mini|hochkant=1.1|Sultan Mehmed II., Miniatur aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, gemalt von Sinan BeyNurhan Atasoy, Filiz Çağman: Turkish Miniature Painting. Istanbul 1974, S. 18. oder seinem Schüler Şiblizâde Ahmed.Begüm Özden Fırat: Encounters with the Ottoman miniature: contemporary readings of an imperial art. Tauris, 2015, London u. a., S. 148 f. mini|hochkant=1.1| Meḥemmed b. Murād Ḫān muẓaffer dāʾimā Tughra Mehmeds II. mit entflochtenem Schriftzug: „Meḥemmed, Sohn von Murād Ḫān, immer siegreich“.

Mehmed II. (; geboren am 30. März 1432 in Edirne; gestorben am 3. Mai 1481 bei Gebze), genannt Ebū ʾl-Fetḥ () und postum Fātiḥ (Der Beiname fand erst später (insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert) Verbreitung. Vgl. Mehmet İpşirli: Lakap. Osmanlılar’da Lakap. In: Türkiye Diyanet Vakfı İslâm Ansiklopedisi. Band 27. TDV Yayını, Ankara 2003, S. 67.), war der siebte Sultan des Osmanischen Reiches. Er regierte von 1444 bis 1446 und dann von 1451 bis zu seinem Tod 1481. Am 29. Mai 1453 eroberte er Konstantinopel und besiegelte damit das Ende des Byzantinischen Reiches. Aufgrund seiner zahlreichen Eroberungen kann er neben Osman I. als zweiter Gründer des Osmanischen Reiches bezeichnet werden, für das er die territoriale, ideologische und ökonomische Basis schuf.Halil İnalcik: Meḥemmed II. In: P. Bearman, Th. Bianquis, C.E. Bosworth, E. van Donzel, W.P. Heinrichs (Hrsg.): Encyclopaedia of Islam, Second Edition. Brill, 2009. Brill Online, abgerufen am 29. Januar 2011.

Familie Mehmed II. wurde als vierter Sohn Sultan Murads II. am 30. März 1432 geboren.Halil İnalcık: Mehmed II. In: Türkiye Diyanet Vakfı İslâm Ansiklopedisi. Band 28, TDV Yayını, Ankara 2003, S. 395–407.Zum strittigen Geburtstermin siehe Franz Babinger: Meḥmed’s II., des Eroberers, Geburtstag. In: Oriens. Band 2, Nr. 1, 31. Oktober 1949, S. 1–5. Seine Mutter Hüma Hatun war eine Sklavin unbekannter Herkunft. Die beiden älteren Halbbrüder Ahmed (* 1420) und Alâeddin Ali (* 1430) starben in den Jahren 1437 und 1443 unter ungeklärten Umständen.Franz Babinger: Mehmed der Eroberer und seine Zeit. München 1953, S. 10 f.Franz Babinger: Mehmed der Eroberer und seine Zeit. München 1953, S. 21.John Freely: The Grand Turk. New York 2009, S. 9. Die Lebensumstände der Halbbrüder namens Hasan und Orhan konnten noch nicht erforscht werden. Ein weiterer Halbbruder, der um 1450 von der Fürstentochter (İsfendiyar) Hadice Halime HatunZu Hadice Hatun siehe M. Çağatay Uluçay: Padişahların Kadınları ve Kızları. Fünfte Auflage. Ötüken, Istanbul 2011, ISBN 978-975-437-840-5, S. 31 f. geborene Küçük Ahmed, wurde übereinstimmenden Berichten osmanischer Chronisten zufolge auf Befehl Mehmeds nach dessen Thronbesteigung im Jahr 1451 als Windelkind (vermutlich) von Evrenosoğlu Ali BeyAli Bey selbst wurde nicht, wie etwa von Dukas und auf diesem beruhend auch von Joseph von Hammer (Geschichte des Osmanischen Reiches. Band 1, Hartleben, Pest 1827, S. 501) berichtet, kurz nach dem Prinzenmord hingerichtet, sondern nahm als Akıncı-Führer am Feldzug in die Walachei teil und starb dementsprechend nach 1462; siehe İsmail Hakkı Uzunçarşılı: Evrenos. In: İslâm Ansiklopedisi. Band 4, Millî Eğitim Basımevi, Istanbul 1977, S. 414–418 (417). im Bad erstickt.Vgl. ʿĀşıḳ-Paşa-zāde: Tevārīḫ-i Āl-i ʿOs̲mān (ʿĀşıḳ-Paşa-zāde Tārīḫi). Maṭbaʿa-ʾi ʿĀmire, Istanbul 1332 (1914), S. 140 (Textausgabe von ʿAlī Beğ).Bostān-zāde Yaḥyā Efendi: Tuḥfet ül-Aḥbāb. Band 1, Teraḳḳī Maṭbaʿası, Istanbul 1287 (1870/71), S. 44.Ḫoca Saʿd ed-Dīn Efendi: Tāc üt-Tevārīḫ. Band 1, Ṭabʿḫāne-i ʿĀmire, Istanbul 1279 (1862/63), S. 407.Ṣolaḳ-zāde Meḥmed Hemdemī: Tārīḫ-i Ṣolaḳ-zāde. Maḥmūd Bey Maṭbaʿası, Istanbul 1297 (1879/80), S. 187. Von den Kindern Mehmeds II. sind die Söhne Bayezid, Mustafa und Cem sowie zwei von vermutlich vier Töchtern – Ayşe und Gevherhan – namentlich bekannt.

