Bonndorf im Schwarzwald ist eine Stadt im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg. Bekannt ist sie für ihr Schloss mit Narrenstuben und Japanischem Garten. Sie beherbergt die zweitälteste Sparkasse Deutschlands, die 1765 von Fürstabt Martin II. Gerbert gegründet wurde. Bonndorf trägt den Titel Löwenstadt.

Geografie Geographische Lage Bonndorf liegt in Südwestdeutschland in bis Höhe im Nordosten des Landkreises Waldshut rund 18 Kilometer nördlich der Schweizer Grenze (Stühlingen/Schleitheim). Die Stadt liegt südlich der Wutach, zu der sie über die Wutachschlucht im Ortsteil Boll sowie über die Lotenbachklamm Zugang hat. Der Schluchsee liegt etwa 15 Kilometer westlich. Bonndorf liegt im Talschluss des hier beginnenden Ehrenbachtals. Der weit nach Süden geöffnete, breite Talabschluss, hat dem Ort den Namen „Bonndorf in der Sonnenschale“ gegeben. Der Ehrenbach entspringt in mehreren kleineren Quellen, die sich unterhalb des Schlosses vereinen und den Beginn des Ehrenbaches bilden. Der Bonndorfer Hausberg ist der Lindenbuck ().

Geologie Die Stadt Bonndorf liegt auf einer Anhöhe aus Muschelkalk, der oberhalb des Buntsandsteins liegt. Das Grundgebirge ist bei Wellendingen angeschnitten, dort findet man den Wellendinger Granit. Bei Bonndorf verläuft eine variskische Verwerfung, der sogenannte Bonndorfer Graben.

Nachbargemeinden Die Gemeinde Bonndorf grenzt im Westen an die Gemeinde Schluchsee, im Nordwesten an die Gemeinde Lenzkirch und im Norden an die Gemeinde Löffingen (alle Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald). Im Osten grenzt sie an die Gemeinde Wutach, im Südosten an Stühlingen sowie im Süden an Ühlingen-Birkendorf und Grafenhausen (alle Landkreis Waldshut).

Stadtgliederung mini|Blick vom Lindenbuck auf Bonndorf Zur Stadt Bonndorf im Schwarzwald mit den bis in die 1970er Jahre selbstständigen Gemeinden Boll, Brunnadern, Dillendorf, Ebnet, Gündelwangen, Holzschlag, Wellendingen und Wittlekofen gehören die Stadt Bonndorf im Schwarzwald und 24 weitere Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser.

Zur ehemaligen Gemeinde Boll gehören das Dorf Boll, das Gehöft Badhof (Bad Boll) und die Häuser Tiefental. Zur Stadt Bonndorf im Schwarzwald in den Grenzen von vor der Gemeindereform der 1970er Jahre gehören die Stadt Bonndorf im Schwarzwald, der Weiler Sommerau, das Gehöft und Haus Öttiswald und die Häuser Männleswald, Steinabad, Steinasäge und Walke. Zu den ehemaligen Gemeinden Brunnadern und Ebnet gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zur ehemaligen Gemeinde Dillendorf gehören das Dorf Dillendorf und das Haus Dillendorfer Säge. Zur ehemaligen Gemeinde Gündelwangen gehören das Dorf Gündelwangen und die Häuser Hebsack. Zur ehemaligen Gemeinde Holzschlag gehören das Dorf Holzschlag, der Weiler Glashütte und das Gehöft Klausenhof. Zur ehemaligen Gemeinde Wellendingen gehören das Dorf Wellendingen und das Haus Wellendinger Säge im Steinatal. Zur ehemaligen Gemeinde Wittlekofen gehören das Dorf Wittlekofen, der Weiler Dobel, das Gehöft Welschberg und das Haus Roggenbach.

Im Stadtgebiet liegen die abgegangenen Burgen Boll (auch Neu-Tannegg) und Burg Tannegg (auch Alt-Tannegg) und die Wüstung Oberhalden (ehemalige Gemeinde Boll); der in Bonndorf im Schwarzwald aufgegangene Weiler Waldeck und die Wüstung Gündlingen (im Gebiet der früheren Stadt Bonndorf im Schwarzwald); die Wüstungen Hornberg, Kohlhalden, Rohrhof und Saubach (ehemalige Gemeinde Ebnet); die Wüstungen Gündlingen und Weiler (ehemalige Gemeinde Wellendingen); die Burgruinen Roggenbach, Steinegg und die Wüstungen Schweighof und Simonsreute im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Wittlekofen.

Geschichte mini|Das Rathaus der Stadt Bonndorf mit den Wappen aller Ortsteile mini|Die evangelische Pauluskirche von Bonndorf, Neubau von 1953 200px|mini|Das Bonndorfer Schloss mini|Die alte Bonndorfer Sparkasse mini|Japanischer Garten

Bis zum 18. Jahrhundert Das Gebiet um Bonndorf war schon in der Steinzeit besiedelt, worauf Funde in der Gemarkung Bonndorf hinweisen.

