Gesellschaft: JR East
Die Yamanote-Linie (jap. , Yamanote-sen) ist eine Eisenbahnstrecke in der japanischen Hauptstadt Tokio. Sie wird von der Bahngesellschaft JR East betrieben und ist eine Ringlinie rund um die Tokioter Innenstadt. Die Yamanote-Linie ist eine der verkehrsreichsten und wichtigsten Linien der Metropolregion und verbindet die meisten größeren Bahnhöfe und Subzentren, darunter Marunouchi, Ginza, Shinagawa, Shibuya, Shinjuku, Ikebukuro und Ueno. Bis auf zwei Ausnahmen bieten alle 30 Bahnhöfe Anschlüsse an andere Eisenbahn- oder U-Bahn-Linien.
Intern bezeichnet JR East mit Yamanote-Linie jenen viergleisigen 20,6 km langen Korridor zwischen den Bahnhöfen Shinagawa und Tabata über Shinjuku. Dieser Korridor besteht aus einem Gleispaar, das von den Yamanote-Nahverkehrszügen genutzt wird und einem weiteren parallelen Gleispaar namens Yamanote-Güterlinie, das von den Zügen der Saikyō-Linie und der Shōnan-Shinjuku-Linie, vereinzelten Schnellzügen sowie von Güterzügen genutzt wird. Im alltäglichen Sprachgebrauch, auf Karten und Bahnhofsschildern bezeichnet Yamanote-Linie den Nahverkehr auf der gesamten 34,5 km langen Ringstrecke, die neben der Yamanote-Linie im eigentlichen Sinn auch die zentralen Abschnitte der Tōhoku-Hauptlinie und der Tōkaidō-Hauptlinie über den Bahnhof Tokio umfasst.
Der älteste Teil der Yamanote-Linie wurde 1885 von der Bahngesellschaft Nippon Tetsudō zwischen Shinagawa und Akabane entlang dem damaligen westlichen Stadtrand verlegt, um die Tōhoku-Hauptlinie und die Tōkaidō-Hauptlinie miteinander zu verbinden. Mit der Ausdehnung des Stadtgebiets änderte die Strecke ihren Charakter und entwickelte sich zu einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen der Stadt. Der Ringbetrieb in seiner heutigen Form besteht seit 1925.
Allgemeine Merkmale Die Yamanote-Linie ist 34,5 km lang, ist in Kapspur (1067 mm) verlegt und mit 1500 V Gleichspannung elektrifiziert. Sie verläuft in einer Schleife rund um das Stadtzentrum von Tokio, der Hauptstadt Japans. Dabei stellt sie an mehreren Bahnhöfen Anschlüsse an weitere Linien von JR East her (konventionelle und Shinkansen-Linien). Dasselbe gilt für Radiallinien privater Eisenbahngesellschaften, die vom Stadtzentrum in verschiedene Richtungen verlaufen, sowie für U-Bahn-Linien, die durch das Stadtzentrum verlaufen. Sie verbindet mehrere bedeutende Endbahnhöfe, die zu den meistfrequentierten der Welt gehören, darunter Ueno, Tokio, Shinagawa, Shibuya, Shinjuku und Ikebukuro. Während der acht Jahrzehnte dauernden Staatsbahn-Ära war es den kleineren privaten Bahngesellschaften nicht erlaubt, ihre Vorortstrecken in das von der Yamanote-Linie umschlossene Gebiet hinein zu verlängern, weshalb sie ihre geschäftlichen Aktivitäten auf die Gebiete rund um die Endbahnhöfe konzentrierten. Auf diese Weise entstanden mehrere Subzentren.
Aufgrund der zentralen Lage der Yamanote-Linie, welche die wichtigsten Pendlerknotenpunkte und Geschäftsgebiete Tokios miteinander verbindet, ist die Linie sehr stark ausgelastet. Abschnitte der Linie waren in den 1990er Jahren zu mehr als 250 % ausgelastet. Dieser Wert sank in den 2000er Jahren auf etwas über 200 % und im Jahr 2018 auf unter 150 %. Der Rückgang ist auf die Einführung größerer und häufiger verkehrender Züge auf der Yamanote-Linie sowie auf die Inbetriebnahme paralleler Entlastungsstrecken wie der Fukutoshin-Linie und der Ueno-Tokio-Linie zurückzuführen.
Der Nutzungsquotient der Yamanote-Linie lag im Jahr 2018 bei 1.134.963 Fahrgästen pro Streckenkilometer. Die in einem 2015 veröffentlichten Bericht des MLIT angegebene tägliche Fahrgastzahl betrug 4.098.582 Personen pro Tag. In beiden Fällen bezieht sich „Yamanote-Linie“ jedoch auf die interne Definition von JR East, das heißt für den Schienenkorridor zwischen den Bahnhöfen Shinagawa und Tabata über Shinjuku, der die Fahrgäste der Saikyō- und der Shōnan-Shinjuku-Linie auf der parallelen Yamanote-Güterlinie einschließt. Die Fahrgäste der Yamanote-Linie zwischen Tabata und dem Bahnhof Shinagawa über Tokio sind hingegen nicht darin inbegriffen und werden als Teil der Tōhoku- und der Tōkaidō-Hauptlinie gezählt.
