Wilhelmine Amalie von Braunschweig-Lüneburg (* 21. April 1673 in Lüneburg; † 10. April 1742 in Wien) wurde durch ihre Heirat im Jahr 1699 mit Joseph I. von 5. Mai 1705 bis 17. April 1711 römisch-deutsche Kaiserin.

Leben Wilhelmine Amalie war eine Tochter des Herzogs Johann Friedrich von Braunschweig-Calenberg und dessen Gemahlin Benedicta Henriette von der Pfalz. Sie wurde von ihrer Mutter im protestantischen Glauben erzogen und wuchs dann bei ihrer Tante Louise Hollandine im Kloster Maubuisson auf. 1693 kam sie nach Hannover zurück. Zunächst gegen den Willen seiner Mutter Eleonore Magdalene von Pfalz-Neuburg warb Joseph bereits früh um sie. Sie galt als ausgesprochene Schönheit, aber auch als sehr fromm und ernst. Vor ihrer Vermählung am 24. Februar 1699 trat sie zum katholischen Glauben über und änderte ihren Namen von Wilhelmina Amalia in Amalia Wilhelmina.

Die Ehe schien anfänglich glücklich zu sein und es wurde die Hoffnung daran geknüpft, dass Joseph, der spätere Kaiser, durch diese Verbindung von weiteren amourösen Abenteuern abgehalten werden könnte. Doch dem war nicht so. Nach den ersten drei Geburten hatte er seine junge Frau mit einer venerischen Krankheit infiziert, so dass sie keine weiteren Kinder bekommen konnte. Zudem war der einzige Sohn noch vor seinem ersten Geburtstag verstorben.

Als ihr Mann 1711 an den Pocken starb, wurde sie Witwe und ihre Schwiegermutter übernahm kurzzeitig die Regentschaft. Sie lebte im Sommer mit ihren beiden Töchtern im Schloss Schönbrunn, das ihr als Witwensitz zugewiesen wurde, und verbrachte die Winter in der nach ihr benannten Amalienburg, einem Teil der Wiener Hofburg.

Bei ihrem Schwager und Nachfolger ihres Mannes, Karl VI. setzte sie die Anerkennung ihrer beiden Töchter in der Thronfolge durch, die jedoch hinter dessen Tochter zurückstanden. Anfänglich unterstützte sie ihren Schwiegersohn, Herzog Karl Albrecht von Bayern, den späteren Kaiser Karl VII., zog sich dann allerdings ins Privatleben zurück.

Im Jahr 1716 ließ sie aus den Niederlanden die Nonnen des hl. Franz von Sales (Salesianerinnen) nach Wien kommen und erwarb für diese das Haus und Grundstück des Freiherrn von Quarient auf dem Rennweg in Wien. Dort ließ sie ihnen eine Kirche und ein Kloster errichten, für das sie am 13. Mai 1717 den Grundstein legte. Es wurde 1719 an die Nonnen übergeben und 1730 ganz fertiggestellt. Amalia Wilhelmina ließ sich dort im Kloster eine Wohnung als Witwenresidenz vorhalten, in die sie sich 1722 zurückzog.Eva Maria Voglhuber: Wohnen im Herzen Gottes und im Kloster der Kaiserin. (ordensgemeinschaften.at – Vortrag gehalten am Kulturtag im Rahmen der Ordenstagungen am 27. November 2024 in Wien). In ihrer Hofkapelle hatte sie in den Jahren 1721 bis 1727 namhafte Musiker engagiert, darunter Nicolo Pini (Altist), Angelo Poli (Sopranist), Johann Otto Ponheimer (Bassist; 1686–1743), Johann Georg Körner (Fagottist), Johann Michael Edelbauer (Violinist), Georg Christoph Anton Wagenseil (Sängerknabe). Ihr Hofkapellmeister war in den Jahren 1713 bis 1715 Johann Joseph Fux.

Sie starb 1742 kurz vor ihrem 69. Geburtstag an Wassersucht. Ihrer Anordnung gemäß wurde ihr Herz zu den Füßen des Sarges ihres Mannes in der Kapuzinergruft, ihr Körper aber am 13. April 1742 in der Gruft unter dem Hochaltar bei den Salesianerinnen beigesetzt. Von ihr wurden zahlreiche Porträts angefertigt.

Werke anlässlich ihrer Vermählung Musik-/Theaterstücke Reinhard Keiser, „Cammer-Componist“ im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel und später Kapellmeister in Hamburg, komponierte die Oper Die Verbindung des großen Herkules mit der schönen Hebe (Libretto: Christian Heinrich Postel, digitalisate.sub.uni-hamburg.de). Dieses Bühnenwerk wurde, wie seinerzeit bei großen Anlässen üblich, an wichtigen kulturellen Zentren in Europa aufgeführt, so beispielsweise in Hamburg. Reinhard Keiser: Die Wiederkehr der güldnen Zeit/ Bey höchst-glücklicher Vermählung Sr. Majestät des Römischen und Hungarischen Königs Josephi I. Mit der Durchleuchtigsten Prinzessin Wilhelmina Amalia, Gebohrne Hertzogin zu Braunschweig und Lüneburg Vermittelst eines Singe-Spieles Auff dem Hamburgischen Schau-Platz vorgestellet. Spieringk, Hamburg 1699 (digitalisate.sub.uni-hamburg.de). Von Carlo Agostino Badia wurde die Serenata Imeneo triomfante musikalisch umgesetzt (). Das Frohlockende Oesterreich Und Braunschweig/ über die angesetzte … Vermählung Sr. Majestät des Römischen Königs Josephi, Mit … Wilhelmina Amalia/ Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg/ Vermittelst Eines auf dem Braunschweigischen Schau-Platz vorgestellten Prologi oder Vor-Spieles vor einer Opera … In der Braunschweigischen Winter-Messe 1699 feyerlichst aufgeführet. In: Braunschweigisches Theatrum. Christoph Friedrich Zilliger, Braunschweig 1699 (books.google.de).

Schriften Johann Ferdinand Xaver Fachner: Erfreutes Wienn, welches denen Mayestätten Josepho I. vom Ertzhauß Oesterreich und Wilhelmine Amalie, geb. Hertzogin von Braunschweig-Lüneburg zur schuldigsten Jubel-vollen Ehrenbezeugung drey Ruhm- und Ehren-Pforten auffgericht, und mit dem Einzug der Königlichen Gesponß d. 24. Febr. 1699 … beglückseeligt worden (digital.slub-dresden.de – Festschrift).

Ehrungen Der sogenannte Amalientrakt der Wiener Hofburg (Amalienburg) ist nach ihr benannt. Die heutige Hansenstraße in der Inneren Stadt hieß bis 1894 nach ihr Amaliengasse bzw. Amalienstraße. Die heutige Amalienstraße in Wien Ober-St. Veit ist seit 1869 bzw. 1922 nach ihr benannt.

Abstammung

Familie Wilhelmine Amalie und Joseph I. hatten drei Kinder: Maria Josepha (8. Dezember 1699 – 17. November 1757) ⚭ 20. August 1719 mit Friedrich August Kurfürst von Sachsen und König von Polen, mit dem sie 14 lebensfähige Kinder hatte. Leopold Joseph (1700–1701), Erzherzog Maria Amalie (1701–1756) ⚭ Kurfürst Karl Albrecht von Bayern (späterer Kaiser)

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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