Nach der Besiedelung durch Kelten und Germanen wurde um 260 das Gebiet von den Alemannen in Besitz genommen. 1877 wurde in Bettmaringen, das heute zur Stadt Stühlingen gehört, eine Fibel aus dieser Zeit gefunden, daneben wurden alemannische Plattengräber mit Grabbeilagen entdeckt.

496 gerieten die Alemannen in die Abhängigkeit fränkischer Könige, woraufhin ihre Stammesgebiete in Gaue unterteilt wurde. Bonndorf gehörte zum Albgau, dessen Gaugrafen von Gurtweil aus regierten.

Die erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1223 befindet sich heute im Staatsarchiv in Basel. Im Sankt Galler Stiftsarchiv findet sich daneben eine Urkunde aus dem Jahr 800, in der ein Pondorf erwähnt wird. Es wurde bisher angenommen, dass damit der Überlinger Ortsteil Bonndorf gemeint war, was jedoch seit 1998 zumindest angezweifelt wurde. Der St. Galler Stiftsarchivar Peter Erhart hält einen Bezug auf Bonndorf im Schwarzwald für wahrscheinlicher, da es um die gleiche Zeit Erwähnungen der nahen Orte Löffingen (819), Rötenbach (819), Weizen (787), Schwaningen (766) und Grimmelshofen (809) gibt. Daneben habe das 797 erwähnte Ewattingen sogar eine Galluskirche.Ulrich Werner Schulze: Bonndorf 1223 – pondorf 800. Recherchen zur Ersterwähnung Bonndorfs schon zur Karolingerzeit. Die Stadt ist vierhundert Jahre alter als bisher beschrieben. Moog-Druck, Hüfingen 2016.

Die Gaugrafen waren mit den Herren von Bonndorf, die ihren Sitz auf dem Lindenbuck hatten, durch das Lehnswesen verbunden. Nach 1290 ging Bonndorf durch Heirat oder Verkauf in den Besitz verschiedener fremder Herren über. Mit dem Aussterben des Geschlechts derer von Lupfen 1582 entstand eine Erbstreitigkeit über das Gebiet, die schließlich von Kaiser Rudolf II. entschieden wurde.

1609 bereits wurde Bonndorf vom Kloster St. Blasien gekauft. Durch diesen Erwerb der reichsunmittelbaren Herrschaft Bonndorf wurde der Abt des Klosters weltlicher Herrscher und erhielt Sitz und Stimme im Schwäbischen Kreistag (1638).

1699 wurden die Herrschaften Bonndorf, Gutenburg (1480 von St. Blasien gekauft), Bettmaringen (1418 an St. Blasien verschenkt) und Blumegg (1433 durch St. Blasien gekauft) zur Grafschaft Bonndorf vereinigt.

1746 wurde der Abt von St. Blasien in den Reichsfürstenstand erhoben. Die Grafschaft Bonndorf wurde damit zum Fürstentum.

19. Jahrhundert 1803 wurde das Eigentum des Klosters St. Blasien säkularisiert. 1806 kam Bonndorf schließlich – nach kurzer Herrschaft des Malteserordens (1803–1805) und des Königreichs Württemberg (1805–1806) – an das Großherzogtum Baden.

1807 wurde das Bezirksamt Bonndorf gegründet, die hierzu erforderlichen Ämter wie das Amtsgericht, das Notariat und das Forstamt kamen in den folgenden Jahren hinzu und nahmen größtenteils ihren Sitz im Bonndorfer Schloss.

20. Jahrhundert Erst 1924 wurde das Bezirksamt Bonndorf aufgelöst und dem Landkreis Hochschwarzwald zugeordnet. Dieser Landkreis wurde im Zuge der Gebietsreform (1967–1975) wieder aufgelöst; Bonndorf fiel an den Landkreis Waldshut. Gleichzeitig kamen die heutigen Ortsteile zu Bonndorf.

Der Name der Stadt kommt – der Legende zufolge – von den Bohnen, mit denen die Bürger des Ortes in Abstimmungen ihre Meinung bekundet haben sollen. Andere Quellen gründen den Namen der Stadt auf das keltische buona, welches entweder vom Wort baunos (gebaut, bewohnt) oder von den Wörtern boum, bôm, bôn (vom keltischen bona – Baum) herrühren soll. Nach der zweiten Deutung ist Bonndorf also das Dorf bei den Bäumen.

Das Stadtrecht bekam Bonndorf 1891 verliehen, 1935 wurde es wieder entzogen. 1951 erhielt Bonndorf das Stadtrecht vom badischen Staatspräsidenten Leo Wohleb zurück. Den Namensbestandteil im Schwarzwald führt die Stadt seit dem 19. Februar 1963.