Da in den Quellen nichts über eine persönliche Bindung Mehmeds an die nicht standesgemäßen Konkubinen seines Harems berichtet wird,Franz Babinger: Mehmed der Eroberer und seine Zeit. München 1953, S. 466. erscheinen nur die Mütter seiner Söhne erwähnenswert, nämlich Gülbahar Hatun als Bayezids Mutter, Gülşah Hatun als Mustafas Mutter und Çiçek Hatun als Cems Mutter. Eine regelrechte, standesgemäße Ehe musste Mehmed nach dem Beschluss seines Vaters aus machtpolitischen Gründen im Jahre 1449 mit Sitti HatunIdealbildnis der Sitti Hatun. eingehen, einer Tochter des türkmenischen Dynasten Dulkadiroğlu Süleyman Bey aus Elbistan. Dieser Verbindung entstammen keine Kinder. Sitti Hatun blieb beim Umzug von Mehmeds Harem nach Konstantinopel von ihm unbeachtet in Edirne zurück, wo sie 1467 starb.John Freely: The Grand Turk. New York 2009, S. 18 f.John Freely: The Grand Turk. New York 2009, S. 67.Franz Babinger: Mehmed’s II. Heirat mit Sitt-Chatun (1449). In: Islam. Band 29, 1950, S. 217–235.

Dass der in europäischen, nicht dagegen in osmanischen Quellen bezeugte und beschriebene, angebliche Thronanwärter Bayezid Osman (auch Calixtus Ottomanus und Turchetto), der als Kind in Konstantinopel und als Jugendlicher in Italien erzogen wurde, auch ein Sohn Murads II. und damit ein Halbbruder Mehmeds war, lässt sich nicht beweisen. Bayezid Osman wurde von Päpsten,Die Darstellung eines Türken neben Papst Pius II. auf einem Fresko Pinturicchios in Siena und auf einem weiteren Fresco Pinturicchios im Vatikan wurde als Porträt Bajezid Osmans interpretiert. Vgl. Alain Schnapp: Die Entdeckung der Vergangenheit: Ursprünge und Abenteuer der Archäologie. Stuttgart 2009, S. 129 f. Beide Gestalten folgen einer Zeichnung Gentile Bellinis. Abgerufen am 28. März 2013. Königen und Kaisern über Jahrzehnte als möglicher Sultan nach einem erhofften Sieg über Mehmed II. unterhalten und gefördert, nach Mehmeds Tod aber vernachlässigt. Sein Siegel trug die Bezeichnung „Bajsit Ottman Tvrcorum Imperator“ und einen Halbmond mit vier Sternen. Er starb unbeachtet im Jahre 1496.Franz Babinger: „Bajezid Osman“ (Calixtus Ottomanus), ein Vorläufer und Gegenspieler Dschem-Sultans. In: Henri Gregoire (Hrsg.): La Nouvelle Clio. Revue mensuelle de la découverte historique. 3. Jahrgang, Nr. 9–10, Oktober–Dezember 1951, S. 349–388.

