mini|hochkant=1.5|Fischer von Lorenzkirch im Jahr 1850 mit ihren Reusen, jenseits der Elbe liegt die Stadt Strehla.(Kolorierter Stahlstich)

Strehla ist eine charakteristisch mittelalterlich geprägte Kleinstadt im Landkreis Meißen in Sachsen. Sie liegt an der Elbe nördlich von Riesa. Der Name kommt vom altsorbischen und bedeutet „Pfeil“ oder möglicherweise „Wasserarm“.Ernst Eichler/Hans Walther: Ortsnamenbuch der Oberlausitz: Namen- und Siedlungskunde. Akademie-Verlag, Berlin (DDR) 1978, S. 306.

Ortsgliederung Strehla besteht aus den Ortsteilen Forberge, Görzig, Trebnitz, Großrügeln, Lößnig, Paußnitz, Oppitzsch und Unterreußen (Stand 2014). Paußnitz und Lößnig kamen 1994 nach der Verwaltungsreform als Ortsteile hinzu.

Geschichte Erster Nachweis und Entwicklung Strehla wurde 1002 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Es lag an der Hohen Straße, die Handelsstraße („Alte Salzstraße“) und gleichzeitig Jakobsweg von Görlitz nach Santiago de Compostela war (siehe Abschnitt Straßen). Frühzeitig wurde der Flussübergang durch eine Burg gesichert, die nur einen Pfeilschuss von der Furt entfernt war.

Die Herren von Strehla (Strele) werden den Nachfahren Widukinds zugerechnet. Als Ritter von Strele wurden sie in der Lausitz bekannt, als sie ab Beginn des 13. Jahrhunderts vom Markgraf Konrad mit den Herrschaften Storkow und Beeskow belehnt wurden und in den nächsten zweihundert Jahren zahlreiche weitere Burgen, Siedlungen und Städte besaßen. Die Herren von Torgau waren vor 1383 Grundherren von Strehla (Dahlen u. Nerka). Die angesessene Familie von Strele starb 1384 aus.

Die Stammburg Strehla gehörte seit der Zeit der Renaissance bis 1945 der Familie von Pflugk.

Im Rahmen des Siebenjährigen Krieges fand in der Nähe des Ortes am 20. August 1760 das Gefecht bei Strehla zwischen preußischen Truppen und der Reichsarmee statt. mini|Links Schiffmühlen auf der Elbe bei Lorenzkirch und Strehla um 1840 Die Bewohner des Ortes lebten überwiegend von der Landwirtschaft, vom Fischfang, sowie vom Salzhandel, weil durch den Ort die Salzstraße führte.

Im Jahr 1897 konnte in Strehla das erste kommunale Schulgebäude in Betrieb genommen werden.

Kriegsende 1945 Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs stand im Gebiet zwischen Mulde und Elbe im April 1945 das XXXXVIII. Panzerkorps der 12. Armee der Wehrmacht. Der Oberbefehlshaber der 12. Armee, General Walther Wenck, befahl am 20. April 1945, das gesamte Korps abzuziehen. Um den Rückzug versprengter deutscher Soldaten mit ihren Einheiten zu ermöglichen, sprengte die Wehrmacht am 22. April eine mit über 400 Flüchtlingen besetzte Notbrücke über die Elbe.

Ab 24. April 1945 begannen US-Truppen, Aufklärungspatrouillen in die nun „wehrmachtsfreie Zone“ zu schicken. Am 25. April 1945 erreichten Patrouillen des 273. Infanterieregiments der 69. Division der US Army von der Mulde aus die Elbe bei Strehla und Torgau.

Die erste Begegnung US-amerikanischer und sowjetischer Truppen auf deutschem Boden fand am 25. April 1945 um 12.00–13.00 Uhr auf den Elbwiesen bei Lorenzkirch statt (und nicht, wie oft behauptet, bei der 30 km flussabwärts an der Elbe gelegenen Stadt Torgau). Albert Kotzebue, Leutnant des 273. Infanterieregiments der 69. Division V. Korps, 1. US-Armee, überquerte mit drei Männern seines fünfköpfigen Aufklärungstrupps (unter ihnen der Soldat und spätere Friedensaktivist Joseph „Joe“ Polowsky) bei Strehla im Boot die Elbe. Sie begegneten dort dem sowjetischen Oberstleutnant Alexander Gordejew, Kommandeur der Vorausabteilung des sowjetischen Garde-Schützen-Regiments 175. Das Treffen in Lorenzkirch wurde weder protokolliert noch veröffentlicht.April 1945 in Lorenzkirch – 1. Treffen zwischen Russen und Amerikanern. In: Der Heimatbote – Ausflüge in Kultur und Geschichte zwischen Elbe und Mulde. Heft 14. Verlags-, Werbe- und Phila-Service Robert Schmidt. Oschatz.Uwe Niedersen (Hrsg.): Soldaten an der Elbe. US-Armee, Wehrmacht, Rote Armee und Zivilisten am Ende des Zweiten Weltkrieges. Sächsische Landeszentrale für politische Bildung. Dresden/Torgau 2008, S. 103, 170–173, 183–195.Yanks treffen Rote – Begegnung an der Elbe. Militärverlag Berlin 1990, ISBN 3-327-00986-4. Berichte amerikanischer und sowjetischer Soldaten, die beim Treffen dabei waren.Das Jahr 1945 in Lorenzkirch und Umgebung. Deutsche Zeitzeugen berichten. Zusammengetragen von Heinz Schöne.

