Der Christliche Gewerkschaftsbund Deutschlands (CGB) ist ein Dachverband von 11 Berufsverbänden bzw. Gewerkschaften. Er ist der kleinste Gewerkschaftsdachverband in Deutschland.
Geschichte Der CGB ging aus „Arbeitervereinen“ im frühen 19. Jahrhundert hervor, aus denen 1899 in Mainz auf dem ersten Christlichen Gewerkschaftskongress der Gesamtverband Christlicher Gewerkschaften entstand. Im November 1918 wurde (zunächst zusammen mit den liberalen Gewerkschaften) der Deutsche Demokratische Gewerkschaftsbund (DDGB) als Dachverband gegründet, der ab 1919 unter dem Namen DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund) firmierte.
1933 wurde die Vereinigung und deren Mitgliedsgewerkschaften gewaltsam aufgelöst, doch wurden nach 1945 bald wieder neue Gewerkschaften und Dachverbände gegründet. So entstanden der DBB sowie als Zusammenschluss der ehemaligen Richtungsgewerkschaften von vor 1933, aus dem sozialdemokratischen Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB), dem christlich orientierten Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und der sozialliberalen Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine als Einheitsgewerkschaft der DGB.https://www.kas.de/documents/252038/253252/HPM_16_09_8.pdf/bea35955-9f31-14b7-5e6e-61e7e1c9b41c
Im Jahr 1955 vereinigten sich die inzwischen wieder gegründeten christlichen Arbeitergewerkschaften zur „Christlichen Gewerkschaftsbewegung Deutschlands“ (CGD). Aus dieser Bewegung entstand am 27. Juni 1959 in Mainz der Christliche Gewerkschaftsbund Deutschlands (CGB).
Bundesvorsitzender ist seit Oktober 2025 Hennig Röders. Sein Vorgänger im Amt war Reiner Jahns, der sein Amt aufgrund einer schweren Erkrankung vorzeitig niederlegte. Röders ist Mitglied der CDU.
Der Gewerkschaftsbund gibt den Informations-Newsletter CGB Intern monatlich heraus. Die CGB Jugend organisiert junge Mitglieder zwischen 16 und 25 Jahren. Sie hat ihre Geschäftsstelle in Lörrach.
Mitgliedsverbände Tariffähige Verbände Arbeitnehmerverband deutscher Milchkontroll- und Tierzuchtbediensteter (ADM) in Bielefeld Bund der Hotel-, Restaurant- und Cafeangestellten (Union Ganymed) in Bonn Christliche Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (CGBCE) in Saarbrücken Christliche Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner (CGDE) in Saarbrücken Christliche Gewerkschaft Metall (CGM) in Stuttgart Gewerkschaft Öffentlicher Dienst und Dienstleistungen (GÖD) in München Gewerkschaft Transport & Logistik (GTL) in Hannover
Nicht tariffähige Verbände Christliche Gewerkschaft Postservice und Telekommunikation (CGPT) in Essen Beschäftigtenverband Industrie, Gewerbe, Dienstleistung (BIGD) in Duisburg DHV – Die Berufsgewerkschaft (DHV) in Hamburg (seit Mai 2020)Pressemitteilung des Landesarbeitsgerichtes Hamburg (LAG Hamburg), 25. Mai 2020, Gewerkschaft für Kunststoffgewerbe und Holzverarbeitung (GKH) in Paderbornigmetall.de
Landesverbände Der CGB gliedert sich regional in vierzehn Landesverbände.
Landesverband VorsitzenderBaden-WürttembergRalf HoltenBayernGerhard KastnerBerlin-BrandenburgWolfgang SchneiderBremenPeter RudolphHamburgHenning Röders*HessenGerd ZimmermannNiedersachsenMatthias RickelNordrhein-WestfalenBernhard CwiklinskiRheinland-PfalzN.N.SaarlandHans-Rudolf FolzSachsen-AnhaltTorsten SchöneSachsenChristian HertzogSchleswig-HolsteinHenning Röders**ThüringenN.N * Landesbeauftragter ** kommissarisch
Tarifgemeinschaft für Zeitarbeit Im Herbst 2002 hatten sich sechs CGB Mitgliedsgewerkschaften zur Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit und Personal-Service-Agenturen (CGZP) zusammengeschlossen. Nach Rechtsstreitigkeiten waren 2009 nur noch CGM, DHV und GöD in der CGZP zusammengeschlossen. cgb.info Die Tariffähigkeit der CGZP ist, ebenso wie ihre Zuständigkeit für den Abschluss von Tarifverträgen für die Zeitarbeitsbranche, inzwischen geklärt: Nach dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 14. Dezember 2010 ist die CGZP nicht tariffähig. focus.de, 14. Dezember 2010 Schon am 1. April 2009 hatte das Arbeitsgericht Berlin auf Antrag des Landes Berlin und der DGB-Gewerkschaft ver.di entschieden, dass die CGZP nicht tariffähig sei, weil es ihr an der erforderlichen Sozialmächtigkeit fehle.Arbeitsgericht Berlin, Beschluss vom 1. April 2009, 35 BV 17008/08 gerichtsentscheidungen.berlin-brandenburg.de, ArbG Berlin 35. Kammer, Entscheidung vom 01.04.2009, Aktenzeichen 35 BV 17008/08, ECLI ECLI:DE:ARBGBE:2009:0401.35BV17008.08.0A (Volltext)
Nach sechs Jahren und über 6.000 Betriebsprüfungen kam es 2017 durch die Deutsche Rentenversicherung zu rund zwei Drittel Beitragsnacherhebungen von rund 250 Millionen Euro, die sich auf ca. 2,5 Mio. Beschäftigungsverhältnisse verteilenTarifunfähigkeit der CGZP – Bilanz nach sechs Jahren Betriebsprüfung. In: summa summarum der Deutschen Rentenversicherung, Ausgabe 2/2017 (Redaktionsschluss 27. April 2017), S. 2–3;
Im Jahr 2003 hatte sie mit drei Arbeitgeberverbänden bundesweit geltende Flächentarifverträge abgeschlossen. Die Tarifpartner, die Bundesvereinigung deutscher Dienstleistungsunternehmen (BVD), die Interessengemeinschaft Nordbayerischer Zeitarbeitsunternehmen (INZ) und die Mittelstandsvereinigung Zeitarbeit (MVZ) organisieren vor allem mittelständische Unternehmen in der Branche der Zeitarbeit.