Eingemeindungen Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurden die folgenden bis dahin selbstständigen Gemeinden nach Bonndorf im Schwarzwald eingemeindet: 1. Juli 1971: Boll 1. Januar 1972: Ebnet 1. Juni 1972: Wellendingen 1. August 1973: Wittlekofen 1. Oktober 1974: Dillendorf 1. Januar 1975: Brunnadern, Gündelwangen und Holzschlag

Dillendorf gehörte vor der Eingemeindung bereits zum Landkreis Waldshut, alle anderen Gemeinden, einschließlich Bonndorf im Schwarzwald gehörten zum Landkreis Hochschwarzwald.

Bevölkerungsstruktur und Einwohnerentwicklung Jahr 1855 1900 1950 1961 1970 1980 1991 1995 2005 2010 2015 2020 Einwohner 1212 1600 2100 2556 3192 5364 5980 6494 6856 6848 6836 6953

Bevölkerung insgesamt (Stand: 31. Dezember 2019): 6939

Stadtteile mit Einwohnerzahlen 80px|Wappen Bonndorf 80px|Wappen Bonndorf-Brunnadern 80px|Wappen Bonndorf-Boll 80px|Wappen Bonndorf-Ebnet 80px|Wappen Dillendorf 80px|Wappen Gündelwangen 80px|Wappen Holzschlag 80px|Wappen Bonndorf-Wellendingen 80px|Wappen Wittlekofen Bonndorf Brunnadern Boll Ebnet Dillendorf Gündelwangen Holzschlag Wellendingen Wittlekofen 4927 71 122 74 251 548 139 548 211

Religion Bonndorf ist katholisch geprägt. Erst seit dem 19. Jahrhundert gibt es Protestanten, ab 1875 wurden Juden verzeichnet. Heute hat Bonndorf neben den beiden großen christlichen Gemeinden auch eine muslimische Gemeinde mit einem eigenen Gebetsraum. Zudem sind die Neuapostolische Kirche und die Zeugen Jehovas in Bonndorf vertreten.

1402 wurde der Stadt von Rudolf von Wohlfurt und seiner Gattin das Paulinerkloster Bonndorf gestiftet. Die Paulinerpatres übernahmen die Seelsorge der Stadtbürger. Das aus zehn bis zwölf Patres bestehende und zum Bistum Konstanz gehörende Kloster lag im heutigen Martinsgarten in Bonndorf. Der Konstanzer Bischof befreite das Kloster von allen Lasten und Dienstleistungen. Diese Entscheidung wurde vom auf dem Konstanzer Konzil gewählten Papst Martin V. 1417 bestätigt. Nach dem Kauf der Herrschaft Bonndorf durch das St. Blasier Kloster übernahm der St. Blasier Abt auch die Herrschaft über das Bonndorfer Kloster. 1731 wurde das Klostergebäude neu gebaut und auch erweitert. Anfang des 19. Jahrhunderts war das schon traditionell arme Kloster auch zunehmender Klosterfeindlichkeit ausgesetzt. Schließlich wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation 1807 aufgelöst. Heute erinnern die Paulinerstraße, die vom ehemaligen Kloster zum Schloss führt, und das von 1975 bis 1977 erbaute Paulinerheim (Pfarrzentrum) oberhalb der katholischen Kirche an das Paulinerkloster. Enge Verbindungen bestanden zu dem Paulinerkloster Tannheim und dem Kloster Grünwald.

Die evangelische Gemeinde wurde 1873 gegründet und war die größte evangelische Diaspora-Gemeinde Deutschlands. Sie hielt ihre Versammlungen zunächst in der 1727 erbauten Schlosskapelle im Stadtgarten ab. 1934 wurde die Gemeinde zur Pfarrei erhoben, 1953 die heutige Pauluskirche mit Gemeindesaal und Pfarrhaus errichtet.

Politik Gemeinderat In Bonndorf wurde der Gemeinderat bis 2014 nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei konnte sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat besteht aus den 18 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 2019 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 27,87 5 34,4 7 BL Bürgerliste 26,33 5 31,4 7 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 24,79 4 21,1 5 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 9,53 2 9,9 2 FW Freie Wähler Bonndorf 11,48 2 – – FDP Freie Demokratische Partei – – 3,2 1 gesamt 100,0 18 100,0 22 Wahlbeteiligung 58,05 % 55,3 %

Bürgermeister seit 1945 1945: Fritz Göggel 1. August 1945: Erwin Leser 1946–1957: Leo Speck 1958–1972: Oskar Stöckle 1973–1992: Peter Folkerts (* 19. Oktober 1946; † 16. Juni 1992 bei einem Flugzeugabsturz nahe der Kemptner Hütte) 1992 – 30. Juni 2021: Michael Scharf (* 24. Mai 1964) seit 1. Juli 2021: Marlon Jost

Wappen Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Blau ein aufgerichteter silberner Löwe.“