Nalbach (im örtlichen, moselfränkischen Dialekt Nòòlbach) ist eine Gemeinde mit vier Ortsteilen im Landkreis Saarlouis im Saarland. Sie liegt an der unteren Prims, einem Nebenfluss der Saar.
Geographie mini|Blick vom Hoxberg aus auf das Nalbacher Tal mit den historischen Talgemeinden Diefflen (seit 1969 zu Dillingen/Saar), Nalbach, Piesbach, Bilsdorf und Körprich sowie auf den Nalbacher Hausberg, den 414 m hohen Litermont; Das Nebelband am Horizont bezeichnet den Verlauf der Saar mini|Nalbach, Hubertusstraße mit der Kirche St. Peter und Paul
Nalbach liegt im Tal der Prims, einem rechtsseitigen Zufluss der Saar. Höchste Erhebung ist der 414 m hohe Litermont. Die Erhebung ist eines der zahlreichen Zeugnisse des permischen Vulkanismus im Bereich des heutigen Saar-Nahe-Berglands. Der Litermont besteht hauptsächlich aus Rhyolith, einem felsischen und daher in seiner chemischen und mineralogischen Zusammensetzung dem Granit ähnliches vulkanisches Gestein. Das Gestein besteht überwiegend aus Quarz, Glimmer und Feldspat. Der Rhyolith des Litermonts entstand aus einem relativ SiO2-reichen Magma bzw. einer entsprechenden Lava. Eine solche Anreicherung, auch Magmatische Differentiation genannt, fand beim Aufstieg von Magmen innerhalb einer relativ dicken Erdkruste statt. Der Rhyolith drang in der saalischen Phase der Gebirgsbildung vor rund 275 Millionen Jahren zwischen ältere Gesteinsschichten ein.Institut für Landeskunde im Saarland:
Der geologische Untergrund Nalbachs ist der Buntsandstein. Zu einem geringeren Teil ist er oberflächlich anstehend; in weit größerem Maß wird er überdeckt von den pleistozänen und holozänen Ablagerungen von Saar und Prims. Diese Ablagerungen gehören zu einem großen Sedimentationskörper, der sich im Grundriss dreieckig darstellt, wobei die Eckpunkte etwa durch die Lage der Orte Saarlouis, Beckingen und Bilsdorf beschrieben werden können.
Sowohl der Sedimentationskörper wie auch der darunterliegende Untergrund sind im Verlauf des Quartärs durch die Kräfte der Verwitterung und Abtragung verändert worden. Dies führte letztlich dazu, dass der Raum einerseits durch horizontale Flächen, andererseits durch Hänge geprägt ist. Die Flächen stellen sich dar als die Bänke der vom Prämindel bis zum Würm datierten Flussterrassen und als Verebnungen der Flussaue der Prims. Zu den Hängen zählen die Flanken größerer und kleinerer Täler und die Wände junger Erosionsschluchten („Gräthen“). Die Flächen sind anteilsmäßig das dominierende Raumelement. Die Prims durchfließt das Nalbacher Tal von Ost nach West. Ohne künstliche Regulierung (Dammbauten, Grundwasserspiegelabsenkungen) wäre die Prims ein mäandrierender Fluss mit mehreren Auüberflutungen im Jahr.Johann Jakob Reichrath: Beiträge zur Morphologie und Morphogenese des Flussgebietes der mittleren und unteren Saar, Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde genehmigt von der Philosophischen Fakultät der Ernst Moritz Arndt-Universität zu Greifswald, Bonn 1936.Herbert Liedke: Erläuterungen zur geomorphologischen Übersichtskarte des Saarlandes, 1 : 300.000, Saarbrücken 1965.Helga Schneider: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 159, Saarbrücken, Geographische Landesaufnahme, 1 : 200.000, Bonn-Bad Godesberg 1972.Josef Jost: Diefflen, der Raum und seine anthropogene Nutzung zwischen 1858 und 1969, Wissenschaftliche Zulassungsarbeit im Fach Geographie an der Universität des Saarlandes, Dillingen 1984, S. 6–15.Hans-Walter Lorang: Die wirtschaftliche Nutzung der Flußablagerungen von Saar, Prims und Blies innerhalb des Saarlandes, Wissenschaftliche Zulassungsarbeit im Fach Geographie an der Universität des Saarlandes, Diefflen 1968.