Nachdem der CGB auch für seine mehrgliedrigen Nachfolge-„Tarifverträge“ keine Aussicht auf Bestand bei einer gerichtlichen Überprüfung gesehen hat, haben CGB und BAP auch dieses Ausweichkonstrukt zum 31. März 2013 gekündigt. personalorder.de, Abschnitt Beschreibung.
Kritik Die Gewerkschaften des Christlichen Gewerkschaftsbundes unterbieten immer wieder durch eigene Tarifverträge, die teilweise als „Gefälligkeitstarifverträge“ kritisiert werden, die bisherigen Lohnstrukturen der bestehenden Tarifverträge.
Der Tarifvertrag beim Blutspendedienst West des Deutschen Roten Kreuzes mit der Gewerkschaft Deutscher Handels- und Industrieangestellten-Verband (DHV) wurde stark kritisiert.Zur Kritik der CGB-Tarifverträge vgl. Panorama vom 22. Februar 2007. youtube.com und Dumpinglöhne – wie christliche Gewerkschaften die Arbeitnehmer verraten. (PDF) ndr.de Zudem kritisierten SPD und DGB die Rolle des Christlichen Gewerkschaftsbundes bei den Tarifverhandlungen mit den Leiharbeitsfirmen. Ihm wurde vorgeworfen, sich für Dumpinglöhne instrumentalisieren zu lassen.Flexibilität mit Folgen – Die Schattenseiten der Zeitarbeit. dradio.de, 7. Mai 2007; abgerufen am 8. April 2014.
Die Mitgliederzahlen von 280.000 Mitgliedern für den CGB, von über 100.000 Mitgliedern für die CGM und über 80.000 Mitgliedern für den DHV, werden von der IG Metall stark angezweifelt. Der Spiegel nennt für CGM und DHV zusammen Schätzungen von „womöglich“ nur 27.000 Mitgliedern. Unabhängig davon ob die Mitgliederzahlen der restlichen Mitgliedsgewerkschaften des CGB korrekt sind, müsste die Gesamtzahl der im CGB organisierten Mitglieder von den selbst angegebenen 280.000 auf maximal 127.000 mehr als halbiert werden. In einer Reportage des ARD-Magazins Report Mainz vom 10. Dezember 2007 wurde recherchiert, dass beispielsweise eine Wuppertaler Personalagentur als Arbeitgeber bei beginnenden Beschäftigungsverhältnissen neue Mitglieder für die CGZP warb, welche Teil des CGB ist. Der Gewerkschaftsbeitritt war hierbei Teil des Arbeitsvertrags und der Gewerkschaftsbeitrag wurde direkt vom Lohn abgezogen. Eine Tarifbindung mit dem betreffenden Unternehmen besteht seit Dezember 2007 nicht mehr.
Literatur Michael Schneider: Die christlichen Gewerkschaften 1894–1933. Verlag Neue Gesellschaft, Bonn 1982, ISBN 3-87831-356-X.
Weblinks
CGB-Homepage Stellungnahme der CG BCE/DHV zum Panorama Report Mainz am 10. Dezember 2007 Kritik am CGZP (Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit und PersonalService-Agenturen). swr.de Kritik am CGB – Videolink ARD Panorama vom 22. Februar 2007. youtube.com Report Mainz am 7. April 2008: „Gekaufte Pseudogewerkschaften“. swr.de Report Mainz am 28. Juli 2008: „Kritik am Haustarifvertrag mit der TNT Post“. swr.de
Beitrag aus der Fernsehsendung Frontal 21 – zu untergeschobenen Mitgliedschaften im Rahmen von Arbeitsverträgen. Veröffentlicht bei YouTube am 15. September 2012
Einzelnachweise
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Kategorie:Verbandsgründung 1959