Ebenfalls am 25. April 1945 um 13.30 Uhr kam es in Kreinitz bei Strehla an der Elbe zur zweiten Begegnung der amerikanischen Kotzebue-Patrouille mit Oberstleutnant Alexander Gordejew. Dieses Treffen wurde auf russischer Seite als erste Begegnung protokolliert; am nächsten Tag wurden für die Medien inszenierte Bilder hergestellt.

Um 15.30 Uhr traf eine amerikanische Patrouille (bestehend aus William Robertson, Frank Huff, James McDonnell und Paul Staub) in Torgau auf sowjetische Soldaten. 2nd Lieutenant Robertson und seine Männer wurden auf der zerstörten Elbebrücke von Leutnant Alexander Silwaschko und sowjetischen Soldaten freudig empfangen. Am 26. April 1945 wurde dort die erste Begegnung von Soldaten der USA und UdSSR für die Kameras nachgestellt. Der Elbe Day am 25. April ist seitdem ein Gedenktag des Zweiten Weltkriegs.

1945 bis 1990 In den 1960er Jahren entstanden im Ort eine Jugendherberge, ein Tierpark, ein Freibad sowie viele Sporteinrichtungen. Aufgrund der Lage am Elbufer wurde er zu einem Naherholungsgebiet. Die 1891 in Betrieb genommene Schmalspurbahn Oschatz-Strehla wurde 1972 stillgelegt. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts enthüllte die Stadt zur Erinnerung daran ein Denkmal am ehemaligen Bahnhofsgelände. 1972 wurde auch die katholische St.-Hedwigs-Kapelle eingeweiht, sie gehörte zur Pfarrei Riesa und wurde 2016 wieder geschlossen.Tag des Herrn. Ausgabe 36/2016 vom 4. September 2016, S. 13.

Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Görzig eingegliedert.

Im Stadtzentrum blieben die meisten mittelalterlichen Wohnhäuser erhalten und die DDR-Regierung stellte das Ensemble im Jahr 1978 unter Denkmalschutz.

Die allgemeine Unzufriedenheit mit dem Stillstand der Entwicklung führte auch in Strehla 1989 zu Unruhen.

Seit 1990

Mitte der 1990er Jahre begannen in Strehla Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten: Unter anderem wurden Wohnhäuser rund um den Markt denkmalgerecht wieder hergestellt, die Stadtkirche erhielt eine neugegossene Glocke, das Seniorenheim wurde erweitert und das Stadtbad wurde ein Erlebnisbad. Die ehemalige Schlossgärtnerei wurde zu einem öffentlichen Park und 2004–2006 noch einmal umgestaltet.

Die Elbflut 2002 verschonte auch Strehla nicht und ihre Spuren mussten beseitigt werden. Darüber hinaus ließ die Stadtverwaltung ein Jugend- und Freizeithaus sowie ein Feuerwehrhaus errichten. Im Jahr 2009 eröffnete das erste Heimatmuseum seine Pforten.Homepage zum Heimatmuseum Strehla.

Eingemeindungen

+ Eingemeindungen in die Stadt Strehla Ehemalige Gemeinde bzw. Gutsbezirk Datum Anmerkung Strehla, Gutsbezirk Rittergut (mit Schloss) um 1922 Teileingliederung des selbstständigen Gutsbezirks in die Stadt Strehla KleinrügelnDas Sachsenbuch. Kommunal-Verlag Sachsen, Dresden 1943 1. April 1936 GörzigGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Hrsg.: Statistisches Bundesamt. 1. Juli 1950 Großrügeln 1. Januar 1957 Oppitzsch 1. September 1973 Paußnitz Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen. 1. Januar 1994

