mini|Elizabeth Woodville Elizabeth Woodville (auch Wydeville; * um 1437 in Grafton Regis, Northamptonshire; † 8. Juni 1492Michael Hicks: Elizabeth Woodville (c.1437–1492). In: Oxford Dictionary of National Biography. Oxford University Press, 2004; Onlineausgabe September 2011. in Bermondsey, Surrey) war als Ehefrau Eduards IV. von 1464 bis 1483 Königin von England, die erste seit der normannischen Eroberung 1066, die im Land selbst geboren war.

Als älteste Tochter von Sir Richard Woodville, später 1. Earl Rivers, und dessen Frau Jacquetta von Luxemburg entstammte sie väterlicherseits einer eher unbedeutenden Familie, mütterlicherseits dem Hochadel. Dies und der Umstand, dass sie verwitwet war, machten ihre heimliche Ehe mit dem König zu einem Skandal. Elizabeth Woodville spielte eine wichtige Rolle in den englischen Rosenkriegen und ist eine der schillerndsten Frauenfiguren der englischen Geschichte.

Zu ihren 12 Kindern gehören die Prinzen im Tower und Elizabeth of York, die mit Heinrich VII., dem ersten König aus dem Haus Tudor, verheiratet war. Über diese Tochter wurde sie zur Großmutter König Heinrichs VIII. sowie zur Urgroßmutter der Monarchen Eduard VI., Maria I. und Elisabeth I. Über ihre Ururenkelin, Maria Stuart ist sie außerdem Vorfahrin der auf die Tudors folgenden Stuart-Könige und letztlich des heutigen Königshauses Windsor.

Frühe Lebensjahre Elizabeth wurde höchstwahrscheinlich um 1437 in Grafton Regis in Northamptonshire geboren. Sie war das erste Kind von Jacquetta von Luxemburg und Richard Woodville, dessen heimliche Heirat für Aufruhr am Königshofe gesorgt hatte. Jacquetta war nämlich von hochadligem Stand und von 1433 bis 1435 mit dem Onkel des englischen Königs – dem Duke of Bedford – verheiratet gewesen, wohingegen Richard im Dienste des Herzogs gestanden war. Wann oder wie genau die Beziehung zwischen Jacquetta und Richard begonnen hatte, ist ungewiss, aber bekannt ist, dass Richard der Krone im März 1437 für seine nicht bewilligte heimliche Heirat eine Geldstrafe von 1000 Pfund zahlen musste. Als der Herzog von Bedford 1435 gestorben war, hatte Jacquetta nämlich ein großzügiges Wittum unter der Bedingung erhalten, dass sie nicht ohne das Einverständnis des Königs wieder heiraten durfte. Sie war zu der Zeit eine der bedeutendsten Frauen Englands und deshalb eine wichtige Partie auf dem Heiratsmarkt, die zu wertvollen Allianzen zwischen England und anderen Ländern führen konnte. Im Oktober 1437 wurden Jacquetta und Richard offiziell begnadigt.

Aufgrund des Quellenmangels ist kaum etwas über Elizabeths Kindheit und Jugend in Grafton bekannt. Ungefähr drei Jahre nach ihrer Geburt kam ihr Bruder, Anthony Woodville, zur Welt. Insgesamt hatte sie dreizehn Geschwister, u. a. Anne, John, Lionel (der später Bischof von Salisbury wurde) und Katherine. Elizabeth und Anne hatten offenbar ein gutes Verhältnis zueinander, weil Anne später zur Hofdame ihrer Schwester ernannt wurde. Schon damals galt Elizabeth in der Nachbarschaft als aufgewecktes, hübsches Mädchen und ihre Herkunft bzw. der Status ihrer Mutter machte sie bei heiratsfähigen Männern zu einer attraktiven Braut.

Erste Ehe Elizabeth heiratete in erster Ehe um 1452 (wobei das Jahr ihrer Hochzeit umstritten ist) Sir John Grey of Groby. Dieser war der älteste Sohn und Erbe von Sir Edward Grey und dessen zweiter Gattin Elizabeth Ferrers, 6. Baroness Ferrers of Groby. Später wurde behauptet, dass Richard Woodville der Zahlung von 200 Mark als Mitgift für seine Tochter Elizabeth zugestimmt habe, wenn diese im Gegenzug von der Seite des Bräutigams ein – drei in den Grafschaften Northamptonshire und Essex gelegene Landgüter umfassendes – Wittum im Wert von nur 100 Mark erhielte. Aus Elizabeths Ehe gingen zwei Söhne, der um 1455 geborene Thomas Grey und der um 1457 geborene Richard Grey, hervor.

