.000 Ecuadoranier (3,9 % der Bevölkerung) eine indigene Sprache; von diesen wiederum 85,6 %, also 560.000 (3,3 %) Kichwa . Argentinien: 50.000–120.000 (Schätzungen) Kolumbien: 5.000–20.000 (Schätzungen) Chile: wenige
Quechua ist neben Spanisch und Aymara Amtssprache in Bolivien und in Peru, in letztgenanntem jedoch laut Verfassung nur in den „Gebieten, wo sie [Quechua und Aymara] vorherrschen“. In Ecuador ist Kichwa (wie auch die anderen indigenen Sprachen) Amtssprache „in seinen Gebieten“.
In den meisten großen Universitäten des spanischsprachigen Südamerika wird Quechua als Fremdsprache gelehrt.
Varietäten mini|350px|Varietäten des Quechua
Überblick Die Varietäten des Quechua lassen sich in zwei große Gruppen einteilen, die nach dem peruanischen Sprachforscher Alfredo Torero als Quechua I und Quechua II bezeichnet werden. Die Einteilung in die Hauptäste Quechua I (Waywash) und Quechua II (Wampuy) sowie die Unterteilung des Quechua II in drei Unteräste (Quechua II a, Quechua II b und Quechua II c) geht auf jeweils unabhängige Untersuchungen von Alfredo Torero und Gary Parker in den 1960er Jahren zurück. Innerhalb der beiden Hauptzweige bilden die jeweiligen Untervarietäten Dialektkontinuen.
Quechua I (Waywash) wird in den meisten quechuasprachigen Gebieten der zentralen und nördlichen peruanischen Anden gesprochen. Die wichtigsten Dialekte sind Ankash (Ancashino) (im Departamento Ancash), Shawsha in der Provinz Jauja (im Departamento Junín) sowie Wanka (Huanca) in den Provinzen Huancayo und Concepción (ebenfalls im Departamento Junín), außerdem gibt es diverse Dialekte in den Departamentos Huánuco (Huallaga-Quechua), Cerro de Pasco, Tarma (Nord-Junín) und im Norden des Departements Lima (Yaru-Quechua).
Quechua II (Wampuy) umfasst alle im Süden Perus sowie in Bolivien, Argentinien, Chile, Ecuador und Kolumbien gesprochenen Varietäten sowie einen kleinen Teil der Varietäten des übrigen Perus. Es gliedert sich in drei Untergruppen. Die Yunkay-Gruppe (Quechua II a) umfasst die relativ wenigen Varietäten des Quechua II im zentralen und nördlichen Peru (Untergruppe Kashamarka-Kañaris in den Departements Cajamarca und Lambayeque sowie die Dialekte von Yauyos im Departement Lima, die fast ausgestorben sind), die Chinchay-Gruppe (Quechua II b, auch als nördliches Quechua bezeichnet) die Varietäten Ecuadors und Kolumbiens (Kichwa), die eine ganz eigene Sprachentwicklung genommen haben, wie auch einige Dialekte Nordperus (Kichwa-Sprachinseln in Amazonien). Das südliche Quechua (Quechua II c) umfasst alle Varietäten des südlichen Perus (Dialekte Chanka in den Departamentos Ayacucho, Huancavelica und dem nördlichen Apurímac sowie Qusqu-Qullaw im südlichen Apurímac und den Departamentos Cusco und Puno), Boliviens, Argentiniens und Chiles.
Unterschiede zwischen den beiden Hauptgruppen bestehen in vielen Teilen der Grammatik und des Wortschatzes, so dass eine Verständigung zwischen muttersprachlichen Sprechern von Varietäten des Quechua I und des Quechua II ohne Kenntnis weiterer Varietäten nur schwierig möglich ist. Die Varietäten des Quechua I unterscheiden sich trotz ihres geringen Verbreitungsgebietes auch erheblich untereinander, während das Quechua II im Vergleich dazu verhältnismäßig einheitlich ist. Die Unterschiede zwischen den Dialekten des südlichen Quechua II in Peru und Bolivien, die zahlenmäßig die größte Gruppe der Quechuasprecher umfassen, sind relativ gering und beschränken sich vor allem auf den Bereich der Phonetik.