+ Eingemeindungen in selbstständige Orte, die später in die Stadt Strehla eingemeindet wurden  Ehemalige Gemeinde bzw. Gutsbezirk Datum Anmerkung Forberge 1. September 1961 Eingemeindung (mit Ortsteil Oberreußen mit Vorwerk) nach Oppitzsch (später wird der Ort Oberreußen dem Ortsteil Unterreußen, das Vorwerk dem Ortsteil Forberge und die Ziegelei Forberge dem Ortsteil Oppitzsch angegliedert, die Gemarkungsgrenze der Gemarkung Forberge mit Oberreußen änderte sich dadurch nicht) Görzig, Vorwerk/Rittergut (Gutsbezirk Rittergut Strehla) um 1922 Eingliederung als Bestandteil des selbstständigen Gutsbezirks Rittergut Strehla in die Gemeinde Görzig Lößnig 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Paußnitz Lößnig, Gutsbezirk Rittergut 1928 Eingliederung des selbstständigen Gutsbezirks in die Gemeinde Lößnig OberreußenFinanzministerialblatt für das Königreich Sachsen 1914 1. Juli 1914 zwischen 15. Oktober 1923 und 1938 Eingemeindung nach Gröba (gehört seit 1923 zu Riesa) Umgliederung des Ortsteils mit dem Vorwerk Gut Gröba (vormals Oberreußen) in die Gemeinde Forberge Oberreußen, Vorwerk (seit 1914 Vorwerk Gut Gröba, Teil des Gutsbezirks Rittergut Gröba) um 1922 zwischen 15. Oktober 1923 und 1938 Eingliederung als Bestandteil des selbstständigen Gutsbezirks Rittergut Gröba in die Gemeinde Gröba (gehört seit 1923 zu Riesa) Umgliederung des Vorwerks Gut Gröba (vormals Oberreußen) in die Gemeinde Forberge Oppitzsch, Gutsbezirk Rittergut um 1922 Eingliederung als des selbstständigen Gutsbezirks in die Gemeinde Oppitzsch Unterreußen 1. September 1961 Eingemeindung nach Oppitzsch Trebnitz, Vorwerk (Gutsbezirk Rittergut Strehla) um 1922 Eingliederung als Bestandteil des selbstständigen Gutsbezirks Rittergut Strehla in die Gemeinde Görzig (die Schäferei Trebnitz wird in den Ortsteil Görzig eingegliedert) Strehla, Gutsbezirk Rittergut um 1922 Teileingliederung des selbstständigen Gutsbezirks in die Gemeinde Görzig

Politik

Stadtrat mini|Rathaus Folgende Ergebnisse wurden bei den Gemeinderatswahlen ab 1994 erreicht, alle Angaben in Prozent:Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen – Wahlen, Volksentscheide

Jahr FWG CDU AfDBSWFS Linke NPD SPD FDP DSU 1994 7,3 58,1 ––– 16,9 – 11,3 4,6 1,7 1999 10,2 55,0 ––– 24,8 – 10,1 – – 2004 15,8 45,6 ––– 22,8 – 8,0 7,8 – 2009 20,8 51,3 ––– 16,3 5,6 6,0 – – 2014 31,4 35,0 ––– 19,1 8,6 5,8 – – 2019 38,2 27,1 13,0–– 8,4 8,4 4,8 – – 202436,127,113,513,49,8–––––

Daraus ergaben sich folgende Sitzverteilungen im Stadtrat mit insgesamt 16 Sitzen: Jahr FWG CDU AfDBSWFS Linke NPD SPD FDP DSU 1994 1 10 ––– 3 – 2 0 0 1999 1 10 ––– 4 – 1 – – 2004 2 8 ––– 4 – 1 1 – 2009 3 9 ––– 2 1 1 – – 2014 5 6 ––– 3 1 1 – – 2019 7 5 2–– 1 1 0 – – 202464122––––

Bürgermeister Jörg Jeromin von der Freien Wählergemeinschaft Strehla (FWG)Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gemeinderatswahl 2014 – Wahlvorschläge. ist seit dem 12. September 2015 der amtierende Bürgermeister der Stadt Strehla.Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Ergebnisse der Bürgermeisterwahl 2015 in StrehlaStadtverwaltung Strehla: Ein herzliches Dankeschön (PDF, 4 MB) In: Strehlaer Tageblatt. 1. Oktober 2015, S. 3.

Er hat folgende Amtsvorgänger (unvollständige Aufzählung):

seit 2015: Jörg Jeromin (FWG) 2008–2015: Harry Güldner (CDU)Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Ergebnisse der Bürgermeisterwahl 2008 in Strehla. 1990–2008: Andreas Haberland (CDU)Landkreis Meißen: Amtsblatt 15/2008 (PDF, 1,2 MB), 25. Juli 2008, S. 6.Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Ergebnisse der Bürgermeisterwahlen 1994 (PDF, 175 kB; S. 38).2001 (XLS, 165 kB; Zeile 536) in Strehla. 1956–1990: Helmut Kühne (SED, später PDS)mediaprint infoverlag GmbH: Strehla – Informationen für Bürger und Gäste (PDF, 4,8 MB), 2015, S. 30.Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Landtagswahl 1990, Direktbewerber im Wahlkreis 20 Riesa IEric Weser und Thomas Schade: Dieses Boot brachte die Alliierten zusammen. In: Sächsische Zeitung. Lokalausgabe Riesa, 7. Mai 2013, S. 14. 1843–1859: Julius Scharre (demokratische Bewegung)Stadt Strehla: Geschichte

+ letzte Bürgermeisterwahlen Wahl Bürgermeister Vorschlag Wahlergebnis (in %)2022Jörg JerominFWG87,1201586,72008Harry GüldnerCDU63,42001Andreas Haberland66,2

Städtepartnerschaften Die Stadt Strehla unterhält seit den 1970er Jahren eine Städtepartnerschaft mit der polnischen Stadt Jedlina-Zdrój und seit 1990 eine Städtepartnerschaft mit der hessischen Stadt Pohlheim.

Wappen Blasonierung: