mini|hochkant=0.7|Gabriel García Márquez (2002)rahmenlos|zentriert|klasse=skin-invert-image|Márquez’ Signatur
Gabriel José García Márquez (* 6. März 1927 in Aracataca, Kolumbien; † 17. April 2014 in Mexiko-Stadt, Mexiko), im spanischsprachigen Raum auch bekannt als Gabo, Kosename für Gabriel, war ein kolumbianischer Schriftsteller, Journalist und Literaturnobelpreisträger. García Márquez popularisierte den Magischen Realismus, der magische Elemente in realistische Situationen integriert. Viele seiner Werke thematisieren die individuelle Isolation sowie die Isolation Lateinamerikas.Ruben Pelayo, Gabriel García Márquez – A Critical Companion, Greenwood Press, Westport 2001, ISBN 0-313-31260-5, S. 136.
Leben mini|hochkant|Gabriel García Márquez
Gabriel García Márquez wurde als Sohn des Telegraphisten, Homöopathen und späteren Apothekers Gabriel Eligio García Martínez und seiner Frau Luisa Santiaga Márquez Iguarán in der nordkolumbianischen Kleinstadt Aracataca nahe der Karibikküste geboren.Ilan Stavans, GABRIEL GARCÍA MÁRQUEZ, Palgrave Macmillan 2010, S. 23 Er war der Älteste von elf Geschwistern, sechs Brüdern und vier Schwestern. Der älteste Bruder, Luis Enrique, wurde am 8. September 1928 geboren.Ilan Stavans, GABRIEL GARCÍA MÁRQUEZ, Palgrave Macmillan 2010, S. 15 Sein jüngster Bruder Eligio García Márquez (1947–2001) wurde ebenfalls Schriftsteller.
Über Gabriel Garcías Geburtsjahr gab es in der Literatur verschiedene Angaben. Einige Quellen gaben fälschlicherweise 1928 als Geburtsjahr an; in seiner Autobiografie nennt er selbst das Jahr 1927. Im Januar 1929 zog die Familie ins Departamento de Sucre, während er selbst in Aracataca bei seinen Großeltern mütterlicherseits aufwuchs, Doña Tranquilina Iguarán Cortés und Oberst Nicolás Ricardo Márquez Mejía, einem Veteranen des Tausendtagekriegs. Als der Großvater 1936 starb, musste Gabriel zu seinen Eltern nach Sucre zurückkehren.
Im Alter von zwölf Jahren erhielt García Márquez ein Stipendium, das ihm den Besuch des Jesuitenkollegs in Zipaquirá, 30 km nördlich von Bogotá, ermöglichte. 1946 begann er dem Wunsch seiner Eltern entsprechend ein Jurastudium an der Universidad Nacional de Colombia in Bogotá. Zu dieser Zeit lernte García Márquez auch Mercedes Barcha Pardo, seine spätere Ehefrau, kennen, die im August 2020 im Alter von 87 Jahren starb.nau.ch news vom 16. August 2020: Gabriel García Márquez: Frau des Nobelpreisträgers ist gestorben, abgerufen am 18. August 2020
Gelangweilt vom Jurastudium, das er 1950 endgültig aufgab, begann García Márquez sich intensiv mit Poesie und Literatur zu beschäftigen. Schon um 1950 als Journalist bewunderte er William Faulkner, Virginia Woolf und James Joyce und wurde auch Mitglied einer Gruppe kolumbianischer Literaten aus Barranquilla um Álvaro Cepeda Samudio.
Seit Anfang 1950 schrieb er für die Zeitung El Heraldo in Barranquilla regelmäßig die Kolumne „La Jirafa“. Ab 1954 arbeitete er für die Zeitung El Espectador, wo er zunächst kleinere Geschichten und Filmrezensionen verfasste, später auch für El Universal und El Tiempo. Seine Arbeit als Journalist führte ihn in den folgenden Jahren nach Rom, Genf, Polen, Ungarn, Paris, Barcelona, Mexiko, Caracas und New York, wo 1959 sein erster Sohn Rodrigo geboren wurde.
Im selben Jahr wurde er von Fidel Castro gebeten, ein Buch über dessen siegreiche Revolution zu schreiben, und wurde ein guter Freund Castros. García Márquez hielt sich auch später oft in Kuba auf. Diese Freundschaft stand immer wieder in der Kritik: sie führte zum Bruch seiner langjährigen schriftstellerischen Freundschaft mit dem peruanischen Schriftsteller Mario Vargas Llosa, der ihn in einer Rede während des P.E.N.-Kongresses 1986 als Höfling Castros („cortesano de Castro“)www.elmundo.es bezeichnet hatte,Peter Brockmeier und Gerhard R. Kaiser (Hrsg.), Zensur und Selbstzensur in der Literatur, Königshausen & Neumann, Würzburg 2001, ISBN 3-8260-1133-3, S. 256. und Susan Sontag forderte 2003 vergeblich von García Márquez, sich dem Protest gegen eine „Welle der Repression“ in Kuba anzuschließen.Paul Ingendaay: Männerbund. Fidel und Gabo: Freunde bis zum Grab. In: FAZ, 9. März 2004. „das krasseste Beispiel für die Beeindruckbarkeit eines Künstlers durch die Macht“ García Márquez war ein bekennender Sozialist.Manuel Gogos: Zum Tod von Gabriel García Márquez. Magier des Realismus und Anerzähler gegen den Tod. In: Tagesspiegel, 18. April 2014.
Gabriel García Márquez schrieb Drehbücher, Kolumnen, Reportagen, Kurzgeschichten, Erzählungen, Romane und Memoiren. Mit dem in seiner Heimat angesiedelten Roman Hundert Jahre Einsamkeit („Cien años de soledad“), der sich mehr als 30 Millionen Mal verkaufte, gelang ihm 1967 der Durchbruch als Schriftsteller. 1972 bekam er den Neustadt International Prize for Literature verliehen. 1982 wurde García Márquez mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt – für seine Werke, „in denen sich das Phantastische und das Realistische […] vereinen, die Leben und Konflikt eines Kontinents widerspiegeln“. Das Preisgeld des Nobelpreises investierte er in die Gründung der Tageszeitung El Otro; 1998 wurde er Mitbesitzer der Zeitschrift Cambio.
Politisch war García Márquez sehr aktiv, was in seinen Büchern deutlich wird: Das Abenteuer des Miguel Littín beschreibt die Repressionen, die die Menschen unter der Diktatur von Augusto Pinochet in Chile erleiden mussten. Nachricht von einer Entführung handelt von der Entführung von Zivilisten durch die kolumbianische Drogenmafia. Am 28. November 1986 kam es in Valparaíso (Chile) zu einer öffentlichen Bücherverbrennung von „Das Abenteuer des Miguel Littín“.
Neben Artikeln engagierte er sich in politischer Hinsicht auch mit öffentlichen Reden wie z. B. am 6. August 1986 auf der Conferencia de Ixtapa in Mexiko zum Jahrestag des ersten Atombombenabwurfes über der japanischen Stadt Hiroshima.Gabriel García Márquez: El cataclismo de Damocles. Vortrag auf der Conferencia de Ixtapa, México, 1986, (spanisch). Aus politischen Gründen unterhielt sich García Márquez nicht auf Englisch.Helge Malchow: Du sollst tanzen! Erinnerungen seines Verlegers. In: FAS, 20. April 2014, S. 34.
1999 erkrankte García Márquez an Krebs und unterzog sich einer Chemotherapie. Später litt er an Demenz.fln / dpa / dapd: Gabriel García Márquez: Literaturnobelpreisträger leidet an Demenz. In: SpOn, 8. Juli 2012: „Kann er noch sprechen?“ Er starb am 17. April 2014 im Alter von 87 Jahren in Mexiko-Stadt, wo er überwiegend gewohnt hatte. Sowohl der Staatspräsident von Kolumbien als auch der von Mexiko sprachen bei seiner Trauerfeier. Paul Ingendaay: Keine Arbeit ohne Erinnerung, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 28. Mai 2021, Seite 9 (Rezension des Buches seines Sohnes über die Eltern). Man mache sich von der "popstarähnlichen Beliebtheit" Gabos in Lateinamerika schwer einen Begriff. Seinen Nachlass verkauften die Erben an die University of Texas.Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26. November 2014, S. 13. Seit November 2015 steht er Literaturwissenschaftlern offen.dpa-Ticker: Universität Texas eröffnet Archiv: Nachlass von Gabriel García Márquez zugänglich. In: Neue Zürcher Zeitung, 11. November 2015, S. 43. Nach seiner Feuerbestattung wurde ein Teil seiner Asche am 22. Mai 2016 im Claustro de la Merced in Cartagena de Indias bestattet, ein Teil verblieb in Mexiko.https://www.theguardian.com/world/2015/aug/11/gabriel-garcia-marquez-ashes-colombia-exhibit
Der im März 2024 aus dem Nachlass erschienene Roman Wir sehen uns im August ist der einzige, in dem eine Frau die alleinige Hauptfigur ist.Tobias Wenzel: Gabriel García Márquez posthumer Roman „Wir sehen uns im August“. In: BR24, 7. März 2024.
Rezeption mini|Gabriel García Márquez (2009)
Der amerikanische Literaturwissenschaftler Harold Bloom sieht das Schaffen von Márquez vor allem durch William Faulkner und Franz Kafka geprägt. In Hundert Jahre Einsamkeit treten an ihre Stelle möglicherweise Jorge Luis Borges und Alejo Carpentier als literarische Vorbilder.Harold Bloom: Introduction. In: derselbe (Hrsg.): Gabriel Garcia Marquez’s One Hundred Years of Solitude. Chelsea House, Philadelphia 2003, ISBN 0-7910-7046-8, S. 1–4; hier: S. 1.