Ob der in Konstantinopel von Konstantin XI. betreute und von Mehmed II. finanzierte Prinz Orhan, der sich als Anwärter auf den Thron des Sultans bezeichnete, tatsächlich ein Enkel Bayezids I. war und damit der Onkelgeneration Mehmeds angehörte, ist ungeklärt. Er starb im Verlauf der Eroberung Konstantinopels. Unklar ist, ob er sich aus Verzweiflung und Resignation von den Stadtmauern in den Tod stürzte oder ihn Soldaten auf der Flucht ergriffen und hinrichteten.Selbstmord nach İsmail Hakkı Uzunçarşılı: Osmanlı Tarihi. Zehnte Auflage. Band 1, Türk Tarih Kurumu Basımevi, Ankara 2011, S. 489.Hinrichtung nach Franz Babinger: Mehmed der Eroberer und seine Zeit. München 1953, S. 73 f. Fest steht jedenfalls, dass sein abgetrenntes Haupt dem Sultan überbracht worden ist.Mehmet Akman: Osmanlı Devletinde Kardeş Katli. Eren Yayıncılık, Istanbul 1997, ISBN 975-7622-65-6, S. 67 ff.

Ausbildung mini|hochkant|links|Vermutlich eigenhändige Zeichnungen in italienischer Manier aus einem Schulheft MehmedsTopkapi Saray Museum, Istanbul (H. 2324).Julian Raby: A Sultan of Paradox: Mehmed the Conqueror as a patron of the arts. In. The Oxford Art Journal. 5/1 1982, S. 3 f. mini|hochkant|İskender (Alexander) tötet den Drachen in Sind,Serpi̇l Baǧci: Old Images for New Texts and Contexts: Wandering Images in Islamic Book Painting. In: Muqarnas, Band 21 (2004), Essays in Honor of J. M. Rogers. S. 23. Miniatur aus einer Kopie von Ahmedîs Alexanderbuch (İskender-nāme), das Mehmed sich schon als Kind vorlesen ließ. Gemalt in Edirne, Mitte des 15. Jahrhunderts, gibt die Kopie einen Hinweis für ein Skriptorium Mehmeds II.Gábor Ágoston und Bruce Alan Masters: Encyclopedia of the Ottoman Empire. New York 2009, S. 266, ISBN 0-8160-6259-5.

Dem Kind Mehmed wird ein ungestümer und aufbegehrender Sinn zugeschrieben. Er weigerte sich zu gehorchen und Belehrungen anzunehmen. Lehrerfolge blieben zunächst gering. Vor allem die Unterrichtung in Glaubensfragen und in der Koranlesung fruchtete kaum. Daher gab Murad II. seinen Sohn in die Obhut von Molla Ahmed Gürânî, der in Kairo Rechtswissenschaft und Korankunde studiert hatte. Ihm soll Murad II. sogar ein Züchtigungsrecht erteilt haben, das Gürânî auch ausübte. Als weiterer Erzieher wird Molla Hamideddin, späterer Professor in Bursa und Istanbul, genannt.Franz Babinger: Mehmed der Eroberer und seine Zeit. München 1953, S. 22 f.