Name Das Wort Yamanote bezeichnet im Allgemeinen eine hügelige Gegend im Landesinneren (im Gegensatz zu einem Gebiet in Meeresnähe). In Tokio liegt Yamanote an der Westseite der Yamanote-Linie. Das Wort setzt sich aus den Morphemen yama („Berg“), dem Genitivsuffix no und te („Hand“) zusammen. Es bedeutet wörtlich übersetzt „die Hand des Berges“ und beschreibt ein Vorgebirge. Yamanote-sen wird im Japanischen offiziell ohne das Kana no ( bzw. ) geschrieben, was die Aussprache in Drucksachen mehrdeutig macht, denn die Zeichen können auch als yamate ausgesprochen werden. Nach dem Ende des Pazifikkriegs ordnete der Supreme Commander for the Allied Powers an, dass auf allen Beschriftungen auch die lateinische Schrift verwendet werden solle. Infolgedessen verbreitete sich die latinisierte Umschrift Yamate, bis die Japanische Staatsbahn 1971 die standardisierte Umschrift Yamanote einführte.
Streckenbeschreibung mini|Bahnhof Ōsaki mit Yamanote-Güterlinie und Yamanote-Linie (rechts) Nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof Shinagawa unterquert die Strecke die Keikyū-Hauptlinie und führt zunächst in südlicher Richtung einem Graben entlang, der parallel zur Keihin-Tōhoku-Linie, zur Tōkaidō-Hauptlinie, zur Yokosuka-Linie und zur Tōkaidō-Shinkansen verläuft. Es folgt eine scharfe Rechtskurve, wobei die Strecke sich nach Nordwesten wendet. Kurz vor Ōsaki trifft sie auf die Yamanote-Güterlinie. Auf deren Gleisen verkehren die Züge der Shōnan-Shinjuku-Linie, der Saikyō-Linie und der Rinkai-Linie. In Ōsaki mündet auch die Verbindung vom Hauptdepot in die Strecke ein. Weiter in nordwestlicher Richtung führt sie in Gotanda unter dem Bahnsteig der Tōkyū Ikegami-Linie hindurch. Der nachfolgende Bahnhof Meguro ist an die Tōkyū Meguro-Linie angeschlossen. Anschließend unterquert die Yamanote-Güterlinie die Gleise der Yamanote-Linie und wechselt von der linken zur rechten Seite. Der Bahnhof Ebisu erhielt 1996 einen Bahnsteig an der Yamanote-Güterlinie und war bis 2002, als die Rinkai-Linie ihren Betrieb aufnahm, der südliche Ausgangspunkt der Saikyō-Linie.
Im bedeutenden Verkehrsknotenpunkt Shibuya kann unter anderem zur Keiō Inokashira-Linie, zur Tōkyū Den’entoshi-Linie, zur Tōkyū Tōyoko-Linie und zu drei U-Bahn-Linien umgestiegen werden. Anschließend gelangt man nach Harajuku; dieser Bahnhof verfügt über einen eigenen Bahnsteig für das Kaiserhaus. Unmittelbar vor Yoyogi trifft die Strecke auf die von Osten kommende Trasse, die gemeinsam von der Chūō-Hauptlinie, der Chūō-Schnellbahnlinie und der Chūō-Sōbu-Linie genutzt wird. Die Yamanote-Gleise liegen nun am westlichen Rand eines breiten Schienenkorridors nach Shinjuku, einem der bedeutendsten Verkehrsknotenpunkte des Landes. Neben den drei Chūō-Linien besteht hier auch Anschluss an die Keiō-Linie, die Neue Keiō-Linie, die Odakyū Odawara-Linie und vier U-Bahn-Linien. Auf der Höhe des Bahnhofs Seibu-Shinjuku zweigen die Chūō-Linien in westlicher Richtung ab und unterqueren dabei die Yamanote-Linie. Diese wiederum verläuft über Shin-Ōkubo bis Takadanobaba parallel zur Seibu Shinjuku-Linie. Nach deren Überquerung passiert die Yamanote-Linie den Bahnhof Mejiro, unterquert die Seibu Ikebukuro-Linie und erreicht den Knotenbahnhof Ikebukuro, wo Anschluss an die Tōbu Tōjō-Hauptlinie und drei U-Bahn-Linien besteht.
