Die plebejische gens Marcia (Marcii, deutsch auch Marcier) war ein angesehenes, weit verzweigtes altrömisches Geschlecht (gens).
Die Familie war besonders in der Römischen Republik bedeutend und stellte vom 4. bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. 21 Konsuln.Claudia Conese: “Maenius absentem Novium cum carperet” (Horace, “Satires” 1.3.21): Characters, Places, Monuments. In: Hermathena. Band 193, Winter 2012, S. 33–55, hier S. 36. Bedeutende Zweige der Familie waren die Philippi, die Reges und die Censorini. Der Name ist durch Anhängen des Suffixes -ius vom praenomen Marcus abgeleitet. Der erste historisch verbürgte Marcius ist ein Volkstribun (tribunus plebis) im Jahr 389 v. Chr.; der erste Konsul war Gaius Marcius Rutilus 357 v. Chr.
Laut Plutarch in seiner Biographie des legendären Gnaeus Marcius Coriolanus existierte auch ein patrizischer Zweig der gens Marcia. In den fasti consulares sind jedoch keine Marcii als eindeutig patrizische Konsuln angeführt. Von einer Andeutung Ciceros ausgehend glaubte bereits Theodor Mommsen, dass die Marcier Coriolanus erfunden haben – zur Verherrlichung ihres Geschlechts, der plebejischen Nobilität und der Plebejer als Ganzes.Edwin Charles Clarke, History of Roman Private Law. S. 183f (Digitalisat). Einzig der laut Livius im Jahr 210 v. Chr. verstorbene rex sacrorum Marcus Marcius kann als Indiz für das Patriziertum eines Zweigs der Familie angeführt werden, da laut Cicero dieses Amt in der republikanischen Zeit exklusiv dem patrizischen Adel vorbehalten war. Jedoch ist auch hier eine plebejische Abstammung wahrscheinlicher, da die Ernennung von Marcus Marcius allem Anschein nach in die Amtszeit des ersten nachweislich plebejischen Pontifex Maximus Lucius Caecilius Metellus fiel und somit in eine konfliktreiche historische Ausnahmszeit.Jörg Rüpke: Status und Individualisierung unter römischen Priestern republikanischer Zeit. In: Pedro Barceló (Hrsg.): Religiöser Fundamentalismus in der römischen Kaiserzeit (= Potsdamer altertumswissenschaftliche Beiträge. Band 29). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2010, S. 16 ()
Auf Münzen erscheinen die Marcier 134 v. Chr. mit drei Nominalen (Denar, Triens, Quadrans) mit dem Namenskürzel M.MARCI MN.F.Rainer Albert: Die Münzen der Römischen Republik, Nr. 940–942. mini|Roma auf Denar des M. Marcius Mn filius, Albert 940 mini|M MAR C unter Biga, Albert 940
Bekannte Vertreter Numa Pompilius († angeblich 671 v. Chr.), der zweite König Roms ist Stammvater der Marcier. Ancus Marcius († angeblich 616 v. Chr.), der vierte König Roms, war der Enkel Numas mütterlicherseits.
Gaius Marcius Rutilus war viermal Konsul. Gaius Marcius Rutilus Censorinus, Sohn des Vorigen, war Konsul 310 v. Chr., und zweimal zum Zensor gewählt wurden, aber dann ein Gesetz durchsetzte, das die zweimalige Bewerbung zu diesem Amt verbot. Gaius Marcius Macedo, römischer Offizier (Kaiserzeit) Gnaeus Marcius Coriolanus († angeblich 488 v. Chr.) führte nach seiner Verurteilung zu lebenslanger Verbannung ein Heer der Volsker gegen Rom. Gnaeus Marcius Rutilus war 389 v. Chr. tribunus plebis. Lucius Marcius, antiker römischer Toreut Lucius Marcius Celer Marcus Calpurnius Longus, römischer Suffektkonsul 144 Lucius Marcius Figulus, römischer Flottenkommandant
Lucius Marcius Sabula, römischer Offizier (Kaiserzeit) Marcus Marcius (Rex sacrorum; † 210 v. Chr.), bekleidete als erster und einziger Plebejer das Priesteramt des Rex Sacrorum; auf dieses denkwürdige Ereignis (also nicht auf den Bezug zu Ancus Marcius) geht vermutlich das Cognomen „Rex“ der „Marcii Rex“ zurück, die als Zweig der gens in den Quellen erstmals bei Livius für das Jahr 196 v. Chr. mit einem Vertreter genannt werden (Quintus Marcius Rex als tribunus plebis) Marcus Marcius Macer, römischer Konsul 100 Numerius Marcius Plaetorius Celer, römischer Offizier (Kaiserzeit) Quintus Marcius Barea Soranus, römischer Suffektkonsul 34 und Vater des gleichnamigen Suffektkonsuls 52 Quintus Marcius Barea Soranus, römischer Suffektkonsul 52 Quintus Marcius Barea Sura, römischer Senator Quintus Marcius Crispus, Feldherr Gaius Iulius Caesars Quintus Marcius Ralla, römischer Politiker, Volkstribun 196 v. Chr.
Quintus Marcius Tremulus, römischer Konsul 306 v. Chr. und 288 v. Chr. Quintus Marcius Turbo, römischer Militär und Prätorianerpräfekt Sextus Marcius Priscus, römischer Suffektkonsul
Frauen:
Marcia (Gattin des Atilius Regulus), Gattin des römischen Konsuls Marcus Atilius Regulus Marcia (Großmutter Caesars), Großmutter Gaius Iulius Caesars Marcia (Vestalin), 114 v. Chr. wegen Inzest verurteilt Marcia (Gattin Catos) (* um 80 v. Chr.), Gattin des Marcus Porcius Cato Uticensis Marcia (Gattin des Fabius Maximus) († nach 14 n. Chr.), Cousine des römischen Kaisers Augustus Marcia (Mutter Trajans), Mutter des römischen Kaisers Trajan Ulpia Marciana (48–112), die ältere Schwester des römischen Kaisers Trajan Marcia Aurelia Ceionia Demetrias († 193), die Geliebte des römischen Kaisers Commodus
Spuren des Personennamens Marcius Eine Reihe französischer Orte heißt Mercy. In einigen Fällen wird dieses Toponym auf das lateinische Patronym Marcius oder Mercius zurückgeführt, so bei Mercy im Département AllierToponymie générale de la France von Ernest Nègre, Seite 571 und bei Mercey-sur-Saône.
Literatur
Weblinks Plutarch: The Life of Coriolanus – enthält einige einführende Sätze zu den Marciern
Einzelnachweise
Marcia