Raumnutzung Die Gemeindefläche von 22,43 km² ist folgendermaßen aufgeteilt:
Gebäude- und Freifläche: 2,77 km² Wohnfläche: 1,35 km² Gewerbe- und Industrieflächen: 0,14 km² Erholungsflächen: 0,08 km² Landwirtschaftsflächen: 11,72 km² Waldflächen: 5,33 km² Wasserflächen: 1,09 km²
Ortsteilflächen mini|Gemarkungen des Nalbacher Tales: Das schraffierte Gebiet bezeichnet die Gemarkung Diefflens, die am 1. August 1969 nach Dillingen ausgemeindet wurde. Das punktierte Gebiet (Bahnhofsviertel) wurde von der Gemeinde Saarwellingen am 1. Januar 1974 an die Gemeinde Nalbach abgetreten. Auf die einzelnen Ortsteile entfallen folgende Flächen: Nalbach: 9,99 km² Piesbach: 5,35 km² Körprich: 3,72 km² Bilsdorf: 3,37 km²
Die Gemarkung von Nalbach als Einzelort umfasst 13 Flure. Das Ortszentrum befindet sich in Flur 10. Die Gemarkung von Piesbach umfasst 11 Flure. Das Ortszentrum von Piesbach befindet sich in Flur 4, das Zentrum von Bettstadt in Flur 6. Die Gemarkung von Bilsdorf umfasst 7 Flure. Das Ortszentrum befindet sich in Flur 4. Die Gemarkung von Körprich umfasst 8 Flure. Das Ortszentrum befindet sich in Flur 2. Die Gemarkung der bis zum Jahr 1969 zum Nalbach Tal gehörenden Gemeinde Diefflen umfasst 10 Flure. Das Ortszentrum befindet sich in Flur 6. Insgesamt verfügt die Gemeinde Nalbach über 39 (vor 1969 über 49) Flure. Die Gesamtgemarkung grenzt im Uhrzeigersinn an folgende Nachbargemarkungen: Düppenweiler, Hüttersdorf, Knorscheid, Saarwellingen sowie Dillingen mit Diefflen und Pachten.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 62.
Einwohnerzahlen der einzelnen Ortsteile Die Einwohnerzahl von ca. 9700 Menschen teilt sich folgendermaßen auf: Nalbach: 4.257 Piesbach: 2.160 Körprich: 2.038 Bilsdorf: 1.264 (abgerufen am 6. Juni 2019)
Historische abgegangene Siedlungen Neben den aktuell bestehenden Ortsteilen des Nalbacher Tales bestanden historisch noch vier weitere Siedlungen, die später allerdings zu Wüstungen wurden.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 41–43. Heuchlingen (zwischen Nalbach und Diefflen) Theter (zwischen Piesbach und Bettstadt) Heisterbach (zwischen Diefflen und Düppenweiler) Heynschiet (zwischen Diefflen und Düppenweiler)
Nachbarkommunen Die Gemeinde hat fünf Nachbarkommunen. Im Uhrzeigersinn sind das Beckingen, Schmelz (Saar), Lebach, Saarwellingen und Dillingen/Saar.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte, Antike Wie zahlreiche archäologische Funde belegen, war das Saar- und das Primstal bereits von der Altsteinzeit an durchgehend bis heute von Menschen besiedelt. Das Nalbacher Tal war wohl bereits in der Bronzezeit (etwa 2200 bis 800 v. Chr.) von einem wichtigen Verkehrsweg, der von der Mosel an den Rhein führte, durchzogen. Der Weg verband die meisten keltischen Siedlungszentren des heutigen Saarlandes mit ihren Befestigungsanlagen und ihren Fürstengräbern. Innerhalb des heutigen Saarlandes führte er von Merten über Wallerfangen durch das Nalbacher Tal. Ab der Mündung der Theel in die Prims folgte er dem rechten Theelufer nach Theley. Hier gabelte sich der Weg zum sogenannten Hunnenring von Otzenhausen, nach Rheinheim, sowie nach Freisen und Schwarzerden.Robert Schuler: Das Land der Kelten um den Hunnenring von Otzenhausen, mit Beiträgen von Thomas Fritsch, Andrei Miron, Walter Reinhard und Mathias Wiegert, Hochwälder Hefte zur Heimatgeschichte, hrsg. vom Verein für Heimatkunde Nonnweiler e. V., 20. Jahrgang, Heft 40, Mai 2000, Jubiläumsausgabe, Nonnweiler, 2. Ausgabe 2003, S. 196–197. Die heutige Hauptachse Diefflens, Nalbachs und Piesbachs orientiert sich ganz an dieser seit der Bronzezeit vorgegebenen Wegeführung.
Im Jahr 1976 wurden im Nalbacher Ortsteil Bilsdorf (Flur 5, Gemarkung Bilsdorf) beim Ausbaggern eines Weihers in der Brückenstraße in einer Tiefe von 2,50 m Gebäudereste aus der Römerzeit aufgefunden. Es handelt sich dabei um römische Postamentsteine, die das Fundament eines römischen Fachwerkgebäudes bildeten. Darüber hinaus wurde im gleichen Fundgebiet ein römischer Kultstein (Höhe: 90, Schaft: 35 × 35 cm, Fuß und Oberteil: 50 × 50 cm) entdeckt.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales. Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 15–20.