Bereits 1437 soll Mehmed nach dem Tod seines Halbbruders Ahmed als Prinz-Gouverneur (Çelebi Sulṭān) von Amasya eingesetzt worden sein.So Franz Babinger: Mehmed der Eroberer und seine Zeit. München 1953, S. 11.Fraglich nach Halil İnalcık: Mehmed II. In: Türkiye Diyanet Vakfı İslâm Ansiklopedisi. Band 28, TDV Yayını, Ankara 2003, S. 395. Sicher hingegen ist, dass er im Frühling des Jahres 1443, begleitet von seinen Lālā Kassabzâde Mahmud und Nişancı İbrahim b. Abdullah Bey, als Statthalter nach Manisa (Sandschak Ṣaruḫān) geschickt wurde.

Der Tod des Prinzen Alâeddin Ali im Jahr 1443 versetzte Mehmed als Elfjährigen in die Rolle des Thronfolgers. Er wurde nach Edirne an die Seite seines Vaters geholt, um in die Regierungsgeschäfte Einblick zu bekommen. Mit der Einsetzung als Sultan 1444 bekam er die beiden Lālā Zağanos und Nişancı İbrahim, den Beylerbey von Rumelien Hadım Şehabeddin Pascha sowie den Großwesir Çandarlı II. Halil Pascha und den Heeresrichter Molla Hüsrev zugeordnet. Während Zağanos, İbrahim und der Hämling (ḫādim) Şehâbeddin eher kriegstreiberischen Einfluss nahmen, versuchte der Großwesir mäßigend auf Mehmed einzuwirken, der sich schon in dieser Zeit die Eroberung Konstantinopels zum Ziel gesetzt hatte, angeregt von der Lektüre legendenhafter, türkisch und arabisch abgefasster Viten Alexanders des Großen und Gaius Iulius Caesars.Franz Babinger: Mehmed der Eroberer und seine Zeit. München 1953, S. 42 f. Zwischen Mehmed und dem Großwesir ergaben sich immer wieder ernste Konflikte, unter anderem, weil sich Mehmed, wie italienische und osmanische Quellen berichten, 1444 vom Gedankengut eines persischen, namentlich unbekanntenDazu Franz Babinger: Von Amurath zu Amurath. Vor- und Nachspiel der Schlacht bei Varna (1444). In: Oriens. Band 3, Nr. 2, 31. Oktober 1950, S. 229–265 (247 f.). Sendboten der Ḥurūfī-Sekte beeinflussen ließ, der eine Aussöhnung von Islam und Christentum im Sinne des Scheichs Bedreddin propagierte. Die Auseinandersetzung zwischen Mehmed auf der einen und Halil Pascha und dem Mufti Fahreddin auf der anderen Seite endete mit der Hinrichtung des von Mehmed begünstigten Sendboten.Franz Babinger: Von Amurath zu Amurath. Vor- und Nachspiel der Schlacht bei Varna (1444). In: Oriens. Band 3, Nr. 2, 31. Oktober 1950, S. 229–265 (245 ff.). Durch diesen Vorgang wird Mehmeds Hinneigung zu heterodoxen religiösen Meinungen bestätigt, die lebenslang bestehen blieb und Mehmeds religiöse Unterrichtserfolge infrage stellte.Franz Babinger: Mehmed der Eroberer und seine Zeit. München 1953, S. 34–36.

Mehmeds Ausbildung dienten auch seine betreuten Statthalterschaften und seine Teilnahme an den Kriegszügen seines Vaters, nachdem dieser 1446 das erste Sultanat Mehmeds beendet hatte.

Weitgehenden Einfluss als Lehrer und Berater übte der – auch von Murad II. geschätzte – islamische Gelehrte und Heiler Scheich Akşemseddin spätestens seit 1451 auf Mehmed aus. Er motivierte und unterstützte den Sultan in seinem Vorhaben, Konstantinopel zu erobern. Seiner Meinung nach hatten Mehmed und die Osmanische Armee das Potenzial, die vom Propheten Mohammed einem Hadith zufolge gelobten Akteure dieser Eroberung zu sein. Der Hadith lautet:

Mehmeds Weg zur Macht