Die konfliktreiche Zeit der Rosenkriege sorgte damals in England für viel Blutvergießen und Leid. Als es am 17. Februar 1461 zur erbitterten Zweiten Schlacht von St Albans zwischen den Häusern Lancaster und York kam, wurde Sir John Grey tödlich verletzt, der für die Lancaster-Partei gekämpft hatte. Elizabeth war nun alleinerziehende Witwe und auf Hilfe angewiesen, wenn sie ihren Anspruch auf ihr Wittum und das Erbrecht ihrer Söhne sichern wollte; denn beides wurde ihr von Sir John Greys Mutter nach dessen Tod verwehrt. Lady Ferrers verklagte auch Richard Woodville wegen 125 Mark aus der Mitgift seiner Tochter Elizabeth, die Woodville entweder nicht entrichtet hatte oder für deren Zahlung er keinen Beleg hatte. Elizabeth verlangte offenbar von den Lehnsnehmern ihres Wittums, dass diese es freigaben, doch einer von ihnen weigerte sich. Die Klage Elizabeth vor dem Kanzleigericht auf Herausgabe des Guts konterte ihre Schwiegermutter mit dem Antrag an das Gericht, ihr die Ländereien zu übertragen. Diese mütterliche Not Elizabeths ist Ursprung einer romantischen Legende, die sie in die Arme des schönen York-Königs Eduard IV. treibt und somit zur Wendung ihres Schicksals führt. links|mini|König Edward IV.

Heimliche zweite Ehe mit Eduard IV. Eduard IV. Eduard IV. kam nach seinem Sieg über die Lancaster-Partei in der Schlacht von Towton (29. März 1461) anstelle des bisherigen Königs Henry VI. an die Macht. Er war zum Zeitpunkt seiner Thronbesteigung ein junger, gut aussehender Mann. Zeitgenossen, wie z. B. Philippe de Commines, beschrieben ihn als einen „stattlichen, freundlichen und energischen“ Mann. Er lag mit einer Körpergröße von ca. 1,93 Metern (bzw. „six feet three and a half inches“) über dem Durchschnitt und überzeugte nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch am Hofe. Anders als Henry VI. trug Eduard gerne prunkvolle Kleider und teuren Schmuck – eine Vorliebe, die sein Enkel Henry VIII. mit ihm teilen würde.

Eduard war das komplette Gegenteil vom alten König: jung, hochgewachsen, kämpferisch und energiegeladen konnte er die Engländer im Handumdrehen von seinem Können überzeugen. Aber nicht nur bei den Männern war er beliebt, sondern auch bei den Frauen. Es ist allgemein bekannt, dass Eduard – sowohl vor seiner Ehe mit Elizabeth als auch in den Jahren danach – nicht treu war. Er hatte viele Mätressen.

Eheschließung mini|Die Heirat zwischen Elizabeth und Eduard wie sie in der Anciennes Chroniques d'Angleterre von Jean de Wavrin dargestellt wird. 15. Jahrhundert. Elizabeth wird hier mit dunklem Haar dargestellt. Elizabeths Vater Richard Woodville, der 1448 zum Baron Rivers erhoben worden war, hatte 1461 als Anhänger der Lancaster-Partei an der Schlacht bei Towton teilgenommen, dann aber die Seite gewechselt. Deshalb war er nicht enteignet worden, doch reichte sein Einfluss nicht aus, um seiner Tochter in deren Streit mit ihrer Schwiegermutter helfen zu können. Elizabeth wandte sich daher an William Hastings, 1. Baron Hastings, der ein enger Freund Eduards IV. war und ihr daher Zutritt zum König verschaffen konnte. Hastings nötigte sie aber als Preis für seine Unterstützung, am 13. April 1464 einer Vereinbarung zuzustimmen, der zufolge ihr Sohn Thomas eine noch ungeborene Tochter von Hastings heiraten würde. In dieser Übereinkunft waren noch weitere Hastings begünstigende Klauseln enthalten. Der König sollte das Abkommen am 10. August 1464 bestätigen, doch wurde es bald danach widerrufen.