Nördlich von Ikebukuro zweigt die Saikyō-Linie auf die frühere Akabane-Linie ab, während die Yamanote-Linie und die Yamanote-Güterlinie ihre Fahrtrichtung nach Osten ändern. Weiter geht es über Ōtsuka und Sugamo zum Bahnhof Komagome, in dessen Nähe sich der einzige höhengleiche Bahnübergang an der Ringstrecke befindet. Östlich davon macht die Yamanote-Güterlinie, auf der die Shōnan-Shinjuku-Linie verläuft, unter der eigentlichen Yamanote-Linie hindurch eine Linkskurve und führt nordwärts durch den Nakazato-Tunnel zur Trasse der Tōhoku-Hauptlinie. Die Yamanote-Linie wiederum biegt nach Südosten ab und trifft in Tabata auf die Keihin-Tōhoku-Linie und die Schnellfahrstrecke Tōhoku-Shinkansen, denen sie nun folgt. Der Abschnitt von Tabata bis zum Bahnhof Tokio verläuft offiziell auf der Tōhoku-Hauptlinie, wobei die Züge der Yamanote-Linie zwischen den nord- und südwärts führenden Gleisen der Keihin-Tōhoku-Linie liegen. Über Nishi-Nippori, von wo aus die Utsunomiya-Linie und die Takasaki-Linie denselben Schienenkorridor nutzen, wird Nippori erreicht, der nominelle Ausgangspunkt der Jōban-Linie. Dort besteht Anschluss an die kreuzende Keisei-Hauptlinie und den Nippori-Toneri Liner, während die Schnellfahrstrecke ab hier einen Tunnel nutzt.
mini|Bahnhof Takanawa Gateway In einer weiten Rechtskurve verläuft die Yamanote-Linie entlang dem Rand des Ueno-Parks über Uguisudani nach Ueno. Die Utsunomiya-Linie, die Takasaki-Linie und die Jōban-Linie hatten früher in diesem Bahnhof ihren Endpunkt, doch seit 2015 werden sie über die parallel zu den Yamanote- und Keihin-Tōhoku-Gleisen verlaufende Ueno-Tokio-Linie weiter in Richtung Stadtzentrum geführt. In Ueno besteht zudem Anschluss an die Shinkansen-Linien und an zwei U-Bahn-Linien. Über Okachimachi wird der Turmbahnhof Akihabara erreicht, wo die Chūō-Sōbu-Linie gekreuzt wird und auch auf den Tsukuba-Express umgestiegen werden kann. Kurz nach Akihabara taucht die Schnellfahrstrecke aus dem Tunnel auf; in diesem Bereich verläuft die Ueno-Tokio-Linie aufgeständert über den Shinkansen-Gleisen. Beim nachfolgenden Bahnhof Kanda mündet von Nordwesten her die Chūō-Hauptlinie in den Bahnkorridor ein. Der Bahnhof Tokio ist Endstation der Tōhoku- und Tōkaidō-Shinkansen, der Tōkaidō- und Chūō-Hauptlinien sowie der Keiyō-Linie, der Yokosuka-Linie und der Sōbu-Schnellbahnlinie, die von unterirdischen Bahnsteigen aus verkehren.
Der Abschnitt bis Shinagawa gilt offiziell als Teil der in südsüdwestlicher Richtung verlaufenden Tōkaidō-Hauptlinie. Er wird von der Keihin-Tōhoku-Linie und der Tōkaidō-Shinkansen flankiert, während die Gleise der Yokosuka-Linie in einem Tunnel verlaufen. Über Yūrakuchō wird Shimbashi erreicht, wo sich einst der Güterbahnhof Shiodome befand, der von 1872 bis 1914 der Ausgangspunkt der Tōkaidō-Hauptlinie war. Dort befindet sich auch die Endstation der Yurikamome-Bahn. Diese verläuft bis kurz vor dem nachfolgenden Bahnhof Hamamatsuchō parallel zum Tōkaidō/Yamanote-Korridor; dort wiederum beginnt die Strecke der Tokyo Monorail zum Flughafen Tokio-Haneda. Über Tamachi gelangt man auf der Yamanote-Linie nach Takanawa Gateway, mit Baujahr 2020 der jüngste Bahnhof in der Innenstadt. Schließlich wird in Shinagawa der Kreis geschlossen.
Betrieb mini|Depot bei Ōsaki Sämtliche Züge der Yamanote-Linie halten an allen Zwischenstationen und es gibt keine Eilzugverbindungen, die einzelne Bahnhöfe überspringen. Solche werden stattdessen auf Linien angeboten, die zum Teil parallel zur Yamanote-Linie verlaufen, aber andere Gleise befahren und somit betrieblich eigenständig sind. Es handelt sich dabei einerseits um die Keihin-Tōhoku-Linie zwischen Tabata und Shinagawa sowie um die Saikyō-Linie und die Shōnan-Shinjuku-Linie zwischen Ōsaki und Bahnhof Ikebukuro. Die Fahrtzeit für die 34,5 km lange Runde beträgt in der Regel 59 Minuten, während der Hauptverkehrszeit 60 oder 61 Minuten. Die Betriebszeit erstreckt sich von ca. 4:30 Uhr morgens bis 1:00 Uhr nachts. Tagsüber fahren die Züge an Werktagen alle fünf Minuten, während der Hauptverkehrszeit alle drei bis vier Minuten.