Die Reichssprache des Inka-Reiches, die Sprache der meisten erhaltenen älteren Schriftzeugnisse und die Sprache der Mehrzahl der modernen Publikationen auf Quechua aus Peru und Bolivien beruht auf diesen südlichen Dialekten des Quechua II. Viele andere Varietäten des Quechua sind hingegen lediglich in der modernen linguistischen Fachliteratur beschrieben worden.
Klassifikation SIL International listet folgende 46 Sprachen mit entsprechenden Sprachcodes aufEthnologue-Eintrag zu Quechua (die dritte Gliederungsebene stammt nicht von SIL, sondern Alain Fabre (PDF; 874 kB)): Quechua-Sprachen (46) – [qwe] nach ISO 639-5 Quechua I = Waywash (17) Wanka-Quechua (Quechua Huanca) Quechua, Huaylla Huanca [qvw] (Peru): Waylla Wanka, Waycha Wanka Quechua, Jauja Huanca [qxw] (Peru): Shawsha Wanka Ancash-Quechua (Quechua Ancashino) Quechua, Corongo Ancash [qwa] (Peru) Quechua, Huaylas Ancash [qwh] (Peru) Quechua, Sihuas Ancash [qws] (Peru) Quechua, Chiquián Ancash [qxa] (Peru) Quechua, Northern Conchucos Ancash [qxn] (Peru) Quechua, Southern Conchucos Ancash [qxo] (Peru) Huánuco-Quechua (Alto Pativilca – Alto Marañón – Alto Huallaga) Quechua, Panao Huánuco [qxh] (Peru) Huallaga-Huánuco-Quechua (Huallaga-Quechua) [qub] (Peru) Quechua, Ambo-Pasco [qva] (Peru) Quechua, Huamalíes-Dos de Mayo Huánuco [qvh] (Peru) Quechua, Margos-Yarowilca-Lauricocha [qvm] (Peru) Yaru-Quechua Quechua, North Junín [qvn] (Peru) Quechua, Yanahuanca Pasco [qur] (Peru) Quechua, Santa Ana de Tusi Pasco [qxt] (Peru) Quechua, Cajatambo North Lima [qvl] (Peru) Tomás-Alis/Huancaya-Vitis (ausgegliedert aus SIL-Yauyos [qux]) Huangáscar-Azángaro-Topará (ausgegliedert aus SIL-Yauyos [qux]) Quechua II = Wampuy (29) Quechua II a = Yunkay (5) Yunkay-Quechua von Lima (auch „Quechua III“) Pacaraos-Quechua [qvp] (Peru) (von manchen zu Quechua I gestellt) Yauyos-Quechua [qux] (Peru): Apurí-Chocos-Madean-Viñac, Cacra-Hongos, Tana-Lincha, Laraos Quechua, Chincha [qxc] (Peru) (mit Huacarpana, Provinz Yauyos) Cajamarca-Cañaris Cajamarca-Quechua [qvc] (Peru) Lambayeque-Quechua (Inkawasi-Kañaris) [quf] (Peru) Quechua II b = Chinchay (Kichwa) (14) Chachapoyas-Quechua [quk] (Peru) Kichwa von Nordperu (Peru) Quechua, Napo Lowland [qvo] (Peru) Quechua, Southern Pastaza [qup] (Peru) Quechua, San Martín [qvs] (Peru) (Lamas-Quechua, mit Ucayali-Quechua) Kichwa von Ecuador und Kolumbien (Kreol-Quechua) Inga [inb] (Kolumbien): siehe Inga-Kichwa Inga, Jungle [inj] (Kolumbien): siehe Inga-Kichwa Quichua, Tena Lowland [quw] (Ecuador) Quichua, Northern Pastaza [qvz] (Ecuador) Quichua, Calderón Highland [qud] (Ecuador) Quichua, Chimborazo Highland [qug] (Ecuador) Quichua, Imbabura Highland [qvi] (Ecuador) Quichua, Loja Highland [qvj] (Ecuador): Saraguro Quichua, Salasaca Highland [qxl] (Ecuador) Quichua, Cañar Highland [qxr] (Ecuador) Quechua II c = Südliches Quechua (10)