Mittelalter mini|Lage Nalbachs (Nagalbach) im Herzogtum Lothringen um das Jahr 1000
Nalbach (mundartlich: Nôlbach) wurde um das Jahr 950 unter dem Namen „Nagelbach“ in der Mettlacher Wallfahrerurkunde des Erzbischofs Ruotbert von Trier erstmals urkundlich erwähnt.LHA Koblenz, Abt. 215, Nr. 3928, Blatt 4 verso.
Der Ortsname dürfte in vorkarolingischer Zeit entstanden sein. Der Name könnte allerdings auch schon aus der Zeit vor der Fränkischen Landnahme, die in einem Zeitraum vom 5. bis zum 8. Jahrhundert erfolgte, stammen. Damit wäre der nach einem Bach benannte Ortsname trotz späterer deutscher Überprägung vorgermanisch.Kurt Hoppstädter, Hans-Walter Herrmann (Hrsg.): Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes, hrsg. vom Historischen Verein für die Saargegend, Band 1: Vom Faustkeil zum Förderturm, Saarbrücken 1960, S. 62–63. Der namensgebende Nalbach ist einer von drei Bächen (Nalbach, Fußbach, Etzelbach), die den Ort früher, vom Litermont herkommend, durchflossen. Heute sind alle diese Bäche verrohrt und münden in die Prims.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 22. Der ortsnamensgebende Nalbach (Zusammenfluss von Zimmerbach, Breimschbach und Rondelbach) fließt in der gedachten Verlängerung der Primsstraße in die Prims.
Historische Schriftbilder Nalbachs: 1036: Nagalbac 1048: Nagelbach 1154: Nalbach ca. 1195: Nagilbach 1229: Nallenbach 1280: Nalbach 1287: Nailbach und Nalbach 1324: Naelbach 1527: Nolbach 1631: Nahlbach; dann bis heute Nalbach
Im Jahre 1048 schenkte der Erzbischof von Trier, Eberhard von Schwaben, den Hof Nagelbach dem Trierer Simeonstift. Die Nalbacher Kirche wird im Jahr 1154 und 1179 erstmals urkundlich erwähnt. Nalbach gehörte im Mittelalter zum Archidiakonat St. Mauritius Tholey und zum Dekanat bzw. Landkapitel Merzig im damaligen Erzbistum Trier. Das Petrus-Patrozinium (Fischerpatron) könnte auf die Entstehung Nalbachs als Fischersiedlung an der damals fischreichen Prims hindeuten. Ebenso ist ein Bezug zum Petrus-Patrozinium des Trierer Domes denkbar. Das Petrus- bzw. Petrus-und-Paulus-Patrozinium zählt zu den typischen fränkischen Patrozinien des Saarlandes.Kurt Hoppstädter, Hans-Walter Herrmann (Hrsg.): Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes, hrsg. vom Historischen Verein für die Saargegend, Band 2: Von der fränkischen Landnahme bis zum Ausbruch der französischen Revolution, Saarbrücken 1977, S. 23.
Das Gebiet des Nalbacher Tales war ursprünglich Reichsgebiet, bevor es zum Kurfürstentum Trier kam. Um das Jahr 1195 wird als Nalbacher Vogt Adalbert von Nalbach und ein zugehöriger Hofmeier genannt. Im Protokoll des Jahrgedings von 1324 werden die Nalbacher Talgemeinden Diefflen, Piesbach und Bettstadt sowie die Nalbacher Mühle genannt. Kurz darauf, im Jahr 1327, werden die Talgemeinden Körprich, Theter, Heisterbach, Heynschiet und die Bettstadter Mühle erwähnt. Dabei bestand das Nalbacher Tal aus zwei Vogteien unter der Leitung von Rudolf von Nalbach und Nikolaus von Kastel. Für das Jahr 1332 ist erstmals urkundlich die Körpricher Kapelle erwähnt.
Im Jahr 1358 übertrug das Trierer Stift St. Simeon die Schirmherrschaft über das Nalbacher Tal dem Grafen Heinrich von Veldenz. Im Jahr 1393 übertrug der Nalbacher Vogt Nikolaus von Kastel und seine Ehefrau Margarete dem Stift St. Simeon das Dorf Theter im Nalbacher Tal. Die genannte Margarete ist vermutlich das Vorbild der legendären Margarete vom Litermont aus der örtlichen Maldix-Sage.