Die Geschichte von Elizabeths und Eduards erstem Treffen ist zwar weit verbreitet, aber nicht belegt und mutet eher wie eine Legende an. Viele der erzählten Details dürften unhistorisch sein. Nach dieser Erzählung soll Elizabeth mit ihren beiden Söhnen aus erster Ehe unter einer Eiche in einem Wald bei Grafton Regis nahe Stony Stratford in Northamptonshire auf den jungen König gewartet haben. Sie wollte den König bezüglich der Erbangelegenheiten ihrer Söhne um Hilfe bitten und warf sich ihm verzweifelt vor die Füße, als er mit einem kleinen Heer vorbeigeritten kam. Es heißt, dass sie ihn mit ihrer Schönheit so überwältigte, dass er sich in sie verliebte. Berichten zufolge galt Elizabeth als „schönste Frau [...] in ganz Britannien“ mit solch „schweren Lidern wie die eines Drachens“. Ihr Haar war vermutlich blond, wie man auf zeitgenössischen Abbildungen sehen kann, und sie hatte fein gezupfte Augenbrauen und eine sehr hohe Stirn – die Schönheitsmerkmale im 15. Jahrhundert.

In The Chronicles of the White Rose of York steht, dass Eduard in keiner anderen Frau dieselbe „Weiblichkeit, Weisheit und Schönheit“ finden konnte, die Elizabeth ausstrahlte. Er sorgte dafür, dass sie die umstrittenen Landgüter ihres Wittums zurückerhielt. Gemäß der legendären Erzählung wies Elizabeth all seine sexuellen Anträge zurück, die er als Gegenleistung gestellt haben soll, da sie nicht seine Mätresse sein wollte. Eduard war laut Aussage so vernarrt in sie, dass er sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen und sie deshalb heiraten wollte.

Die Hochzeit fand nach der überlieferten Datierung am Morgen des 1. Mai 1464 in Grafton statt. Der englische Mediävist Michael Hicks bezweifelt indessen die Exaktheit dieses Datums. Anwesend waren nur das Brautpaar, Elizabeths Mutter, eine Bedienstete, ein die Hochzeitszeremonie durchführender Priester und ein Junge, der die Lieder sang. Der König und Elizabeth heirateten heimlich gegen den Rat seiner Vertrauten wie dessen Cousin Richard Neville, 16. Earl of Warwick, der gerade eine politische Heirat mit Bona of Savoy, der Schwester der französischen Königin, verhandelte. Neben dem sexuellen Aspekt, dem Eduard hier zu folgen schien, hatte die Heirat auch eine politische Komponente, da die Ehe mit einer Witwe eines Lancaster-Anhängers dem York-König zumindest zeitweise Ruhe verschaffte, wobei die Ehe mit einer Angehörigen aus dem niederen Adel ein Skandal war.

Die Ehe wurde zunächst sorgfältig geheim gehalten. Ein oder zwei Tage nach der Hochzeit schrieb der König, wie es heißt, eine Nachricht an Elizabeths Vater, Lord Rivers, dass er ihn besuchen werde. Diesmal ging er öffentlich nach Grafton und weilte dort als Rivers’ Gast. Um keinen Verdacht zu erregen, brachte er die meiste Zeit mit dem Jagen zu und kam mit Elizabeth nur heimlich und nicht eher zusammen, als bis Elizabeths Mutter überzeugt war, dass die restliche Familie sich zur Ruhe begeben hatte. Nach einem Aufenthalt von vier Tagen reiste er wieder ab.James Gairdner: Elizabeth. In: Dictionary of National Biography. Bd. 17 (1889), S. 196–200, hier: S. 197. Erst als Warwicks Verhandlungen bezüglich Eduards Vermählung mit Bona von Savoyen immer weiter gediehen, machte der König seine Heirat mit Elizabeth auf der im September 1464 zu Reading abgehaltenen Versammlung der Peers öffentlich bekannt. Ein jüngerer Bruder des Königs, George Plantagenet, 1. Duke of Clarence, und der Earl of Warwick missbilligten zwar die Heirat, nahmen aber Elizabeth mit scheinbarer Freundlichkeit an der Hand und stellten sie den Lords vor, von denen sie in Eduards Gegenwart als Königin anerkannt und begrüßt wurde.

Politische Rolle als Königin und Heiratspolitik Auf einer Versammlung in Westminster im Dezember 1464 wurde Elizabeth ein jährliches Einkommen von 4000 Mark bewilligt. Am 23. März 1465 wurde sie feierlich zu Shooter’s Hill eingeholt und nach dem Tower geleitet. Bald danach ließ sie sich, um die Neugier des Volkes zu befriedigen, in einer Sänfte durch die belebtesten Straßen Londons tragen. Am 26. Mai 1465 fand ihre Krönung in der Westminster Abbey statt, bei welcher Gelegenheit eine Woche lang Gelage, Turniere und öffentliche Lustbarkeiten veranstaltet wurden. Philipp H. Külb: Gray (Elisabeth). In: Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. 1. Sektion, 88. Teil (1868), S. 372–375, hier: S. 372 f.