Ehrungen (Auswahl) 1972: Neustadt International Prize for Literature 1974: Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters 1981: Mitglied der Ehrenlegion 1982: Literatur-Nobelpreis 1988: Literaturpreis der Los Angeles Times
Werke
Verfilmungen Literarische Vorlage 1978: Das Meer der verlorenen Zeit (El mar del tiempo perdido) 1979: Die Witwe des Montiel (La viuda de Montiel) 1982: Die unglaubliche und traurige Geschichte von der unschuldigen Eréndira und ihrer herzlosen Großmutter (La increíble y triste historia de la cándida Eréndira y de su abuela desalmada) (auch Drehbuch) 1986: Chronik eines angekündigten Todes (italienischer Originaltitel Cronaca di una morte annunciata) 1988: Der Sommer mit Frau Forbes (El verano de la Señora Forbes) 1988: Ich bin der, den du suchst... (Yo soy el que tu buscas) 1990: Ein blutroter Morgen (Xuese qing chen) 1999: Keine Post für den Oberst (El coronel no tiene quien le escriba) 2007: Die Liebe in den Zeiten der Cholera (El amor en los tiempos del cólera) 2010: Von der Liebe und anderen Dämonen (Del amor y otros demonios) 2011: Erinnerung an meine traurigen Huren (Memoria de mis putas tristes) 2024: Hundert Jahre Einsamkeit (Cien años de soledad, Fernsehserie)
Drehbuch 1965: Zeit des Sterbens (Tiempo de morir) 1982: Die unglaubliche und traurige Geschichte von der unschuldigen Eréndira und ihrer herzlosen Großmutter (Eréndira) 1982: Die Geiselnahme (¡Viva Sandino!) 1985: Zeit zu sterben (Tiempo de revancha) 1988: Briefe aus dem Park (Cartas del parque) 1988: Das Wunder von Rom (Milagro en Roma) 1988: Die schöne Taubenzüchterin (La fabula della bella palomera) 1988: Ein sehr alter Mann mit großen Flügeln (Un señor muy viejo con unas alas enormes) 1988: Einen Sonntag lang Glück (Un domingo feliz)
García Márquez als Literaturmotiv In Claudia Amenguals Roman Cartagena (2015) nimmt García Márquez eine wichtige Rolle ein.
Literatur (Auswahl) Toro, Alfonso de, „Hacia una tipología de las estructuras temporales en la novela contemporánea: Cien años de soledad, La casa verde y La maison de rendez-vous“, in: Dispositio. Revista Hispánica de Semiótica Literaria. IX, 1984 (24- 26): 19-52. Toro, Alfonso de, „Estructura narrativa y temporal en Cien años de soledad“, in: Revista Iberoamericana de Literatura, 1984 (julio-diciembre) 128-129: 957-978. Toro, Alfonso de: „Cien años de soledad: Linearität und Zirkularität als systemprägende Form der Zeitrelationen“, in: Zeitstruktur im Gegenwartsroman am Beispiel von G. García Márquez, Cien años de soledad, M. Vargas Llosa, La casa verde und A. Robbe-Grillet La maison de rendez-vous. Gunter Narr Verlag: Acta Romanica. Tübingen, 1986, S. 53–95. Toro, Alfonso de, „Cien años de soledad: linearidad y circularidad como sistema dominante de relaciones temporales“, in: Texto-Mensaje-Recipiente, Narr: Acta Romanica, Tübingen, 1988, S. 23–39, ISBN 3-87808-692-X. „Cien años de soledad: linearidad y circularidad como sistema imperante de relaciones temporales o la génesis de un mito“, in: Los laberintos del tiempo. Temporalidad y narración como estrategia textual y lectoral en la novela contemporánea: G. García Márquez, M. Vargas Llosa, J. Rulfo, A. Robbe-Grillet. (Verlag Klaus Dieter Vervuert: Teoría y Crítica de la Cultura y Literatura. vol. 3.), Frankfurt am Main/Madrid, 1992 und 2002, 54-104. (Übersetzung von Zeitstruktur im Gegenwartsroman Tübingen, Narr 1986), ISBN 978-3-89354-203-1. Dagmar Ploetz: Gabriel García Márquez. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1992, ISBN 3-499-50461-8. Hans-Otto Dill: Gabriel García Márquez: Die Erfindung von Macondo. Hamburg: Kovač, 1993, ISBN 3-86064-098-4. Dasso Saldívar: Reise zum Ursprung. Eine Biographie über Gabriel García Márquez. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1998, ISBN 3-462-02751-4.